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Memento - Eine Narrationsanalyse

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 43 Pages
Author: Claudia Schnurbus
Subject: Film Science

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 43
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V48127
ISBN (E-book): 978-3-638-44914-4

File size: 1430 KB


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar: Post-klassisches Hollywoodkino

Memento - Eine Narrationsanalyse

von

Claudia Schnurbus

Film- und Fernsehwissenschaft / Theaterwissenschaft / Romanistik

7. Fachsemester

SoSe 2004

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Memento: Plot und Story ... 4
2.1. Organisation und Struktur des Plots  ... 4
2.2. Aufbau und Struktur der einzelnen Szenen  ... 6
2.3. Rekonstruktion der Story ... 6

3. Analyse  ... 9
3.1. Cues und Hypothesen ... 9
3.1.1. Die Anfangsszene  ... 9
3.1.2. Erste Schwarz-Weiß-Szene ... 10
3.1.3. Erste reguläre Szene in Farbe (Szene V)  ... 11
3.1.4. Die letzte Szene (22A)  ... 13
3.2. Kausalität ... 15
3.3. Allgemeine Eigenschaften und Strategien der Narration  ... 16
3.4. Fokalisierung  ... 18
3.4.1. Szene 1 (Erste s/w-Szene)  ... 18
3.4.2. Szene V ... 19
3.4.3. Analyse des Flashbacks in Szene 6 ... 21

4. Die Unzuverlässigkeit Leonards und der implied author  ... 22
4.1. Der Fehler im Autokennzeichen  ... 22
4.2. Das Insert  ... 23
4.3. Leonards Frau ... 24
4.4. Die „I’ve done it“-Tätowierung  ... 26

5. Fazit ... 28

6. Quellenverzeichnis  ... 30

7. Anhang ... 31

 

 

1. Einleitung

- “How can you read that again?“
- “It’s good.”
- “Yeah, but you read it like a thousand times.”
- “I enjoy it.”
- “I always thought the pleasure of a book is in wanting to know what happens next.”

Ein anscheinend unbedeutendes Gespräch zwischen dem Protagonisten Leonard und seiner Frau, und doch könnte es bezeichnender nicht sein für MEMENTO – einen Film, den man nicht sieht, um zu wissen, was als nächstes passiert; einen Film, den man mehr als einmal sehen kann und der trotzdem nicht langweilig wird, einen Film, den man sogar mehr als einmal sehen muss, um ihn gänzlich zu verstehen; mit einem Protagonisten, der sich weder daran erinnern kann, was er gerade getan hat noch was er im nächsten Augenblick vorhatte zu tun. Das Vergnügen an MEMENTO – der faszinierenden Geschichte eines Mannes, der sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat und trotzdem versucht den Mord an seiner Frau zu rächen – besteht im Gegensatz zu einer konventionellen Erzählung gerade darin, wissen zu wollen, was zuvor passiert ist, und das verworrene Puzzle Stück für Stück von hinten nach vorne zusammenzusetzen. Denn diese Geschichte wird – was wohl jedem Zuschauer als Hauptmerkmal des Films in Erinnerung bleibt – rückwärts erzählt.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, diese unkonventionelle Erzählstrategie zu analysieren, sie mit der klassischen Hollywood-Narration zu vergleichen und hierbei entscheidende Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Besonderheiten herauszuarbeiten.

Für die Analyse wird die kognitivistische Theorie und Analysemethode Bordwells bzw. Branigans angewandt. Besonderes Augenmerk soll außerdem auf Phänomene wie Subjektivierung, unzuverlässiges Erzählen und den implizierten Autor (implied author), dessen Präsenz durch den Zuschauer konstruiert wird und der häufig als der „große Bildermacher“ bezeichnet wird, allerdings keine reale Person darstellt, gelegt werden. (Vgl. Branigan 1992, S.94).

2. Memento: Plot und Story

2.1. Organisation und Struktur des Plots

MEMENTO besteht aus zwei verschiedenen Erzählsträngen, die durch ihre stilistische Gestaltung leicht voneinander zu unterscheiden sind. Der eine Strang ist in Farbe gedreht und erzählt Szene für Szene die Geschichte vom Ende bis zum Anfang, läuft sozusagen rückwärts, aber trotzdem linear ab. Der andere Strang wird ausschließlich in Schwarz-Weiß-Bildern erzählt und läuft chronologisch vorwärts ab. Die beiden Stränge sind in einem konsequenten Wechsel – eine Szene in Farbe, eine in schwarz-weiß – miteinander verstrickt. Um dem Zuschauer das Zusammensetzen der Reihenfolge der rückwärts angeordneten Szenen zu erleichtern, überlappen diese leicht. Das heißt, einige Sekunden des Anfangs einer Szene werden am Ende der darauf folgenden Szene wiederholt.

Am Ende des Films treffen sich der schwarz-weiße Strang und der in Farbe an einem Zeitpunkt und verschmelzen ineinander. Der Erzählstrang in schwarz-weiß beschreibt also, was bis zu diesem Zeitpunkt geschehen ist, wohingegen der in Farbe gedrehte Strang Stück für Stück „rückwärts“ all das erzählt, was nach diesem Zeitpunkt geschehen ist. Innerhalb dieser zwei Erzählstränge tauchen zusätzlich Rückblenden auf, die je nachdem ebenfalls entweder in schwarz-weiß oder in Farbe gezeigt werden. Die Rückblenden innerhalb des schwarz-weißen Erzählstrangs beziehen sich auf die Geschichte eines gewissen Sammy Jankis’, während die in Farbe sich auf die Erinnerungen an die Frau des Protagonisten sowie die Tatnacht beziehen.1

Der Strang in Farbe beginnt mit dem Mord an Teddy, der sich als ein vermeintlicher Freund Leonards herausstellt. Wir erfahren, dass Leonard glaubt, Teddy sei der Mörder seiner Frau und derjenige, der ihm die Kopfverletzung zugefügt hat, und ihm somit die Fähigkeit neue Erinnerungen zu speichern genommen hat. Im weiteren Verlauf der Geschichte stellt sich heraus, dass eine gewisse Natalie Leonard dabei geholfen hat, Teddy als den Täter zu entlarven. Teddy hingegen versucht während des ganzen Films Leonard davon zu überzeugen, dass Natalie keine vertrauenswürdige Person sei.

[....]


1 Mit einer Ausnahme: in der letzten Szene (22A) mischen sich kurze Flashbacks in Farbe in die noch schwarz-weißen Aufnahmen.


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