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Autor: Jörn Meiners
Fach: Geowiss. / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Details
Institution/Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Geographie)
Tags: Modelle, Agroforstwirtschaft, Tropen, Geographie, Sektors
Jahr: 1995
Seiten: 18
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 178 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12959-6
Textauszug (computergeneriert)
Modelle nachhaltiger Agroforstwirtschaft in den Tropen
von Jörn Meiners
Gliederung:
I. Einleitung
II. Nutzen der Agroforstwirtschaft
III. Agroforstwirtschaftliche Modelle
III.1. Agrisilviculturelle Systeme
III.1.1. Taungya
III.1.2. Improved fallow-System
III.1.3. Alley cropping
III.1.4. Multistorey homegardens
III.2. Silvopastorale Systeme
III.2.1. Protein banks
III.3. Agrosilvopastorale Systeme
III.3.1. Homegardens involving animals
III.4. Andere Systeme
III.4.1. Bienenzucht mit Bäumen
III.4.2. Aquaforestry
IV. Verbreitung der verschiedenen Agroforstwirtschaftsysteme
V. Beispiel für homegardens und taungya: Die "Forest Villages" in Thailand
VI. Ausblick
VII. Literatur
Referatshandout
I. Einleitung
Am Beispiel Nigeria soll zu Beginn einmal die Lage der tropischen Länder hinsichtlich ihrer Waldbestände und Forstwirtschaftlichen Nutzung dargelegt werden.
Das Ziel der nigerianischen Regierung war es 1919, 25% der Waldfläche zu erhalten. 1951 waren noch 36 Mio. ha Wald (= 39% der Landesfläche) vorhanden. 1990 waren es nur noch 3,9 Mio. ha, was 3,6% der Landesfläche entspricht. Das Waldbausystem in Nigeria arbeitete extrem exploitativ, so daß selbst Aufforstungen nicht verhindern können, daß bis zum Jahr 2000 nur noch 10 - 15% des Nutzholzbedarfes gedeckt werden können. Nigeria, ein ehemals holzreiches Land, importierte 1993 bereits doppelt so viel Holz, wie es exportierte (nach Bruening, S. 582).
Die Lage in den anderen tropischen Ländern ist ganz ähnlich, so daß dringender Handlungsbedarf besteht. Hier versucht die Agroforstwirtschaft mittels nachhaltiger Bewirtschaftung einzuschreiten und zu helfen.
Nachhaltigkeit bedeutet in der Forstwirtschaft die Vorsorge für kommende Generationen, das Gegenteil wäre eine exploitative Nutzung (nach Bruening, S.577).
Die Agroforstwirtschaft, im Deutschen auch mit Baumfeldwirtschaft oder Waldfeldbau bezeichnet, ist eigentlich ein sehr altes Bewirtschaftungssystem. Es wurde in Varianten in Europa im Mittelalter, in den tropischen Teilen Südamerikas und auch in Asien schon seit langem angewendet. Agroforstwitschaft ist nur ein neuer Name für ein "altes" System.
Eine wichtige Rolle bei der Wiederaufnahme der Bemühungen um diese Art der Waldbewirtschaftung spielte das International Development Research Centre (IDRC). Das IDRC hat die Agroforstwirtschaft wieder in das Bewußtsein zurückgerufen, gerade im Hinblick auf die exploitative Nutzung der weltweiten Waldbestände.
Aus dem IDRC ging 1977 das International Council for Research in Agroforestry (ICRAF) hervor, und damit war die Agroforstwirtschaft erstmals fest institutionalisiert. Das ICRAF erhob ab September 1982 Daten über sämtliche Agroforstwirtschaftssysteme, die bekannt waren und bewertete diese. So konnten zum ersten Mal Vergleiche zu anderen Systemen, aber auch Ratschläge zu Verbesserung des Anbaus in den unterschiedlichen Regionen der Erde gegeben werden (nach Nair, S. 3ff.).
Definitionen für agroforstwirtschaftliche Systeme gibt es so viele wie Systeme selbst, es sollten jedoch immer zwei Punkte enthalten sein:
1. Es handelt sich um das bewußte Wachstum von perennierenden Holzpflanzen zusammen mit Ackerpflanzen und/oder Tieren auf demselben Anbaugebiet, entweder in Form von räumlicher Mischung oder zeitlicher Abfolge.
2. Es muß eine bedeutende Wechselwirkung zwischen den Holzpflanzen und den Ackerpflanzen, entweder aus ökologischer und/oder ökonomischer Sicht vorhanden sein.
(nach Nair, S. 17).
Sind nun diese zwei Punkte erfüllt, kann man von einem Agroforstwirtschaftssystem sprechen, das mindestens zwei Outputs hat, dessen Zyklus auf mehr als ein Jahr ausgelegt ist und das auch in einfachster Form ökologisch, wie ökonomisch komplexer ist, als jedes Monokultursystem (nach Nair, S. 18).
II. Nutzen der Agroforstwirtschaft
Bevor auf den Nutzen, den man mit der Hilfe der eingepflanzten Bäume erzielen kann, eingegangen wird, soll zuerst einmal ein Vorurteil abgebaut werden. Das Vorurteil bezieht sich darauf, daß allgemein angenommen wird, Holzpflanzen könnten nicht zusammen mit Feldfrüchten auf dem gleichen Landstück angebaut werden. Das stimmt so nicht. Man muß nur, um einen optimalen Nutzen erzielen zu können, die ökologischen Nischen herausfinden, die die Feldfrüchte nicht besetzt halten. Diese kann man dann mit den Holzbestandteilen des Systems auffüllen und somit einen noch größeren Erfolg haben, als dies ohne die Bäume der Fall wäre (nach Raintree, S. 3).
Raintree unterteilt die Vorteile, die mit den hölzernen Bestandteilen erreicht werden können, in die sogenannten "service roles" und die "production roles".
Die erste Gruppe trägt hauptsächlich zu Nachhaltigkeit, aber auch zur vermehrten Produktion bei. Zu ihr gehören etwa die Steigerung der Produktion organischem Materials, die Beibehaltung oder sogar Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, Erosionsminderung, besonders in Hanglagen, Wasserspeicherung, die Schaffung eines günstigen Mikroklimas für Pflanzen und Tiere und die Bildung von natürlichen Grenzen durch Baumreihen.
Direkt für eine gesteigerte Produktion sind, wie der Name schon sagt, die "production roles" verantwortlich. Es fallen hierunter die Produktion von zusätzlicher Nahrung für den Menschen, Futter für Tiere, Erzeugung von Brennmaterial, oder von Holz, das als Baustoff in anderen Bereichen des ländlichen Lebens verwendet werden kann. Die letzten beiden Aspekte tragen indirekt ebenfalls zur Nachhaltigkeit bei, da die Bauern durch den eigenen Holzanbau weniger Material aus den natürlichen Wäldern entnehmen müssen, um ihren Bedarf zu decken.
Zusammenfassend kann man sagen, Agroforstwirtschaft trägt zu einer Maximierung und Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion bei und spielt eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung der natürlichen Waldbestände (nach Raintree, S. 3).
III. Agroforstwirtschaftliche Modelle
Es sollen nun einige ausgewählte Modelle der Agroforstwirtschaft hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer Bestandteile, ihres Nutzens und ihres Vorkommens vorgestellt werden.
III.1. Agrisivikulturelle Systeme
Es handelt sich hierbei um landwirtschaftliche Nutzungsformen, in denen Feldfrüchte mit Baumbestandteilen kombiniert werden.
III.1.1. Taungya
Das Wort taungya stammt aus dem Burmesischen (taung = Hügel; ya = Feld) und wurde ursprünglich für den Brandrodungs-Wanderfeldbau verwendet. Erst später benutzte man diesen Begriff für den kombinierten land- und forstwirtschaftlichen Anbau (nach Windhorst S. 86).
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