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Details

Veranstaltung: Proseminar: Einführung in den Wissenschaftsschwerpunkt 2 am Beispiel der Kulturwissenschaft
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Kulturwissenschaft)
Tags: Kritische, Theorie, Horkheimer, Theodor, Adorno, Familie, Gesellschaft, Proseminar, Einführung, Wissenschaftsschwerpunkt, Beispiel, Kulturwissenschaft
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 14
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 4  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 89 KB
Archivnummer: V49392
ISBN (E-Book): 978-3-638-45863-4

Textauszug (computergeneriert)

Humboldt Universität - Berlin
Einführungskurs (PS) in den Wissenschaftsschwerpunkt 2 der Gender Studies
am Beispiel der Kulturwissenschaft, WiSe 2004/2005
3. Semester

Kritische Theorie: Max Horkheimer und
Theodor W. Adorno zu Familie und Gesellschaft

von: Katherine Grzelak

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 2

2. Kultur Seite 3

3. Autorität Seite 5

4. Familie Seite 6

4.1 Die Familie als Agentur der Gesellschaft Seite 6
4.2 Reproduktion von autoritären Strukturen Seite 8
4.3 Antagonismus: Familie vs. Gesellschaft Seite 9

5. Die Krise der Familie im gesellschaftlichen Wandel Seite 10

6. Schluss Seite 11

7. Literaturverzeichnis Seite 13
 



 

1. Einleitung

Die Kritische Theorie ist eine in den 1930er Jahren entstandene Richtung der Philosophie, die nach ihrer institutionellen Basis, dem seit 1930 gegründeten Frankfurter Institut für Sozialforschung, häufig auch als Frankfurter Schule bezeichnet wird. Zu ihren Vertretern zählen u.a. Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Erich Fromm und Herbert Marcuse. Sie kamen alle aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen und versuchten gemeinsam, Theorien der Gesellschaft zu entwickeln, die sowohl Ansätze der empirischen Sozialforschung als auch der Psychoanalyse miteinander verknüpfen sollten.

Max Horkheimer entwickelt in seinen Aufsätzen aus dem Buch Kritische und Traditionelle Theorie1 die These, dass Kultur in die Struktur des gesellschaftlichen Gesamtprozesses eingebettet ist. Sie ist eine heterogene Sphäre, die durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren des menschlichen Handelns bestimmt wird. Im Folgenden möchte ich genauer erläutern, inwiefern die Formung des menschlichen Charakters eine wesentliche Grundlage für das menschliche Handeln ist und warum die Familie für die Herausbildung des Charakters und die Gewöhnung an die Gesellschaft verantwortlich ist. Nach Horkheimer ist die Autorität die dynamische Triebkraft, welche das menschliche Handeln und damit den gesellschaftlichen Wandel bestimmt. Theodor W. Adorno vertritt eine ähnliche Auffassung. In seinem Aufsatz Familie in Institut für Sozialforschung. Soziologische Exkurse2 geht er auf verschiedene Phasen der Familienstruktur im historischen Überblick ein und erläutert die Gründe für den Zerfall familialer Strukturen und den kulturellen Wandel.

Mein Anliegen wird sein, zu zeigen, inwiefern das Fortschreiten der Industrialisierung die bis dahin in bürgerlichen Kleinfamilien reproduzierte, autoritäre Familienstruktur zu Stagnation und Rückschritt führte. Anschließend werde ich auf den Antagonismus zwischen Familie und Gesellschaft eingehen: Das irrationale Moment der Blutsverwandschaft der Familie inmitten der stark rationalisierten Tauschgesellschaft. Des weiteren behandle ich die Frage, inwiefern familiäre Strukturen durch gesellschaftlichen Wandel beeinträchtigt werden und welche Prognosen Horkheimer und Adorno für die zukünftige Familie aufstellen. Abschließend möchte ich dem Gedanken nachgehen, was bei Horkheimer und Adorno eventuell zu ergänzen wäre und ob und inwiefern feministische Theoriebildung mit Kritischer Theorie kompatibel ist.

2. Kultur

Um einen umfassenden Kulturbegriff formen zu können, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. In seinem Aufsatz Kultur vertritt Horkheimer die These, dass Kultur nicht als eine den Individuen gegenüber selbständige und übergeordnete Einheit verstanden werden darf, sondern eher „als dynamische Struktur, als abhängige und doch besondere Sphäre im gesellschaftlichen Gesamtprozess“ (MH; S.136). Kultur ist im gesellschaftlichen und historischen Wandel integriert. Ein wichtiges Element für gesellschaftliche Zusammenhänge ist die ökonomische Dynamik einer Gesellschaft. Von ihr hängt di e Lebensform der Menschen ab. Die menschliche Natur und damit auch die geistige Haltung, wird, so Horkheimer, durch die ökonomische Notwendigkeit bestimmter Lebensprozesse geformt. Die Produktionsverhältnisse innerhalb der Kultur beeinflussen die Lebensprozesse und damit den individuellen menschlichen Charakter.

Kultur und gesellschaftliche Entwicklungen lassen sich allerdings nicht ausschließlich auf ihre ökonomischen Gesetzmäßigkeiten zurückführen. Horkheimer betont, wie wichtig es ist, auch die charakterliche Entwicklung jedes einzelnen zu berücksichtigen: „Zum Verständnis des Problems, warum eine Gesellschaft in einer bestimmten Weise funktioniert, warum sie stabil ist oder sich auflöst, gehört daher die Erkenntnis der eweiligen psychischen Verfassung der Menschen in den verschiedenen sozialen Gruppen, das Wissen darum, wie sich ihr Charakter im Zusammenhang mit allen kulturellen Bildungsmächten der Zeit gestaltet hat.“ (MH; S. 130) Um die gesellschaftliche Bedeutung der psychischen Verfassung des Menschen besser zu verstehen, muss man sich einen bestimmten Antagonismus bewusst machen, der die Kultur beherrscht: Einer Gesellschaft sind immer gleichzeitig einander entgegenlaufende Gesetzmäßigkeiten immanent: Einerseits gibt es Gesetzmäßigkeiten, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte ständig wiederholen, wie Arbeitsprozesse, Vorgänge der Fortpflanzung und Konsumtion, Rechtswesen, Verkehrsapparat, etc. Andererseits wirken Tendenzen auf diese Regelmäßigkeiten ein, welche die Stellung der sozialen Klassen oder die Beziehungen zwischen den Lebensbereichen, trotz der Wiederholungen, stetig verändern.

[...]


1 Max Horkheimer: Traditionelle und kritische Theorie. Fünf Aufsätze. Fischer: Franfurt a. M. 1992. (Abkürzung: MH)

2 Institut für Sozialforschung. Soziologische Exkurse. Nach Vorträgen und Diskussionen. Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt, 1956 (Abkürzung: IFS)
 

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