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Scholary Paper (Seminar), 2005, 17 Pages
Author: Doreen Huber
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Bildungsideen, Turmgesellschaft, Johann, Wolfgang, Goethes, Roman, Wilhelm, Meisters, Lehrjahre, Ihre, Praxis, Resultate, Bezug, Hauptfigur, Wilhelm, Meister
Year: 2005
Pages: 17
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 4 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46150-4
ISBN (Book): 978-3-638-86171-7
File size: 219 KB
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Abstract
Die Arbeit untersucht die Funktion der Turmgesellschaft in Johann Wolfgang Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre in Bezug auf deren Bildungsideale und Einflussnahme auf den Protagonisten Wilhelm Meister. Die Turmgesellschaft, dargestellt als eine Art Geheimbund, nimmt im Roman eine Schlüsselrolle als allwissende Instanz an, die bestimmte Bildungsideale vertritt, die hier näher erläutet werden. Im Laufe des Romans wird nicht nur klar, dass die Turmgesellschaft allgegenwärtig am Leben Wilhelms teilnimmt, sondern auch aktiv Impulse zu Wilhelms weiterer Entwicklung gibt. Jedoch bleibt die Turmgesellschaft keine geheime Vereinigung, denn sie entdeckt sich Wilhelm im 8. Buch des Romans und formuliert ihre Bildungsideen klar und versucht nun auch offensichtlich auf Wilhelms Bildung und Entwicklung einzuwirken.
Excerpt (computer-generated)
HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Institut für neuere deutsche Literatur
GK C: Der deutsche Entwicklungsroman im 18. Jahrhundert
WS 04/05
Bildungsideen der Turmgesellschaft in Johann Wolfgang
Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre - Ihre
pädagogische Praxis und deren Resultate in Bezug
auf die Hauptfigur Wilhelm Meister
von: Doreen Huber
Inhaltsverzeichnis
Einleitung S.3
1. Die Turmgesellschaft und ihre Rolle im Roman S.4
2. Die Turmgesellschaft und ihr Bildungsideal: Grundideen ihres Bildungskonzepts S.7
3. Die Funktion der Turmgesellschaft für die Darstellung des Bildungsideals S.11
4. Pädagogische Praxis der Turmgesellschaft und deren Resultate in Bezug auf die Wilhelm Meister-Figur im Roman S.12
Schluss S.14
Literaturverzeichnis S.15
Einleitung
Diese Arbeit untersucht die Funktion der Turmgesellschaft in Johann Wolfgang Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre in Bezug auf deren Bildungsideale und Einflussnahme auf den Protagonisten Wilhelm Meister. Die Turmgesellschaft, dargestellt als eine Art Geheimbund, nimmt im Roman eine Schlüsselrolle als allwissende Instanz an, die bestimmte Bildungsideale vertritt, die hier näher erläutet werden sollen. Im Laufe des Romans wird nicht nur klar, dass die Turmgesellschaft allgegenwärtig am Leben Wilhelms teilnimmt, sondern auch aktiv Impulse zu Wilhelms weiterer Entwicklung gibt. Jedoch bleibt die Turmgesellschaft keine geheime Vereinigung, denn sie entdeckt sich Wilhelm im 8. Buch des Romans und formuliert ihre Bildungsideen klar und versucht nun auch offensichtlich auf Wilhelms Bildung und Entwicklung einzuwirken. Das 1795 erschienene Werk Goethes zählt zu den Bildungsromanen und war mit seinem Thema, der Entwicklungs- und Bildungsgeschichte eines jungen Bürgerlichen gattungsbildend.
Der Begriff des Bildungsromans wurde allerdings erst 1803 von Karl Morgenstern geprägt und später noch von ihm in einigen Aufsätzen zwischen 1817-1820 näher erläutet. Doch erst 100 Jahre später widmet sich der Literaturwissenschaftler Wilhelm Dilthey erneut dem Begriff des Bildungsromans, wie in seinem Werk von 1906 „Das Erlebnis und die Dichtung“ und prägt so endgültig diesen Begriff für die Literaturwissenschaft. Die Einflüsse, die Wilhelm letztlich ausbilden und durch diese der Roman als Bildungsroman zu bezeichnen ist, sind nicht allein der Turmgesellschaft zuzuschreiben. Auch die Frauenfiguren, die in Wilhelms Leben eine große Rolle spielen und die dunklen Gestalten, wie Mingon und der Harfner haben einen großen Einfluss auf die charakterliche Bildung des Protagonisten. Diese Arbeit beschränkt sich im Folgenden aber auf die Einflüsse der Turmgesellschaft und deren Bildungsideale im Roman. Das Thema dieser Arbeit wird in vier Teilen besprochen, die sich folgendermaßen gliedern:
Mit dem ersten Teil soll die Rolle der Turmgesellschaft im Roman beschrieben werden und es soll verdeutlicht werden wieso sich Goethe gerade für eine derartige Instanz zur Bildungsvermittlung entschieden hat. Der zweite Teil meiner Arbeit befasst sich mit dem Bildungsideal der Turmgesellschaft und soll dessen Konzepte und Grundideen herausarbeiten. Der dritte Teil beschreibt die Funktion der Turmgesellschaft, um das Bildungsideal darzustellen und bereitet auf den letzen Teil vor, in welchem ich die pädagogische Praxis und deren Resultate in Bezug auf Wilhelm Meister erläutere.
1. Die Turmgesellschaft und ihre Rolle im Roman.
„Der Roman, so wie er da ist, nähert sich in mehreren Stücken der Epopee, unter andern auch darin, daß er Maschinen hat, die in gewissem Sinne die Götter oder das regierende Schicksal darin vorstellen. Der Gegenstand fordert dieses, Meisters Lehrjahre sind keine bloß blinde Wirkung der Natur, sie sind eine Art von Experiment. Ein verborgen wirkender höherer Verstand, die Mächte des Turms, begleiten ihn mit ihrer Aufmerksamkeit, und ohne die Natur in ihrem freien Gange zu stören, beobachten, leiten sie ihn von ferne und zu einem Zwecke, davon er selbst keine Ahnung hat, noch haben darf.“1 Friedrich Schiller beschreibt hier sehr anschaulich den Eindruck, der sich dem Leser im 8. Buch eröffnet, wenn er von der Existenz und der Einflussnahme einer geheimen Institution, der Turmgesellschaft erfährt. Sogar Wilhelm selbst ist erschüttert und vermutet fortan hinter allen schicksalhaften Begegnungen eine Manipulation der Turmgesellschaft. Diese schwer greifbare Institution ist seit jeher in der Forschung sehr umstritten.
Schiller beschreibt sie wie zitiert als gottähnliche Instanz, die Wilhelms Leben heimlich lenke. Jedoch stellt sich hier die Frage nach der tatsächlichen Einflussnahme, die im Roman selbst nicht deutlich wird. Eher sollte man das Auftreten der Mitglieder der Turmgesellschaft als eine Art Besuch in Wilhelms Leben betrachten, denn von direkter Einflussnahme auf das Leben Willhelms kann man nicht sprechen. Betrachtet man den Roman rückwirkend, nachdem sich die Mitglieder der Turmgesellschaft Wilhelm und somit auch dem Leser offenbarten, so stellt man fest, dass sich nach den jeweiligen Begegnungen zunächst für Wilhelm nichts ändert.
[...]
1 Goethe, Johann Wolfgang von: Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens (Hg. v. Karl Richter u.a.) München, S. 203
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