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Autor: Jürgen Schreiber
Fach: Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350 - 1600)
Details
Tags: Offenbarung, Atheismus, Begriff, Identität, Problem, Unsterblichkeit, Seele, Kontext, Philosophie, David, Humes
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 305 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46249-5
Die Arbeit umfasst sowohl allgemeine Erläuterungen zur Erkenntnistheorie David Humes und des Empirismus im allgemeinen, als auch Aspekte zu konkreten religionsphilosophischen Positionen Humes
Textauszug (computergeneriert)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Philosophisches Institut
SoSe 2004
Die Offenbarung des Atheismus. Der Begriff der persönlichen
Identität und das Problem der Unsterblichkeit der Seele
im Kontext der Philosophie David Humes
von: Jürgen Schreiber
1 Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung 3
3 Erkenntnistheoretische Grundzüge 3
3.1 Erfahrung als Erkenntnisprinzip – Empirismus und Sensualismus 3
3.2 Impressionen und Ideen – Epistemologische Grundkategorien bei David Hume 5
3.3 Naturgeschehen als Vorstellung – Das Kausalitätsprinzip bei David Hume 7
4 Humes Definition der Seele und das Problem ihrer Unsterblichkeit 9
4.1 Das „Ich“ als Assoziations-bedingte Vorstellung – Der Begriff der persönlichen Identität bei David Hume 9
4.2 Offenbarungsglaube eines Agnostikers oder radikaler Atheismus? – Humes Überlegungen zur Unsterblichkeit der Seele 13
4.2.1 Metaphysische Argumente zur Unsterblichkeit der Seele 13
4.2.2 Moralische Argumente zur Unsterblichkeit der Seele 17
4.2.3 Physische Argumente zur Unsterblichkeit der Seele 20
5 Schluss 22
6 Literaturverzeichnis 24
2 Einleitung
„Seien wir noch glücklicher, wenn wir [...] die Grundlagen einer abstrusen Philosophie, die bisher offenbar nur dem Aberglauben als Schutz und Widersinn und Irrtum als Deckmantel gedient hat, untergraben können!“1
In diesen leidenschaftlichen Worten formulierte der Philosoph David Hume seine grundsätzliche Ablehnung traditioneller Metaphysik. Als Vertreter einer radikalen und fundamental verstandenen Erkenntnistheorie deutete Hume die klassischen wie auch viele neuzeitliche Lehren der Metaphysik, fernab jeder Überprüfbarkeit, als bloße Spekulation. Humes Kritik galt vor allem Überlegungen zum Wesen der Dinge im allgemeinen wie auch zu den Ideen Gottes, der persönlichen Identität und der seelischen Unsterblichkeit im besonderen. Insbesondere die Haltung Humes zu den beiden letzteren Aspekten soll Gegenstand der hier folgenden Darstellung und Erörterung sein. In diesem Zusammenhang scheinen Humes Antworten auf einige Fragen von großem Interesse: Wie lässt sich der Begriff der persönlichen Identität, wie der Begriff der menschlichen Seele definieren? Inwieweit ist eine Erkenntnis ihrer behaupteten Unsterblichkeit möglich? Oder ist es vielmehr ihre Sterblichkeit, die wir mithilfe des Verstandes ergründen können? In seinen Abhandlungen Von der persönlichen Identität und Über die Unsterblichkeit der Seele sind die für die hier formulierten Probleme relevanten Voraussetzungen und Folgerungen Humes in expliziter Weise nachvollziehbar. Abschließend stellt sich darüber hinaus auch die Frage nach einer agnostischen oder atheistischen Haltung Humes. Vorausgehend scheint eine kurze Darstellung der erkenntnistheoretischen Grundzüge in der Philosophie Humes zudem sinnvoll, da die fundamentale Bedeutung der dort definierten Voraussetzungen für die systematische Einordnung oder auch Extravaganz der Problem-bezogenen Aspekte zur Personenidentität und Unsterblichkeit der Seele außerordentlich hilfreich sein dürfte. Weitere verwendete Literatur findet sich im Anhang.
3 Erkenntnistheoretische Grundzüge
3.1 Erfahrung als Erkenntnisprinzip – Empirismus und Sensualismus
Im philosophiegeschichtlichen Kontext betrachtet, erscheint David Hume als herausragender Vertreter des britischen Empirismus. Vor allem in der Auseinandersetzung mit dem wirkungsmächtigen Rationalismus cartesianischer Prägung profilierte sich der Empirismus während des 17. und 18. Jahrhunderts als revolutionäre Aufklärungsphilosophie und markierte eine philosophiegeschichtliche Zäsur, die bis in unsere Zeit hinein nachwirkt.2 Systematisch konzipiert und damit an theoretischer wie praktischer Philosophie interessiert, bildet die Erkenntnistheorie das disziplinäre Fundament und Zentrum der empiristischen Schule. Im Gegensatz zum Rationalismus bezweifelten Empiristen einen Primat des Verstandes im Erkenntnisprozess und lehnten die These apriorischer Ideen als Ausgangspunkt einer axiomatisch-deduktiven Erkenntnisweise ab. Stattdessen beschrieben sie den menschlichen Geist zu Beginn seiner Tätigkeit als Tabula rasa und Erkenntnis als eine sukzessive Anhäufung persönlicher Erfahrungen. In der Konsequenz dieser Annahme erscheint der Gegenstand des Wissens nicht mehr endlich und das Wissen damit total, sondern Erkenntnis als permanenter und nicht zu vollendender Akt; Wahrheit schließlich nicht mehr als ewig.3
Grundlage der empiristischen Sichtweise ist ein sensualistischer Erfahrungs-Begriff. Ausgangspunkt aller menschlichen Erkenntnis ist demnach die sinnliche Wahrnehmung der Außenwelt, der die innere Wahrnehmung, d.h. die geistige Verarbeitung der Sinneseindrücke zu Vorstellungen und deren Speicherung im Gedächtnis folgt. Die Katalysatoren in diesem dualen Prozess menschlicher Erkenntnis bezeichnete „der eigentliche Gründer“4 des Empirismus, John Locke als sensation und reflection. Grundkategorien des menschlichen Denkens sind die ideas, die sich wiederum in einfache und zusammengesetzte Vorstellungen einteilen lassen. Dabei ist festzuhalten, dass die Ideen im empiristischen Sinne zwar durch Einwirkung der außenweltlichen Objekte und ihrer Eigenschaften auf die Sinne im menschlichen Geist entstehen, mit diesen Eigenschaften aber nicht identisch sind.5 Die philosophiegeschichtlichen Konsequenzen dieser Erklärung waren gravierend: In der Folge der empiristischen Prämissen vollzog sich ein „radikaler Bruch mit der Tradition der platonisch-aristotelischen Metaphysik“6. Denn, wenn Wahrnehmung der Grund aller Erkenntnis ist, die Eigenschaften eines Gegenstandes an sich aber nicht wahrzunehmen sind, ist das eigentliche Wesen dieses Gege nstandes für den Menschen nicht zu ergründen. Der traditionelle Substanz- Begriff erfährt in dieser Lesart eine scharfe Kritik und wird durch die empiristische Vorstellung eines Bündels von Ideen ersetzt. In letzter Konsequenz wird die Substanz als objektiv existente Kategorie der Außenwelt durch die ausschließlich subjektive Empfindung ihrer komplexen Vorstellung abgelöst.7
[...]
1 Hume, David, Ein Traktat über die menschliche Natur, 2. Aufl., Hamburg 1973, I, S. 30.
2 Eine konsequente Weiterentwicklung des klassischen Empirismus findet sich z.B. in der kritischrationalistischen Wissenschaftstheorie Karl R. Poppers. Vgl. hierzu: Röd, Wolfgang, Die Philosophie der Neuzeit 2, Von Newton bis Rousseau (Geschichte der Philosophie Bd. 8), München 1984, S. 324f.
3 Vgl. Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie Bd. II, Neuzeit und Gegenwart, 12. Aufl., Freiburg i.Br. 1980, S. 97ff., 188. Die Auffassung des menschlichen Bewusstseins als tabula rasa geht auf John Locke zurück. Vgl. hierzu: Vorländer, Karl, Philosophie der Neuzeit, Die Aufklärung, Geschichte der Philosophie V, Reinbek bei Hamburg 1974, S. 13.
4 Hirschberger, Philosophie, S. 223.
5 Vgl. ebd., S. 202ff.; Hume, Traktat, I, S. 296f.
6 Hirschberger, Philosophie, S.188.
7 Vgl. ebd., S. 234. Zur radikalen Ablehnung der traditionellen Substanzauffassung vgl. Hume, Traktat, I, S. 27ff.; Röd, Philosophie der Neuzeit, S. 318ff.
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