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Scholary Paper (Seminar), 2002, 23 Pages
Author: Jürgen Schreiber
Subject: History - Non-German
Details
Tags: Osmanische, Reich, Jahrhundert
Year: 2002
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-46253-2
File size: 264 KB
Die Arbeit befasst sich mit Niedergang und Entwicklung des Osmanischen Reichs vor und während des Imperialismus und 1. Weltkriegs sowie den historischen Ursachen dieses Niedergangs vor und während des 19. Jahrhunderts
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Excerpt (computer-generated)
Das Osmanische Reich im 19./20. Jahrhundert
von: Jürgen Schreiber
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Vorbetrachtung 4
2.1 Dekadenz und Stagnation– Das Osmanische Reich am Vorabend des 19. Jahrhunderts 4
2.2 Aufklärung, Industrialisierung und Imperialismus – Europas Aufstieg zur Weltmacht 5
3 Das Jahrhundert der Reformen (Das Osmanische Reich im 19./20. Jh.) 7
3.1 Selim III. und Mahmud II. – Die Wegbereiter der Reform-Ära 7
3.2 „Tanzimat-i hayriye“ – Das Osmanische Reich zwischen Reform und Penetration 10
3.3 Abdülhamit II. – Reformer und Autokrat 14
3.4 Von den Jungtürken zu Atatürk– Das Ende des Osmanischen Reichs und die Ausrufung der türkischen Republik 17
4 Schlußbetrachtung 20
5 Quellen- und Literaturverzeichnis 22
1 Einleitung
„Ich bemerkte im besonderen überall sichere Anzeichen für den Verfall des Türkischen Reiches. [...] Die Türkei war im Dahinsiechen, und nur das Operationsmesser hätte ihr die Gesundheit wiedergeben können.“1
In diesen Worten beschrieb der britische Offizier und Schriftsteller Thomas Edward Lawrence ein Phänomen, das für Europa, Asien und Afrika gleichermaßen einen historischen Wendepunkt ankündigte: War das Osmanische Reich über Jahrhunderte hinweg eine Weltmacht gewesen, die in das politische Gleichgewicht all dieser Kontinente fest eingefügt war, so bedeutete sein Niedergang den Beginn des weltpolitischen Aufstiegs Europas und der westlichen Welt. Damit hatte vordergründig das abendländische Christentum über den Islam des Orients gesiegt. Doch auch wenn diese Kreuzzugs-Mentalität längst aus den Lehrbüchern europäischer Expansionspolitiker verbannt war, so hat sich der religiös-kulturelle Gegensatz bis in die Gegenwart erhalten. Seine vielgestaltige Präsenz offenbart sich heute, in der Vulgarität rechtslastiger Stammtisch-Parolen genauso wie in der subtileren Form unterschwelliger Ressentiments, in den ideologisch verbrämten Multikultur-Theorien der politischen Linken gleichermaßen wie in der engagierten Neugierde einzelner Vereine und Kirchengemeinden. Allzu oft wird diese Debatte noch mit jenem historischen Halbwissen geführt, das den Islam und seine machtvollste politische Erscheinung, das Osmanische Reich, irgendwo im verklärenden Dunst von Tausendundeiner Nacht und mittelalterlichem Obskurantismus wähnt. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick auf das Vergangene; nach wie vor prägen die Ursachen und Folgen des osmanischen Untergangs die aktuelle Weltpolitik. Diese Entwicklung, die mit der Ausrufung der Türkischen Republik 1923 ihr dramatisches Finale gefunden hat, war ein lange währender Prozeß. Gerade die Agonie der letzten knapp anderthalb Jahrhunderte scheint geeignet, einige forschungsrelevante Fragen zu beantworten: warum mußte das Weltreich untergehen? Wäre die Katastrophe abzuwenden gewesen und wenn ja, wie hätte das „Operationsmesser“ aussehen müssen? Welche Rolle spielte die weltpolitische Lage? Diese Fragen finden in der Forschungsliteratur zahlreiche Antworten, wobei sich die Diskussion hauptsächlich an der unterschiedlichen Gewichtung einzelner Ursachen orientiert, nicht aber an deren grundsätzlicher Wirkung. Um diese Positionen mit- und gegeneinander abzuwägen, basiert die vorliege nde Arbeit auf Josef Matuz‘ Das Osmanische Reich, Reinhard Schulzes Geschichte der islamischen Welt, Albert Houranis und Ulrich Haarmanns Werken über die Arabische Geschichte, sowie G.E. von Grunebaums Islam. Ergänzende Erkenntnisse zu den weltpolitischen Rahmenbedingungen verdanken sich außerdem Wolfgang J. Mommsens Zeitalter des Imperialismus. Weitere in dieser Arbeit verwendete Literatur findet sich im Anhang. T.E. Lawrence Sieben Säulen der Weisheit bietet als einzige verarbeitete Quelle darüber hinaus einen spezifischen Einblick in die Perspektiven von europäischem Imperialismus und arabischem Widerstand, soll aber hier nur als Ergänzung verstanden werden. Zusammenfassend formuliert, lautet die Fragestellung dieser Arbeit: Welche innenpolitischen Ursachen hatte der Zerfall des Osmanischen Reiches, welche Reformmaßnahmen wurden ergriffen, welche Rolle spielte der europäische Imperialismus, und ist die moderne Türkei zufälliges Produkt oder logische Konsequenz einer Jahrhunderte andauernden Entwicklung? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, scheint eine weitgehend chronologische Gliederung geeignet, da der Zerfall und die in ihm wirkenden Kräfte erst im Gesamtzusammenhang greifbar werden. Eine kurze Darstellung der politischen Rahmenbedingungen soll vorangestellt die Wechselwirkung von innerer Rückständigkeit und wachsendem äußeren Druck verdeutlichen.
2 Vorbetrachtung
2.1 Dekadenz und Stagnation– Das Osmanische Reich am Vorabend des 19. Jahrhunderts
Mit dem Schicksal des Osmanischen Reichs verbindet sich in der Geschichtsschreibung ein allzu bekanntes Phänomen: Aufstieg und Blüte folgt in geradezu fatalistisch anmutender Zwangsläufigkeit der Niedergang. Nur selten ist die Phase größter Macht dabei von Dauer. Dabei vollzieht sich diese Entwicklung zu Beginn für die Zeitgenossen unmerklich. Erst der teleologische Blick einer kausal forschenden Wissenschaft wie der Geschichte erkennt solch ein Schema. In diesem konkreten Falle folgten einigen Jahrzehnten im Zenit mehr als dreieinhalb Jahrhunderte des Zerfalls.
Aus europäischer Sicht verbindet sich mit der Ära Süleymans des Prächtigen der Höhepunkt osmanischer Macht2; mit seinem Tode zugleich der Beginn des Niedergangs.3 Wirklich sichtbar wurde die nun einsetzende Entwicklung allerdings erst im 17. Jahrhundert: Mit dem Rückzug der Sultane in den Harem wuchs dessen Einfluß. Politisch entmündigt wurden die osmanischen Herrscher bald zu Marionetten der konkurrierenden Parteien in Palast und Militär. Von macchiavellistischer Staatsraison weit entfernt, überließen sie die Führung ihres Reiches politischen Amateuren. Erstmals begannen nun auch die Janitscharen ihre politischen Ansprüche anzudeuten, was dem Reich, wie später noch zu zeigen sein wird, zum Verhängnis werden sollte.4 Politisches Intrigenspiel und Konkurrenz verhinderten so allerdings nicht nur eine sorgsame Bewältigung der Gegenwart, sondern begründeten auch die zukünftige Schwäche des osmanischen Reichs: Während Europa sich entwickelte, begannen im Innern der Weltmacht Führungsschwäche und Konservatismus, jegliche Dynamik zu lähmen. Bisher war es üblich gewesen, wirtschaftliche Expansion mit geographischer zu verknüpfen. Strukturelle Veränderungen, wie sie nun, besonders nach dem Ausbleiben von Eroberungen, nötig wurden, waren den Herrschenden jedoch fremd5.
[...]
1 Lawrence, T.E., Die sieben Säulen der Weisheit,, München 1963, S.29.
2 Dies scheint im Hinblick auf andere vergleichbare Sultane nicht immer gerechtfertigt, siehe Matuz, Josef, Das Osmanische Reich, Grundlinien seiner Geschichte, 3. Aufl., Darmstadt 1996, S.129.
3 Süleyman herrschte von 1520 bis 1566.
4 Ebd., S.169f.; von Grunebaum, G.E.[Hrsg.], Der Islam II, Die islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel, Frankfurt a.M. 1971, S.101f.
5 Der Feudalismus überlebte (in veränderter Form) bis zum Ende des Osmanischen Reiches, siehe Keskin, Hakki, Die Türkei, Vom Osmanischen Reich zum Nationalstaat, Werdegang einer Unterentwicklung, Berlin 1978, S.15.
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