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Hauptseminararbeit, 2005, 24 Seiten
Autor: Hannah Schelter
Fach: Geschichte - Geschichtstheorie
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Tags: Ernst, Bloch, Ungleichzeitigkeit, Zeit, Zeitempfinden
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-46332-4
Dateigröße: 321 KB
Einführung in und Ausblick von der Blochschen Kategorie der Ungleichzeitigkeit. Werkimmanente Betrachtung der Dialektik nach "Erbschaft dieser Zeit" 1935.
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Ernst Bloch: Ungleichzeitigkeit
von: Hannah Schelter
Inhalt
I Einleitung 3
II Allgemeine Erläuterung 4
2.1 Werkimmanenter Kontext 4
2.2 Begriff 5
2.3 Ausdrucksformen von Ungleichzeitigkeit 6
III Ungleichzeitigkeit und Widerspruch 7
3. 1 Dialektik 7
3. 2 Ungleichzeitiger Widerspruch 8
3. 3 Gleichzeitiger Widerspruch 9
3. 4 Objektiver Widerspruch 9
3. 5 Irratio 10
3. 6 Die Ungleichzeitigen 12
3. 7 (Un-/echte) Gleichzeitigkeit und Übergleichzeitigkeit 16
IV Ungleichzeitigkeit und Propaganda 16
V Kreisende Zeit und das Problem des Fortschritts 18
VI Schluss 22
VII Literatur 24
I Einleitung
Ernst Bloch untersucht in seiner 1935 in Zürich erschienen Essaysammlung „Erbschaft dieser Zeit“ die Gründe für den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland. Es ist eines der ersten im Exil veröffentlichten Bücher, welche sich explizit damit auseinandersetzen. Er sucht in einer mehrschichtigen Dialektik, in deren Zentrum die Kategorie der Ungleichzeitigkeit steht, nach einer Erklärung für den fulminanten Sieg der Nationalsozialisten in Deutschland, die Zerschlagung der Linken und der Arbeiterbewegung, die über die Schwächen des Versailler Vertrags, die Weltwirtschaftskrise und auch über die Sozialfaschismusthese hinausgeht – besonders im Hinblick auf die Motive und Antriebe, die kulturellen und gesellschaftlichen Verwerfungen der Weimarer Zeit, die den Faschismus zum „schiefen Statthalter der Revolution“ 1 machen konnten. Zunächst begründet er dies mit dem besonders in den Mittelschichten vorhandenen Hang zum Irrationalen, welcher sich wiederum ableitet aus den „ungleichzeitig“ zueinander situierten gesellschaftlichen Verhältnissen. Weiter fordert er in seiner Analyse ein Überdenken der Strategien der linken Parteien im Kampf gegen den Faschismus und ein Umdenken im Bereich der politischen Kommunikation – „Erbschaft dieser Zeit“ ist nicht nur eine Faschismustheorie oder –kritik, sondern auch eine Kritik an der marxistischen Theorie und Praxis.
Ziel dieser Arbeit ist im Rahmen des Seminarthemas, das Blochsche Konzept der „Ungleichzeitigkeit“ besonders in Bezug auf eine mögliche Wahrnehmung von Zeit oder eben Nicht-Wahrnehmung im historischen Kontext und die daraus resultierenden Vorstellungen von Fortschritt in der Geschichte, besonders im Hinblick auf den historische n Materialismus, aufzuschlüsseln. Literatur zum frühen Ernst Bloch ist im Gegensatz zu Abhandlungen zu seinem Spätwerk eher spärlich vorhanden. Im Allgemeinen beschäftigt sie sich mit dem Philosophen Bloch, und Pathos und Poetik seiner Sprache erleichtern die Auseinandersetzung mit ihm nicht. Diese Arbeit versucht besonders unter Zuhilfenahme von Beat Ditschy und Oskar Negt, „Erbschaft dieser Zeit“ vor dem Hintergrund eines geschichtswissenschaftlichen Seminars fruchtbar zu machen.
II Allgemeine Erläuterung
2.1 Werkimmanenter Kontext
Bloch unterscheidet methodisch drei kulturelle Verhaltensweisen des Bürgertums, welchen er grob die sozialen Schichten zuordnet. Diese Systematik liegt dem Aufbau des Buches zu Grunde: „Erster Teil. Angestellte und Zerstreuung“ analysiert die „Proletarisierung“ der Angestellten, welche sich noch immer als „bürgerliche Mitte“2 fühlen, in der Phase von 1924 bis 1929 und die „Zerstreuung“ ihrer gesellschaftlichen Ängste auf der „bunte(n) Jahrmarktstraße“3 durch die Freizeitindus trie und die neuen Medien; „Zweiter Teil. Ungleichzeitigkeit und Berauschung“ thematisiert die faschistische Berauschung der Kleinbürger und Bauern und die Überformung der Ideologie der gesellschaftlich absteigenden Schichten durch den Faschismus; die Wendung von Zerstreuung zu Berauschung setzt Bloch in den Jahren 1927 bis 19294 an, wobei das Jahr 1929 als letztendliche Zäsur betrachtet wird; „Dritter Teil. Großbürgertum, Sachlichkeit und Montage“ behandelt die Funktionalisierung der nationalsozialistischen Bewegung durch den „oberen Fascismus“ des Großkapitals5. Die besonders im zweiten Teil behandelte „Ungleichzeitigkeit“ bildet das Zentrum des Werkes; der Begriff verweist auf das Nebeneinander von verschiedenen Zeiten im selben „Jetzt“ und meint nicht individuelle Rückständigkeit: im Fortbestehen des Früheren (also nicht wirklich vergangenen) sind auch ungewordene Zukunft und unverwirklichte Utopien enthalten.
Die Abfolge hat „Dokumentarfilmcharakter“6; „Erbschaft dieser Zeit“ verfolgt die Geschichte in ihrer natürlich pluralen Bedeutung, stellt in szenischer Abfolge und anhand einzelner Geschichten das „stäubende Zerfalls-Bürgertum, und zwar in Schichten und Zeiten hintereinander“7 dar. Die Argumentationsstruktur des Werkes verweist auf zwei scheinbar polare Entwicklungsprozesse, die in Deutschland „am explosivsten, weil in ihren entfaltetsten Formen“ 8 aufeinandertreffen: „Die hauptsächlich von der Arbeiterklasse getragene revolutionäre Emanzipationsrichtung der Gesellschaft und der aus ungleichzeitigen Widersprüchen gewachsenen Faschismus“9. Die Polarität dieser Prozesse wird von Bloch durch die objektive Hervorhebung ihrer Überschneidungen nahezu unkenntlich gemacht – ein Vorgang und ein Resultat, welche subjektiv moralisch schlecht verträglich sein können, sowohl für den marxistischen Zeitgenossen, wie auch für den heutigen, die Arbeiterbewegung stets leicht romantisierenden Leser. Bloch nennt seinen Standpunkt marxistisch – die Frage nach dem Verhältnis der Kategorie „Ungleichzeitigkeit“ zur marxistischen Theoriebildung muss einen Platz einnehmen, kann aber nur partiell erfolgen.
2.2 Begriff
[...]
1 Bloch, Ernst, Gesamtausgabe, 16 Bände und ein Ergänzungsband, Frankfurt/Main 1959-1978 (Band 4, Erbschaft dieser Zeit. Erweiterte Ausgabe, 1962), S. 164.
2 GA 4, S. 33.
3 GA 4, S. 34.
4 GA 4, S. 213.
5 Korngiebel, Wilfried, Bloch und die Zeichen, Symboltheorie, kulturelle Gegenhegemonie und philosophischer Interdiskurs, Würzburg 1999, S. 149.
6 Dietschy, Beat, Gebrochene Gegenwart, Ernst Bloch, Ungleichzeitigkeit und das Geschichtsbild der Moderne, Frankfurt/Main 1988, S. 176.
7 GA 4, S. 18.
8 Negt, Oskar, Erbschaft aus Ungleichzeitigk eit und das Problem der Propaganda, In: Ernst Bloch zum 90. Geburtstag: Es muß nicht immer Marmor sein, Erbschaft aus Ungleichzeitigkeit, Berlin 1975, S. 11.
9 Ebd., S. 11.
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