Autor: Robert Ludwig
Fach: Buchwissenschaft
Details
Jahr: 2004
Seiten: 26
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 905 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-46334-8
Textauszug (computergeneriert)
Bücher an die Front –
Die Büchersammlungen für die Frontsoldaten
von: Robert Ludwig
Inhalt
1. EINLEITUNG 3
2. BÜCHER AN DIE FRONT 5
Die Erfahrungen des ersten Weltkrieges 5
Warum Soldaten Bücher brauchen 6
3. VORBEREITUNG UND WERBUNG FÜR DIE SAMMLUNGEN 8
Die Werbemittel 8
Die ideologische Werbung für die Bücherammlungen 9
Eine Aufforderung zur Spende von Sachbüchern 11
4. DURCHFÜHRUNG DER SAMMLUNGEN 12
Die Sammlungen im Rahmen des Winterhilfswerks 12
Ehrenamtliche Helfer und Transportmittel 13
5. DAS SICHTEN UND AUSSORTIEREN DER SPENDEN 15
6. DIE SAMMLUNGEN IN ZAHLEN 18
43,5 Millionen Bücher in fünf Kriegsjahren 18
Die Sammelergebnisse nach Jahren geordnet 18
Wenige nationalsozialistische Schriften unter den Spenden 20
Gründe für die gleich bleibende Quantität und steigende Qualität 21
7. SCHLUSS 23
8. QUELL- UND LITERATURVERZEICHNIS 25
1. Einleitung
Im Dritten Reich musste das Buch nicht nur als Träger für nationalsozialistisches Gedankengut herhalten und war nicht nur Ziel blinder Vernichtungswut, sondern hatte für die Nationalsozialisten noch einen weiteren Zweck in ihrer Machtpolitik zu erfüllen. Dieser war die Versorgung der Frontsoldaten mit Lesestoff, um die Moral und letztlich die Kampfmoral zu stärken.
Um ihr Vorhaben zu realisieren, wurden gewaltige Anstrengungen unter Beteiligung vieler Institutionen und mit tausenden von Helfern unternommen. Es kann durchaus von einer Versorgungsmaschinerie gesprochen werden, die alljährlich im gesamten Reichsgebiet in Gang gesetzt wurde. Dabei blieb keine Ressource ungenutzt, keiner konnte sich der Sache entziehen, alle waren in Kenntnis gesetzt und in irgendeiner Form davon berührt. Es ist die Rede von über 40 Millionen Bücher die vom Volk gespendet, von ehrenamtlichen Helfern und nationalsozialistischen Institutionen, wie z.B. die Hitlerjugend, gesammelt und sortiert und schließlich von der Leitung der Wehrmacht den Soldaten zugeführt wurden. Es war dies eine Massenorganisation, in seiner Größe und Wirkung durchaus vergleichbar mit anderen nationalsozialistischen Großveranstaltungen. Den Nationalsozialisten war nicht nur daran gelegen, ihren Soldaten die Langeweile mit Büchern zu vertreiben, sondern sie nutzten die Büchersammlungen im Rahmen des Kriegs-Winterhilfswerks zugleich als Propaganda und Volksmobilisierung.
Erstaunlicherweise ist heute von diesen Aktionen der Nationalsozialisten kaum noch etwas bekannt, was auch der Forschungsstand widerspiegelt. Nur an wenigen Stellen der gegenwärtigen Forschungsliteratur findet das Thema Erwähnung, eine eigenständige Arbeit darüber gibt es nicht. Die gründlichste Bearbeitung findet sich in Jan Pieter Barbians Buch „Literaturpolitik im `Dritten Reich´“1, in welchem er den Büchersammlungen der NSDAP ungefähr eine Seite widmet. Des Weiteren gibt es noch eine Bearbeitung in der Monographie „Von der öffentlichen Volksbücherei zur Stadtbibliothek“ von Carten Pollnick.2
Wegen der dürftigen Forschungsliteratur wurde diese Arbeit fast ausschließlich durch Auswerten der Quellen aus der Zeit von 1939 bis 1945 erstellt. Dabei lagen nur gedruckte Aufsätze vor, die von den Nationalsozialisten selbst verfasst wurden und damit den von der Forschung geforderten Anspruch der Objektivität nicht erfüllen können. Als Ausgleich wurde hier das Ziel angestrebt, möglichst kritisch und an einigen Stellen auch spekulativ mit dem Quellmaterial umzugehen, und so die Ansatzpunkte einer weitergehenden Forschung anzudeuten. An manchen Stellen dieser Hausarbeit ist neben der Quantität der Bücher auch von Qualität die Rede, was sich immer auf den Inhalt bezieht, und im Sinne der Nationalsozialisten gemeint ist. Daß deren Wertemaßstab mehr als fragwürdig ist, muß eigentlich nicht extra betont werden.
2. Bücher an die Front
Die Erfahrungen des ersten Weltkrieges
Zunächst überrascht die Vorstellung, daß Soldaten an der Front das Bedürfnis zu lesen hatten und daß sie überhaupt Zeit und Muße dafür fanden. Ist doch das Bild, welches von den modernen Medien bezüglich des deutschen Wehrmachtssoldaten vermittelt wird, das eines ständig kämpfenden, nie zur Ruhe kommenden, stets um irgendwelche strategisch wichtigen Terrains ringenden Mannes. Dieses Bild entsteht vielleicht deshalb, weil in Filmen und Reportagen tatsächlich nur die „action-reichen“ und entscheidenden Kämpfe der letzten Kriegsjahre geschildert werden. Ein lesender Soldat im Schützengraben oder im Bunker, der die Schrecknisse des Krieges um sich herum vergisst, passt schlecht in dieses Bild.
Als Reichsführer Rosenberg wenige Wochen nach Kriegsbeginn, am 11.10.1939, eine groß angelegte Büchersammlung initiierte, reagierte er schon vorzeitig auf die kommenden Bedürfnisse der Soldaten nach Büchern. Er baute hierbei auf die im Ersten Weltkrieg gemachten Erfahrungen, wie eine Dissertation von Dr. Inge Ehringhaus mit dem Titel „Die Lektüre unserer Frontsoldaten im Weltkrieg“ von 1941 beweist. Anschaulich untersucht sie das Lesebedürfnis, die Bücherbeschaffung und die Wirkung der Lektüre auf die Soldaten im Ersten Weltkrieg. Sie fordert im Hinblick auf die vorwiegend durch Eigeninitiative der Soldaten geleistete Bücherbeschaffung und Auswahl der Lektüre: „Aus dem oben Gesagten ergibt sich, daß eine zukünftige Organisation zentralisiert und nach einheitlichen, genau umschriebenen Richtlinien zu arbeiten hat. Richtschnur muss für sie sein, daß den Truppen die ihr Leben vorn einsetzen, das Beste nicht zu gut sein darf, daß bei einer genügenden Variationsbasis, bei der auch anspruchslose Leser etwas sie interessierendes finden, doch alles ausgeschieden werden muss, was den Geist der Truppe hinsichtlich Kampfkraft, Disziplin und Widerstandskraft lähmt.“3
Die Vorstellungen Ehringhaus´ setzte Rosenberg fast wörtlich in die Tat um. Es entsprach dem nationalsozialistischen Grundsatz, nichts unkontrolliert und ungesteuert geschehen zu lassen, und so war es nur folgerichtig, daß sich die Nationalsozialisten auch auf dem Feld der „geistige Nahrung“ ihrer Soldaten hervortaten.
Warum Soldaten Bücher brauchen
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1 Barbian, Jan Pieter: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder. Frankfurt am Main: Buchhändler-Vereinigung GmbH 1993, S 14 f.
2 Pollnick, Carsten: Von der öffentlichen Volksbücherei zur Stadtbibliothek Aschaffenburg. 50 Jahre kommunale Bildungseinrichtung. Aschaffenburg 1984.
3 Ehringhaus, Inge: Die Lektüre unserer Frontsoldaten im Weltkrieg. Berlin: Junker und Dünnhaupt 1941, S. 147.
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