Die politische Rolle von Frauen in der Französischen Revolution close Bitte warten


Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Revolution und Beharrung: Frankreich und das „Alte Reich“ im ausgehenden 18. Jahrhundert
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Geschichte - Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 35
Note: 1,7 - gut
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 303 KB
Archivnummer: V50154
ISBN (E-Book): 978-3-638-46429-1
ISBN (Buch): 978-3-638-78238-8

Zusammenfassung / Abstract

Der Zug der Pariser Frauen nach Versailles vom Oktober 1789 ist als eines der bedeutendsten Ereignisse der Französischen Revolution in die Geschichte eingegangen. Es scheint jedoch, als sei dies die einzige Begebenheit, in der Frauen in der Revolutionszeit aktiv beteiligt waren. Das Engagement von Frauen wird meist auf diesen als „Brotmarsch“ in Geschichte eingegangenen Protestzug reduziert. Jedoch war die Rolle von Frauen in der Revolutionszeit weit komplexer als lange Zeit von der Historiographie angenommen. Nicht ohne Grund wird von der feministischen Forschung die Französische Revolution als die „Geburtsstunde des Feminismus“ in Europa bezeichnet. Als Angehörige des „zweiten Geschlechts“ in jeder Hinsicht benachteiligt, muss es erstaunen, dass Frauen in den Anfangsjahren der Revolution mit ganz verschiedenen Aktivitäten in Erscheinung traten, die über die traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau weit hinausgingen. Getragen von der Sehnsucht nach einem Ende der Unterdrückung, stimmten sie in den allgemeinen Ruf nach Freiheit und Gleichheit ein. Nicht nur als Beteiligte an Protestmärschen, auch als Herausgeberinnen von Zeitschriften, Initiatorinnen von Frauenvereinigungen oder Verfasserinnen von Petitionen oder politischen Schriften engagierten sie sich im Geschehen der Revolutionsjahre. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Rolle der Frau in der Zeit der Französischen Revolution darzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei das weibliche Partizipationsverhalten und die Frage nach dem Grad und den Formen der Teilhabe der Frauen an den Ereignissen. Dabei soll vor allem untersucht werden, ob das Partizipationsverhalten der Frauen primär ökonomischen Ursprungs war, oder ob politische Beweggründe das Verhalten der Frauen geleitet haben könnten.

Textauszug (computergeneriert)

TU Dresden - Philosophische Fakultät
Institut für Geschichte - Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
HS: Revolution und Beharrung. Frankreich und das
„Alte Reich“ im ausgehenden 18. Jahrhundert
Sommersemester 2004, 8. Fachsemester

Die politische Rolle von Frauen in der
Französischen Revolution

von: Evelyn Zschächner

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Das Partizipationsverhalten von Frauen in der Frühphase der Französischen Revolution

2.1. Der Zug der Pariserinnen nach Versailles am 5./6. Oktober 1789  7
2.2. Klubwesen und redaktionelle Tätigkeit 14
2.3. Frauen in der Revolution: Das Beispiel Olympe de Gouges  20

3. Politisch engagierte Frauen und die Reaktion der Zeitgenossen

3.1. „Heldinnen der Freiheit“1 oder „betrunkene Weiber“2? Die Frauen des 5./6. Oktobers 1789 26
3.2. Rechtliche und politische Veränderungen der Stellung der Frau während der Revolution 27

4. Bilanz: „Wozu war die Revolution gut?“3  32

5. Literaturverzeichnis  34
 


 

1. Einleitung

Der Zug der Pariser Frauen nach Versailles vom Oktober 1789 ist als eines der bedeutendsten Ereignisse der Französischen Revolution in die Geschichte eingegangen. Es scheint jedoch, als sei dies die einzige Begebenheit, in der Frauen in der Revolutionszeit aktiv beteiligt waren. Das Engagement von Frauen wird meist auf diesen als „Brotmarsch“ in Geschichte eingegangenen Protestzug reduziert. Jedoch war die Rolle von Frauen in der Revolutionszeit weit komplexer als lange Zeit von der Historiographie angenommen. Nicht ohne Grund wird von der feministischen Forschung die Französische Revolution als die „Geburtsstunde des Feminismus“ 4 in Europa bezeichnet. Obschon das Zeitalter der Aufklärung die Idee der Gleichheit der Menschen, insbesondere der Bürger im Staat, visionierte, konnten sich feministische Auffassungen nicht durchsetzen. Jedoch konnte durch die erstmalige Thematisierung der Frage der Emanzipation von Frauen wurde in dieser Zeit der Boden für zukünftige Gleichheitsforderungen bereitet. Einige Frauen des Bildungsbürgertums, welche an den Diskursen in den Salons teilnahmen, begannen sich zu fragen, warum das Verlangen der Männer nach Gleichheit nicht auch auf ihr eigenes Geschlecht ausgedehnt würde.

Als politisch und rechtlich Unmündige war die Situation der Frau im Frankreich vor der Revolution 1789 (wie in ganz Europa) gekennzeichnet durch Abhängigkeit und Unterdrückung in doppelter Hinsicht: Einerseits lebte die Französin im Ancien Régime unter der Herrschaft eines absolutistischen Monarchen, andererseits war sie vollständig abhängig von Männern. Stand sie zunächst als Tochter unabhängig ihres Alters unter der Vormundschaft des Vaters, so übernahm später ggf. der Ehemann die rechtliche Vertretung der Frau. Das Verhältnis der Geschlechter war bestimmt durch den Schutz-Gehorsam-Zusammenhang.5 Der Mann bot der Frau den seiner Meinung nach benötigten Schutz, dafür schuldete sie ihm Gehorsam, eine Bestimmung, die bis 1938 im französischen Gesetzbuch Code Civil enthalten war.6 Ein Recht auf Ehescheidung gab es nicht. Ebensowenig wie man Frauen rechtliche oder gar politische Rechte gewährte, war ihr eigener materieller Besitz untersagt. Wie im absolutistischen System das Verhältnis Herrscher – Bürger organisiert war, wurde die Beziehung der Geschlechter geregelt. Frauen, die in der Hauptstadt Paris lebten und aus bescheidenen Verhältnissen stammten, waren oftmals gezwungen, über ihre traditionelle Funktion als Haushälterin, Köchin und Mutter hinaus einer eigenen Erwerbsarbeit nachzugehen. Der Lohn des Mannes reichte oftmals nicht aus, um die Familie zu ernähren. Jedoch war ihr Lohn weit geringer als der ihrer männlichen Kollegen. Für eine eigene Existenz unabhängig von einem Ehemann war dieser Betrag vollkommen ungenügend. Zudem verfügte die Mehrheit der weiblichen Bevölkerung nicht über eine grundlegende, schon gar nicht über umfassende Bildung. Ein Großteil der Frauen, vor allem in den Provinzen Frankreichs, waren Analphabetinnen.7

Als Angehörige des „zweiten Geschlechts“ in jeder Hinsicht benachteiligt, muss es erstaunen, dass Frauen in den Anfangsjahren der Revolution mit ganz verschiedenen Aktivitäten in Erscheinung traten, die über die traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau weit hinausgingen. Getragen von der Sehnsucht nach einem Ende der Unterdrückung, stimmten sie in den allgemeinen Ruf nach Freiheit und Gleichheit ein. Nicht nur als Beteiligte an Protestmärschen, auch als Herausgeberinnen von Zeitschriften, Initiatorinnen von Frauenvereinigungen oder Verfasserinnen von Petitionen oder politischen Schriften engagierten sie sich im Geschehen der Revolutionsjahre. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Rolle der Frau in der Zeit der Französischen Revolution darzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei das weibliche Partizipationsverhalten und die Frage nach dem Grad und den Formen der Teilhabe der Frauen an den Ereignissen. Dabei soll vor allem untersucht werden, ob das Partizipationsverhalten der Frauen primär ökonomischen Ursprungs war, oder ob politische Beweggründe das Verhalten der Frauen geleitet haben könnten. Das Hauptaugenmerk bei der Betrachtung des Partizipationsverhaltens von Frauen liegt auf den Anfangsjahren der Revolution, also der Jahre 1789 bis 1793. In diesem Zeitraum ist die höchste Aktivität von Frauen zu verzeichnen.

Relevant für die Betrachtung des weiblichen Partizipationsverhaltens ist m.E. auch die Frage, ob die Frauen eher als Revolutionärinnen oder als Feministinnen auftraten. Welche Hoffnungen und Erwartungen verbanden die Frauen mit der Französischen Revolution? Standen allgemeingesellschaftliche Forderungen im Vordergrund oder ging es den Aktivistinnen auch um geschlechtsspezifische Forderungen? Dient der erste Teil der Arbeit der Darstellung der Partizipationsaktivitäten der Frauen, so soll im zweiten Abschnitt auf die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Auftreten der Frauen auf dem Schauplatz der Revolution eingegangen werden. Wie wurden die politisch aktiven Frauen – ökonomisch oder politisch motiviert – von den Zeitgenossen wahrgenommen und welche Folgen und Ergebnisse hatte das Engagement von Frauen in den Revolutionsjahren? Wohl kaum ein Thema fand in der Geschichtsforschung so viel Beachtung wie das Epochenereignis Französische Revolution. Obgleich der französische Historiker Jules Michelet bereits 1854 seine Studie „Die Rolle der Frau in der Französischen Revolution“ veröffentlichte, beschränkte sich die Mehrheit der Publikationen bis in die Gegenwart auf die Darstellung einer offenbar ausschließlich von Männern gemachten Geschichte. In zahlreichen Überblickswerken zur Französischen Revolution findet sich kaum ein Hinweis auf die Beteiligung von Frauen.8 Lange Zeit musste der Eindruck entstehen, als sei der „Brotmarsch“ nach Versailles im Oktober 1789 das einzige Ereignis, an dem Frauen beteiligt waren.

In der deutschsprachigen Wissenschaft fanden die „vergessenen Töchtern der Revolution“9 erst seit der Entstehung der feministischen Frauenforschung in den 1970er Jahren Beachtung. Seitdem wird die Geschichte der Französischen Revolution unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung der Geschlechter untersucht. Hervorzuheben ist hier die detaillierte Studie über den Marsch der Frauen nach Versailles von Kerstin Michalik.10 Anders als frühere Darstellungen, welche ausschließlich die Forderung nach Brot als ausschlaggebendes Motiv für den Protestzug der Frauen sahen, stellt die Autorin diese Sichtweise in Frage. Michalik untersucht, ob ökonomische oder politische Gründe Anlass für die Ereignisse des 5./6. Oktobers 1789 waren.

[...]


1 Schmölzer, Hilde: Revolte der Frauen. Portraits aus 200 Jahren Emanzipation. Wien 1999. S. 21.

2 Kuhn, Annette: Der Wahn des Weibes, dem Manne gleich zu sein, in: Christadler, Marieluise (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Weiblichkeit. Aufklärung, Revolution und die Frauen in Europa. Opladen 1990. S. 37-53. S. 46.

3 Christadler, Marieluise: Von der Tribüne aufs Schafott. Frauen und Politik 1789-1795, in: Christadler, Marieluise (Hrsg.): Freiheit, Gleichheit, Weiblichkeit. Aufklärung, Revolution und die Frauen in Europa. Opladen 1990. S. 19-35. S. 34.

4 Schmölzer (1999), S. 11.

5 Vgl. Hufton, Olwen: Frauenleben. Eine europäische Geschichte 1500-1800. 2. Auflage. Frankfurt/M. 1998. S. 641.

6 Vgl. Gerhard, Ute: Menschenrechte – Frauenrechte 1789, in: Schmidt-Linsenhoff, Viktoria (Hrsg.): Sklavin oder Bürgerin? Französische Revolution und neue Weiblichkeit 1760-1830. Ausstellungskatalog. Frankfurt/M. 1989. S. 55- 72. S. 62.

7 Vgl. Jung, Ruth: „Meine Stimme wird sich noch aus des Grabes Tiefe Gehör zu verschaffen wissen.“ Olympe de Gouges – Streiterin für Frauenrechte, in: Schmidt-Linsenhoff, Viktoria (Hrsg.): Sklavin oder Bürgerin? Französische Revolution und neue Weiblichkeit 1760-1830. Ausstellungskatalog. Frankfurt/M. 1989. S. 73-87. S. 76.

8 Vgl. Z. B. Furet, François: The French Revolution. Oxford 1996.

9 So Claudia Opitz im Titel eines Aufsatzes: Opitz, Claudia: Auf der Suche nach den vergessenen Töchtern der Revolution. Neuere Forschungen über Frauen und Frauenrechte im revolutionären Frankreich 1789-1795, in: Fieseler, Beate/Schulze, Birgit (Hrsg.): Frauengeschichte: Gesucht - Gefunden? Auskünfte zum Stand der historischen Frauenforschung. Köln, Weimar, Wien 1991. S. 146-163.

10 Michalik, Kerstin: Der Marsch der Pariser Frauen nach Versailles am 5. und 6. Oktober 1789. Eine Studie zur weiblichen Partizipationsforschung in der Frühphase der Französischen Revolution. Pfaffenweiler 1990.

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