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Bernhard Sprengel - Das mäzenatische Wirken eines Fabrikanten

Autor: Evelyn Zschächner
Fach: Kunst - Sonstiges

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 29
Note: 1,3 - sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 273 KB
Archivnummer: V50160
ISBN (E-Book): 978-3-638-46433-8
ISBN (Buch): 978-3-638-78240-1
Anmerkungen :
Der Schokoladenhersteller Bernhard Sprengel war einer der bedeutendsten Mäzene Emil Noldes. Die Arbeit geht auf diese Beziehung zwischen Künstler und Sammler besonders intensiv ein.

Zusammenfassung / Abstract

Mit dem Namen Sprengel assoziieren die meisten Menschen zunächst wohl nur den Gedanken an vorzügliches Naschwerk. Es ist die Leistung Bernhard Sprengels, der die Marke zu einer der beliebtesten unter den deutschen Schokoladenherstellern machte. Weniger bekannt ist das Engagement des Fabrikanten auf dem Gebiet der Kunst. Sprengel zählt zugleich zu den bedeutendsten Mäzenen der Gegenwart. Seine Sammlung moderner Kunst des 20. Jahrhunderts enthält wichtige Werke der europäischen Kunstgeschichte. Besonders beachtlich ist die enorme Geschwindigkeit, mit der Sprengel eine der wichtigsten Privatsammlungen expressionistischer Kunst aufbaute. Die mäzenatische Tätigkeit des Schokoladenherstellers aus Hannover beginnt in der Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten: Das Jahr 1937 gilt als Geburtsstunde der Sammlung Sprengel. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Sammlertätigkeit Bernhard Sprengels näher zu beleuchten. Zu diesem Zweck soll folgender zentraler Fragestellung nachgegangen werden: Wie gestaltete sich die Sammlertätigkeit des Bernhard Sprengel, welche Ziele und welchen Nutzen hatte sie? Wirkte der Sammler auch über seine bloße Sammlerfunktion hinaus gestaltend auf seine Umwelt ein, oder bleibt die Hinterlassenschaft der Privatsammlung die einzig beachtenswerte Leistung des Unternehmers auf dem Gebiet der Kunst? Die Untersuchung des Alltags des Kunstsammlers erscheint mir nicht zuletzt deshalb interessant, weil Sprengel seine Sammlung in einer Zeit aufgebaut hat, in der die deutsche Avantgardekunst der Verfolgung und Zerstörung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war. Der Handel mit dieser Kunst war offiziell verboten. Wie konnte es einem scheinbar in das System integrierten erfolgreichen Fabrikanten dennoch gelingen, bedeutende Werke des Expressionismus zu erwerben?

Textauszug (computergeneriert)

TU Dresden, Philosophische Fakultät
Institut für Kunst- und Musikwissenschaft
Seminar: Kunst und Mäzenatentum
Sommersemester 2003
6. Fachsemester

Bernhard Sprengel – Das mäzenatische Wirken eines Fabrikanten

von: Evelyn Zschächner

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Das Leben Bernhard Sprengels 5

3. Bernhard Sprengel als Mäzen – Die Sammlertätigkeit  6

3.1. Motive und Leitlinien für das Entstehen der Sammlung Sprengel 6
3.2. Die Entwicklung der Sammlung Sprengel 9

3.2.1. Entstehung und Anfänge 1937 bis 1945 9
3.2.2. Das Verhältnis des Sammlers zum Künstler: Die Beziehung von Bernhard Sprengel und Emil Nolde 15
3.2.3. Entwicklung der Sammlung seit 1945 20

3.3. Das Sprengel Museum Hannover 23

4. Schlussbemerkung 27

5. Literatur- und Quellenangaben 28


 

 

1. Einleitung

„Die Kunst hat mich innerlich bereichert wie kein materieller Besitz mir das je hätte gewähren können.“1 Bernhard Sprengel

Mit dem Namen Sprengel assoziieren die meisten Menschen zunächst wohl nur den Gedanken an vorzügliches Naschwerk. Es ist die Leistung Bernhard Sprengels, der die Marke zu einer der beliebtesten unter den deutschen Schokoladenherstellern machte. Weniger bekannt ist das Engagement des Fabrikanten auf dem Gebiet der Kunst. Sprengel zählt zugleich zu den bedeutendsten Mäzenen der Gegenwart. Seine Sammlung moderner Kunst des 20. Jahrhunderts enthält wichtige Werke der europäischen Kunstgeschichte. Besonders beachtlich ist die enorme Geschwindigkeit, mit der Sprengel eine der wichtigsten Privatsammlungen expressionistischer Kunst aufbaute. Die mäzenatische Tätigkeit des Schokoladenherstellers aus Hannover beginnt in der Zeit der Herrschaft der Nationalsozialisten: Das Jahr 1937 gilt als Geburtsstunde der Sammlung Sprengel. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Sammlertätigkeit Bernhard Sprengels näher zu beleuchten. Zu diesem Zweck soll folgender zentraler Fragestellung nachgegangen werden: Wie gestaltete sich die Sammlertätigkeit des Bernhard Sprengel, welche Ziele und welchen Nutzen hatte sie? Wirkte der Sammler auch über seine bloße Sammlerfunktion hinaus gestaltend auf seine Umwelt ein, oder bleibt die Hinterlassenschaft der Privatsammlung die einzig beachtenswerte Leistung des Unternehmers auf dem Gebiet der Kunst? Die Untersuchung des Alltags des Kunstsammlers erscheint mir nicht zuletzt deshalb interessant, weil Sprengel seine Sammlung in einer Zeit aufgebaut hat, in der die deutsche Avantgardekunst der Verfolgung und Zerstörung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war. Der Handel mit dieser Kunst war offiziell verboten. Wie konnte es einem scheinbar in das System integrierten erfolgreichen Fabrikanten dennoch gelingen, bedeutende Werke des Expressionismus zu erwerben?

Um die formulierten Fragen beantworten zu können, scheint mir folgende Gliederung sinnvoll: Zunächst wird der biografische Hintergrund Bernhard Sprengels kurz vorgestellt. Der anschließende Abschnitt beleuchtet seine Sammlertätigkeit. Die Kenntnis der Motive und Leitlinien, welche beim Anlegen der Sammlung bestimmend waren, ist unerlässlich, will man die Erwerbungspolitik und das Handeln des Mäzens verstehen. Danach wird die Entwicklung der Sammlung beschrieben. Der Alltag des Kunstliebhabers lässt sich am Beispiel der Beziehung zu dem Maler Emil Nolde besonders eindrucksvoll beobachten. Sprengel unterstützte den Künstler, der seine Sammelleidenschaft auslöste, auf vielfältige Weise. Auch auf die Position Noldes, der in den Jahren des Nationalsozialismus eine heftig umstrittene Persönlichkeit war, wird eingegangen. Die Auswirkungen der Sammlertätigkeit Sprengels werden vor allem nach 1945 sichtbar. Nach der Diktatur Hitlers ändert sich auch das Interesse Sprengels beim Aufbau seiner Sammlung. Zudem tritt er nun verstärkt als Mäzen in die Öffentlichkeit. Seine Verdienste um die Kunst symbolisiert vor allem das von ihm angeregte und mitfinanzierte Sprengel Museum in Hannover. Deshalb soll es abschließend kurz vorgestellt werden. Das Schlusskapitel widmet sich der Beantwortung der eingangs formulierten Fragestellung. In einem Resümee wird das mäzenatische Wirken des Schokoladenfabrikanten Sprengel bewertet.

Kulturförderung ist ein viel beachtetes Thema in der Forschung. Besonders zu den Stiftern des Mittelalters existieren zahlreiche Publikationen. Die Mäzene der Gegenwart finden demgegenüber wenig Beachtung bei den Wissenschaftlern. Angesichts dessen ist die Literaturlage zu Bernhard Sprengel als übersichtlich zu bezeichnen. Weder zu dem Unternehmen, noch zur Person des Fabrikanten sind beachtenswerte Monografien oder Aufsätze erschienen. Angesichts des hohen Bekanntheitsgrades der Schokoladenmarke und der hohen Qualität der von dem Hersteller angelegten Privatsammlung ist dies erstaunlich. Es muss jedoch festgehalten werden, dass die Forschung in jüngster Zeit bemüht ist, die umfangreiche Korrespondenz Sprengels mit Sammlern, Galeristen und auch dem Maler Emil Nolde auszuwerten und kritisch aufzubereiten. Die Publikation längerer Passagen aus diesem Konvolut von Briefen erfolgte bisher lediglich in dem 1999 erschienenen Ausstellungskatalog „Emil Nolde und die Sammlung Sprengel. Geschichte einer Freundschaft“2. Dieses Werk war für meine Arbeit unerlässlich. Neben weiteren Katalogen des Sprengel Museums, war auch die Homepage des Hauses3 eine wichtige Informationsquelle.

2. Das Leben Bernhard Sprengels

Bernhard Sprengel wurde am 17. April 1899 in Hannover geboren. Er war der ältere der beiden Söhne von August und Elisabeth Sprengel. Sein Großvater Carl August Bernhard Sprengel hatte im Jahre 1851 die Schokoladenfabrik B. Sprengel & Co., Hannover gegründet. In wirtschaftlich abgesicherten Verhältnissen verbrachte er seine Jugend in Hannover, wo er bis 1917 das Goethe-Gymnasium besuchte. 1917/18 absolvierte Sprengel seinen Militärdienst. Anschließend studierte er Rechtswissenschaft in Göttingen, Kiel und München. 1923 schloss er sein Studium mit der Promotion ab. Die folgende Ausbildung im Hamburger Kakaohandel sollte ihn auf die Aufgaben in der elterlichen Firma vorbereiten. 1923 trat Sprengel in das Familienunternehmen ein. In Zusammenarbeit mit dem Vater baute er den mittelständischen Betrieb zu einem der größten Schokoladenhersteller Deutschlands aus. Im selben Jahr heiratete Bernhard Sprengel Elisabeth Charlotte Jonas. Nach vierzehn Jahren wurde die Ehe 1937 geschieden. Bald darauf lernte Sprengel die Geigerin und Musikpädagogin Margrit Backhausen kennen. Kurze Zeit später, im Herbst 1937, heirateten die beiden. Sprengel, aus dessen erster Ehe zwei Kinder hervorgegangen waren, hatte mit Margrit drei gemeinsame Kinder. Die Hochzeitsreise führte die frisch Vermählten im November 1937 nach München. Während des Aufenthalts in der bayerischen Metropole besuchte das kunstinteressierte Paar die Ausstellung „Entartete Kunst“. Die von den Nationalsozialisten eingerichtete Schau zur Verfemung der zeitgenössischen deutschen Kunst, veränderte das Leben des hannoveraner Fabrikanten ganz entscheidend. Die erste Begegnung mit dem deutschen Expressionismus war zugleich die Geburtsstunde einer der wichtigsten Sammlungen moderner Kunst des 20. Jahrhunderts.

[...]


1 www.sprengel-museum.de/deutsch/SMHframes.html. Zugriff am 24.09.2003.

2 Sprengel Museum Hannover (Hrsg.): Emil Nolde und die Sammlung Sprengel 1937 – 1956. Geschichte einer Freundschaft. Hannover 1999.

3 www.sprengel-museum.de

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