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Das Haus und das Draußen - Familie und Öffentlichkeit im antiken Griechenland und in der Orestie des Aischylos

Autor: Johanna Lemke
Fach: Theaterwissenschaft

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Details

Veranstaltung: Antikes Theater
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Theaterwissenschaft)
Tags: Haus, Draußen, Familie, Griechenland, Orestie, Aischylos, Antikes, Theater
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 29
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 307 KB
Archivnummer: V50248
ISBN (E-Book): 978-3-638-46502-1
Anmerkungen :
Diese Arbeit wurde erstellt zum Seminar "Ancient Theatre" an der Universität in Thessaloniki, Griechenland, vorgelegt aber dem Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig.

Textauszug (computergeneriert)

Das Haus und das Draußen - Familie und Öffentlichkeit im
antiken Griechenland und in der Orestie des Aischylos

von: Johanna Lemke

6. Fachsemester

 


Inhalt

Einleitung 2

Begriffsdefinitionen 3

1. Der oikos in der polis 4

2. Familiäre Konflikte und ihre Umsetzung in der Orestie 8

2.1 Ehe und Ehebruch 8

2.1.1 Ehe und Ehebruch in der Orestie 12

2.2 Die männliche Autorität im oikos und Heroentum 14

2.2.1 Männliche Autorität und Heroentum in der Orestie 16

3. Innen und Außen in der Tragödie 21

3.1 Agamemnon und Das Totenopfer: Stehende und fallende Grenzen 21

3.1.1 Agamemnon 21
3.1.2 Das Totenopfer 24

Zusammenfassung 27

Literaturverzeichnis 28



 

Einleitung

Als im 6. und 5. Jahrhundert v.Ch. in Griechenland die ersten Stadtstaaten nach demokratischem Konzept eingerichtet wurden, gab es für diese kein Vorbild. An keinem Beispiel konnten sich die ersten Reformer orientieren, es musste also auf bestehende Grundlagen zurückgegriffen werden. Die wichtigste Basis war ohne Zweifel die Familie, der oikos. Als Grundlage für alle Entscheidungen in und als Sicherung der polis nahm sie eine vielleicht noch wichtigere Stellung ein als je zuvor. Mit der Zusammenführung zweier solch unterschiedlicher Systeme – dem einen traditionellen, privaten und dem anderen neuen, demokratisch-öffentlichen – entstanden selbstverständlich auch Spannungen. Die Tragödie war in Athen und anderen Polisstaaten, die dem demokratischen Projekt folgten oder dieses mit Gewalt einführten, eine der wichtigsten Reflexionsmöglichkeiten für das Volk. Die Stücke können also als Stimmungsbarometer oder Spannungsanzeiger für die Problematiken der jeweiligen Zeit gesehen werden. Die Orestie des Aischylos, uraufgeführt 458, stellt einige der wichtigsten Konflikte, die in Familie und Öffentlichkeit stattfanden, in eindringlicher Weise aus. Insbesondere werden familiäre Werte und die Schwierigkeit ihrer Umsetzung in der Gesellschaft thematisiert. Fragen nach Ehe und Ehebruch, Männlichkeit und Weiblichkeit, Fortpflanzung und Kindsein werden in der Trilogie diskutiert.

Ein wesentliches Bild für die Verdeutlichung von Familie und Öffentlichkeit ist die Trennung zwischen Innen und Außen. In der griechischen Demokratie besaß das Haus als Hort der Familie eine enorme Rolle und die Grenze zwischen Außen und Innen ist eine wesentliche in der Trennung zwischen oikos und polis. Welchen Raum das Innen und Außen in der Orestie des Aischylos findet, soll in der folgenden Arbeit untersucht werden. In den Analysen der Tragödie Orestie beschränkt sich die Arbeit im Wesendlichen auf die inhaltliche Ebene und kann aus Gründen des Umfangs nicht detailliert auf sprachliche und dramaturgische Feinheiten eingehen. Diese Arbeit hat ihre Grundlage im Seminar ? ??a?? ?eat?? (Antikes Theater) und dem dazugehörenden Einzeltutorium, das die Verfasserin im Sommersemester 2005 mit Frau Papasoglou am Institut für Theater der Universität Thessaloniki zum Seminar abgehalten hat. Das Tutorium stützte sich im Wesentlichen auf die Literatur von Oliver Taplin, Simon Goldhill und diverse Aufsätze von Vernant und Vidal-Naquet, die in den Bibliotheken Leipzigs nicht vorhanden sind und daher hier nicht zitiert werden konnten. Einige Darlegungen basieren außerdem direkt auf Ergebnissen aus dem Tutorium und dem Seminar und werden im Folgenden daher nicht mit genauen Literaturangaben belegt.

Begriffsdefinitionen

Es sollen in dieser Arbeit soweit wie möglich Übersetzungen der altgriechischen Begriffe verwendet werden. In manchen Fällen sind die Übersetzungen jedoch so vielschichtig, dass sie nicht in ein einziges deutsches Wort übertragen werden können. In diesen Fällen soll das originale Wort verwendet werden, das dann kursiv geschrieben wird. In jedem Falle werden die kyrillischen Buchstaben in lateinische übersetzt, d.h., ich Begriffe und Namen werden so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden. Polis: Stadt, auch Hauptstadt; Heimat; Staat, Stadtgemeinde; aber auch Bürgerschaft, die Bürger, der Freistaat; Staatsangelegenheiten, Staatsverwaltung. Die Gemeinschaft auf dem demokratischen Staatssystem basierend. Oikos: Haus, Wohnhaus, Wohnung; Hausstand, Haushaltung; auch Haus und Hof, Hab und Gut, Vermögen; auch Familie, Geschlecht, Herkunft, Heimat, Vaterland. Schließt nicht nur lebende Mitglieder der Familie ein, sondern auch Land- und Hausbesitz. Ein Teil der größeren Gruppe, des Genos. Demos: Klasse, Einordnung in gesellschaftliche Gruppe. Phratria: Bruderschaft, Geschlechtsgenossen, Geschlecht, Sippe, Phratrie.1 Zur Orestie des Aischylos In dieser Arbeit soll die Orestie-Übersetzung von Peter Stein verwendet werden, da diese die aktuellste ist und die in dieser Arbeit besprochenen Problematiken am deutlichsten herausstellt. Für die verschiedenen Teile der Trilogie werden folgende Titel verwendet:

1. Agamemnon
2. Das Totenopfer
3. Eumeniden

1. Der oikos in der polis

Als kleinste Einheit im demokratischen System Athens des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. stellte der oikos gleichzeitig die Basis der antiken griechischen polis dar. Zum oikos gehörten drei Elemente, das männliche, das weibliche und das dienende. Der oikos galt in den antiken demokratischen Gesellschaftssystemen als die Grundlage der polis. Mit der Stabilität im oikos wurde auch die Gemeinschaft gestärkt, da ohne funktionierende Haushalte der Fortbestand der Stadt nicht garantiert werden konnte. So spricht Aristoteles davon, dass die Familie fundamentaler und ursprünglicher als die polis ist und als deren Grundlage begriffen werden kann. Es war ein Mikro- im Makrokosmos: Nur wenn sich die verschiedenen oikoi selbst erhielten und vermehrten, konnte die polis als staatstragendes Element weiter bestehen, ein starker oikos war essentiell für eine funktionierende polis- Gemeinschaft.2

[...]


1 Alle Übersetzungen vgl. Benseler, Gustav Eduard: Griechisch-deutsches Wörterbuch. Mit einem alphabetischen Verzeichnis zur Bestimmung besonderer und unregelmäßiger Verben. Bearbeitet von Adolf Kaegi. 19. Auflage – Unveränderter Nachdruck der 15., bearbeiteten Auflage. Leipzig 1990.

2 Vgl. Pomeroy: Families in Classical and Hellenistic Greece, 36.
 

Kommentare

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