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Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 108
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 193  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 404 KB
Archivnummer: V50588
ISBN (E-Book): 978-3-638-46782-7
Anmerkungen :
Entwicklung des modernen Sports (Geschichte des Sports). Sportmodelle. Theorie: Individualisierung - These (Beck), Sozialkapital - Ansatz (Putnam). Sportverein. Soziale Ungleichheit im Sport. Untersuchung über die Veränderungen seit der Nachkriegszeit.

Textauszug (computergeneriert)

Philosophische Fakultät der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Veränderungen im Sportengagement der Bundesbürger


Magisterarbeit zur Erlangung
des Grades Magister Artium

von: Martin Beinhauer

eingereicht: Mai 2005

 

Inhaltsangabe

1. Einleitung ... 6

2. Die Entwicklung des modernen Sports ... 9
2.1. Das Sportsystem ... 9
2.1.1. Sozialhistorische Entwicklung ... 10
2.1.1.1. Ursprünge körperlicher Aktivität ... 10
2.1.1.2. Bewegungskultur und Leibesübungen ... 11
2.1.1.3. Renaissance – Übergang zum modernen Sport ... 12
2.1.1.4. Industrielle Revolution ... 13
2.1.1.5. Das 20. Jahrhundert ... 15
2.1.2. Die Einheit des modernen Sports ... 15
2.1.3. Fortschreitender Wandel: Von der Einheit zur Vielfalt ... 18
2.2. Das (Sport-) Vereinswesen ... 21
2.2.1. Geschichtliche Entwicklung ... 23
2.2.1.1. Mittelalter bis zum Beginn der ersten Vereine ... 23
2.2.1.2. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1945 ... 23
2.2.2. Wandlungsprozesse des modernen Sportvereins ... 26

3. Theoretischer Rahmen ... 28
3.1. Individualisierung ... 29
3.1.1. Modernisierung ... 30
3.1.2. Wandel der Sozialstruktur ... 32
3.1.3. Phasen der Individualisierung ... 34
3.1.4. Individualisierung und die Folgen für den Sport ... 39
3.2. Der Sozialkapitalansatz ... 42
3.2.1. Grundelemente: Vertrauen, Normen, Netzwerke ... 44
3.2.2. Formen sozialen Kapitals ... 46
3.2.3. Sozialkapital und (Sport-) Vereine ... 48

4. Sportverhalten in Deutschland ... 51
4.1. Operationalisierungsprobleme ... 52
4.2. Sportbeteiligung ... 53
4.2.1. Der Sport als Teil der Freizeit ... 53
4.2.2. Zuschauersport ... 55
4.2.3. Veränderungen der Aktivenzahlen ... 56
4.2.4. Sportarten ... 59
4.2.4.1. Die Erweiterungen traditioneller Sportarten ... 62
4.2.4.2. Trendsport ... 66
4.3. Die Sportvereine ... 70
4.3.1. Ansehen und Aufgaben ... 70
4.3.2. Probleme der Mitgliedererfassung ... 71
4.3.3. Die Mitgliederentwicklung ... 72
4.3.4. Die Krise des Ehrenamtes ... 75
4.4. Motive im Sport ... 76
4.5. Der sozialstrukturelle Kontext ... 79
4.5.1. Vertikale Ungleichheiten und Sportengagement ... 80
4.5.2. Horizontale Ungleichheiten und Sportengagement ... 83
4.5.2.1. Alter ... 84
4.5.2.2. Geschlecht ... 86
4.5.2.3. Ost-West Differenzen ... 88

5. Resümee ... 90

Literatur ... 97

 

1. Einleitung

Das Sportjahr 2004 mit seinen Großveranstaltungen Olympia und Fußballeuropameisterschaft ist gerade vorüber, da wird schon das UNO-Sportjahr 2005 eingeläutet. Die in diesem Jahr statt findenden World Games in Deutschland (mit Duisburg als Hauptausrichterstadt) stellen das nächste gigantische Sportereignis in Deutschland mit großer Anziehungskraft dar, bevor das Land 2006 die Fußball Weltmeisterschaft ausrichtet. Daneben finden regelmäßig unzählige Welt- und Europameisterschaften in weit über 100 Sportarten statt. Der Sport ist laut Bundeskanzler Gerhard Schröder mehr als nur körperliche Bewegung; er ist „eine Säule der modernen Zivil- und Bürgergesellschaft“ (vgl. Deutscher Sportbund, 2000, S. 9). Neben dieser Zuschreibung erhält der Sport immer wieder Lob von höchsten Vertretern der Kirchen, Parteien und Staaten und wird im Alltäglichen funktional überlastet. „Er soll der Volksgesundheit, Moral und Disziplin, der Erziehung und Charakterbildung, dem Sozialverhalten, Nationalstolz und Kommerz dienen; er soll Familie und Krankenstationen ersetzen und, weil das im nötigen Umfang bislang fehlt, bei der Altenbetreuung helfen“ (vgl. Weis, 2000, S. 366). Anhand dieser Aussagen läßt sich der Stellenwert des Sports in unserer Gesellschaft erahnen. Der Sport in der Moderne hat sich zu einem aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenkenden sozialen Teilbereich entwickelt. Er zeigt sich als „typisches Produkt dieser Gesellschaft: Sie prägt ihn und spiegelt sich in ihm“ (Weis, 2000, S. 367).

Im Zentrum dieser Arbeit steht der Sport, wie er vom Gros der Bevölkerung ausgeübt wird. Der Untersuchungsfokus liegt auf der Frage, inwieweit sich das Sportverhalten der deutschen Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten verändert hat.1 Hintergrund dieses Ansatzes bilden dabei gesamtgesellschaftliche Veränderungen, die als Prozesse fortschreitender Industrialisierung, Technologisierung, Bürokratisierung und Urbanisierung beschrieben werden (vgl. Zapf, 2000). Sie finden ihren sozialwissenschaftlichen Ausdruck in Gegenwartsdiagnosen und -konzepten wie die der „postindustriellen Gesellschaft“ (Bell, 1975), der „Erlebnisgesellschaft“ (Schulze, 1995) der „Multioptionsgesellschaft“ (Gross, 1994) oder der „Risikogesellschaft“ (Beck, 1986). Diese Konzepte zeigen, daß sich ein weitreichender gesellschaftlicher Wandel vollzogen hat, der letztlich seine Wirkung auch im Sport zeigt.

Die Sportwissenschaft – und speziell die Sportsoziologie – beschäftigte sich in der jüngeren Vergangenheit mit dem Wandel des Sportsystems. Als kleinster gemeinsamer Nenner zahlreicher Schriften zum Thema können die Thesen einer „Versportlichung der Kultur“ (vgl. Digel, 1990) und einer „Entsportlichung des Sports“ (Bette, 1989, S. 27) genannt werden. Die Versportlichung bezieht sich auf drei eng verknüpfte Sachverhalte: die größer werdende Zahl sportlich Aktiver, die Vervielfältigung des Sportangebots und die Ausweitung des Sportbegriffs auf Bewegungsformen, die früher nicht als Sport bezeichnet wurden (bspw. Walking). Dadurch kommt es zur Entsportlichung, da der Sport nicht mehr eindeutig abzugrenzen ist und seine Einheitlichkeit verloren geht. Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen auch nehmen Unübersichtlichkeit und Widersprüchlichkeit zu und bilden das eigentliche Kennzeichen einer neuen Sportkultur (vgl. Heinemann, 1993).

Die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und der Sportaktivität wurden allerdings nie systematisch untersucht. Entweder beziehen sich die Forschungen auf die institutionelle Organisation des Sports (Vereine, Verbände, kommerzielle Sportanbieter) (Schlagenhauf, 1977; Timm 1979; Digel, 1988; Dietrich, Heinemann & Schubert, 1990; Heinemann & Schubert, 1994; Baur & Braun, 2000), auf die Dimension des Werte- und Motivwandels (Hein, 1995; Gabler, 2002), auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen bzw. soziale Ungleichheitsrelationen (Baur & Brettschneider, 1994; Brinkhoff, 1992; Nagel, 2003) oder auf ausgewählte Bereiche des Sports (Breuer & Michels, 2003). Keine der Arbeiten bezieht sich dabei auf mehr oder weniger langfristige Veränderungen. Ausnahme hierbei bildet die Untersuchung von Wopp (1995), der die Entwicklungen des Freizeitsports von 1959 an nachzeichnet, allerdings den Fokus auf die Organisation dieses Sportbereichs legt und über ausgeübte Sportarten nur am Rande spricht.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, die Veränderungen des Sportengagements der deutschen Bevölkerung seit der Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu untersuchen. Als leitende Forschungsfragen seien folgende genannt:

1) Wie hat sich das Sportengagement der deutschen Bevölkerung seit der Nachkriegszeit entwickelt?

2) Welche Sportarten werden bevorzugt? Welche Veränderungen treten bezüglich einzelner Sportarten auf ?

3) Welchen Wirkungen haben die Veränderungen auf die Sportvereine?

Die Antworten auf diese Fragen sollen ergänzt werden durch Differenzierungen hinsichtlich sozial relevanter Merkmale. Der Sport zeigt sich gegenüber Alter, Geschlecht, Schicht als auch der Beteiligung im Ost- und Westteil des Landes gegenüber als selektierend. Die Frage nach dem sozialstrukturellen Kontext ist besonders aus sportsoziologischer Sicht interessant. Bisherige Untersuchungen (zusammenfassend Voigt, 1992) zur sozialen Ungleichheit im Sport weisen recht eindeutig darauf hin, daß sich Frauen und Männer, Jüngere und Ältere sowie Personen, die aufgrund ihres Bildungs-, Berufs- und Einkommensstatus sozialstrukturell unterschiedlich verortet sind, auch hinsichtlich ihres Sportengagements deutlich unterscheiden. Daher muß auch geprüft werden, ob diese Befunde auch weiterhin unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen aufrechtzuerhalten ist.

Um Veränderungen in den letzten ca. 50 Jahren zu verstehen, soll zu Beginn der Untersuchung die sozialhistorische Entwicklung des Sports und der Sportvereine nachgezeichnet werden. Durch das Prinzip sozialer Differenzierung als ‚Motor’ der Modernisierung entsteht erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts das, was man heute als den modernen Sport bezeichnet. Gleichzeitig soll durch die Darstellung der Ursprünge körperlicher Aktivität deutlich werden, welchen Veränderungen der Begriff des Sports unterliegt und welche Modelle die Elastizität des Begriffs einzufangen versuchen.

Daran anschließend (Kap. 3) wird der theoretische Rahmen der Arbeit entfaltet. Als für die Untersuchung leitenden Erklärungen bietet sich dabei die Individualisierungsthese an, wie sie vor allen von Beck (1983, 1986) dargelegt wurde. Dieser theoretische Ansatz dient zur Erklärung sowohl der Veränderungen hinsichtlich des Sportengagements insgesamt als auch der Verteilung des Sports auf verschiedene Sportarten. Die Frage nach der Beteiligung in Sportvereinen soll unter Zuhilfenahme der Ausführungen von Robert Putnam (1993, 2000) erfolgen.

Die eigentliche Überprüfung der Thesen bzw. die Beantwortung der Forschungsfragen folgt im Anschluß daran (Kap. 4). Grundlage der Untersuchung bilden dabei die Ergebnisse verschiedener Erhebungen zum Sportverhalten der deutschen Bevölkerung. Es finden sich bedauerlicherweise kaum durchgängigen Daten, die regelmäßig und unter Verwendung gleicher Fragestellungen die Sportaktivität einfangen. Eine Ausnahme bilden hier die Untersuchungen des Instituts für Demoskopie Allensbach, die relativ regelmäßig und häufig das sportliche Engagement erfragen. Die Untersuchung der ersten beiden Forschungsfragen stützt sich deshalb im wesentlichen darauf.

Um die gewonnenen Ergebnisse zu prüfen, werden weitere Befunde anderer Institute (B.A.T. Freizeitforschungsinstitut, EMNID) sowie Ergebnisse von Einzelstudien verwandt. Grundlage der Beantwortung der Frage nach der Veränderungen des Vereinsengagements bilden die Erhebungen des Deutschen Sportbundes, die mit weiteren Untersuchungen verglichen werden. Um schließlich das Sportverhalten der Bundesbürger zu differenzieren, werden im Anschluß daran Befunde zum Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Sportengagement aufgegriffen. Dazu werden horizontale und auch vertikale Merkmale als Einflußgrößen auf sportliche Aktivitäten herangezogen.
 

2. Die Entwicklung des modernen Sports

2.1. Das Sportsystem


Gesamtgesellschaftlich betrachtet stellt der moderne Sport ein eigenständiges soziales Teilsystem dar, das sich „neben den alten Basisinstitutionen der Familie, Religion, Wirtschaft und des Staates zu einer modernen und national und international einflußreich vernetzten sozialen Institution (...)“ (Weis, 2000, S. 364f.) entwickelt hat. Um diese Entwicklung bis zur Gegenwart verstehen zu können, erscheint es notwendig, die sozialhistorische Genese des Sports zu erläutern und in ihren verschiedenen Stadien zu deuten. Dazu wird hier die Entwicklung chronologisch beschrieben und gleichsam in Verbindung mit sozialgeschichtlichen Veränderungsprozessen erklärt. Dadurch läßt sich gleichzeitig herausstellen, wie sich der moderne Sport von anderen körperlichen Bewegungsformen unterscheidet und welche formal-strukturellen Merkmale ihn kennzeichnen.

[...]


1. Der Spitzensport kann in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden, da nach Schätzungen nicht mehr als 1% der Sportler Hochleistungssportler sind (vgl. Heinemann, 1998). Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, daß der Bereich den Spitzensports teilweise schon als völlig entbehrlich angesehen (Schimank, 2001).
 

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