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Details

Veranstaltung: Seminar
Institut: Fachhochschule
Tags: Bedeutung, Armut, Kindesalter, Seminar
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 126 KB
Archivnummer: V50713
ISBN (E-Book): 978-3-638-46881-7

Textauszug (computergeneriert)

Bedeutung von Armut im Kindesalter

von: Claudia Lüttig

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Einführung in die Thematik der Armut 2

2.1 Armut: Begriff und Definition
2.2 Armutskonzepte und Indikatoren 3

3 Sozioökonomische Lebenslagen von Kindern in Armut 5

3.1 Armutsbetroffenheit von Kindern und Familien
3.2 Einflussfaktoren auf die Lebenslage von Kindern 8
3.3 Lebenssituation von armen Kindern: Dimensionen & Erscheinungsformen der Armut im Kindesalter 10

4 Auswirkungen von Armut auf Kinder 11

4.1 Ebenen der Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern 12
4.2 Auswirkungen und Folgen der Armut in zentralen Lebensbereichen 13

4.2.1 Teilhabe am Konsum
4.2.2 Wohnen 14
4.2.3 Erziehung 17
4.2.4 Psychische Belastungen und Intelligenzentwicklung 18
4.2.5 Bildung 19
4.2.6 Freizeit, Sozialbeziehungen, Isolation 20
4.2.7 Gesundheit 22

5 Schlussbetrachtung 23




 

1 Einleitung

Armut ist, hinsichtlich der Betroffenheit, in unserer Gesellschaft ein zentrales Thema. Finanzielle Knappheit, Arbeitslosigkeit und Armut verdichten sich in vielen Familien zu massiven Problemlagen und die unter diesen Bedingungen erschwerte Gestaltung des Alltags gehört bei einem beträchtlichen Anteil der Kinder und Jugendlichen zur alltäglichen Lebens- und Erfahrungswelt. Zu dieser Lebenswelt gehört vor allem die Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche Mangel und Entbehrungen in vielseitigen Bereichen ihres Lebens erfahren müssen. Darüber hinaus erleben viele von diesen Kindern Ausgrenzung in Kindergarten oder Schule bis hin zu Stigmatisierung und Diskriminierung. Eltern, Familie, Pädagogen und nicht zuletzt die Gesellschaft verlangt von ihnen in unsichtbarer Weise, dass die Kinder unter diesen erschwerten Bedingungen leben, sich entwickeln und mit ihnen umgehen lernen, je unauffälliger, desto besser. Dennoch sind die erschwerten Bedingungen von Familien in Armutslagen als gesundheitliche und psychosoziale Entwicklungsrisiken für die Kinder zu sehen, die wiederum je nach persönlichen Risiko- und Schutzfaktoren versuchen, diese Bedingungen und die damit verknüpften Erfahrungen zu verarbeiten oder zu kompensieren. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche die Mangelerfahrungen unterschiedlich gut auffangen können und es aufgrund dessen zu unterschiedlichen Auswirkungen der Armut kommen kann.

Zur Einführung in das Thema der Armut bei Kindern und Jugendlichen möchte ich im ersten Teil meiner Arbeit die Formen von Armut und Unterversorgung skizzieren und daraufhin die Armutsbetroffenheit, also dass Ausmaß der (Einkommens-) Armut unter Kindern beschreiben. Im Hauptteil der Arbeit möchte ich sowohl die Lebenswelt bzw. Lebenslagen eines Kindes in Armut beschreiben, als auch die Auswirkungen der Erfahrungen die Kinder in Armutslagen machen, erläutern und die Folgen in den unterschiedlichen Bereichen der kindlichen Entwicklung verdeutlichen.

Besonders ist mir in meiner Ausarbeitung daran gelegen, die Lebenssituation und Lebenswelt von Kindern in Armutslagen, sowohl in ihren materiellen Einschränkungen, als auch an der Teilhabe in zentralen Lebensbereichen zu verdeutlichen, um selbst in der Erkennung dieses sich immer weiter ausbreitenden Phänomens mehr Wissen zu erlangen und im Umgang mit betroffenen Kindern sensibler zu werden.

2 Einführung in die Thematik der Armut

2.1 Armut: Begriff und Definition

Bereits seit Jahren werden Armuts- und Unterversorgungslagen in Deutschland wissenschaftlich erforscht. Ein unlösbares Problem besteht in der langjährigen Forschungstradition darin, den Begriff Armut theoretisch zu erfassen und zu definieren. Diese Schwierigkeit ergibt sich aus der Vielschichtigkeit von Armuts- und Unterversorgungslagen, so dass eine absolute, allgemeingültige Definition von Armut nicht existieren kann. Vielmehr wird innerhalb einer empirischen Untersuchung der Begriff Armut, je nach Standpunkt und Forschungsinteresse, neu normiert und konzipiert.

Wie bereits erwähnt kann Armut in unterschiedlicher Intensität und in unterschiedlichen Facetten auftreten. Dementsprechend vielseitig sind sowohl die Armutsbegriffe, als auch die Armutskonzepte innerhalb der Armutsforschung. In den westlichen Industrieländern geht es jedoch weniger um die absolute Armut, in dem Sinne, dass das physische Überleben eines Menschen bedroht ist, sondern eher um die Frage eines menschenwürdigen Lebens. Aufgrund dessen ist die Armut in Deutschland weniger als absolute Armut, sondern vielmehr als relative Armut, also im Vergleich und gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, so wie den durchschnittlichen Lebensweisen zu sehen. Darüber hinaus muss die Armut umfassend und in ihrer Mehrdimensionalität gesehen und bestimmt werden. Das bedeutet, dass die Armut nicht nur aufgrund monetärer Ressourcen, sondern unter Berücksichtigung der Beeinträchtigung weiterer Lebensbereiche, wie Arbeit, Gesundheit, Bildung, Wohnen..., zu erfassen ist. Des weiteren sind auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen von grosser Bedeutung, die die Verfügbarkeit von Handlungsspielräumen bestimmen, ermöglichen oder einschränken.1 Eine mögliche Begriffsbestimmung in diesem Sinne wäre die Definition des EU Rates von 1984, die davon ausgeht, dass Personen, Familien und Gruppen als arm gelten, ,,die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist.“2

In diesem weit gefassten Armutsverständnis wird sowohl die Relativität, als auch die Mehrdimensionalität eines angemessenen Armutsverständnisses sehr deutlich. Die Armut muss demnach im Zusammenhang und in Relation zu gesellschaftlichen Standards bzw. als die Ungleichheit von Lebensbedingungen und infolgedessen, als eine Ausgrenzung aus dem gesellschaftlich akzeptierten Bereich verstanden werden. Aus diesen Gründen reichen auch in der Forschung zur Messung und Bekämpfung von Armut eindimensionale und einseitig orientierte oder lineare Konzepte nicht aus. Aus der Vielseitigkeit der Armutslagen ergibt sich auch der Facettenreichtum der Armutskonzepte.

2.2 Armutskonzepte und Indikatoren

Innerhalb des Verständnisses einer relativen Armut wird zwischen dem Ressourcenansatz und dem Lebenslagenansatz unterschieden, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen.

Der Ressourcenansatz
Lange Zeit dominierte in der Armutsforschung der Ressourcenansatz, der sich an der finanziellen Ausstattung, einer Person bzw. einer Familie orientiert. Unter Verwendung dieses Ansatzes wird als Bemessungsgrundlage der Armut meistens das verfügbare Einkommen berücksichtigt. Innerhalb dessen wird der Sozialhilfebezug oder ein unterdurchschnittliches Einkommen als Indikator herangezogen. Hier werden die Sozialhilfegrenze und die relative Einkommensarmutsgrenze (Einkommensarmut) als Armutsschwellen betrachtet.3 Allerdings wird der Sozialhilfebezug eher als Armutsbedrohung denn als Armut gewertet. Der Sozialhilfebezug stellt eine Form der ,,bekämpften Armut“ dar, ist also gedacht, um Armut in unserem Staat zu verhindern. Aufgrund dessen wehrt man sich dagegen, Sozialhilfeempfänger direkt als Arme zu bezeichnen. Dennoch stellt die Zahl derer, die Sozialhilfe beziehen, einen Maßstab dafür dar, wie viele Menschen auf staatliche, finanzielle Hilfen angewiesen sind, um ihre physische Existenz und ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Teilhabe zu sichern. Demnach befinden sie sich in einer vergleichbar sozio-ökonomisch benachteiligten Lage.

[...]


1 Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): Kinder und Jugendliche in Armut: Umfang, Auswirkungen und Konsequenzen. Opladen: Westdeutscher Verlag 1998, S.52ff

2 Zit. in: Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: Lebenslagen in Deutschland: Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Bonn: Eigenverlag 2001, S.7

3 Klocke, A. & Hurrelmann, K. (Hrsg.): a.a.O., S.53

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