Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Laury Sarti
Fach: Archäologie
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Institut für Klassische Archäologie)
Tags: Thermen, Korinth
Jahr: 2005
Seiten: 31
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 277 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47031-5
Diese Arbeit zeigt, dass es vermutlich von Beginn an einen griechischen Einfluss auf die römischen Badeanlagen in Griechenland gegeben hat, dh. dass die römische Bauweise, im Gegenteil zu den meisten anderen durch die Römer besetzten Regionen, sich nie ganz in Griechenland durchgesetzt hat.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg
Institut für Klassische Archäologie
Seminar : » Korinth «
Sommersemester 2005
Die (griechischen und römischen) Thermen in Korinth
von: Laury Sarti
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
1.1 DIE THERMEN IN DER GRIECHISCH-RÖMISCHEN WELT 3
1.2 IM INNEREN DER THERMEN 5
2 DIE THERMEN IN KORINTH 6
2.1 SCHRIFTLICHE ÜBERLIEFERUNG, AUSGRABUNGS- UND FORSCHUNGSLAGE 6
2.2 DER ARCHÄOLOGISCHE BEFUND 7
2.2.1 Die griechischen Bäder 8
2.2.2 Die kaiserzeitlichen Thermen 10
2.2.2.1 Kleinere und mittelgrosse Anlagen 11
2.2.2.2 Das Grosse Bad an der Lechaionstrasse 14
2.2.3 Die spätantiken Badeanlagen 18
3 DIE THERMEN UND DAS GRIECHISCH-RÖMISCHE KORINTH 20
3.1 CHRONOLOGISCHE EINORDNUNG UND BEDEUTUNG DER KORINTHISCHEN BADEANLAGEN 20
3.2 EIGENARTEN DER RÖMISCHEN THERMEN IN KORINTH 23
3.3 RÖMISCHE THERMEN IN GRIECHENLAND? 25
4 SCHLUSSFOLGERUNG 28
5 BIBLIOGRAPHIE 30
5.1 QUELLEN 30
5.2 SEKUNDARLITERATUR 30
1 Einleitung
Die Stadt Korinth war 146 v. Chr. in Folge des römischen Eroberungszuges völlig zerstört worden und erst ein Jahrhundert später, 44 v. Chr., wieder neu aufgebaut worden1. Dadurch hat sie in ihrer Entwicklung klar voneinander trennbar, eine griechische und eine römische Phase erlebt, welche sich durch das abrupte Ende der ersten und dem planhaften Neubeginn der anderen, auf den ersten Blick scheinbar weniger gegenseitig beeinflusst haben, als dies bei anderen Städten der Fall gewesen sein müsste. Einen solchen Bruch müsste demnach auch in der Gestaltung der unterschiedlichen Bauten, welche diese Stadt prägten, zu erfassen sein. Aus diesem Grund soll im Rahmen dieser Arbeit anhand einer genaueren Betrachtung der Badeanlagen, welche sowohl in griechischer, als auch in römischer Zeit von spezifischen Merkmalen gekennzeichnet wurden, versucht werden, Hinweise auf eine solche Prägung zu finden. Da es solche Anlagen jedoch nicht nur in Korinth gegeben hat, sondern es sich hierbei vielmehr um ein Phänomen handelte, welches sich spätestens seit der Kaiserzeit in der ganzen Mittelmeerwelt verbreitet hatte, soll zuerst geklärt werden, welche Rolle und Bedeutung diese in der damaligen Zeit und Gesellschaft gehabt haben. Wie hat das Innenleben der Thermen ausgesehen? Welche Funktionen hatten die Räume, die Bestandteil dieser Anlagen waren? Im Hauptteil sollen in einem ersten Kapitel, neben einer Beschreibung der archäologischen Befunde, im Vordergrund stehen, welche Art von Thermen es in Korinth gegeben hat, wodurch sie sich als solche kennzeichneten und wie sie sich zeitlich und räumlich innerhalb der Stadt verteilten. In einem zweiten Kapitel soll eine chronologische Einordnung dieser Anlagen vorgenommen werden, die Eigenarten dieser Bäder zusammengefasst, und geschaut werden, welche Bedeutung sie womöglich für die Stadt Korinth hatten. Vor allem aber soll festgestellt werden, inwiefern es eine griechische Beeinflussung im Bau der römischen Anlagen gegeben hat. Wurden die römischen Thermen in Griechenland in ihrer italischen Prägung übernommen, oder hat die griechische Badetradition, in abgewandelten Formen römischer Bäder oder sogar im Fortbestehen einheimischer Anlagen, in Korinth bis in die Kaiserzeit überlebt?
1.1 Die Thermen in der griechisch-römischen Welt
Eine Inschrift aus Timgard in Nordafrika hat die Bedeutung der Thermen eindrucksvoll beschrieben: Venari lavari ludere ridere occ est vivere. Wie aus diesem Text klar hervorgeht, waren diese Räumlichkeiten nicht alleine ein Ort der Körperpflege und Heilung, sondern dienten auch als Übungs- oder Spielräume, als allgemeiner Treffpunkt und boten darüber die Möglichkeit, diverse Speise zu sich zu nehmen2. Sport wurde meist in einer Palästra oder anderen unbeheizten Räumen betrieben, die Exedren der Säulenhöfe konnten für intellektuelle Tätigkeiten wie Reden, Lesungen, Musik oder Diskussionen genutzt werden und in den Thermeninnenräume, wo Prostituierte mit Vorliebe neue Freier anwarben, wurden gerne Skulpturen und Inschriften zu Ehren der städtischen Würdenträger und Wohltäter aufgestellt3. Aus diesem Grund herrschte in den Badeanstalten »ein buntes und geselliges Treiben. Ein reges Kommen und Gehen, Schreien und Rufen, Spiel und Sport«4. Die Stimmung innerhalb der Thermen muss demnach etwas Besonderes gewesen sein: denn es stand keinesfalls für jeden selbstverständliches warmes Wasser in grossen Mengen zur Verfügung, die Luft dampfte, das Marmor schimmerte in der feuchten Luft, die Stimmen rannen wie ein Murmeln durch die Gänge und in grösseren Räumlichkeiten vervielfältigten sich die Geräusche in einem Echo5. Mit Hinsicht auf diese unglaubliche Vielfalt an Erholungs- und Vergnügungsmöglichmkeiten, kann auch Martials Bewertung besser verstanden werden: Quid Nerone peius? Quid thermos melius Neronianis? (Mart. Epigr. VII 34,4 f.). Die häufig inschriftlich bezeugten Worte Vetustate conlapsum, anhand welcher die Menschen sich für die Wiederherstellung ihrer Bäder bedankten, zeigt wiederum, welche Bedeutung diese für sie gehabt haben müssen. Da nur private Bäder darauf angewiesen waren, mit Gewinn zu funktionieren, war der Eintritt für öffentliche Thermen darüber hinaus relativ billig oder sogar kostenlos6, so dass hier Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten - auch Sklaven durften in den Thermen baden - zusammentrafen. Resultat war das Tummeln einer bunten Mischung von Menschen in den langen Gängen der immer öfters riesigen Anlagen. In selteneren Fällen kam es sogar vor, dass Männer gleichzeitig mit Frauen badeten. Da dies jedoch allgemein nackt geschah, muss davon ausgegangen werden, dass in diesem Fall zumindest die Frauen mit einem Schurz (subligar) bekleidet blieben7. Getrennte Räume für Männer und Frauen waren nur selten vorhanden. Darum wurden in der Regel die einzelnen Geschlechter lediglich zu unterschiedlichen Zeiten in die Thermen eingelassen8.
1.2 Im Inneren der Thermen
Als Grundausstattung einer Therme gelten eine Heizmöglichkeit, der Zugang zu Wasser und eine Abflussmöglichkeit9. Wasser wurde meist von einem grossen Verteilerbecken (castellum) in Schwimmbassins, Waschbrunnen (labrum) und Badewannen (alveus) geleitet und häufig gewechselt. Eine bedeutende Neuerung ab dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. war die Einführung des Hypokaustes. Diese Fussbodenheizung bestand aus einem Hohlraum unter dem Boden, getragen von 60-90 cm hohen und 20 cm2 breiten Ziegelpfeilern, wohin die in einem Heizraum (praefurnium) erwärmte Luft verteilt wurde. Ergänzt wurde diese Anlage im 1. Jahrhundert n. Chr. durch Wand- und Deckenbeheizung anhand Ziegelrohrleitungen (tubuli)10. Der durch die heisse Luft erhitzte Hohlraum (hypokausis), gab diese an die über ihm gelegene Fussböden oder Badewannen ab11.
Charakteristisch für die römischen Bäder ab späthellenistischer Zeit war immer öfters eine Reihe von mindestens drei unterschiedlichen Raumtypen, welche sich durch ihre jeweilige Temperatur und die daraus resultierende Verwendungsmöglichkeiten unterschieden12. Der Badeteil selbst kennzeichnete sich vor allem durch kompakte Mauermassen und Gewölbekonstruktionen, welche der hohen Feuchtigkeit in den Räumen am besten standhalten konnten. Nebenräume wie Bewegungs-, Gesellschafts-, oder Sporthallen, Eingangs- oder Umkleideräume, welche weniger mit der Feuchtigkeit in Kontakt standen (cf. Virtruv V 10, 3), konnten mit leichterem oder sogar vergänglichem Material gebaut werden. Damit die Mittagssonne optimal genutzt werden konnte - denn gebadet wurde, gemäss Virtruv, vor allem von Mittags bis Abends13- wurden die Räume meist nach Süden ausgerichtet erbaut14. Der nicht immer vorhandene Baderaum mit der höchst möglichen Temperatur, hervorgerufen durch das permanente Erhitzen der Luft, war das sudatorium15. Es konnte mit einem trockenheissen Schwitzbad (laconicum) verbunden sein16. Unter der Bezeichnung caldarium wurde ein hypokautierter Raum mit einem oder mehreren Heisswasserwannen (alvei), in manchen Fällen sogar zusammen mit einem rundlichen Becken, in dem kaltes Wasser sprudelte (labrum), verstanden17.
[...]
1 E. MEYER, LAW1598-1599.
2 BIERS 2003, 303.
3 NIELSEN 1990, 144-145.
4 HEINZ 1985, 142.
5 YEGÜL 1992, 4.
6 NIELSEN 1990, 124.
7 Wie uns die inschriftlich überlieferte Lex Metalli Vipascensis aus Portugal mitteilt, zahlten zumindest in diesen Teilen des römischen Reiches die Frauen mehr als die Männer, d.h. anstatt einen ½ As, den Preis von einem As. HEINZ 1985, 27; 144-154.
8 So wurden z.B. in die Trajans-Thermen nur Frauen zugelassen. Gemischte Anlagen wurden darüber hinaus von den Behörden nicht gerne gesehen C. KRAUSE, LAW 3061.
9 BIERS 2003, 310.
10 C. KRAUSE, LAW 3060-3061.
11 BRÖDNER 1983, 20.
12 C. KRAUSE, LAW 3060-3061.
13 HEINZ 1985, 32.
14 BRÖDNER 1983, 99-103.
15 C. KRAUSE, LAW 3060-3061.
16 HEINZ 1985, 34. Diese Heissluftsäle waren vor allem in den frühen Thermen und Militärbädern ein fester Bestandteil der Anlage. BRÖDNER 1983, 103.
17 Das labrum war aus dem griechischen Kulturraum übernommen worden. HEINZ 1985, 32.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: