Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Laury Sarti
Fach: Archäologie
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg
Tags: Eleusinischen, Mysterien, Installationen, Einweihung, Mysterienfeier, Funktionen, Heiligtümer
Jahr: 2005
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 32 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 211 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47032-2
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hamburg
Institut für Klassische Archäologie
Seminar: »Die Funktionen griechischer Heiligtümer«
Sommersemester 2005
Die Eleusinischen Mysterien –
Installationen für Einweihung und Mysterienfeier
von: Laury Sarti
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG 3
A. DIE ANTIKEN MYSTERIENKULTE 3
B. DIE ELEUSINISCHEN MYSTERIEN 5
II. DER MYSTERIENKULT IN ELEUSIS 8
A. SCHRIFTLICHE QUELLEN- UND FORSCHUNGSLAGE 8
1. Die schriftlichen Quellen 8
2. Ausgrabungs- und Forschungsgeschichte 10
B. BESCHREIBUNG DER ERHALTENEN FUNDE 11
1. Die überlieferten Darstellungen 11
2. Der architektonische Befund 15
a) Das archaische Heiligtum 17
b) Das klassische Heiligtum 19
C. DIE GROSSEN MYSTERIEN IM ELEUSINISCHEN HEILIGTUM 21
1. Der Weg der Mysten 21
2. Die Telete 24
3. Die Epopteia 25
III. SCHLUSSFOLGERUNG 27
IV. BIBLIOGRAPHIE 29
I. EINLEITUNG
Riten, welche Übergänge wie Geburt, Alter oder Tod im Leben eines Individuums markieren sollten, hat es womöglich in den meisten bekannten Kulturen gegeben. Zu diesen sogenannten Initiationsriten werden auch die in der Antike weit verbreiteten Mysterienkulte gezählt, welche, im Gegensatz zu den meisten dieser Kultformen, keinen äusseren, sondern den inneren Wandel einer Person festhalten sollten1. Unter ihnen gilt der für die griechische Polis Eleusis belegte Mysterienkult als der älteste2. Dieser vielseitig überlieferte Kult hat bis in die Spätantike hinein mindestens ein Jahrtausend lang bestanden und entwickelte sich von einem lokalen- zu einem weltweit besuchten Ereignis3. Aus diesen Gründen, und nicht zuletzt, weil dieser Kult Vorbild für viele später auftauchende Mysterienweihen gewesen ist4, sollen die Einrichtungen archaischer und klassischer Mysterienheiligtümer beispielhaft anhand von Eleusis betrachtet werden. Um diese jedoch richtig verstehen zu können, soll vor dem Betreten dieses Heiligtums, der historische und kulturelle Kontext der antiken Mysterien allgemein und des eleusinischen Kultes im besonderen, näher beleuchtet werden. Im Hauptteil soll dann, neben der chronologischen Einordnung und Darstellung der Befunde, vor allem folgenden Fragen nachgegangen werden: Welche Mysterieneinrichtungen hat es in Eleusis gegeben? Welche Objekte wurden für die hier zelebrierten Riten benötigt? Wodurch zeichneten sich diese Anlagen und Gegenstände aus? In welchem Rahmen sind sie genutzt worden?
A. DIE ANTIKEN MYSTERIENKULTE
Mit dem Wort mysterion, welches erstmals bei Herodot (II 51) bezeugt ist, wurde die „Geheimlehre“, im Plural der Geheimdienst einer Gottheit, besonders jenen der Demeter in Eleusis, bezeichnet5. Vermutlich ist es vom Verb myein, mit der Bedeutung „(sich) schliessen, verschliessen“, abzuleiten6. Das Wort orgia ist bereits für die Zeit Homers belegt (Hom. Hymn. Dem. 273.476), und stellt somit die ältere Bezeichnung zur Charakterisierung von im Verborgenen stattfindenden Riten dar7. Der hiermit bezeichnete Mysterienkult war meist um einen Mythos herum aufgebaut, dessen zentrale Figur, am häufigsten ein sterbender Gott in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen8 - meistens in der eines Vegetationsgottes9 - eng mit dem Höhepunkt der Einweihung in die Kultgemeinde, der Schau, verbunden war10 (hier Demeter und Persephone).
Wie der vermutlich älteste Mysterienkult in Eleusis, zählen auch die Mysterien des Dionysos oder Bacchos zu den Urmysterien. Sie sind um die selbe Zeit wie die eleusinischen entstanden und, sind spätestens für die Frühklassik bezeugt11. Der hiermit verbundene Mysterienkult (cf. pompeijanische Mysterienvilla) ist allerdings, nicht zuletzt wegen seiner uneinheitlichen Zehlebrationsweise, dem Fehlen eines Zentralheiligtums und überhaupt der geringen Zahl an gefundenen Heiligtümern12, noch schwieriger zu fassen, als der eleusinische Kult. Auch die Kabirenmysterien auf Samothrake, Lemnos und Theben, so wie die Mysterien des Asklepios in Epidauros13 oder die Mysterien des thrako-phrygischen Gottes Sabazios in Athen14, sind noch in frühere Zeiten zu datieren. Hierbei soll nur kurz angemerkt werden, dass bei der Betrachtung der Standorte dieser frühen Kulte auffällt, dass diese, zumindest in frühen Zeiten, meist von Thrakern bewohnt gewesen sein sollen15. Ob daraus geschlossen werden muss, dass die Mysterienkulte auf einen thrakischen Ursprung zurückzuführen sind, kann jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht geklärt werden.
Aus diesen frühen Kulten, allen voran den eleusinischen und dionysischen, entwickelten sich seit hellenistischer Zeit neue oder abgewandelte Formen der Mysterienweihe16, wie z.B. die Kulte um Kybele, Isis, oder Mithras. Den Göttern Zeus, Hera, Artemis oder Apollo waren vor allem in Kleinasien Mysterien geweiht17. Neben diesen grösseren und panhellenischen Mysterienkulten hat es jedoch Pausanias zu folge18 auch in vielen kleineren Dörfern lokale Weihungen gegeben. Die Typologisierung dieser demnach sehr unterschiedlichen Kulte, welche sich, als beliebte Alternative der religiösen Begegnung gegenüber dem Staatskult, in den folgenden Jahrhunderten in der ganzen damals bekannten Welt verbreiteten, wird in der Forschung unterschiedlich gehandhabt. Tatsächlich können diese Kategorisierungen der enormen Vielfalt dieser Kulte jedoch nicht gerecht werden19. Und auch wenn die von Kloft festgelegten vier Entwicklungsphasen nicht in bezug auf jeden dieser Mysterienkulte im Detail stimmen müssen, so führt seine Chronologie doch eine allgemeine Tendenz ihrer Geschichte anschaulich vor Augen: in einer erste Phase (erste Hälfte des 1. Jahrtausend v. Chr.) dienen lokale Vegetations- oder Naturgottheiten zur Versinnbildlichung der Naturkräfte, eine zweite (5.-1. Jahrhundert v. Chr.) wird durch das Heimischwerden dieser Gottheiten in einer für sie zunächst fremden Umgebung, die Bildung von Kultgemeinschaften und die sprachliche Fassung durch den Mythos kennzeichnet und eine dritte Phase (römische Kaiserzeit), welche sich nicht grundlegend von den vorhergehenden unterscheidet, zeichnet sich vor allem durch die Blüte und weiträumige Ausbreitung der Kulte, so wie durch den immer stärkeren Hang zum Synkretismus aus. Die vierte Phase (Spätantike) erlebt den Niedergang und das Ende der Mysterienkulte, allmählich verdrängt durch die christlichen Heidenverfolgungen des 4. Jahrhunderts n. Chr.20.
B. DIE ELEUSINISCHEN MYSTERIEN
[...]
1 BURKERT 1990, 15. Darüber hinaus hat Gennep zeigen können, dass sehr ähnliche Formen von Mysterienriten, mit erstaunlichen Parallelen, z.B. für Afrika und sogar Australien belegt sind. GENNEP 1981, 127-131.
2 SCHNEIDER 1979, 14-15.
3 KLOFT 1999, 102-107.
4 SCHNEIDER 1979, 15-32.
5 Übersetzung nach GEMOLL 1965, 514.
6 Diese Bezeichnung kann sowohl auf den Mund, als auch auf die Augen bezogen, verwendet werden. KLOFT 1999, 7. Ähnlich: KERÉNYI 1962, 61. Demnach könnte sich seine ursprüngliche Bedeutung z.B. auf das helle Licht bei der Offenbarung, welches den Schauenden für einen Augenblick zwang die Augen zu schließen, oder aber auf das Schweigegelübde, welches jeder Eingeweihte einhalten musste, beziehen. SCHNEIDER 1979, 7-8.
7 KLOFT 1999, 9.
8 SCHNEIDER 1979, 9.
9 KLOFT 1999, 86-91.
10 BREMMER 1996, 94.
11 Ebd., 29.
12 Seltene Reste eines Dionysostempel sind z.B. auf der thrakischen Insel Thasos gefunden worden. SCHNEIDER 1979, 24-32. Auch würde Übereste eines solchen südlich der Akropolis von Athen gefunden. GOETTEHAMMERSTÄDT 2004, 26-27.
13 SCHNEIDER 1979, 32-35.
14 MIRCEA 1992, 73.
15 Die Urbevölkerung von Eleusis waren Thraker, und da die Mysterien des Gottes Sabazios in Athen von Mirdea als thrako-phrygisch bezeichnet werden, scheinen auch sie auf solche Wurzeln zurückzuführen sein. MIRCEA 1992, 66; 73. Auch die sagenhaften Ureinwohner der Insel Lemnos sollen Thraker gewesen sein. SCHARF 1988, 27-38. Der bereits erwähnte Dionysostempels (cf. Anm. 13) steht auf der thrakischen Insel Thasos. Standort und Name der Insel Samothrake machen es darüber hinaus sehr wahrscheinlich, dass auch dieser Mysterienkultort ursprünglich von Thrakern bewohnt gewesen ist.
16 SCHNEIDER 1979, 15.
17 KLOFT 1999, 25-83.
18 Pausanias erwähnt die unterschiedlichsten Mysterienkulte in beinahe jedem seiner zehn Bücher: I 2,5; 14,2; 38,3; II 3,4; 14,1-4; 36,7; 37,2; 38,3; IV 1,6-7; 1,9; 3,10; 14,1; 26,8; 27,5; 33,5; 34,11; VIII 23,4; 26,1; 29,1; 31,7; 37,2; 37,8; IX 25,7; 30,4-5; 30,12; 35,3; X 7,2; 31,11; 38,7.
19 So teilt z.B. Anton die Geheimkulte des Altertums in vier Kategorien, darunter »die orphischen, samothakischen, eleusinischen und die Isis-Mysterien«. ANTON 1899, 4. Dagegen zählt Burkert fünf unterschiedliche Erscheinungsformen: die Mysterien von Eleusis, die dionysischen oder bacchischen Mysterien, so wie den Mysterien der Meter (Kybele), der Isis und des Mithras. BURKERT 1990, 11-13.
20 KLOFT 1999, 102-108.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: