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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 21 Pages
Author: Stefan Oberläuter
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Technical University of Berlin (Literaturwissenschaftliches Institut)
Tags: Brot, Wein, Götter, Griechenlands, Vergleich, Hauptseminar, Schiller, Hölderlin
Year: 2005
Pages: 21
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47059-9
File size: 180 KB
Brod und Wein / Die Götter Griechenlands, ein Vergleich zwischen den Dichtungen von Schiller und Hölderlin
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
Literaturwissenschaftliches Institut
Hauptseminar: Die Götter Griechenlands, Schiller und Hölderlin
Brot und Wein / Die Götter Griechenlands - ein Vergleich
von: Stefan Oberläuter
Inhalt
1.) Einleitung: S. 3-4.
2.) Religion, Geschichte, Elegie: S. 4-6.
3.) Die Götter Griechenlands: S. 6-12.
4.) Brod und Wein: S. 13-18.
5.) Zusammenfassung / Vergleich: S. 18-19.
6.) Literaturangaben: S. 20.
1.) Einleitung.
Ein Vergleich zwischen der gewaltigen, bedeutenden Elegie „Brod und Wein“ Hölderlins sowie dem Gedicht „Die Götter Griechenlands“ von Friedrich Schiller ist nicht nur ein Vergleich zweier der bekanntesten deutschen Dichter, sondern zugleich der ihrer vielleicht bedeutendsten Werke. Die epochemachenden Werke, anzusiedeln um das Jahr 1800, entstanden in einer nicht nur für die europäische Geschichte unendlich wichtigen Zeit, diese Zeit ist mindestens ebenso bedeutend und einflussreich für die Literatur und Philosophie unseres Kontinents. Schillers „Götter Griechenlands“, erschienen 1788 im Teutschen Merkur (in der ersten Fassung), warf man antichristliche Tendenzen und Lästerei vor, obgleich Schiller selbst der Meinung war, dass sein Gedicht wohl das Beste sei, was ich neuerdings hervorgebracht habe. Unter dem Eindruck zahlreicher Kritik bearbeitete er es schließlich, kürzte es von 25 Strophen herunter auf 16 und arbeitete es stellenweise um. Für diese Seminararbeit soll die erste Fassung vom März 1788 herhalten.
Hölderlins Elegie „Brod und Wein“, entstanden 1800/1801, ist als poetische Rezeption des Schiller – Gedichts zu sehen. Der erste Unterschied wird schon im Aufbau seiner klassischen Elegie sichtbar. Neun Strophen, zu unterteilen in jeweils drei Abschnitte zu jeweils drei Strophen nehmen sich nicht nur weitaus kürzer und klarer aus, bei Hölderlin ist die Gliederung, wie wir später noch sehen werden, anders als bei Schiller von grundlegender Bedeutung für den Gehalt seiner Elegie. Um die Seminararbeit auch dem Seminarplan folgen zu lassen, ergibt sich die Gliederung der Arbeit aus den kurzen Vorbemerkungen. Zunächst soll mittels Erläuterung der Grundlagen, also den Voraussetzungen -dem Nährboden der beiden Dichtungen- die Grundlage zu einer Interpretation des Gedichts „Die Götter Griechenlands“, dann der Elegie „Brod und Wein“ gegeben werden. Beginnen werde ich mit Schiller. Inwieweit ist er beeinflusst von der Antike? Worauf beziehen sich die Vorwürfe, nach denen Schiller ein Gedicht mit antichristlichen Tendenzen schrieb? Weiterhin wird zu klären sein, was den Aufbau der beiden Dichtungen ausmacht, worin genau der Unterschied zwischen Schillers Gedicht mit elegischem Charakter und der von Hölderlin gewählten klassischen Form der Elegie besteht. Nach der Interpretation soll dann der direkte Vergleich der beiden Dichter und ihrer hier angesprochenen Werke folgen, um abschließend den Platz der beiden im literarhistorischen Gesamtkontext festzustellen. Die Interpretation „Der Götter Griechenlands“ und „Brod und Wein“ steht im Vordergrund. Ganz am Ende der Arbeit wird die verwendete Literatur gezeigt, bei der ich vielmehr auf ein breiteres Spektrum als auf den wirklich neuesten Forschungsstand Wert gelegt habe.
2.) Religion, Geschichte, Elegie.
Der Vergleich zwischen Antike und Moderne ist nicht neu. Bereits vor der deutschen Aufklärung beschäftigten sich Moliére und Racine mit einer Rückwendung zur Antike. Grund dafür war ein Empfinden der Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation. So schwappte der französische Einfluss unter Gottsched auf dem Gebiet der Literatur nach Deutschland. Der Einfluss der Franzosen im historischen Kontext um das Jahr 1800 herum dürfte hinreichend bekannt sein. „Wenn man davon ausgeht, dass Schillers Gedicht ein Jahr vor dem Ausbruch der französischen Revolution geschrieben wurde und sich der Dichter immer als >>ein Seismograph für die politischen und geschichtlichen Strömungen seiner Zeit<< erwiesen hat, so wird man (...) auch die für Schillers Gegenwart bestürzende Aktualität des Gedichts erkennen.“1 Klopstock und Winckelmann nahmen sich die griechische Antike zum Vorbild, Goethe und Schiller schließlich begründeten den klassischen deutschen Griechenlandmythos.
Das Gedankengut der Aufklärung und der Fortschrittsglaube des ausgehenden 18. Jahrhunderts bildeten die Voraussetzungen für die Kantsche Geschichtsphilosophie. Dessen Schriften Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen beeinflussten Schiller stark, sehr gut zu sehen in seinem Aufsatz Über naive und sentimentalische Dichtung. Friedrich Schiller erscheint hier mit seinen „Göttern Griechenlands“ als Dichter der Aufklärung, der eben klagend auf die entgötterte Welt zeigt. Im Zuge der Reformation waren die Götterbilder entfernt worden, aus den Kirchen, vielleicht aber nicht aus den Herzen der Menschen. Der Klage über die entgötterte Welt folgte die Forderung nach einer neuen Mythologie. Die Erinnerung an die vergangene Zeit verknüpft Schiller zugleich mit der Hoffnung auf eine neue, die da noch kommen wird.
Die Hoffnung auf eine neue Zeit, auf einen vielleicht kommenden Gott, ist auch bei Hölderlin im christlichen Glauben, in dessen christlichen Wurzeln zu suchen. Der Titel der Elegie „Brod und Wein“ sollte ursprünglich lauten: „Der Weingott“. Hölderlin stellt die Götternacht dem Göttertag voran. Er kombiniert in seiner Dichtung Christentum mit Griechentum, schuf so eine Verbindung von Kunst und Religion.
[...]
1 Wolfgang Frühwald: Die Auseinandersetzung um Schillers Gedicht (...); S. 261.
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