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Autor: Stefan Oberläuter
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Berlin (Literaturwissenschaftliches Institut)
Tags: Bertolt, Brechts, Hauspostille, Bertolt, Brecht, Dichtung
Jahr: 2004
Seiten: 15
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 4 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 169 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-47060-5
Brechts Hauspostille, eine zusammenfassende Analyse.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Berlin
Institut für Literaturwissenschaft
Neuere Deutsche Philologie
Proseminar Textinterpretation: Brechts Lyrik
Bertolt Brechts Hauspostille
von: Stefan Oberläuter
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung: Seite 3 - 4
2.) Vom Armen B.B.: Seite 4 - 8
2.1) Von Der Kindmörderin Marie Farrar / Erinnerung An Die Marie A.: Seite 8 - 11
2.2) Das Schiff / Vom Schwimmen In Seen Und Flüssen: Seite 11 - 13
3.) Zum Gebrauch der Hauspostille: Seite 13 - 14
4.) Literaturverzeichnis: Seite 15
1.) Einleitung
Die Entstehung der Hauspostille zwischen etwa 1922 und 1927 lässt den historisch geschulten Leser schon zum ersten Mal aufhorchen. Doch kann man die Hauspostille des Bertolt Brecht weder als reinen Zeitzeugen der Klassen- und Parteienkämpfe der Jahre zwischen dem Kriegsende 1918 bis 1927 verstehen, noch als ein der Bibel vergleichbares religiöses Gebrauchsbuch. Bis zu seinem Tod gab sich Brecht mit seiner Gedichtsammlung nicht zufrieden, veränderte, strich einzelne Gedichte oder fügte andere hinzu. Daraus wiederum könnte man schließen, dass die Hauspostille von Brecht der >>...jeweiligen historischen und persönlichen Situation...<<1 angepasst werden sollte.
Aus der reichhaltigen Auswahl der Hauspostille habe ich zur näheren Untersuchung das Gedicht Vom Armen B.B., Erinnerung An Die Marie A. , Vom Schwimmen In Seen Und Flüssen, Das Schiff und Von Der Kindsmörderin Marie Farrar ausgewählt. Obwohl hier sofort das Wasser, in Seen, Flüssen und auf den Meeren, das Schwimmen und die Schiffe aufzufallen scheinen, blieb doch vieles an der Hauspostille, im Besonderen die Exerzitien, beim ersten Lesen unverständlich und unzugänglich. Brecht wusste dies und riet daher dem interessierten Leser zu aufmerksamen, langsamen und vor allem wiederholtem Lesen. Das wiederum zeigt, dass die Hauspostille oftmals eben nicht das ist und das birgt, was sie den ersten Blick zu sein scheint. Diese Probleme, einerseits bei der Interpretation und dem Verstehen der Texte, andererseits schon beim einfachen Lesen derselben, möchte ich versuchen aufzuzeigen.
Im Armen B.B. erscheint Brecht noch ganz als >>der Bürgerschreck und poéte maudit der überschäumenden zwanziger Jahre; ein raubvogelgesichtiges Kraftgenie, das zur Gitarre Lieder zum Besten gab, die Zigarre im Mund nie ausgehen ließ (...). Das ist der Brecht, der Menschen an sich zog und verbrauchte, Frauen wie Freunde, ein Autor zwischen Wedekind und neuer Sachlichkeit (...).<<2 Kein Platz scheint hier für Zweifel, der Autor verspricht noch Auskunft zu geben über sich. In den anderen von mir gewählten Beispielen jedoch geht es um (unter anderem) Frauen, Sexualität und Liebe. Geht es um Frauen? Um Liebe? Marie A. , Marie F. , Hanna A. ? Der Hauspostille voran ging zunächst einmal die Zeit Brechts in einer Art Subkultur. Die Augsburger Zeit mit Caspar Neher, George Pflanzelt und anderen scheint gewissermaßen den Anstoß zu dieser Gedichtsammlung gegeben zu haben. Die gesellschaftlichen Funktionen der Lieder der Hauspostille zu verstehen ist notwendig, um auf die Funktion der Hauspostille als Ganzes schließen zu können. Dieses kurz und knapp näher zu erläutern und am Beispiel des Armen B.B. einmal eine genaue Untersuchung durchzuführen ist Gegenstand des nächsten Punktes.
2.) Vom Armen B.B.
Die Augsburger Jahre des Bertold Brecht würde ich als eine Art Vorbereitung oder als Anlauf zur Hauspostille und der danach folgenden Lyrik bezeichnen. Brecht zog in diesen Jahren praktisch jeden Abend, mit Gitarre, Lampion und Frauen und Freunden bewehrt, singend und schauend durch die Gassen. Zu dieser Zeit plante er bereits eine Herausgabe seiner Gedichte, eine Sammlung in der Art der Hauspostille muss ihm wohl vorgeschwebt haben. Die Zusammenstellung seiner Gedichte, die Kompositionen dazu passender Melodien und auch der Inhalt einiger Gedichte zeigen klar die Abdrücke seiner Umgebung. Titel wie Orges Wunschliste oder Orges Antwort, als ihm ein geseifter Strick geschickt wurde zeigen, wie sehr ihn sein damals engster Freund und eventuell auch Partner Orge (George Pflanzelt) beschäftigten. Und wie auch bei seiner ersten Liedersammlung mit dem etwas derben Titel Lieder zur Klampfe von Bert Brecht und seinen Freunden ist auch bei den Vorläufen der Hauspostille von einer Zusammenarbeit Brechts und seinen Freunden auszugehen. Sicherlich nicht in der Hauptsache, zu einem kleinen Teil aber schon.
Auch die Funktion der Lyrik dieser Jahre ergibt sich unmittelbar aus dem Zusammensein mit seinen Freunden und dem direkten Ausprobieren seiner Werke an ihnen. Brecht sagte zu dieser Thematik einmal, seine >>...Lyrik hat mehr privaten Charakter. Sie ist mit Banjo-und Klavierbegleitung gedacht und bedarf des mimischen Vortrags.<<3 Brechts Lyrik hatte damals also eine direkte Funktion in seinem unmittelbaren Lebensbereich, zum anderen diente sie der Kommunikation und hatte eine Vermittlerfunktion. In diesem engen Bereich, zwischen Kneipentouren, Jahrmarktsbesuchen, Festen, Feiern und Frauen bewegte sich Brecht, gewissermaßen abgekapselt von der eigentlichen Gesellschaft, übertrieben ausgedrückt. In dieser Zeit bildete sich auch der besondere Ton in der Sprache Brechts aus, der zwischen Parodie, kunstvoller Artikulation und wieder Parodie schwankt, diese Form des Bänkelliedes, eine Mischung aus Sauflied, Choral und Ständchen.
Die Postille (Hauspostille) mit religiöser Gebrauchslyrik in Verbindung zu bringen, kann insofern als seriös gelten, wie man davon ausgehen kann, dass Brecht wohl ungeheuren Genuss an Kirchenbesuchen mit Gesang und Orgelmusik empfunden haben muss. Wobei dieser Genuss sicher nicht religiöser Natur war, sondern ganz und gar profan. Beispielsweise ließ Brecht seinen Sohn Frank (geboren 1919) zwar katholisch taufen, ganz amtlich in der Dorfkirche von Kimratshofen, sang aber >>... an der Orgel begleitet von Orge (George Pflanzelt), >Luzifers Abendlied< und Baals Choral<<4
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1 Jan Knopf: Brecht Handbuch, Gedichte Band 2 S. 148
2 Hellmuth Karasek: Bertolt Brecht S. 8-9
3 Brecht im Gespräch, S. 187
4 Hans Martin Ritter: Die Lieder der Hauspostille, S.209
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