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Eine Politik der Anerkennung als Strategie für den Feminismus?

Autor: Johannes Icking
Fach: Frauenstudien / Gender-Forschung

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Details

Veranstaltung: Gleichheit und/oder Differerenz
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Otto-Suhr-Institut)
Tags: Eine, Politik, Anerkennung, Strategie, Feminismus, Gleichheit, Differerenz
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 97 KB
Archivnummer: V51101
ISBN (E-Book): 978-3-638-47158-9
Anmerkungen :
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer möglichen Anwendung der Anerkennungstheorien von Axel Honneth und Charles Taylor auf den Feminismus.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
PS: Gleichheit und/oder Differenz – Theorie und Politik der Geschlechter
3. Fachsemester, WS 2004/2005

Eine Politik der Anerkennung als
Strategie für den Feminismus?

von: Johannes Icking

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  2

2. Warum Anerkennung?  3

2.1 Anerkennung und der Aufbau der Identität  3
2.2 Verkennung und die Schädigung der Identität  5

3. Was anerkennen?  7

3.1 Taylor und die Politik der Differenz  7
3.2 Honneth und die Dimension der Leistung 9

4. Anerkennung als Strategie für den Feminismus?  11

4.1 Anerkennung als Konformismus?  11
4.2 Anerkennung ohne Betrachtung von Ungleichheit  13
4.3 Anerkennung als Affirmation oder Transformation?  15

5. Fazit  17

6. Literatur  19



 

1. Einleitung

Anerkennungstheorien haben Konjunktur. Beigetragen dazu haben eine Vielzahl von sozialen Bewegungen, deren Mitglieder sich in ihren besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten – ihrer Identität – nicht von der Mehrheitsgesellschaft wertgeschätzt fühlen. Auch auf der wissenschaftlichen Ebene hat sich, gerade in den letzten Jahren, eine vielfältige, theoretische Strömung herausentwickelt. Diese Strömung ist alles andere als homogen, setzt sie sich doch aus WissenschaftlerInnen unterschiedlichster theoretischer Herkunft zusammen. Mit dem Begriff der Anerkennung arbeiten so Theorien des Multikulturalismus, der Rassismusforschung, des Kommunitarismus und nicht zuletzt des Feminismus. Hervorgetan haben sich dabei besonders zwei Theoretiker: Charles Taylor mit seiner Politik der Anerkennung (Taylor 1993) und Axel Honneth mit seinem Kampf um Anerkennung (Honneth 1994). Beide haben, von Hegel inspiriert, Theorien entwickelt, die primär um den Begriff der Anerkennung kreisen.

Anerkennung wird dabei als psychologisches Bedürfnis interpretiert, das notwendig ist damit sich Menschen zu selbständigen Individuen, zu Subjekten entwickeln. Seine Identität entwickelt der Mensch nur im Dialog also in intersubjektiven Beziehungen zu seinen Mitmenschen. Gleichzeitig betonen beide den psychischen Schaden der entsteht, wenn einzelnen Menschen oder Gruppen Anerkennung vorenthalten wird, wenn sie missachtet oder verkannt werden. Verachtung kann demzufolge ein mächtiges Werkzeug der Unterdrückung darstellen. Eine kritische Theorie der Anerkennung müsste also zeigen wo und in welcher Weise die Gesellschaft den Bürgerinnen und Bürgern das notwendige Gut sozialer Anerkennung vorenthält, wo es also bestimmten Gruppen strukturell verweigert wird (Iser 2004: 12). An dieser Stelle weisen Taylor und Honneth auf ihre konzeptionelle Nähe zu bestimmten Strömungen des Feminismus hin. Wie diese behaupten sie, dass das Problem von Frauen in der Gesellschaft vor allem ein Problem vorenthaltener Anerkennung sei. Diese Frage aber, ob das hierarchische Geschlechterverhältnis primär ein Problem unterschiedlich verteilter Anerkennung sei, ist nicht vorschnell zu beantworten. In erster Linie stellen sich weitere Fragen, welche die Art der Anerkennung betrifft, die den Autoren vorschwebt. Also: was ist Anerkennung, warum ist sie wichtig und was passiert, wenn Anerkennung vorenthalten wird? Schließlich stellt sich die Frage was eigentlich anerkannt werden soll. Diese Frage wird, wie noch zu zeigen ist, von Taylor und Honneth unterschiedlich beantwortet. Ziel der Arbeit soll es also sein die Frage zu beantwortet, ob Taylor und Honneth, mit den in Folge präsentierten Theorien, in der Lage sind das Problem des Geschlechterverhältnisses richtig darzustellen. Inwiefern können diese Forderungen nach gleicher Anerkennung auf den Feminismus übertragen werden?

Zuerst soll dabei dargestellt werden, warum Honneth und Taylor dem Begriff der Anerkennung eine so große Bedeutung zumessen. Einerseits ist Anerkennung Grundvoraussetzung, dass ein Mensch zum Individuum wird, sich eine Identität aufbaut. Andererseits wirkt sich vorenthaltene Anerkennung schädigend auf die Psyche des Menschen aus. Im Folgenden soll gezeigt werden, wie Honneth und Taylor aus dieser begrifflichen Bestimmung der Anerkennung eine Theorie entwickeln. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt dabei auf der Frage welcher Aspekt einer Identität anerkannt werden soll. Anhand der Vorstellung der Theorien kann schließlich die Frage geklärt werden, ob sich die Anerkennungstheorien von Honneth und Taylor auf das Geschlechterverhältnis anwenden lassen.

Relevant ist die Fragestellung, weil sowohl Taylor als auch Honneth Geltung für ihre Theorien für alle gesellschaftlichen Konflikte die um die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit kreisen, beanspruchen. Beide beanspruchen, dass sich ihre Theorien eins zu eins auf den Feminismus anwenden ließe. Und das obwohl beispielsweise Charles Taylor seine Theorie innerhalb des Multikulturalismus, anhand des Beispiels der französischsprachigen Gemeinschaft in Kanada, entwickelt hat. In dieser Arbeit wird also auch zu zeigen sein, ob und wenn ja wo sich bei der Übertragung der Anerkennungstheorie auf das Gebiet des Feminismus, Probleme ergeben.

2. Warum Anerkennung?

2.1 Anerkennung und der Aufbau der Identität

Zu Beginn stellt sich die Frage warum den verschiedenen TheoretikerInnen der Anerkennung diese so wichtig erscheint. Die Antwort auf diese Frage ist bei allen TheoretikerInnen ähnlich und wird zweifach beantwortet: erstens ist Anerkennung die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass der Mensch sich eine individuelle Identität erschaffen kann. Der Mensch wird nur durch Anerkennung anderer zum Menschen. Zweitens und damit verbunden fügt verweigerte Anerkennung oder Verkennung den Individuen bzw. deren Identität Schaden zu (Taylor 1993: 13f).

Wie kommen die Anerkennungs-TheoretikerInnen zu dieser Erkenntnis? Fast alle beziehen sich auf Hegel und dessen Dialektik von Herr und Knecht aus der Phänomenologie des Geistes1 (Hegel 1980: 109-116). Hierin beschreibt Hegel, wie der Mensch zum Selbstbewusstsein wird, nämlich durch Anerkennung durch ein anderes Selbstbewusstsein: „Das Selbstbewußtseyn ist an und für sich, indem, und dadurch, daß es für ein anderes an und für sich ist; d. h. es ist nur durch ein Anerkanntes.“ (Hegel 1980: 109) Das Selbstbewusstein muss von einem anderen anerkannt sein um für den anderen, aber auch für sich selbst zu existieren. Dazu muss es aus sich heraustreten, um sich in einem anderen Selbstbewusstsein zu erkennen. Es kommt zu einer doppelten Aufhebung. Einerseits hebt sich das Selbstbewusstsein selbst auf, indem es aus sich heraustritt, andererseits hebt es auch das andere Selbstbewusstsein auf, „denn es sieht sich [...] nicht das andere als Wesen, sondern sich selbst im anderen.“ (Ebd.) Will das Selbstbewusstsein wieder in sein Wesen zurückkehren muss es den anderen negieren, „um dadurch seiner selbst [...] gewiß zu werden“. (Ebd.) Dadurch hebt es sich aber auch selbst auf, „denn diß andere ist es selbst.“ (Ebd.)

[...]


1 Axel Honneth bezieht sich ausdrücklich nicht auf die Phänomenologie des Geistes, sondern auf die Jenaer Realphilosophie Hegels. Aus dieser entwickelt er die Idee des Kampfes um Anerkennung in den drei Dimensionen Liebe, Recht und Solidarität/Leistung (Honneth 1994). Der Idee, dass das Individuum seine Identität aus Anerkennungsbeziehungen heraus entwickelt widerspricht Honneth mit seinem unterschiedlichem Hegelbezug allerdings nicht.

Kommentare

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