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Hausarbeit, 2000, 26 Seiten
Autor: Dr. Jürgen Budde
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Universität Hamburg (Fachbereich Politikwissenschaft)
Tags: Kampf, Definition, Kampf, Anerkennung
Jahr: 2000
Seiten: 26
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-47339-2
Dateigröße: 104 KB
In der Arbeit wird die auf der kritischen Theorie aufbauende Arbeit von Axel Honneth unter einem dekonstruktivistischen Blickwinkel diskutiert
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Kampf um Definition
von: Jürgen Budde
INHALT
1. EINLEITUNG
2. AXEL HONNETH: DER KAMPF UM ANERKENNUNG
2.1. Die Anerkennungsformen
2.2. Das System der formalen Sittlichkeit
2.3. Einwendungen
3. FOUCAULT
3.1. Macht
3.2. Veränderung
3.3. Resümee
4. DISKO, DISKO, DISKO...
5. LITERATUR
1. EINLEITUNG
„Der Tag, an dem es eine Lektüre der Karte von Oxford
geben wird, die einzige und wahre Lektüre,
wird das Ende der Geschichte sein.“
Jacques Derrida
„Wer nichts als Postkarten schreibt,
dem stellt sich nicht Hegels Problem,
sein Buch zum Abschluß zu bringen.“
Richard Rorty
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem System der formalen Sittlichkeit, ein System, welches Axel Honneth in seinem Buch „Kampf um Anerkennung“ entwirft. Darin beschäftigt sich Honneth mit der Frage, wie gesellschaftliche moralische Entwicklung in dem Terminus eines „Kampfes um Anerkennung zu fassen“ ist. Dieses Denkmodell ist angelehnt an Hegel und Mead und stellt den Versuch dar, ein historisch entwickeltes, gleichwohl normatives Modell zu entwerfen. Dabei beschäftigen mich im wesentlichen die folgenden Fragen: Können normative Systeme die Grundlage für gesellschaftliche Entwicklung sein? Ist es nötig, eine Richtung der gesellschaftlichen Prozesse zu skizzieren? Ist die Alternative hierzu ewiger Kampf und Beliebigkeit? Das Ende der Handlungsfähigkeit?1 Diese Fragen möchte ich in der Hausarbeit diskutieren. Dabei werde ich keine fertigen Antworten liefern, sondern fragmentarische Ideen, Kritiken und Abwägungen miteinander in Beziehung setzen. Ich werde Honneths System unter (2.) darstellen. Um zu einem anderen theoretischen Verständnis von Gesellschaft zu gelangen, werden ich in Kapitel (3.) mit Foucault einerseits einen Machtbegriff nachzeichnen, der bei Honneth nicht genügend Beachtung erfährt, andererseits in eine ganz andere Art des Denkens einführen. Diese beiden Modelle werde ich am Ende der Hausarbeit (4.) mit Rekurrierung auf Butler diskutieren.
Aus meiner Leseerfahrung des Buches von Honneth rührt nun der Gedanke, in dieser Hausarbeit gleichzeitig einige stilistische Versuche zu unternehmen. Die Vielschichtigkeit des Gedankenganges hat bei mir manchmal Fragen und Kritiken aufgeworfen, die sich auf einzelne Aspekte innerhalb der Darstellung beziehen. Ich möchte versuchen, durch Einschübe diese Kritik an den Stellen, an denen sie lokalisiert ist, vorzubringen. Möglicherweise ist die Art des Schreibens dadurch verunsichernd, aber ein Ziel von Wissenschaft ist – meines Erachtens nach – die Verunsicherung scheinbar eindeutiger ‚Tatsachen‘. In jedem Falle wird dieses Experiment zu einer erweiterten Schreiberfahrung des Autors führen.
2. AXEL HONNETH: DER KAMPF UM ANERKENNUNG
In seinem Buch ”Kampf um Anerkennung” entwirft Axel Honneth ein System zur Beschreibung gesellschaftlicher Moralentwicklung, welches er „das formale Konzept der Sittlichkeit“2 nennt. In nicht immer eindeutigen und klar formulierten Gedankengängen schlägt er eine Brücke zwischen Hegels Jenaer Realphilosophie, Meads Vorstellungen von intersubjektiver Anerkennung und seinem eigenen Versuch, ”die Grundlagen einer normativ gehaltvollen Gesellschaftstheorie zu entwickeln”3. Dabei gilt die Idee des Kampfes um Anerkennung ”als ein kritischer Interpretationsrahmen”4, um die Beschreibung gesellschaftlicher Weiterentwicklung auf der Ebene der Sittlichkeit zu systematisieren und dabei gleichzeitig eine normative Folie für diesen Prozeß zu skizzieren. Dabei erläutert er, in Anlehnung an Hegel drei Ebenen, bzw. Stufen, auf denen sich Anerkennung vollzieht. Zum Ersten nennt er emotionale Zuwendung, die sich in Form von Liebesbeziehungen manifestiert, zum Zweiten die Ebene der kognitiven Achtung, die sich in allgemeinen Rechtsverhältnissen äußert und zum Dritten die soziale Wertschätzung, die ihre Gestalt als Wertegemeinschaft oder in Solidarität findet. ”Die verschiedenen Muster der Anerkennung repräsentieren intersubjektive Bedingungen, die wir notwendigerweise hinzudenken müssen, wenn wir die allgemeinen Strukturen eines gelingenden Lebens beschreiben wollen”5. Hiermit liefert Honneth einerseits den Grund für sein Projekt, nämlich den Entwurf für ein gelingendes oder gutes Leben6 zu skizzieren, eine Idee, die bis auf den Ursprung des Denkens von Aristoteles zurückgeht. Andererseits beschreibt er auch ein wesentliches Moment dieses Projektes, nämlich das notwendigerweise intersubjektive Verständnis, welches schon Hegel in Abgrenzung zu atomistischen Theorien wie denen von Hobbes- oder Machiavelli beschrieben hat und Honneth gegen die Kant’sche Moralphilosophie abgrenzt.
Ich werde in diesem Kapitel zuerst kurz die verschiedenen Anerkennungsformen darstellen, ohne die viele z.T. verständnismindernden Nebenschauplätze des Buches zu erwähnen, um dann, in Nachzeichnung des von Honneth aufgespannten Bogens von Hegel über Mead bis zu seinem eigenen Theorem das System der Sittlichkeit zu erläutern.
2.1. Die Anerkennungsformen
[...]
1 Motiviert worden bin ich zu dieser Fragestellung durch die Anregung des Dozenten des Seminars – Herr Nullmeier -, der meine Kritik an Stufenmodellen und gesellschaftlichen ‚Richtungsanweisungen‘ mit der Gegenfrage konfrontierte, was denn die Alternative sei. Ist denn, so Nullmeiers Gedankengang, die Alternative nicht die Vorstellung von einem ewigen, gleichförmigen Kampf ohne Perspektive? Diese Gegenfrage ist die Hintergrundfolie, mich mit ihr zu beschäftigen der heimliche rote Faden dieser Arbeit.
2 Honneth, Axel 1998, S. 274.
3 Ders., ebd., S. 7.
4 Ders., ebd., S. 274.
5 Ders., ebd., S. 279.
6 Vgl. hierfür, vielleicht ungewöhnlicherweise: Foucault 1997.
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