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Das Gesicht in der Fotografie

Presentation (Elaboration), 2005, 13 Pages
Author: Stefanie Schlaug
Subject: Cultural Studies

Details

Event: Die fotografierte Gesellschaft
Institution/College: University of Lüneburg
Tags: Gesicht, Fotografie, Gesellschaft
Category: Presentation (Elaboration)
Year: 2005
Pages: 13
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V51865
ISBN (E-book): 978-3-638-47718-5

File size: 93 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Lüneburg
Fachbereich Kulturwissenschaften
Die fotografierte Gesellschaft, Wintersemester 2004/2005

Das Gesicht in der Fotografie

von: Stefanie Schlaug

 


Inhaltsverzeichnis

1. Bedeutung der Fotografie 3

2. Zusammenhang von Physiognomie und Fotografie 5

3. Kritische Ansichten 7

4. Auseinandersetzung Alfred Döblin/ Max Picard 8

5. Fazit 11

6. Literaturverzeichnis 12


 

 

1. Bedeutung der Fotografie

Fotografie – Lichtbildnerei und Lichtbildkunst. Eine Kunst, die die Malerei zwar nie ersetzen wird, sie aber in vielfältigster Form ergänzt und bereichert hat. Die Bedeutung der Fotografie spielte in den 1920-er Jahren, schon knapp hundert Jahre nach ihrer Erfindung, eine sehr wichtige Rolle in der Gesellschaft. LÖFFLER fasst in Ihrem Aufsatz die Aussage STENGERS zusammen, welcher die Fotografie als einen entscheidenden Einschnitt zum Ende des 19. Jahrhunderts darstellt. Mit einem Verfahren zur massenhaften Reproduktion fotografischer Vorlagen stellt sich nach ihm nun das Bild vor dem geschriebenen Wort – der Schrift – in den Vordergrund. STENGER behauptet, so LÖFFLER, die Fotografie habe »(…) das gedruckte Wort als kulturelles Leitmedium abgelöst (…)« genau hundert Jahre nachdem die Erfindung der Fotografie »auf den Weg gebracht« wurde.1 Zu diesem Zeitpunkt hatte die öffentliche Medienkultur tatsächlich gerade einen Strukturwandel hinter sich gebracht. Dieser Wandel trug seinen Teil zur gesellschaftlichen Aufklärung bei, in dessen Folge die neuen Medien wie Zeitung, Plakat und Wand zunehmend Akzeptanz und Bedeutung erlangten. Die alten Primärmedien wurden bedeutungslos und von den Druck-Medien abgelöst. Das geschriebene Wort hatte im 18. Jahrhundert schon einen großen Einfluss, obwohl 80% der Bevölkerung nicht einmal lesen konnte. Die Fotografie eroberte dann im 19. Jahrhundert die Printmedien in Illustrierten und ermöglicht so eine völlig neue Darstellungsweise der menschlichen Gesellschaft. Hierdurch wird letztenendes auch eine neue kulturelle Erfahrung geformt, welche in Zukunft eine bedeutende Prägung für die Gesellschaft aufzeigt. STENGER geht es dabei vor allem um die mediale Transformation, die aus der »Erscheinung« erst »deren bildliche Darstellung« macht.2 Insbesondere durch die physiognomische Analyse des Fotos wurden verschiedenste Meinungen bekannter Autoren und Wissenschaftler vertreten. Es ist selbstredend, dass mit dem Aufkommen einer neuen Entwicklung, hier dem Aufblühen der Fotografie, diverse Meinungen öffentlich debattiert wurden. So wurde auch über die Fotografie gesprochen und geschrieben. Die Differenz der Meinungen, welchem Zweck die Fotografie nachgehe und was an ihr vorteilhaft, was negativ zu sehen sei, klaffte hier oft weit auseinander. Diese sollen deshalb im folgenden erörtert werden.

Immer wieder taucht die Frage auf, welche Aufgabe das Foto hat und was die Fotografie darstelle. Ob das Foto die objektive Wahrheit zeige, oder doch die durch die Hand der Fotografen manipulierte Welt darstelle. Fraglich ist außerdem, welchen Einfluss die Gesellschaft auf die »Fotografierwelt« ausübt. Problematisch ist hier die Rolle des objektiven Betrachters. Dieser steht, als Betrachter eines Fotos immer außerhalb des Geschehens. In dem Moment des Betrachtens haben wir keine Gegenseitigkeit, keine Blicke-erwiedernde-Seite. So lassen wir uns als Betrachter, ob wir wollen oder nicht, in den Kontext des Fotos hineinziehen. Ist dies möglicherweise das Ziel, gar Strategie der Fotografie? Natürlich können Fotos gesammelt werden oder im Portemonnaie unser ständiger Begleiter sein – doch können wir nie an dem Geschehen im Foto, an dem Moment teilhaben. Die Bedeutung der Fotografie zeigt sich vor allem im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Welche Rolle spielt der Betrachter als Teil der Gesellschaft und welchen Einfluss hat er auf die Fotografie? In diesem Zusammenhang werde ich die folgende These von Alfred DÖBLIN in den Mittelpunkt der kulturwissenschaftlichen Perspektive stellen: »Man würde glauben, man sieht Individuen. Aber plötzlich – merkt man, man sieht auch hier keine Individuen! (…) Wir sprechen jetzt von der erstaunlichen Abflachung der Gesichter und Bilder durch die menschliche Gesellschaft, durch die Klassen, durch ihre Kulturstufe.« 3

DÖBLIN beschreibt hier, was man sieht wenn man den Blick durch SANDERS Fotobücher streifen lässt. Er beschreibt hier das Phänomen des »Durchblätterns«, in dem das Individuum durch die Masse der Individuen an Bedeutung verliert und im Gesamterscheinungsbild verschwimmt. In dem Moment merkt man plötzlich, dass man eben doch keine Individuen sieht, so DÖBLIN. Das Individuum verliert seine Stellung, seine Würde und seinen Posten. Es wird unklar und scheint so kein Individuum mehr zu sein, sondern nur ein Teil der Masse. Der Untergang des Individuums, des einzelnen Gesichts, ist demnach in der Gesamtheit unweigerlich erfolgt. Im Folgenden des Zitats spricht er die »Abflachung der Gesichter und Bilder durch die Gesellschaft« an. Eine Abflachung setzt eine zuvor bestehende Erhebung voraus. Es muss eine Art »Relief« existiert haben. Nach DÖBLIN wäre dies ein individuelles Bild, welches von den anderen auf Anhieb zu unterscheiden wäre. Doch diese »Abflachung durch die Gesellschaft « meint in diesem Zusammenhang vielmehr eine Art Gleichsetzung mit den anderen Gesichtern. Das Relief der Unterschiede flacht ab und kommt einem verallgemeinernden universellem Bild gleich. Differenzen und Unstimmigkeiten verschwinden und lassen den individuellen Eindruck schwinden. Welche Rolle die menschliche Gesellschaft hier genau spielt, wird in diesem Zitat DÖBLINS noch nicht deutlich. Es ist aber doch zu erkennen, dass DÖ- BLIN diese »Abflachung durch die Gesellschaft« konsequent kritisiert und in ein negatives Licht stellt.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird gezeigt, welcher Autor, Wissenschaftler oder Theoretiker welche Meinung vertritt. Anschließend wird untersucht, welche Positionen die beiden Hauptkontrahenten, DÖBLIN und PICARD, beziehen.

2. Zusammenhang von Physiognomie und Fotografie

[...]


1 Vgl. Löffler, Petra: Ein Dichter sieht aus wie ein Chemiker. S. 133.

2 Vgl. Ebd., S. 133.

3 Döblin, Alfred: Von Gesichtern und ihrer Wahrheit. S. 10.


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