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Other, 1995, 73 Pages
Author: Gerhard Reiß
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institute: BSW
Tags: Geschichte, Oberpfalz, Sommertagung
Year: 1995
Pages: 73
Grade: Keine Benotung
Bibliography: ~ 200 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-47849-6
ISBN (Book): 978-3-638-83805-4
File size: 660 KB
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Abstract
Eine Veröffentlichung über die Geschichte der nördlichen Oberpfalz mit dem Schwerpunkt Reformationsgeschichte. Das Werk hat sehr viele hervorragende Quellenangaben und Hinweise für Forscher in der Oberpfalz. Von Musterungen bis zur Sekundarliteratur.
Excerpt (computer-generated)
Geschichte der nördlichen Oberpfalz
von
Gerhard Reiß
Inhaltsverzeichnis
WAS ES ZU DIESER ARBEIT ZU SAGEN GIBT 4
MEINER HEIMAT GEWIDMET 5
DIE FRÜHE GESCHICHTE DER NÖRDLICHEN OBERPFALZ 7
AUSGANG DES MITTELALTERS 15
DIE REFORMATION 21
DER 30JÄHRIGE KRIEG 29
DIE GEGENREFORMATION 47
DER WEG IN DIE NEUZEIT 53
LISTE DER ABKÜRZUNGEN 56
ARCHIVQUELLEN 57
REGESTEN - EDITIONEN - PERIODICA 63
LITERATUR 64
WAS ES ZU DIESER ARBEIT ZU SAGEN GIBT
Die ersten Schritte in die Richtung der Heimat- und Sippenforschung hätte ich nicht gewagt, wenn nicht mein Freund, Herr ..., in seiner geduldigen Art mich 1974 "bei der Hand genommen" und mir die ersten "Weihen" im Umgang mit den Matrikeln verliehen hätte.
In der Folge verdanke ich den Stadtarchivarinnen ... und ... vom Stadtarchiv Weiden viele nützliche Hinweise. Frau ... konnte mir z.B. helfen, die erste urkundliche Erwähnung des Namens Reiß1 in der Oberpfalz in seiner damaligen Form (Rîs) ausfindig zu machen.
Ein treuer Begleiter war mir auch Herr ..., der stets unangemeldet, aber immer gerne erwartet erschien und mir einige Kilogramm von Kopien der verschiedensten Archivalien transkribierte.
Den Damen und Herren der Staatsarchive Amberg, Bamberg und Nürnberg gebührt besonderer Dank - allen anderen Mitarbeitern in den diversen Stadtarchiven ebenso.
Meine Arbeit mit der Gruppe für Familien- und Wappenkunde im BSW förderte den Willen, der Kurs zum Gästeführer bei der VHS Weiden/Neustadt trug zur Realisierung bei.
Last but not least möchte ich meiner Frau für das fast immer gezeigte Verständnis für 21jährige Forschungsarbeit herzlich danken. Diese Arbeit ist für den Heimatforscher wegen der reichhaltigen Angabe von Quellen und Literaturhinweisen bestens geeignet.
Weiden, den 30.04.1995
G.R.
DIE FRÜHE GESCHICHTE DER NÖRDLICHEN OBERPFALZ
Das nordöstliche Oberfranken und die nördliche Oberpfalz sind hinsichtlich ihrer Siedlungsgeschichte relativ schwierige Gebiete. Die Geschichte der Oberpfalz reicht in ihren Anfängen weit über jene Zeiten hinaus, die uns noch schriftlich überliefert sind. Die ältesten Urkunden stammen aus dem 9. Jahrhundert; der erste archäologische Beleg für die Anwesenheit des Menschen ist über 100.000 Jahre alt.
Die Frühgeschichte des heutigen Regierungsbezirkes Oberpfalz ist eigentlich nicht zu trennen von der der angrenzenden Gebiete, denn der Mensch der Vorzeit orientierte sich an Naturgegebenheiten und geographischen Räumen, die mit der neuzeitlichen politischen Entwicklung nicht übereinstimmen müssen. Auch verschiebt sich im Laufe der Zeit das Siedlungsbild. Das ist schon durch die geologische Gliederung der Oberpfalz bedingt, die drei charakteristische Bereiche umfaßt:
- im Osten das siedlungsfeindliche Urgebirge mit Oberpfälzer Wald und Bayerwald;
- im Westen den wasserarmen, aber höhlenreichen Jura der Fränkischen Alb;
- im Süden einen kleinen Ausschnitt des Donautales, das vom fruchtbaren Löß des Gäubodens bereichert wird.
Je nach Bedürfnis und Fähigkeiten des vorgeschichtlichen Menschen, diese natürlichen Verhältnisse zu nutzen, änderte sich auch das Siedlungsbild. Eine gewisse Kontinuität bewahrte sich unser Raum dagegen als "Verkehrsknotenpunkt" Mitteleuropas. Denn trotz der geologischen Zerrissenheit weist er eine geographische Geschlossenheit auf.
Uralte Verkehrswege, Handelsstraßen, Kontaktmöglichkeiten nach allen Seiten, Reichtum aufgrund der Macht über diese Verbindungen, die Bedeutung als Aufmarschbasis gegen Eindringlinge aus dem Norden und Osten - diese Naturgegebenheiten haben daher lange Zeit die Geschichte der heutigen Oberpfalz geprägt, während ihr überwiegend karger Boden nur ganz allmählich die Menschen zum Verweilen einlud und ihnen nie großen Reichtum bescherte.3
Die weitere Geschichte der Oberpfalz bis zur Herrschaft der Agilolfinger, des ersten namentlich erwähnten bayerischen Herzoggeschlechts mit Hauptstadt Regensburg, ist im Zusammenhang mit der Geschichte des römischen Regensburg zu sehen. Es sollen daher nur einige markante Daten und Strukturveränderungen erwähnt werden.
Zwischen 15 v. Chr. und 50 n. Chr. eroberten die Römer allmählich das Alpenvorland bis zur Donau. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde auch im Raum Regensburg das erste römische Kastell angelegt. Ein schlimmer Krieg zwischen 166 und 180 n. Chr., in dem für die Oberpfalz die Einfälle der germanischen Markomannen aus dem heutigen Böhmen katastrophale Folgen hatten, löschte die Spuren der römischen Kolonisation im Donauraum fast aus. Der Einfallsweg der Markomannen auf der uralten Fernstraße von Böhmen in den Donaubogen, die schon mehrfach in der Frühgeschichte eine Rolle gespielt hatte, veranlaßte Kaiser Marc Aurel, gegenüber der Regenmündung eine riesige Befestigung bauen zu lassen. Das Legionslager Castra Regina beherbergte 6.400 Soldaten und war damit die größte Kaserne der Provinz Rätien, die einen Großteil des heutigen Bayern einnahm. Im Schutze dieses Lagers wurde der südliche Donaubogen im Laufe des 3. Jahrhunderts n. Chr. total ro-manisiert; aber die nördliche Oberpfalz blieb Feindesland, denn die Reichsgrenze war die Donau. Die wenigen germanischen Bewohner in den Flußtälern von Naab und Regen trieben friedlichen Handel mit den Römern, wurden zuweilen auch als Soldaten angeheuert. Schon unter Marc Aurel finden wir germanische Söldner im römischen Heer. Seit dem späten 4. Jahrhundert, als das untergehende Weltreich andere Sorgen hatte, als Rätien noch zu halten, diese nur noch unbequeme und wenig einträgliche Provinz, scheinen diese germanischen Söldner sogar ganz allmählich zu den inoffiziellen Herren des Legionslagers geworden zu sein.
Im 5. Jahrhundert n. Chr. hatten die römischen Truppen die Festung Castra Regina endgültig verlassen, und in den ehemaligen Offizierswohnungen lebten nur noch germanische Familien, die sich aufgrund ihrer Keramik ganz eindeutig als Einwanderer aus Böhmen oder dem thüringischen Raum zu erkennen geben. Diese "Männer aus Baia" oder "Baiuvarii", wie sie in späteren Schriftquellen genannt werden, sind offenbar als Herren der größten und uneinnehmbaren Festung in der Lage gewesen, ihren Namen dem ganzen bunten Gemisch von germanischen Eindringlingen aufzuprägen, die damals das alte Rätien bevölkerten: neue Zuwanderer aus Böhmen, Alemannen aus Südwestdeutschland und Thüringer, die vor den Franken flohen; Goten, die aus dem Osten kamen. Aus diesem Gemisch entwickelte sich insbesondere unter dem Druck der Franken der Stamm der Bajuwaren.4
Regensburg tritt jetzt in das Licht der Geschichte.
Die nördliche Oberpfalz blieb dagegen noch längere Zeit im Schatten dieser glanzvollen Entwicklung. Die typisch bajuwarischen Reihengräber, reich ausgestattete Beisetzungen von Frauen und Männern in Schmuck und Waffenausrüstung in regelmäßig angelegten Friedhöfen, scharen sich um das alte Römerlager Regensburg. In der nördlichen Oberpfalz fehlen sie fast ganz.
Erst der systematische Land- und Straßenausbau unter Karl dem Großen, der dem Kampf gegen die Slawen galt, überliefert uns hier Ortsnamen und dokumentiert sich in frühgeschichtlichen Grab- und Siedlungsfunden.
[....]
1 Leuchtenberger Lehenbuch, ca. 1399
2 [...]
3 S. Rieckhoff-Pauli, Die Oberpfalz in frühgeschichtlicher Zeit, Regensburg 1985
4S. Rieckhoff-Pauli, W. Torbrügge, Regensburg - Kelheim - Straubing, Bd. I u.II. In: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Bd. 5 und 6, 1984
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