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Scheitern durch Selbstverschuldung? Reformation und Gegenreformation in Polen close

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Scheitern durch Selbstverschuldung? Reformation und Gegenreformation in Polen

Termpaper, 2002, 17 Pages
Author: Kim Brandt
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: Polen und Russland in der Frühen Neuzeit
Institution/College: Free University of Berlin (Osteuropäisches Institut)
Tags: Scheitern, Selbstverschuldung, Reformation, Gegenreformation, Polen, Russland, Frühen, Neuzeit
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V52053
ISBN (E-book): 978-3-638-47861-8

File size: 160 KB
Notes :
Überblick über die Reformation und Gegenreformation im Nachbarland Polen: Entstehung, Entwicklung und Niderschlagung durch die katholischen Adligen. Es wird die Frage aufgeworfen, ob die polnischen Reformatoren im Gegensatz zu ihren deutschen Mitstreitern scheiterten. Welche Grundlagen waren auf deutschen, welche auf polnischen Boden vorhanden?



Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin, Osteuropäisches Institut
FB Geschichts- und Kulturwissenschaften
PS: Polen und Russland in der Frühen Neuzeit (16.-18- Jh.)
4. Fachsemester, SoSe 2002

Scheitern durch Selbstverschuldung?
Reformation und Gegenreformation in Polen

von: Kim Brandt

 


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

1. Die Reformation als Problemforschung 2

II Hauptteil

2. Die Voraussetzungen für einen reformatorischen Impuls in Polen

2.1 Unterschiedliche Bedingungen in Deutschland und Polen 3
2.2 Verschiedene Grundlagen in Masowien, Großpolen und Kleinpolen 4

3. Die drei Abschnitte der Reformationsbewegung 6

3.1 Die lutherische Prägung und ihre Unterdrückung 6
3.2 Die Ausbreitung des Calvinismus und seine Folgen 8
3.3 Die Zurückdrängung der Protestanten durch den Jesuiten-Orden 11

4. Gründe für das Scheitern der Reformation 12

4.1 Die politischen Unstimmigkeiten zwischen Adel und Protestanten 12
4.2 Die Zersplitterung der evangelischen Bewegung 13

III Schluss

5. Warum die Reformatoren an ihren eigenen Unzulänglichkeiten scheiterten 14

IV Anhang

Bibliographie 16




 

I Einleitung

1. Die Reformation als Problemforschung

Die Glaubenskrise des Katholizismus Anfang des 16. Jahrhunderts, entschieden bekräftigt durch den Augustinermönch Martin Luther, löste in Europa eine Konversionswelle aus, die die Vormachtsstellung der römischen Kirche untergrub. 1517 kritisierte Luther in seinen 95 Thesen die klerikalen Missstände der katholischen Orthodoxie, vor allem die Ablass-Praxis, woraus sich seine Theorien über Laienpriesterschaft, die Rechtfertigungslehre und seine Berufs-/Obrigkeitsauffassung entwickelte.1

Allerdings wird seit der neueren Forschung (Bernd Moeller, 1965) der Mythos Luther, sein plötzliches Auftreten und sein „Alleingang“ gegen die kirchliche Obrigkeit, in eine Reihe von historischen Entwicklungen gesetzt, die im 15. Jahrhundert begann und auch weit über Luthers Tod (1546) hinausging.2 Eine weitere Umstellung im Blickwinkel der historischen Forschung bedeutet die Identifikation der früheren Historiker mit der konstitutionellen Einrichtung der Kirche bzw. des Christentums. In diesem Sinne ist auch die Begriffsentstehung des „konfessionellen Europas“ zu verstehen, welche die Zeit nach der Reformation beschreibt. Die heutige Forschung vermeidet die Idealisierung und versucht die geschichtlich adäquate Erfassung des Themas und Wirkens der Kirche und Religion. Zugleich stellt dieser religiöse Wandel auch einen sozialen dar, da die Kirche in den „alteuropäischen“ Konzeptionen staatlicher und gesellschaftlicher Ordnung eingebaut war. Die Religion war eine der tragenden und zentralen Achsen des Gesamtsystems, denn die kirchlichen Institutionen waren in sich selbst politische und soziale Angelegenheiten.

Somit ist eine neue Strömung entstanden: Nachdem die Geschichte der Reformation, der religiösen Strömungen und konfessionellen Formationen über Jahrhunderte hinweg als Konkurrenz- und Abgrenzungsgeschichte geschrieben wurde, untersuchen die Allgemein-, Gesellschafts- und Kirchenhistoriker nicht mehr vorrangig auf Unterschiede zwischen konfessionellen Ausprägungen christlicher Religiosität, sondern auf strukturelle und funktionale Ähnlichkeiten.

Das gesellschaftliche Paradigma des frühneuzeitlichen Gesellschaftssystems lautete Konfessionalisierung in kulturellen, mentalen, sozialen und politischen Funktionen. Konfessionelle Formierung ist demnach als einer der Kernvorgänge der frühneuzeitlichen Modernisierung zu betrachten.3 In dieser Arbeit sollen die Auswirkung der Reformation auf Polen, das 1569?? Mit Litauen die Union von Lublin einging, und die eigenen Initiativen des Nachbarlandes untersucht werden. Des weiteren werden der Widerstand und die Maßnahmen des alten Klerus bzw. des Königs beleuchtet, wobei die Zurückdrängung der Protestanten nicht nur durch die Ankunft des Jesuiten-Ordens erfolgte, sondern auch durch die eigene „Ohnmachtposition“. Die Vorgänge und Entwicklung der Städte Danzig, Elbing, Thorn und Breslau verliefen allerdings anders, den deutschen Reichsstädten ähnlich, so dass sie in dieser Arbeit keine Berücksichtigung finden.

II Hauptteil

2. Die Voraussetzungen für einen reformatorischen Impuls in Polen

2.1 Unterschiedliche Bedingungen in Deutschland und Polen

Die verschiedenen Voraussetzungen in den Nachbarländern Deutschland und Polen waren entscheidend für die Etablierung der reformatorischen Ideen. In den deutschen Territorien waren die Geistlichen prozentual zur Bevölkerung stärker vertreten als in Polen. Demnach war der Kontakt zwischen den Menschen und den Priestern enger und Verfehlungen der Geistlichen und Missstände in der Kirche waren auffälliger und schneller zu erkennen. So begehrte die Bevölkerung gegen die Kirche auf (Gemeindereformation), es folgte eine antiklerikale Haltung, die nicht nur von den oberen Schichten ausging, sondern sich auch unter den Bauern ausbreitete (Bauernaufstand), die die reformatorischen Ideen aufnahmen und das evangelische Glaubensbekenntnis annahmen. Im Gegensatz dazu konnte sich der neue protestantische Glauben in Polen hauptsächlich in den adligen, bürgerlichen und auch geistlichen Kreisen verbreiten, die unteren Schichten blieben vom reformatorischen Impuls unbehelligt. Denn die polnischen Adligen bestimmten weitgehend das Leben ihrer Hörigen, auch den kirchlichen Bereich, denn in Polen herrschte ein Priestermangel, der unter anderem 1564 zur Berufung der Jesuitenpriester führte. Die Bauern nahmen also nicht aktiv an der neuen Religionsgemeinschaft teil. Die Bauern, deren Hofherr noch der alten Kirche verbunden blieb, kamen gar nicht mit dem Protestantismus in Berührung.

[...]


1 Peter Blickle, Die Reformation im Reich, 36ff

2 R. W. Scribner, The German Reformation, 1f

3 Heinz Schilling, Das konfessionelle Europa, 15ff


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