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Analyse der Pro-Immigrationsdiskurse in Barcelona - Soziale und diskursive Praktiken im Kontext von Immigration und Integration

Swiss Diploma Thesis, 2006, 132 Pages
Author: Silvia Schönenberger
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Category: Swiss Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 132
Grade: noch nicht benotet
Bibliography: ~ 117  Entries
Language: German
Archive No.: V52217
ISBN (E-book): 978-3-638-47989-9

File size: 584 KB


Excerpt (computer-generated)

Ethnologisches Seminar der Universität Zürich

Lizentiatsarbeit

Analyse der Pro-Immigrationsdiskurse in Barcelona -
Soziale und diskursive Praktiken im Kontext von Immigration und Integration

eingereicht von

Silvia Schönenberger

Februar 2006

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Definieren des Forschungsziels ... 1
1.2. Relevanz des Forschungsbeitrages ... 2
1.3. Forschungsstand und Einbettung des Forschungsbeitrages ... 3
1.4. Eingrenzung des Forschungsfeldes ... 3
1.5. Zentrale Forschungsfragen ... 4
1.6. Aufbau der Arbeit ... 5

2. Theoretischer Rahmen
2.1. Theoretische Hintergründe der Diskursanalyse ... 5
2.1.1. Soziale Konstruktion von Wirklichkeit ... 6
2.1.2. Soziale Handlung und speach act ... 6
2.1.3. Diskurs als soziale Handlung ... 7
2.1.4. Verschiedene Ansätze der Diskursforschung ... 8
2.2. Kritische Diskursanalyse ... 9
2.2.1. Kritik an und im Diskurs ... 10
2.2.2. Macht und Diskurs ... 11
2.2.3. Ideologie und Diskurs ... 13
2.3. Neue Soziale Bewegung, Ideologie und Diskurs ... 14
2.3.1. Neue Soziale Bewegung und Unterstützung der ImmigrantInnen ... 15
2.3.2. Solidarisierung, Neue Soziale Bewegung und Partizipation ... 16
2.4. Diskursive Ebene des Immigrationsphänomens ... 17
2.4.1. Der Diskurs der ImmigrantInnen ... 18
2.4.2. Der rassistische Diskurs ... 19
2.4.3. Öffentliche Meinung zum Thema Immigration ... 21
2.4.4. Diskursive Logiken des „engagierten Diskurses“ ... 23
2.4.5. Autorität in der Diskursgemeinschaft ... 25
2.4.6. Neue Technologien als Mittel der diskursiven Praktiken ... 26

3. Methodisches Vorgehen
3.1. Wahl der methodischen Vorgehensweise ... 26
3.1.1. Qualitative Forschung ... 27
3.1.2. Ansatz der Grounded Theory ... 27
3.1.3. Das Prozessmodell der Grounded Theory ... 27
3.1.4. Methodische Vorgehensweise der Kritischen Diskursanalyse ... 29
3.2. Konkrete Forschungsfragen ... 30
3.3. Sondierung des Forschungsfeldes und der Diskursebene ... 32
3.4. Datenerhebung ... 32
3.4.1. Diskursgemeinschaft und Sampleauswahl ... 33
3.4.2. Datenauswahl und Korpusbildung ... 34
3.4.3. Teilnehmende Beobachtung, Feldnotitzen und Feldtagebuch ... 34
3.4.4. Textliche Daten ... 35
3.4.5. Interviews ... 38
3.4.6. Datenanalyse ... 39
3.5. Geltungsbegründung ... 40

4. Annäherung ans Forschungsfeld
4.1. Sozialhistorischer Kontext der Immigration ... 41
4.2. Besonderheiten der Immigration in Barcelona ... 42
4.3. Kontext der Immigrationspolitik in Spanien ... 43
4.4. Kontext der Integrationspolitik ... 46
4.5. Netzwerke und Rolle der Zivilgesellschaft in Barcelona ... 47

5. Empirischer Teil
5.1. Soziale Praktiken im Bereich Immigration ... 49
5.1.1. Das Netzwerk der Institutionen im Immigrationsbereich ... 49
5.1.2. Soziale Bewegung der Unterstützung? ... 53
5.1.3. Struktur und Organisation der sozialen Bewegung ... 54
5.2. Der Pro-Immigrationsdiskurs ... 57
5.2.1. Konjunktur und Dynamik des Diskurses ... 58
5.3. Schlüsselereignisse und deren diskursive Reproduktion ... 58
5.3.1. Der ausserordentliche Regularisierungsprozess ... 59
5.3.2. Grenzüberschreitungen in Ceuta und Melilla ... 61
5.4. Diskursinhalt ... 62
5.4.1. Wahrnehmungen des Migrationsphänomens ... 62
5.4.2. Diskursvarianten und Problemwahrnehmung von Limiten und Grenzkontrollen ... 68
5.4.3. Problehmwahrnehmung des Ausländergesetzes ... 71
5.4.4. Problehmwahrnehmung des interkulturellen Zusammenlebens ... 73
5.5. Diskursstrategien ... 78
5.5.1. Argumentationsstrategien ... 79
5.5.2. Bilder, Bezeichnungen und Rollen für „ImmigrantInnen“ ... 83
5.5.3. Rhetorisch-stilistische Merkmale ... 86
5.6. Ideologische Merkmale der Diskusvarianten ... 87
5.7. Einbettung der Diskursvarianten in den Gesamtdiskurs ... 98
5.7.1. Intradiskursive Differenzen nach Akteuren und Standpunkten ... 98
5.7.2. Verhältnis zum dominanten Immigrationsdiskurs ... 102
5.7.3. Diskursive Wirkung ... 103

6. Konklusionen ... 104

7. Abschliessende Reflexion ... 107

Bibliographie ... 108
Index der Tabellen und Graphiken ... 115

Anhang

 

1. EINLEITUNG

1.1. Definieren des Forschungsziels
Diese Forschungsarbeit soll einen Beitrag für einen verständnisvolleren Umgang mit dem Immigrationsphänomen leisten. Es geht um die Erfassung der Sichtweisen und Problemwahrnehmungen der ansässigen spanischen Bevölkerung auf das noch relativ neuartige Einwanderungsphänomen. Der Fokus wird dabei auf den Teil der Bevölkerung gelegt, der sich durch seine „offene“ Haltung gegenüber den ImmigrantInnen charakterisiert. Über die Erforschung der sozialen Praktiken und diskursiven Handlungen im Feld der Immigrations- und Integrationsdebatte soll dieser Beitrag die vorhandenen Potentiale der engagierten Akteure erfassen.

Der Zugang zu diesem Forschungsgegenstand kann am besten über qualitative Forschungsmethoden erlangt werden, da es sich um eine mehr oder weniger klar abgegrenzte Akteursgruppe handelt. Konkret soll hier der Pro-Immigrationsdiskurs1 erfasst und analysiert werden. Räumlich schränkt sich diese Forschung auf eine Stadt (Barcelona), und zeitlich auf eine Periode von mehr oder weniger einem Jahr ein.

Die Annahme, dass Diskurse sowohl sozial konstituiert, aber gleichzeitig auch sozial konstitutiv sind, bedeutet, dass die Beteiligung an einem Diskurs einer sozialen Handlung gleichkommt (Fairclaugh/ Wodak 1997). Indem Menschen diskursiv handeln, formen sie ihren Kontext mit. Dieses Verständnis von diskursivem Handeln ist zentral, um die Macht oder den Einfluss des Diskurses zu verstehen, die er auf die Umgebung ausüben kann. Für diese Untersuchung ist dies insofern von Bedeutung, als dass im Pro-Immigrationsdiskurs ein Potential für eine alternative, positivere Umgangsweise mit dem Thema Immigration gesehen wird. So lassen sich aus den Diskursen Handlungsbedarf und Forderungen der Akteure nach einem sozialen Wandel ableiten.

Neben der Erfassung der sozialen Handlungen, der Aktionen und Programme der engagierten Akteure und Institutionen, erlaubt die Ergänzung durch eine Analyse des Diskurses rund um diese Praktiken, hinter die blossen Taten zu sehen und zu erfahren, welche ideologischen Denkmuster vorhanden sind, und wie die Akteure über ihre soziale Umwelt denken. Wie sich dieser hier fokussierte Subdiskurs in die diskursive Ordnung eingliedert, unter welchen Machtverhältnissen er steht und welches Potential von ihm ausgeht, sind Fragen, die diese Studie ebenfalls zu beantworten versucht (siehe dazu Fairclough 1992, Bourdieu 1984; 1991).

1.2. Relevanz des Forschungsbeitrages
Aus verschiedenen Forschungen ist ersichtlich, dass die Medien, indem sie einen bestimmten Diskurs produzieren oder repräsentieren, zur Verbreitung von negativen Stereotypen der ImmigrantInnen in der Bevölkerung beitragen (vgl. hierzu Bañón 2002; Íñiguez 2003; van Dijk 2004; Wodak/ Matouschek 1998; Zaguirre 2004). Umgekehrt kann auch davon ausgegangen werden, dass alternative Gegendiskurse Einfluss auf die Wahrnehmung, die Auseinandersetzung und den politischen Umgang mit dem Immigrationsphänomen haben können. Zur Erlangung eines Wandels, in sozialer wie in politischer Sphäre, sind Diskurse allein jedoch nicht ausreichend. Die Beziehung zwischen Diskurs und Aktion ist zweidimensional, d.h. der Diskurs konfiguriert und legitimiert die Aktionen, und umgekehrt geben die Aktionen dem Diskurs seine Form (Fairclough 1992). Dieser Forschungsbeitrag beschäftigt sich mit dem eben erwähnten Zusammenspiel von diskursivem Handeln und praktischem Handeln im Bereich der Immigrations- und Integrationspolitik, wobei der Schwerpunkt auf erst genanntem gelegt wird.

Indem sich Akteure am Pro-Immigrationsdiskurs beteiligen, nehmen sie dabei Einfluss auf die Konstituierung der öffentlichen Meinung und indirekt auf die Immigrations- und Integrationspolitik, wenn auch nur marginal. Dieses vom engagierten Teil der Bevölkerung ausgehende Potential könnte ein Gegengewicht zu den diskriminierenden und rassistischen Diskursen und Handlungen darstellen. Indem konstruktive Vorschläge und solidarische Handlungsmuster ins Zentrum der Betrachtung gestellt werden, wird diesem Diskurs mehr Legitimität verliehen. Anhand einer kritischen Untersuchung des Sprachgebrauchs und durch die Aufforderung zur Reflexion dieser brisanten Themen kann an das Bewusstsein aller beteiligter Akteure − der Interviewpartner sowie der Forscherin − appelliert werden.

Für die Sozialwissenschaften, die Migrationsforschung und die Ethnologie im Besonderen, ist dieser Beitrag eine Ergänzung zu den bereits untersuchten negativen Einstellungen und Umgang mit dem Immigrationsphänomen2. Der hier verwendete Fokus auf die „Immigrations-freundlichen“ Netzwerke und Diskurse einerseits, sowie die methodisch-theoretische Herangehensweise der Diskursanalyse andererseits, eröffnen eine neue Perspektive auf die Thematik.

[...]


1 Dieser Begriff wird in der Folge verwendet, um den hier fokussierten Subdiskurs vom Gesamtdiskurs über Immigration zu unterscheiden. Das Gesamtdiskursfeld der Immigration besteht aus einem dominanten Mehrheitsdiskurs und vielen Subdiskursen, die über verschiedene Beziehungen, Spannungsfelder und Winkel miteinander verbunden sind. Einige dieser Subdiskurse mögen in Opposition zum dominanten Diskurs stehen, andere mögen sich an diesen lehnen.

2 Siehe dazu Beiträge von Actis et al.1995; 2005; Bañón 1996; 2002; Barbadillo 1997; Birsl et al. 2003; Campo Ladero 2004; Colectivo IOÉ 1995; Martín Rojo 2003; Martín Rojo/ van Dijk 1998; Niehr/ Böke 2004; Pérez Díaz et al. 2001; van Dijk 2003c; Zaguirre 2005; u.a.m..


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