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"Kulturgeschichte / Historische Kulturwissenschaft". Didaktische Möglichkeiten und Probleme

Scholary Paper (Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Constanze Sieger
Subject: History - Didactics

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V52495
ISBN (E-book): 978-3-638-48197-7
ISBN (Book): 978-3-638-76513-8
File size: 204 KB

Abstract

Spätestens seit dem Beginn der 1990er Jahre taucht ein Begriff in den Diskussionen der deutschen Geschichtswissenschaft mit einer Vehemenz auf, die vergleichbar ist mit der des Begriffes ‚Gesellschaft’ in den 60er und 70er Jahren: Gemeint ist der Kulturbegriff, der eine Diskussion um Geschichte als ‚Historische Kulturwissenschaft’ oder neue ‚Kulturgeschichte’ mit sich bringt. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, den Kern dieser Diskussionen innerhalb der Fachwissenschaft zu erfassen und dabei vor allen Dingen auf den Verlauf der Entwicklungslinien einzugehen. Folgende Fragen sollen dabei beantwortet werden: Was ist bzw. bedeutet Kultur? Welche neuen Grundannahmen in Bezug auf Erkenntnismöglichkeiten, Fragestellungen, und Gegenstandsbereiche für die Arbeitsweise von Historikern ergeben sich durch eine Geschichtswissenschaft, die den kulturgeschichtlichen Ansatz in den Mittelpunkt stellt? Welchen Entwicklungen innerhalb der Geschichtswissenschaft liegt dieser neue Ansatz zu Grunde? Diese Fragen sollen soweit beantwortet werden, dass es möglich ist, die Wirkung dieses neuen Paradigmas auf und die Beeinflussung durch die Geschichtsdidaktik aufzuzeigen. Also verfolgt diese Arbeit noch ein zweites Ziel: Die Beschäftigung mit der Wechselwirkung zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik in Bezug auf die neue Rolle des Begriffes ‚Kultur’ innerhalb der Geschichtswissenschaft.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Didaktik der Geschichte
Proseminar: Einführung in die Didaktik der Geschichte
Wintersemester 2003/2004, 5. Fachsemester

"Kulturgeschichte / Historische Kulturwissenschaft".
Didaktische Möglichkeiten und Probleme

von: Constanze Sieger

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Vorläufige Begriffsbestimmung von ‚Kultur’ 1

3 Entwicklungen in den 1980er Jahren der deutschen Geschichtswissenschaft 2

3.1 Angriffspunkte der Historischen Sozialwissenschaft 2
3.2 Neue Ansätze als Reaktion auf die Kritik 3
3.3 Gemeinsamkeiten der neuen Ansätze 4

4 Rückbezug auf die Zeit um 1900 zur Beschreibung der Kulturgeschichte 5

4. 1 Situation der Geschichtswissenschaft um 1900 5
4.2 Kulturwissenschaftliche Ansätze in Max Webers Werk 6

5 Das Programm der Historischen Kulturwissenschaft 8

5.1 Wirklichkeitsverständnis 8
5.2 Gegenstandsbereich 9
5.3 Verfahrensweisen zur Erkenntnisgewinnung 10

6 Didaktische Möglichkeiten und Probleme 12

6.1 Entwicklung und Definition des Begriffes Geschichtskultur 12
6.2 Geschichtskultur und Kulturgeschichte 13
6.3 Perspektiven für die Geschichtsdidaktik 14

7 Fazit 15

8 Literaturverzeichnis 16


 

 

 

1 Einleitung

Spätestens seit dem Beginn der 1990er Jahre taucht ein Begriff in den Diskussionen der deutschen Geschichtswissenschaft mit einer Vehemenz auf, die vergleichbar ist mit der des Begriffes ‚Gesellschaft’ in den 60er und 70er Jahren: Gemeint ist der Kulturbegriff, der eine Diskussion um Geschichte als ‚Historische Kulturwissenschaft’ oder neue ‚Kulturgeschichte’ mit sich bringt. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, den Kern dieser Diskussionen innerhalb der Fachwissenschaft zu erfassen und dabei vor allen Dingen auf den Verlauf der Entwicklungslinien einzugehen. Es wird also versucht die Fragen zu klären: Was ist bzw. bedeutet Kultur? Welche neuen Grundannahmen in Bezug auf Erkenntnismöglichkeiten, Fragestellungen, und Gegenstandsbereiche für die Arbeitsweise von Historikern ergeben sich durch eine Geschichtswissenschaft, die den kulturgeschichtlichen Ansatz in den Mittelpunkt stellt? Welchen Entwicklungen innerhalb der Geschichtswissenschaft liegt dieser neue Ansatz zu Grunde? Da es auf diese Fragen mehr als eine Antwort gibt, erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder wagt es zu behaupten den kleinsten gemeinsamen Nenner der verschiedensten Ausformungen bestimmen zu können. Vielmehr sollen die genannten Fragen soweit beantwortet werden, dass es möglich ist die Wirkung auf und die Beeinflussung durch die Geschichtsdidaktik, dieses neuen Paradigmas, wenn es denn eines sein sollte, aufzuzeigen. Also verfolgt diese Arbeit noch ein zweites Ziel: Die Beschäftigung mit der Wechselwirkung zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik in Bezug auf die neue Rolle des Begriffes ‚Kultur’ innerhalb der Geschichtswissenschaft.

2 Vorläufige Begriffsbestimmung von ‚Kultur’

Da es in dieser Arbeit um Geschichtswissenschaft als Historische Kulturwissenschaft geht, erscheint es sinnvoll zu Beginn zu erläutern, wie der Begriff der ‚Kultur’ in diesem Kontext benutzt und verstanden wird. Allerdings kann es sich hierbei nur um eine oberflächliche Definition handeln, da den verschiedenen Ansätzen innerhalb der Historischen Kulturwissenschaft auch immer unterschiedliche Auffassungen von ‚Kultur’ als zentrale Kategorie und Untersuchungsgegenstand zu Grunde liegen. Gemeinsam ist aber allen Ansätzen, was nicht unter ‚Kultur‘ verstanden wird: Es geht dabei nicht um eine Kultur im Sinne einer ‚höheren Kultur’ oder eines Bildungskanons.1 Mit Kultur ist grundsätzlich die „Ebene der Wahrnehmungen, Bedeutungen und Sinnstiftungen sowie ihr symbolischer Ausdruck in Texten, Bildern, Gegenständen, Ritualen, Gesten usw. gemeint.“2 ‚Kultur’ ist somit das Ergebnis eines Prozesses, in dessen Verlauf Menschen ihre Umwelt, Lebenswelt bzw. Wirklichkeit wahrgenommen und ihr Bedeutungen und Sinn zugeschrieben haben. Dieses Ergebnis drückt sich in symbolischen Formen oder aber auch in Herausbildung von Strukturen und Institutionen aus.3

3 Entwicklungen in den 1980er Jahren der deutschen Geschichtswissenschaft

An dieser Stelle sollen die Entwicklungslinien zur kulturtheoretischen Wende innerhalb der Geschichtswissenschaft aufgezeigt werden. Dabei beschränken sich die Beschreibungen, um dem Rahmen der Hausarbeit gerecht zu werden, auf die Entwicklungen innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft. Die Entwicklungen z. B in der französischen Forschung und in fachfremden Disziplinen, wie der Ethnologie, werden nur in Bezug auf die Beeinflussung der deutschen Geschichtswissenschaft dargestellt.

3.1 Angriffspunkte der Historischen Sozialwissenschaft

Die neuen Ansätze Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre waren Reaktionen auf die Defizite der Historischen Sozialwissenschaft, oder der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, die sich in den 1960er und 70er Jahren entwickelt hatte. Zielsetzung dieser Sozialgeschichte war es, den Gegenstandsbereich und die Methodik der bis dahin hauptsächlich durchgeführten historischen Arbeit zu erweitern. Der damaligen Geschichtswissenschaft wurde vorgeworfen, allein an Politik und ereignisgeschichtlichen Themenbereichen interessiert zu sein, und so soziale und ökonomische Entwicklungen außer acht zu lassen.4 Die Vertreter einer solchen Sozialgeschichte wollten sich nun auch mit den sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der gesamten „Gesellschaft“ auseinandersetzen, was auch andere Verfahrensweisen, z. B. die Auswertung von numerischem Datenmaterial und statistischen Operationen, mit sich brachte.5 Darstellung von ‚Gesellschaft’ und der sich darin entwickelnden und wiederum die Gesellschaft verändernden ökonomischen und politischen ‚Strukturen’ wurde zum zentralen Thema.6 Allein ‚Gesellschaft’ und ‚Strukturen’ zum zentralen Gegenstandsbereich der Geschichtswissenschaft war einigen Historikern in den 1980er Jahren nicht mehr genug: Außer acht gelassen würde dabei die Sichtweise der Individuen als handelnde Subjekte, aus denen die Gesellschaft schließlich bestehe.7 Die Vorgehensweise und Theoriegrundlage spreche den einzelnen Individuen innerhalb der Gesellschaft jegliche Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit ab und gehe stattdessen davon aus, dass alles durch die Strukturen bestimmt werde.8

[...]


1 Vgl. DANIEL: Kompendium, S. 7.

2 SIEDER: Sozialgeschichte, S. 449.

3 Vgl. ebd.

4 HARDTWIG/WEHLER: Einleitung in Kulturgeschichte heute, S. 12

5 Vgl. SIEDER: Sozialgeschichte, S. 445

6 Vgl. DANIEL: GESELLSCHAFT und Kultur, S. 71.

7 Vgl. BORSCHEID: Alltagsgeschichte, S. 394.

8 Vgl. SIEDER: Sozialgeschichte, S. 447.


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