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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 13 Pages
Author: Dipl.-Theol. Christoph Körner
Subject: Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Details
Institution/College: Graduate School of Philosophy and Theology St. Georgen in Frankfurt am Main
Tags: Tertullian, Philosophie, Altkirchliche
Year: 1999
Pages: 13
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-48262-2
File size: 161 KB
Eine mögliche Reaktion auf das Zusammentreffen jüdisch-christlicher Glaubensvorstellungen mit griechisch-römischem Denken wird hier am Beispiel Tertullians und seines Apologeticums dargestellt. Nicht zuletzt geht es um eine frühe Bestimmung des Verhältnisses von Glaube und Vernunft.
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Tertullian und die Philosophie
von: Christoph Körner
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Tertullian und sein Apologeticum 2
3 Philosophie und Christentum als Antithese 4
3.1 Tertullian und Sokrates 5
3.2 Tertullian und Platon 6
3.3 Die Frage nach der Wahrheit 7
4 Tertullians Äußerungen als apologetische Aussagen 8
5 Die Philosophie - gemeinsame Sprachebene 9
6 Schluß 10
Literaturverzeichnis 12
1 Einleitung
"Tertullian und die Philosophie" lautet das Thema dieser Hausarbeit. So wie es formuliert ist, klingt dieses Thema sehr weit ausholend, sehr umfassend. Eine grundlegende Erörterung des Verhältnisses von Tertullian zur Philosophie, ausgehend von allen seinen Werken, ist aber für eine Arbeit von diesem Umfang nicht zu leisten. Deshalb seien am Anfang einige Anhaltspunkte genannt, welche die Themenstellung ein Stück weit eingrenzen sollen: Zum einen geht die Arbeit von Tertullians Äußerungen im Apologeticum aus und bezieht sich da vor allem auf den letzten Abschnitt, auf die Kapitel 46 bis 50. Damit ist also schon eine Einschränkung getroffen, denn die Aussagen in den zahlreichen anderen Werken von Tertullian müssen zum überwiegenden Teil unberücksichtigt bleiben. Zum anderen wird das Verhältnis von Tertullian zur griechischen Philosophie im Vordergrund stehen, die natürlich zum damaligen Zeitpunkt in ihrer ganzen Vielfalt die dominierende Rolle in der Philosophie spielt. Hierbei soll konkret auf einzelne griechische Philosophen Bezug genommen werden, zu denen sich Tertullian äußert. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Tertullian und den griechischen Apologeten vor ihm, wie Justinus, Athenagoras, Theophilus und Tatianus, im Verhältnis zur Philosophie klingen teilweise mit an, siehe beispielsweise die Ansicht Justins hinsichtlich des Sokrates, auf sie kann aber auch nicht näher eingegangen werden.
Genauer betrachtet werden soll dann die aufkommende Frage nach der Wahrheitserkenntnis: Inwieweit räumt Tertullian der Philosophie die Möglichkeit einer solchen ein? Ferner wird beleuchtet, in welcher Art und Weise sich die Form des Apologeticums auf die inhaltlichen Aussagen zur Philosophie und zu den Philosophen auswirkt und ob bzw. wie die Philosophie Tertullian als gemeinsame Ebene der Auseinandersetzung und des Gesprächs mit der hellenistisch geprägten Umwelt dient. Am Ende bleibt Gelegenheit, kurz einen Blick zu werfen auf das allgemeine Verhältnis von Philosophie und Theologie und seinen Wandel im Lauf der Geschichte von den Kirchenvätern bis heute.
2 Tertullian und sein Apologeticum
Am Beginn sollen, soweit dies möglich ist, ein paar Worte zur Biographie Tertullians und zu seinen Werken, vor allem zum Apologeticum gesagt werden. Tertullian zählt zu den bedeutendsten lateinischen Theologen vor Augustinus. Er war Kirchenschriftsteller Ende des 2. Jahrhunderts, Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christus und bildete den Höhe- und Endpunkt in der Apologetik des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts.1 Über sein Leben existieren kaum andere, externe Quellen, so daß als Hauptquelle eigentlich nur seine eigenen Schriften herangezogen werden können.
Geboren wurde Quintus Septimius Florens Tertullianus, so sein voller Name, vermutlich zwischen 155 und 166 n. Chr. in Karthago in Nordafrika, wo er wohl auch die meiste Zeit seines Lebens wirkte. In einem heidnischen Elternhaus aufgewachsen, sein Vater ist römischer Offizier, umfaßt seine Bildung die lateinischen und griechischen literarischen, rhetorischen und philosophischen Traditionen. Der Zeitpunkt seines Übertritts zum Christentum ist nicht genau auszumachen, dieser muß aber vor dem Jahr 197 n. Chr. liegen, da in diesem Jahr das Werk "Ad nationes" entsteht, eine apologetische Schrift, die sich für das Christentum einsetzt. Tertullian war hauptsächlich als christlicher Lehrer tätig. Irgendwann in der Zeit zwischen 207 und 213 n. Chr. wurde er zum Anhänger und Verfechter des Montanismus, einer "rigoristisch-enthusiastischen Bewegung", die sich unter anderem "gegen die Großkirche" stellt und "in Karthago eine eigene Gemeinde bildet"2. Ein exaktes Todesjahr von Tertullian ist nicht bekannt, er ist zwischen 220 und 240 n. Chr. in hohem Alter gestorben. Er hat eine beträchtliche Anzahl von Schriften verfaßt, die sich zeitlich gesehen in eine christliche (oder besser auch katholische bzw. großkirchliche) und eine montanistische Phase einordnen lassen. Dazu gehören unter anderem das "Apologeticum" und "De testimonio animae" als apologetische Schriften aus der christlichen Zeit oder aus der montanistischen Zeit die dogmatisch-polemischen bzw. kontroverstheologischen Schriften "Adversus Marcionem" und "De resurectione carnis". Viele Schriften beider Phasen befassen sich auch mit praktisch-asketischen Fragestellungen, wie zum Beispiel "De baptismo", "De oratione" oder "De monogamia".3 Das Apologeticum gilt als das bedeutendste apologetische Werk Tertullians. Von ihm gab es wohl zwei Fassungen, die beide auf den Autor selbst zurückgehen. Außerdem existierte noch eine griechische Übersetzung, die aber verlorengegangen ist. Es entstand wie "Ad nationes" im Jahr 197 n. Chr., nachdem Tertullian Christ geworden war.
[...]
1 Vgl. Becker, C., Tertullians Apologeticum. Werden und Leistung, München 1954, S. 305f.
2 Frenschkowski, M., Tertullian, in: Bautz, T. (Hg.), Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XI, Herzberg 1996, S. 695 - 720, hier S. 696.
3 Bei den Angaben zur Biographie Tertullians vgl. auch Frenschkowski, M., a.a.O., hier S. 695ff.
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