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Seminararbeit, 2004, 16 Seiten
Autor: Toni Hildebrandt
Fach: Kunst - Kunsthandwerk
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Kunsthistorisches Seminar)
Tags: Erdapfel, Martin, Behaim, Nürnberg, Regiomontanus, Dürer, Globus, Kolumbus, Christoph Kolumbus, Renaissance, Harlan, Veit, Portugal, Seekarten, Weltentdeckung, Entdeckungsreise
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 21 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-48362-9
ISBN (Buch): 978-3-638-76514-5
Dateigröße: 162 KB
Intensives Studium vor dem Original in Nürnberg und der Originalquellen.
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Zusammenfassung / Abstract
1471 bezeichnete der Astronom Johannes Regiomontanus Nürnberg als „Quasi Centrum Europae“ . Dies galt sowohl für die weitläufigen Handelsbeziehungen, die die Stadt zu allen großen Metropolen der damaligen Zeit pflegte, als auch für die herausragenden Kunstwerke und Erfindungen, die Nürnberg in aller Welt bekannt machten. Künstler, Handwerker und Wissenschaftler arbeiteten Seite an Seite und inspirierten sich zu wegweisenden Neuerungen. Für diesen Drang nach „Innovatio“ gibt es kaum eine bessere Metapher als den Erdglobus - als Symbol von Gelehrsamkeit und Weltläufigkeit verbindet er handwerkliches und künstlerisches Können mit dem modernen Weltbild der Renaissance. 1492, im Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus entwickelte der Nürnberger Martin Behaim im Kreise humanistischer Gelehrter seinen „Erdapfel“, die erste Darstellung der Erde in Kugelgestalt. Der Autor studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Jena, Weimar und Rom.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Kunsthistorisches Seminar
Proseminar: Kunst in Nürnberg, vornehmlich im 15. und frühen 16. Jahrhundert
SS 2004
Der "Erdapfel" des Martin Behaim
von: Toni Hildebrandt
Inhalt
Einleitung
1. Martin Behaim aus Nürnberg
2. Der „Erdapfel“ des Martin Behaim
3. Der Behaim-Globus als Weltchronik
4. Der Globus: Vom Renaissance- zum Vanitas-Symbol am Beispiel Hans Holbeins „Die Gesandten“
Literaturverzeichnis
Hausarbeit: Der „Erdapfel“ des Martin Behaim
1471 bezeichnete der Astronom Johannes Regiomontanus Nürnberg als „Quasi Centrum Europae“1. Dies galt sowohl für die weitläufigen Handelsbeziehungen, die die Stadt zu allen großen Metropolen der damaligen Zeit pflegte, als auch für die herausragenden Kunstwerke und Erfindungen, die Nürnberg in aller Welt bekannt machten. Künstler, Handwerker und Wissenschaftler arbeiteten Seite an Seite und inspirierten sich zu wegweisenden Neuerungen. Für diesen Drang nach „Innovatio“ gibt es kaum eine bessere Metapher als den Erdglobus - als Symbol von Gelehrsamkeit und Weltläufigkeit verbindet er handwerkliches und künstlerisches Können mit dem modernen Weltbild der Renaissance. 1492, im Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus entwickelte der Nürnberger Martin Behaim im Kreise humanistischer Gelehrter seinen „Erdapfel“, die erste Darstellung der Erde in Kugelgestalt.
1. Martin Behaim aus Nürnberg
Die Familie Behaim gehörte in Nürnberg zum Patriziat, begleitete zahlreiche Ämter in der Stadt und erwarb ihren Lebensunterhalt durch Handel. Sie besaßen ein großes Haus am Hauptmarkt gegenüber dem „Schönen Brunnen“, dass im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. An jedem zweiten Freitag nach Ostern fand dort die Heiltumsweisung statt. Dieses Vorzeigen der Reichskleinodien und –reliquien war mit einem großen kirchlichen Ablass verbunden. Das die Wahl für den Präsentationsort dieser wichtigen Zeremonie auf die Fassade des Hauses der Behaim fiel verdeutlicht den hohen Rang der Familie.
Martin Behaim wurde am 6.10.1459 in Nürnberg geboren. Nach seiner Schulzeit wurde er nach Mecheln in den Niederlanden geschickt, wo er ab 1476 bei dem Tuchkaufmann Jorius van Dorpp beschäftigt war. Von 1479 bis 1484 war er dann in Antwerpen für den Nürnberger Fritz Heberlein tätig. Nachdem Behaim genug Erfahrungen im Handel gesammelt hatte unternahm er im Mai 1484 seine erste große Reise, die ihn von Antwerpen zunächst nach Lissabon führte. Portugal war bekannt für den florierenden Gewürzhandel und war „[...] im 15. Jahrhundert der wichtigste Ausgangspunkt für Reisen in die zu entdeckende Welt [...]“2. Dort wurde er am 18. Februar 1485 in Alcáçovas von König João II. von Portugal zum Ritter geschlagen. Der Anlass für diese Standeserhöhung ist bis heute unbekannt. Möglich wäre, dass Behaim an einer Afrikareise teilnahm und dafür diese Auszeichnung erhielt. Wahrscheinlich spielte aber auch seine Einheirat in eine einflussreiche portugiesische Familie eine Rolle, denn seine Frau Joanna Macedo war die Tochter des angesehenen Gouverneurs der Azoreninseln Fayal und Pico, Josse Hurter. 1490 tauchte Martin Behaim wieder in Nürnberg auf zur Aufteilung des elterlichen Erbes. 1493 kehrte er nach Portugal zurück, wo er bis zu seinem Tod am 29.7.1507 lebte. In den drei Jahren seines letzten Nürnbergaufenthalts entstand sein „Erdapfel“, die erste Kugeldarstellung der Erde.
In wieweit er auch entscheidenden Einfluss auf Entdeckungen hatte, ist nicht gesichert. Bereits 1682 stellte der Altdorfer Professor Johann Christoph Wagenseil die haltlose Behauptung auf, Behaim habe vor Kolumbus Amerika entdeckt. Sicher ist auch das Bild Behaims, wie es Veit Harlan in seinem Film „Das unsterbliche Herz“3 von 1939 darstellte nicht den Tatsachen entsprechend. Vor allem in Nürnberg wurde aber über lange Zeit an der Vorstellung vom großen Sohn der Stadt, Seefahrer und Wissenschaftler festgehalten. Die Quellen belegen lediglich, dass Behaim in Portugal als Vermittler kartographischer Kenntnisse fungierte und an mindestens einer Afrikareise teilnahm4. „Schließlich schrieb 1601 der spanische Historiker Antonio de Herrera, Kolumbus sei durch einen Freund, einen von der Insel Fayal stammenden Portugiesen namens Martin de Boemhia, einen wichtigen Kosmographen, in seinem Plan bestärkt worden, den Seeweg nach Indien mit einer Westfahrt auf dem Atlantik zu suchen.“5 Dafür gibt es allerdings keinerlei Beweise. Der Globus im Germanischen Nationalmuseum von Nürnberg bleibt das einzige Zeugnis, das Behaim als großen Kosmograph auszeichnet.
2. Der „Erdapfel“ des Martin Behaim
[...]
1 Quasi Centrum Europae – Europa kauft in Nürnberg 1400-1800, Ausstellungskatalog des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 2002
2 Willers, Johannes: „Leben und Werk des Martin Behaim“ in Focus Behaim Globus I, S.173-188, hier: S. 181
3 In Veit Harlans Film „Das unsterbliche Herz“ (1939) wird neben dem Nürnberger Uhrenmacher Peter Henlein auch die Rolle Martin Behaims aufs Überschwänglichste verherrlicht.
4 Behaims Afrikareise wird in der Schedel’schen Weltchronik und auf dem Behaim-Globus erwähnt. Sie muss zwischen Mai 1484 und Februar 1485 wahrscheinlich unter João Affonso d’Aveiro stattgefunden haben.
5 E.G. Ravenstein; zitiert aus Willers, Focus Behaim I, S.183
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