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Von Henry van de Velde bis Peter Eisenman. Das Ernst-Abbe-Denkmal - Inkunabel des modernen Denkmals

Scholary Paper (Seminar), 2005, 14 Pages
Author: Toni Hildebrandt
Subject: Art - Architecture / History of Construction

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 14
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V52735
ISBN (E-book): 978-3-638-48366-7
ISBN (Book): 978-3-638-76516-9
File size: 157 KB

Abstract

Mit dem Ernst Abbe-Denkmal von 1911 entwarf Henry van de Velde ein Kunstwerk, das einen Wendepunkt in der Entwicklung der Denkmalkunst markiert. Trotz zahlreicher Verweise auf antike Proportionen oder die Architektur der Renaissance ist es doch in erster Linie van de Veldes moderne Formensprache, die den Betrachter anspricht. Auf diese Weise gelang es dem Architekten, sich von tradierten Formen loszulösen und Ernst Abbe ein Denkmal zu setzen, dass dem Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts würdig war. [...] Das moderne Denkmal, von Henry van de Velde bis Peter Eisenman, hat sich zu dem Kunstwerk entwickelt, vom dem August Endell 1898 träumte: „Es gibt eine Kunst, von der noch niemand zu wissen scheint: Formkunst, die der Menschen Seelen aufwühlt allein durch Formen, die nichts Bekanntem gleichen, die nichts darstellen und nichts symbolisieren, die durch frei gefundene Formen wirkt, wie die Musik durch freie Töne. Aber die Menschen wollen noch nichts davon wissen, sie können nicht genießen, was ihr Verstand nicht begreift, und so erfanden sie Programmusik, die etwas bedeutet, und Programmdekoration, die an etwas erinnert, um ihre Existenzberechtigung zu erweisen. Und doch kommt die Zeit, da in Parken und auf öffentlichen Plätzen sich Denkmale erheben werden, die weder Menschen noch Tiere darstellen, Phantasieformen, die der Menschen Herz zu rauschender Begeisterung und ungeahntem Entzücken fortreißen werden.“ Der Autor studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Jena, Weimar und Rom.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Kunsthistorisches Seminar
Seminar: Kunstwerke des 20. Jahrhunderts in Jena
WS 2004/05

Hausarbeit

Von Henry van de Velde bis Peter Eisenman
Das Ernst Abbe-Denkmal - Inkunabel des modernen Denkmals

von

Toni Hildebrandt

Kunstgeschichte (3)
Musikwissenschaft (3)
Romanistik/Italienisch (1)

 

 

Inhalt

Einleitung 3

Denkmalstreit und Entstehungsgeschichte des Ernst Abbe-Denkmals 3

Architekturbeschreibung und Interpretation 5

Das Denkmal nach 1945 ... 9

Bibliographie 14

 

 

Einleitung

Mit dem Ernst Abbe-Denkmal von 1911 entwarf Henry van de Velde ein Kunstwerk, das einen Wendepunkt in der Entwicklung der Denkmalkunst markiert. Trotz zahlreicher Verweise auf antike Proportionen oder die Architektur der Renaissance ist es doch in erster Linie van de Veldes moderne Formensprache, die den Betrachter anspricht. Auf diese Weise gelang es dem Architekten, sich von tradierten Formen loszulösen und Ernst Abbe ein Denkmal zu setzen, dass dem Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts würdig war.

Denkmalstreit und Entstehungsgeschichte des Ernst Abbe -Denkmals Die Jahrhundertwende brachte nicht nur politische und soziale Veränderungen mit sich, sondern führte in vielen Künstlerkreisen zum Infragestellen traditioneller Werte. Antiquierte Denkmäler wurden zunehmend problematisch. Eines der letzten großen klassischen Monumente war das Nationaldenkmal Wilhelm des Großen vor dem Berliner Schloss von Reinhold Begas. Ein großes Reiterstandbild mit allegorischen Reliefs und Assistenzfiguren. Ein derartig heroisierendes Monument war für den Avantgardist van de Velde undenkbar.

Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich als Alternative zum „sicheren“, traditionellen Denkmal bereits das architektonische Monument entwickelt, so z.Bsp. das Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald oder das Kyffhäuser-Denkmal. Diese Kunstwerke zogen ihren Wert und Eindruck allerdings fast ausschließlich aus ihrer Monumentalität. Diese Übersteigerung kam für ein Abbe-Denkmal ebenfalls nicht in Frage. Mit Blick auf Ernst Abbes Bescheidenheit lehnten viele Freunde und Mitarbeiter sogar zunächst ein Denkmal nach dessen Tod ab.1 Das Namensgebungen2 und die Gründung einer sozialen Stiftung mit seinem Namen zunächst einem Denkmal vorgezogen wurden, zeigt auch die Skepsis gegenüber der zeitgenössischen Denkmalkunst.3

Die ersten Entwürfe für das Abbe-Denkmal wurden allesamt abgelehnt. Der Bozzetto von Adolf Brütt4 stand zu deutlich in der Tradition seines Lehrers Reinhold Begas. Die Entwürfe von Hermann Hahn5, der u.a. das Liszt- Denkmal im Weimarer Ilmpark fertigte, und Ernst Wilhelm Paul6 wurden auch abgelehnt. 1910 fertigte Adolf von Hildebrand schließlich eine Porträtbüste von Ernst Abbe7, die sich heute in der Aula des Universitätshauptgebäudes befindet. Der „Deutsch-Römer“ Adolf von Hildebrand war zwar in gewisser Hinsicht auch Traditionalist und wurde immer als Gegenspieler zu Auguste Rodin verstanden, doch er bezog dennoch konsequent Stellung gegen den „Begas-Historismus“8. In seinen Schriften plädierte er für das Architektonische Denkmal und sprach den heroisierenden Monumenten jegliche Wirkung und künstlerischen Wert ab. Von Hildebrands Porträtbüste blieb im Jenaer Denkmalstreit allerdings auch nicht von Kritik verschont und konnte sich für eine öffentliche Präsentation nicht durchsetzten. Gleichsam erhielt von Hildebrands Entwurf die bis dato besten Beurteilungen von Experten und Kunsthistorikern. Großes Lob gab es u.a. von Theodor Fischer, dem Architekten des Jenaer Universitätsgebäudes, der dem Bildhauer später in seinem Bauwerk die freie Platzwahl für die Porträtbüste überließ.

Im Sommer 1911 wurde schließlich mit dem Abbe-Denkmal, wie wir es heute kennen, ein völlig neuer Entwurf präsentiert. Von vielen Seiten wurde die Auftragsvergabe damals kritisiert, denn man meinte, „einem im Ausland geborenen Künstler dürfte die Aufgabe nicht zufallen“9, doch die künstlerischen Leistungen überzeugten letztlich die Mehrheit in den Gremien. Die „[...] versammelte Leistung von Constantin Meunier, Henry van de Velde und Max Klinger [...]“ interpretierte Stefan Grohé als „künstlerisches Gesamtkunstwerk“10. In van de Veldes „Geschichte meines Lebens“ heißt es jedoch: „Über den kubischen Sockel mit Flachreliefs11 auf drei Seiten ärgerte ich mich.“. Der Architekt war keineswegs mit dieser Kompromisslösung zufrieden, und so sehe ich das Denkmal viel mehr als eine Fusion dreier großer Einzelleistungen, die die Unentschlossenheit der Denkmalsauffassung am Anfang des 20. Jahrhunderts ausdrückt, nicht jedoch als Gesamtkunstwerk.12

[....]


1 So z.Bsp. sein Nachfolger in der Geschäftsleitung Siegfried Czapski.

2 Das Volkshaus sollte in Ernst-Abbe-Haus umb enannt werden.

3 Stefan Grohé; Das Ernst Abbe-Denkmal, hrsg. von Stefan Grohé, Gera 1996, S.12

4 Adolf Brütt, Wettbewerbsentwurf zum Ernst Abbe-Denkmal, Gips, 1906, verschollen

5 Hermann Hahn, Wettbewerbsentwurf zum Ernst Abbe-Denkmal, Gips, 1906, verschollen

6 Ernst Wilhelm Paul, Wettbewerbsentwurf zum Ernst-Abbe Denkmal, Gips, 1906, verschollen

7 Adolf von Hildebrand, Porträtbüste Ernst Abbe, Bronze, 1910, Jena, Universitätshauptgebäude, Aula

8 Adolf von Hildebrand, Zur Frage der Kaiser-Wilhelm-Denkmale. In: Ulrich Bischoff (Hrsg.) Skulptur und Plastik (Kunsttheorie und Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Texte und Dokumente, Bd. 3), Stuttgart 1985, S. 220-228 (Wiederabdruck eines Beitrages für die „Allgemeine Zeitung“, Nr. 203 vom 24. Juli 1889)

9 Henry van de Velde, Geschichte meines Lebens, Hrsg. von Hans Curjel, München 1962, S. 316

10 Stefan Grohé; Das Ernst Abbe-Denkmal, S. 34.

11 Max Klingers Ernst Abbe-Herme

12 Grohé vergleicht zudem Ernst Abbe, als Prophet eines großen Kulturgedankens mit Richard Wagners Kunstauffassung und kommt vielleicht deswegen zu dem Entschluss, dass Ernst Abbe-Denkmal sei ein Gesamtkunstwerk. Ich halte den Abbe-Wagner-Vergleich nicht für statthaft.


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