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Zu: Lukas Cranach - Christus und die Ehebrecherin

Scholary Paper (Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Toni Hildebrandt
Subject: Art - Painting

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V52736
ISBN (E-book): 978-3-638-48367-4
ISBN (Book): 978-3-638-76517-6
File size: 172 KB
Notes :
- Reformation/Gegenreformation - Vergleiche mit Darstellungen bei Tizian, Tintoretto und Pieter Bruegel - Lucas Cranachs "Manier"


Abstract

„Du sollst nicht ehebrechen.“ [AT, 2.Mose, 20,14] „[…]Das sechste Gebot ist ein Gebot so gut wie jedes andre und ist nicht dazu da gebrochen sondern gehalten zu werden. Das ist Paragraph eins. Indessen die Ehe wird hundert und tausendfältig unter Verhältnissen gebrochen, die dem schuldigen Theil zwar nicht Zustimmung aber doch nach längrer oder kürzrer Frist eine Verzeihung sichern. […] Ehebruch ist Sünde, gewiß, aber unter Umständen (wobei jeder Einzelfall zu prüfen) eine läßliche Sünde.' Diesen Satz unterschreibe ich de tout mon coeur. Er ist stillschweigend Sitte geworden, und wenigstens ihm gegenüber (denn ich beuge mich nicht jeder Sitte) fühl ich keinen Beruf besser zu sein als meine Zeit. Im Gegentheil, es ist ein Glück aus dem todten Katechismus-Satz heraus zu sein. Respekt vor dem Gesetz, aber nicht vorm Rigorismus.“ [Theodor Fontane an Eduard Engel am 18.April 1882 ] Im selben Jahr dieses Briefes erschien Fontanes Novelle „L’Adultera“ (ital.=Ehebrecherin). Die Anregung für die Auseinandersetzung mit dem polarisierenden Thema des Ehebruchs fand er durch das Gemälde „Die Ehebrecherin vor Christus“ des venezianischen Renaissancemalers Tintoretto. Jahrhunderte vor Fontanes Novelle erzählten bereits verschiedene Bilder von der Geschichte der Ehebrecherin. Besonders seit der Spätgotik beschäftigten sich viele Künstler mit diesem Thema und es entstanden zahlreiche Varianten, u.a. von Pieter Bruegel, Agostino Carracci, Tizian oder Lukas Cranach. Die Darstellungen Cranachs und die seines Sohnes stehen im Mittelpunkt der Betrachtung um die Perikope der Ehebrecherin. Der Autor studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Jena, Weimar und Rom.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Kunsthistorisches Seminar
Proseminar: Renaissancemalerei in der Weimarer Kunstsammlung
WS 2003/04

Lukas Cranach - Christus und die Ehebrecherin

von: Toni Hildebrandt

 


Inhalt

Einleitung

1. Die Geschichte der Perikope der Ehebrecherin

2. Die Darstellungen von Christus und der Ehebrecherin bei Lukas Cranach

3. Cranach im Dienste der Reformation

4. „Christus und die Ehebrecherin“ von Lukas Cranach d.J. im Vergleich zu Darstellungen von, Tizian, Tintoretto und Pieter Bruegel d.Ä.

5. Lukas Cranachs „Manier“

6. Literaturverzeichnis


 

 

„Du sollst nicht ehebrechen.“
[AT, 2.Mose, 20,14]

„[…]Das sechste Gebot ist ein Gebot so gut wie jedes andre und ist nicht dazu da gebrochen sondern gehalten zu werden. Das ist Paragraph eins. Indessen die Ehe wird hundert und tausendfältig unter Verhältnissen gebrochen, die dem schuldigen Theil zwar nicht Zustimmung aber doch nach längrer oder kürzrer Frist eine Verzeihung sichern. […] Ehebruch ist Sünde, gewiß, aber unter Umständen (wobei jeder Einzelfall zu prüfen) eine läßliche Sünde.′ Diesen Satz unterschreibe ich de tout mon coeur. Er ist stillschweigend Sitte geworden, und wenigstens ihm gegenüber (denn ich beuge mich nicht jeder Sitte) fühl ich keinen Beruf besser zu sein als meine Zeit. Im Gegentheil, es ist ein Glück aus dem todten Katechismus- Satz heraus zu sein. Respekt vor dem Gesetz, aber nicht vorm Rigorismus.“ [Theodor Fontane an Eduard Engel am 18.April 18821] Im selben Jahr dieses Briefes erschien Fontanes Novelle „L’Adultera“ (ital.=Ehebrecherin). Die Anregung für die Auseinandersetzung mit dem polarisierenden Thema des Ehebruchs fand er durch das Gemälde „Die Ehebrecherin vor Christus“ des venezianischen Renaissancemalers Tintoretto. Jahrhunderte vor Fontanes Novelle erzählten bereits verschiedene Bilder von der Geschichte der Ehebrecherin. Besonders seit der Spätgotik beschäftigten sich viele Künstler mit diesem Thema und es entstanden zahlreiche Varianten, u.a. von Pieter Bruegel, Agostino Carracci, Tizian oder Lukas Cranach. Dessen Darstellungen und die seines Sohnes sollen im Mittelpunkt der folgenden Betrachtung stehen. Doch zunächst zur Text- und Überlieferungsgeschichte der Ehebrecherin-Perikope:

1. Die Geschichte der Perikope der Ehebrecherin

Den Darstellungen von „Christus und der Ehebrecherin“ liegt der Bericht des Johannesevangeliums (8,3-11) zugrunde: Eine Gruppe von Pharisäern und Schriftgelehrten bringen eine Ehebrecherin vor Christus und wollen sie nach dem Gesetz Moses’ (2.Mose, 20,14) steinigen. Um seine Meinung befragt schreibt Christus mit dem Finger in den Sand und antwortet dann. „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ (Joh. 8,7). Daraufhin verlassen die Pharisäer den Tempel und die Ehebrecherin bleibt mit Christus zurück. Dieser ermahnt sie in Zukunft nicht mehr zu sündigen. Die Schriftquelle gibt keine Auskunft darüber, was Christus, bevor er den Anklägern antwortet, in den Sand schrieb.

Die ältesten und wichtigsten griechischen, syrischen, armenischen, georgischen, koptischen und lateinischen Zeugen für den neutestamentlichen Text kennen übereinstimmend die Ehebrecherinperikope nicht. Ihre spätere Aufnahme ins Neue Testament verlief nicht unproblematisch. „Die Ehebrecherinperikope wurde in der alten Kirche nicht nur aus Gründen textkritischer Art verdächtigt, sondern sie wurde auch aus sachlichen Gründen bekämpft und unterdrückt, weil man Jesu vergebendes Wort gegenüber einer Ehebrecherin mit der kirchlichen Bußdisziplin nicht in Einklang bringen konnte.“2 Erst im 4. Jahrhundert ist sie sicher im kanonischen Text des NT aufgenommen. Die erste Darstellung von Christus und der Ehebrecherin begegnet uns demzufolge erst im 5. Jahrhundert. Auf zwei syro-ägyptischen Elfenbeinpyxiden3 ist Christus mit einer Schriftrolle in der Hand und die Ehebrecherin, die ihren Finger an den Kopf legt (byzantinischer Erstaunungsgestus), dargestellt. Die Tempelarchitektur wird auf der Pyxis in Leningrad durch zwei schlanke Säulen angedeutet. In der Folgezeit fehlt die Darstellung der Adultera in der abendländischen Kunst. Erst im 9. Jahrhundert trat sie in einem nicht mehr erhaltenen Freskenzyklus der Abteikirche St. Gallen auf. Von nun an entstehen viele Darstellungen von Christus und der Ehebrecherin, vor allem in Buch- und Kleinkunst.

An der Bernwardsäule in Hildesheim wird zum ersten Mal der Ablauf der Perikope kontinuierlich geschildert4. Die Sünderin wird von zwei Männern vor Christus gebracht. Dieser weist mit zwei ausgestreckten Fingern auf sie und segnet sie somit. Im Laufe des 12. Jahrhunderts ändert sich der Darstellungstypus von Christus und der Ehebrecherin. Er wird nun fast immer bärtig und sie meist mit verhülltem Haar dargestellt. Bis zum 12. Jahrhundert wurde den Gestaltungen zudem hauptsächlich der erste, dramatische Abschnitt der Bibelstelle (Joh. 8,3-6) zugrunde gelegt, die Anklage und Vorbereitung zur Steinigung. Nun versuchte man die Geschichte eher nach Johannes 8, 6-11 zu schildern. Die Darstellungen erscheinen aber weiterhin im hergebrachten Typus. Meist steht die Ehebrecherin mit gefalteten Händen (Oransgestus), umgeben von einer Tempelarchitektur, vor Christus.

2. Die Darstellung von Christus und der Ehebrecherin bei Lukas Cranach

[...]


1 Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 28, 1984, S. 26ff; zitiert aus: http://www.landshut.org/members/msagerer/f_adultera.htm (10.03.2004)

2 Becker, Ulrich: Jesus und die Ehebrecherin - Untersuchung zur Text- und Überlieferungsgeschichte von Joh. 7,53-8,11, Berlin, 1963

3 im Mus. Cluny zu Paris und in der Leningrader Eremitage; Volbach, Wolfgang Fritz: Elfenbeinarbeiten der Spätantike und des frühen Mittelalters, Mainz 1952, Nr.179, 180

4 Gallistl, Bernhard: Die Bernwardsäule und die Michaeliskirche zu Hildesheim, Hildesheim 1993, S. 68/69


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