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"Angelus ad virginem" - "Gabriel fram heven-king" und die Verkündigung an Maria in der bildenden Kunst

Seminararbeit, 2005, 16 Seiten
Autor: Toni Hildebrandt
Fach: Musikwissenschaft

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 16
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 25  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V52737
ISBN (E-Book): 978-3-638-48368-1

Dateigröße: 189 KB

Zusammenfassung / Abstract

„Musik ist ungegenständlich, mit keinen Momenten der äußeren Welt eindeutig zu identifizieren, dabei indessen höchst artikuliert und bestimmt in sich selbst, und dadurch doch wieder, sei’s noch so vermittelt, der äußeren Welt, der gesellschaftlichen Realität kommensurabel. Sie ist eine Sprache, aber eine ohne Begriffe. Ihre Bestimmtheit taugt zum kollektiven Verhaltensmuster von Disziplin; ihre Begriffslosigkeit lässt unliebsame Fragen nach deren Wofür gar nicht erst aufkommen. Der Charakter des Tröstlichen, dem blinden mythischen Naturzusammenhang Einspruch Gebietenden aber, den man ihr seit den Erzählungen von Orpheus und Amphion zuschrieb, liegt der theologischen Konzeption der Musik zugrunde, der einer Sprache der Engel.“ (Theodor W. Adorno) Der vorliegende Text ist eine interdisziplinäre Untersuchung zum Verhältnis von Musik und Malerei, vornehmlich anhand von Kunstwerken der Renaissance und altenglischen Vertonungen der Verkündigung an Maria. Der Autor studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Jena, Weimar und Rom.


Textauszug (computergeneriert)

Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar /
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Musikwissenschaft
Pro-Seminar: „Early English Lyrics“
SS 2004

"Angelus ad virginem" - "Gabriel fram heven-king" und die
Verkündigung an Maria in der bildenden Kunst

von: Toni Hildebrandt

 


Inhalt

Einleitung 3

1. Die schriftlichen Quellen der Verkündigung an Maria 4

2. „Angelus ad virginem“ und „Gabriel fram heven-king“ 7

3. Die Verkündigung an Maria in der bildenden Kunst 9

Jan van Eyck 11
Leonardo da Vinci 12

Bibliographie 15


 

 

Einleitung

„Musik ist ungegenständlich, mit keinen Momenten der äußeren Welt eindeutig zu identifizieren, dabei indessen höchst artikuliert und bestimmt in sich selbst, und dadurch doch wieder, sei’s noch so vermittelt, der äußeren Welt, der gesellschaftlichen Realität kommensurabel. Sie ist eine Sprache, aber eine ohne Begriffe. Ihre Bestimmtheit taugt zum kollektiven Verhaltensmuster von Disziplin; ihre Begriffslosigkeit lässt unliebsame Fragen nach deren Wofür gar nicht erst aufkommen. Der Charakter des Tröstlichen, dem blinden mythischen Naturzusammenhang Einspruch Gebietenden aber, den man ihr seit den Erzählungen von Orpheus und Amphion zuschrieb, liegt der theologischen Konzeption der Musik zugrunde, der einer Sprache der Engel.“1

Musik und Kunst ergänzen sich seit jeher. Der antike Ursprung der westlichen Musik, wie die Erzählungen von Marsyas und Apoll2 wurden von vielen Künstlern interpretiert. Bis in die Moderne spielte diese wechselseitige Inspiration eine große Rolle3. Ob Schönberg/Kandinsky, Picasso/Miles Davis oder Morton Feldman/Marc Rothko – die Musik vertonte oft die Kunst und Maler, Bildhauer4 und Architekten5 versuchten inspiriert von Tönen und Harmonien zu neuen Ausdrucksformen zu gelangen.

Dieses gattungsübergreifende Verständnis kam allerdings erst deutlich in der Renaissance auf und ist für das Mittelalter nicht selbstverständlich. Dennoch findet man auch in den Werken dieser Epoche zahlreiche Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen den Darstellungen der Malerei und den musikalischen Vertonungen. In der folgenden Betrachtung werde ich versuchen zu zeigen, wie jeweils Musik und Kunst ein und dieselbe Bibelgeschichte, die Verkündigung an Maria im 14. und 15. Jahrhundert interpretierten.

1. Die schriftlichen Quellen der Verkündigung an Maria

Die kanonisierten Schriften zur Verkündigung an Maria sind natürlich die Evangelien. Matthäus berichtet nur knapp6, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist, doch im Lukas-Evangelium7 findet man eine ausführliche Schilderung der Perikope:

Im sechsten Monat schickte Gott den Erzengel Gabriel zur Jungfrau Maria nach Nazareth in Galiläa. Nachdem ihr der Engel erscheint und sie anspricht, erschrickt Maria, doch Gabriel beruhigt sie: „Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.“8 Er verkündet die anstehende Schwangerschaft und erklärt Maria, sie solle ihr Kind Jesus nennen. Diese ist verwundert und fragt, „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“9 Der Engel erklärt ihr das der Heilige Geist Maria überkommen wird, „denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“10 Darauf antwortet Maria demütig: „Siehe ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.“11

Für die Malerei war die Bibelstelle eine äußerst schwierige Vorlage. Es kommen nur zwei Personen vor, der Raum in dem der Engel erscheint ist undefiniert und es wird von „Zukünftigen“ (Jesus) und „Entfernten“ (der schwangeren Elisabeth) berichtet. Lukas nähert sich der Verheißung, der Empfängnis des Gottessohnes entsprechend abstrakt, was es für die bildende Kunst sehr schwer machte. Aus diesem Grund prägte die Motivwelt der Verkündigungsszenen seit den ersten Darstellungen im 5. Jahrhundert auch eine nicht-kanonisierte Schrift, das „Protoevangelium des Jakobus“. Diese apokryphe Schrift schildert die Kindheitsgeschichte von Maria und Jesus.

[...]


1 Theodor W. Adorno; Gesammelte Schriften Band 14: Dissonanzen. Einleitung in die Musiksoziologie: III. Funktion, Frankfurt am Main 1968/1996, S. 224

2 z.Bsp. Tizians eindrucksvolles Alterswerk „Die Schindung des Marsyas“ (1575/76), dass neben den Auswirkungen des Musikerwettstreits, die großen Konflikte einer ganzen Epoche offenbart. Es existieren aber auch viele frühere Darstellungen der Mythologie seit der Antike.

3 Maur, Karin von (Hg.); Der Klang der Bilder. Die Musik in der Kunst des 20.Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Staatgalerie Stuttgart, München 1985

4 Z. Bsp. fertigte Auguste Rodin eine Büste von Gustav Mahler.

5 Viele große Architekten, von Leon Battista Alberti bis Daniel Libeskind, waren auch große Musiker.

6 Die Bibel, nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1999, NT Mt 1,18

7 Die Bibel, NT, Lk 1,26-38

8 Lk 1,30

9 Lk 1,34

10 Lk 1,37

11 Lk 1,38


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