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Ennio Morricone und Giuseppe Tornatore - Die Musik. Das Kino

Termpaper, 2006, 20 Pages
Author: Toni Hildebrandt
Subject: Musicology

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 29  Entries
Language: German
Archive No.: V52911
ISBN (E-book): 978-3-638-48491-6
ISBN (Book): 978-3-638-76477-3
File size: 247 KB

Abstract

Der Zusammenarbeit mit dem italienischen Regisseur Giuseppe Tornatore verdankt Ennio Morricone Höhepunkte seines Schaffens im Bereich der Filmmusik. Die lyrischen Meisterwerke Tornatores (Cinema Paradiso, Die Legende vom Ozeanpianisten, Malena u.a.) sind wiederum ohne die Melodien und Themen Morricones nicht denkbar und gingen der Dramaturgie und dem Drehbuch teilweise sogar voraus. Die vorliegende Arbeit untersucht nun erstmalig das enge Verhältnis der beiden Künstler und versucht interdisziplinär Morricones filmmusikalische Ästhetik und Tornatores musikalisch-lyrische Filmkunst kritisch zu beurteilen. Der Autor greift dabei in erster Linie die Forschungsergebnisse von Sergio Miceli auf, bei dem er in Rom (Università "La Sapienza") studierte. Persönliche Gespräche mit Ennio Morricone, aber auch wichtige kompositionstechnische und musikwissenschaftliche Studien, so u.a. bei Mario Bertoncini (Accademia Santa Cecilia, Rom), flossen ebenso in die Arbeit ein, wie neue Sichtweisen auf Morricones Filmmusikästhetik in Auseinandersetzung mit der kritischen Musikphilosophie Adornos. Der Autor studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Jena, Weimar und Rom.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Romanistik - Italienisch
V/Ü: Buch und Film, Verfilmung italienischer Romane des 20. Jahrhunderts
WS 2005/06, Fachsemester: 3

Ennio Morricone und Giuseppe Tornatore –
Die Musik. Das Kino

von: Toni Hildebrandt

 


Inhalt

Einleitung 3

Giuseppe Tornatore 4
Ennio Morricone 5

1. Versuch einer musikwissenschaftlichen Beurteilung des Phänomens Morricone 7

2. Zur Ästhetik der Filmmusik 9

3. Giuseppe Tornatore und Ennio Morricone – zum musikalischen Dialog in den Filmen Cinema Paradiso, Die Legende vom Ozeanpianisten und Der Zauber von Malèna 12

3.1. Once Upon A Time In America (Sergio Leone) und Nuovo Cinema Paradiso (1988) 13
3.2. Die Legende vom Ozeanpianisten (1998) 16
3.3. Der Zauber von Malèna (2000) 17

Literaturverzeichnis 20
 


 

 

Einleitung:

Bei einem ordentlichen Roman, Gedicht, Gemälde oder Film wissen wir, dass an etwas gerührt, dass für die Menschen etwas gewonnen worden ist, und so beginnt das Werk, eine ununterbrochene Botschaft auszusenden. [...] Doch weder für den Künstler noch für das Publikum läßt sich der Sinn des Werkes anders als durch das Werk selbst formulieren; weder das Denken, welches das Werk hervorgebracht hat, noch das Denken, welches das Werk aufnimmt, ist völlig Herr seiner selbst. (Maurice Merleau-Ponty) 1 Was Merleau-Ponty hier beschreibt, ist der stets vorhandene Drahtseilakt beim Beschreiben eines Kunstwerkes. In ihrer Abstraktheit und Unzulänglichkeit verschließt sich die Sprache oftmals dem wahren Kern des Bildes, Filmes oder Musikstücks. Versucht man nun zudem zwei Kunstformen – wie hier Film und Musik – zusammenzubringen, ergibt sich zwangslaufig ein weiteres Problem. Film und Musik haben je eigene Interpretationsformen und -grundlagen, bauen auf unterschiedliche historische und kulturelle Traditionen auf und verfolgen mitunter verschiedene Zwecke und Absichten. Dennoch bilden sie in ihrer Fusion - Filmmusik für das Kino - eine künstlerische Symbiose, die es zu bestimmen gilt. In der folgenden Betrachtung wird der Dialog eines des größten Komponisten des 21. Jahrhunderts, Ennio Morricone, mit dem noch recht jungen Regisseur Giuseppe Tornatore im Mittelpunkt stehen. Ich werde zunächst auf Leben und Werk der beiden Protagonisten eingehen, danach über die Ästhetik einer modernen Filmmusik sprechen und abschließend die Zusammenarbeit von Morricone und Tornatore und die daraus resultierenden künstlerischen Ergebnisse analysieren.

Giuseppe Tornatore

Giuseppe Tornatore kam am 27. Mai 1956 im sizilianischen Städtchen Bagheria zur Welt. Bereits als Kind war er begeistert von Fotografie und gewann schon früh einige nationale Wettbewerbe, bevor er mit 16 zwei Bühnenstücke und den Kurzfilm Il carretto inszenierte. Dadurch wurde die staatliche Fernsehgesellschaft RAI auf ihn aufmerksam, und so begann für Tornatore ab 1979 eine enge Zusammenarbeit mit dem Sender2. Vor allem als Dokumentarfilmer war er in jenen Jahren aktiv und gewann beim Filmfestival in Salerno für seine Reportage über ethnische Minderheiten in Sizilien (Le minoranze etniche in Sicilia) einen Preis. Von 1978 bis 1985 stand er zudem als Präsident der Filmemacher- Kooperative CLTC vor, zu deren Arbeiten Giuseppe Ferraras Mafia-Drama Hundert Tage in Palermo zählt, wodurch Tornatore die Bekanntschaft des Produzenten Goffredo Lombardo erlangte. Dieser war es, der Tornatores Regiedebut Il carmorrista (Der Professor, 1985)3 ermöglichte, für den der Filmemacher mit dem Nastro D’argento und einem weiteren Preis als bester italienischer Nachwuchsregisseur geehrt wurde. Angeregt durch den Produzenten Franco Cristaldi, einem engen Freund Fellinis, entstand im Anschluss der Film Nuovo Cinema Paradiso (Cinema Paradiso 1988) mit Philippe Noiret, Jacques Perrin und Enzo Cannavale. In Cannes erhielt der Film den Spezialpreis der Jury, die Europäer verliehen ihm den Felix und Hollywood krönte den Erfolg mit dem Golden Globe und Oscar als bester fremdsprachiger Film. Tornatores dritter abendfüllender Spielfilm Stanno tutti bene (Allen geht’s gut, 1990)4 erhielt neben dem OCIC Award (Cannes) eine Auszeichnung bei der italienischen Filmpreisverleihung für die beste Story. 1991 steuerte er das Segment Cane blu für die Episodenproduktion La domenica specialmente (1991) bei. 1994 wechselte Tornatore sein Register von emotionalen und leidenschaftlichen Filmen. Mit Una pura formalità (Eine pure Formalität, 1994) mit Gérard Dépardieu und Roman Polanski in den Hauptrollen ging er sein bis heute gedankenschwerstes Projekt an, für das er jedoch kaum positive Resonanz erfahren sollte. Der folgende Spielfilm, L’uomo delle stelle (Der Mann, der die Sterne macht, 1995)5 wurde jedoch wieder positiv, sowohl vom Publikum, als auch von der Kritik aufgenommen und sogar für einen Oscar nominiert. Im selben Jahr schuf der Regisseur die Kompilation Lo schermo a tre punte – einen Zusammenschnitt filmischer Referenzen an Sizilien. Neben der Regiearbeit ist Tornatore Vorsitzender einer Stiftung, die sich der Restauration von Klassikern des italienischen Kinos verschrieben hat und wichtige Werke von Visconti und De Sica, wie auch ein Dutzend rarer Kurzfilme von Antonioni und Pontecorvo vor dem Verfall gerettet hat.

1998 versuchte sich Tornatore an einer Literaturverfilmung Barricos Novecento. Der oppulente Spielfilm Novecento – La legenda del pianista sull’oceano (Die Legende vom Ozeanpianisten, 1998)6 war wieder ein großer Erfolg. Bei der Verleihung der italienischen David di Donatello Preise gab es für Tornatore sechs Auszeichnungen, darunter für beste Regie und beste Kamera. Von Cinema Paradiso bis zu seinem letzten Kinofilm Malèna7 (Der Zauber von Malèna) komponierte Ennio Morricone stets die Filmmusik.

Ennio Morricone

[...]


1 Merleau-Ponty, Maurice: Sinn und Nicht-Sinn, übers. von Hans-Dieter Gondek, München 2000, S.7f.

2 Für RAI produzierte Tornatore u.a. “Ritratto di rapinatore”, “Diario di Guttuso”, “Scrittori siciliani e cinema: Verga, Pirandello, Brancati, Sciascia”.

3 mit Ben Gazzara.

4 mit Marcello Mastroianni und Michèle Morgan.

5 mit Sergio Castellitto und Tiziana Lodato.

6 mit Tim Roth.

7 mit Monica Bellucci.


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