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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Diplom-Regionalwissenschaftlerin Male Thienken
Subject: Romance Languages - Portuguese Studies
Details
Institution/College: University of Cologne
Tags: Konstruktion, Orients, Relíquia, Romanisches, Seminar
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-48601-9
ISBN (Book): 978-3-638-79191-5
File size: 176 KB
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Abstract
In dem Buch ´A Relíquia` von Eça de Queiroz wird der Protagonist Teodorico von seiner Tante Dona Patrocínio beauftragt, eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen. Da er um jeden Preis zum Erben seiner reichen Tante gemacht werden will, versucht er, ihren Wünschen so gut es eben geht gerecht zu werden und begibt sich trotz anfänglicher Bedenken auf die lange Reise. In dieser Arbeit geht es darum, wie der Orient in dem Roman dargestellt wird. Dabei verarbeitet Queiroz die Eindrücke seiner eigenen Orientreise, die ihn 1869 anlässlich der Eröffnung des Suezkanals nach Ägypten führte. Queiroz ist in seiner Darstellung im Kontext der portugiesischen Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts einzigartig. Er hebt sich von der von Düsternis und Schwere getragenen portugiesischen Literatur mit seiner Ironie deutlich ab. Als einer der Vertreter der Generation von 1871 ist Eça de Queiroz einer der Mitbegründer des portugiesischen Realismus. Zwar ist sein Orientbild insgesamt stark durch die westliche Welt geprägt. Wie andere hat auch er sich von früheren Autoren in seiner Darstellung beeinflussen lassen. Doch kommen die meisten europäischen Autoren des Orients aus dem mitteleuropäischen Raum. Durch die Randstellung Portugals wird eine gewisse Überheblichkeit der westlichen Sichtweise vom Orient in der portugiesischen Literatur gedämpft. Die Komplexität der zu berücksichtigenden Faktoren, die einen Einfluss auf die Darstellung in „A Relíquia“ spielen, verschafft dem Werk einen besonderen Charme. Dabei ist einem durchaus bewusst, wie subjektiv einem die Darstellung von Land und Leuten entgegengebracht wird. So ist denn auch in ´A Relíquia` die Beschreibung des Orients stets aus den Augen Teodoricos zu sehen, wodurch sie an Objektivität einbüßt und den Effekten der Ironie obliegt. Eça de Queiroz gelingt es somit, einem den Orient auf so lebhafte Weise nahe zu bringen, als wäre man selbst vor Ort.
Excerpt (computer-generated)
Die Konstruktion des Orients in: A Relíquia
von: Male Thienken
9. Fachsemester
INHALT
1. EINLEITUNG
2. DIE IDEE DER REISE
3. ALEXANDRIA
4. JERUSALEM UND DAS HEILIGE GRAB
5. DER ORIENT AUS WESTLICHER SICHT
6. DER WEG ZUM FROMMEN JORDAN
7. DER TRAUM
8. DIE ERNÜCHTERUNG
9. DER BEZUG ZUR HEIMAT
10. FAZIT
11. LITERATURVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG
In dem Buch ´A Relíquia` von Eça de Queiroz wird der Protagonist Teodorico von seiner Tante Dona Patrocínio beauftragt, eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen. Da er um jeden Preis zum Erben seiner reichen Tante gemacht werden will, versucht er, ihren Wünschen so gut es eben geht gerecht zu werden und begibt sich trotz anfänglicher Bedenken auf die lange Reise.
In dieser Arbeit geht es darum, wie der Orient in dem Roman dargestellt wird. Dabei verarbeitet Queiroz die Eindrücke seiner eigenen Orientreise, die ihn 1869 anlässlich der Eröffnung des Suezkanals nach Ägypten führte. In der portugiesischen Literatur jener Zeit ist Queiroz mit seiner Ironie herausragend. „In den Werken von Eça de Queiroz sind die menschlichen Widersprüche insofern gegenwärtig, als der Autor selten etwas erzählt oder beschreibt, erzählen oder beschreiben lässt, ohne in die Haut der jeweiligen Person, eines fiktiven Erzählers in der ersten Person oder auch einer historischen Gestalt geschlüpft zu sein.“ (Lopes, in: Queiroz, 1984, S. 293) So ist denn auch in ´A Relíquia` die Beschreibung des Orients stets aus den Augen Teodoricos zu sehen, wodurch sie an Objektivität einbüßt und den Effekten der Ironie obliegt. Im Kontext der portugiesischen Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts ist diese „focalilização de uma personagem parcial, imperfeita, errática e dialógica, inserida dentro do próprio tecido ficcional” (Campos Matos, 2000, S. 562) etwas ganz Neues. “O ´último Eça` [...] pode pois ser definido pela novidade, originalidade e poder de sedução. Neste contexto A Relíquia constitui uma história mutação de sensibilidade na maneira de se fazer ficção, antecipando o romance modernista.” (ebd., S. 566)
2. DIE IDEE DER REISE
Eines Sonntags beim gemeinsamen Abendessen bei der Senhora Patrocínio das Neves ergibt es sich, dass die Freunde von ihren Sehnsüchten zu sprechen beginnen. Als Teodorico schließlich nach seinem Lieblingswunsch gefragt wird, gibt er zu, dass er unheimlich gerne Paris sehen würde. Daraufhin empört sich die Senhora Patrocínio geradezu, da ihr dieser Ort als nicht ehrwürdig erscheint. Sogleich bekommt sie Unterstützung von Doktor Margaride, welcher sich für eine Reise ins Heilige Land ausspricht. So kommt es, dass Teodorico im Auftrag seiner Tante nach Jerusalem reisen soll. Er gibt sich dankbar, ist jedoch zunächst kein bisschen von der Idee angetan. „Ir a Jerusalém! E onde era Jerusalém? (...) ...comecei a procurar Jerusalém lá para o lado onde vivem os Infiéis, ondulam as escuras caravanas, e uma pouca de água num poço é como um dom precioso do Senhor.
O meu dedo errante sentia já o cansaço de uma longa jornada: e parei à beira tortuosa de um rio, que devia ser o devote Jordão. Era o Danúbio. E de repente o nome de Jerusalém surgiu, negro, numa vasta solidão branca, sem nomes, sem linhas, toda de areias, nua, junto ao mar. Ali estava Jerusalém. Meu Deus! Que remoto, que ermo, que triste!” (Queiroz, 1887, S.77) Sein Bild von Jerusalem ist demnach im Vorfeld schon sehr negativ. Doch tröstet er sich mit der Aussicht, über spannendere Orte in das Heilige Land zu gelangen.
3. ALEXANDRIA
So sieht er denn auch Alexandria, die erste Station seiner Orientreise mit ganz anderen Augen. Hier betritt er nun „a terra do Oriente, sensual e religiosa”, wo er sich sofort wohl fühlt. „… eu sentia-me envolvido num bafo morno como o de uma estufa, amolecedormente tocado de aromas de sândalo e rosa.” (Oueiroz, 1887, S.85) Die Gegend wird hell und freundlich beschrieben. Die Erwähnung von Blumen findet auffallend oft im Zusammenhang mit Frauen Eingang in die Geschichte. Seine positiven Gefühle gegenüber der Gegend werden dadurch zum Ausdruck gebracht, dass er hier nun bei der Beschreibung der Gegend vom Duft nach Rosen und vom sinnlichen Orient spricht.
[...]
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