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Die Satanisierung des Fremden im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad

Termpaper, 2002, 14 Pages
Author: Yvonne Holländer
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: Fremdheit und Fremdheitswahrnehmung in der mittelhochdeutschen Literatur
Institution/College: Free University of Berlin (Deutsche Philologie)
Tags: Satanisierung, Fremden, Rolandslied, Pfaffen, Konrad, Fremdheit, Fremdheitswahrnehmung, Literatur
Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 14
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V53212
ISBN (E-book): 978-3-638-48723-8

File size: 167 KB

Abstract

1. Einleitung Was ist fremd? Diese dieser Arbeit voran stehende Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fremde ist keine Eigenschaft eines Objektes sondern bezeichnet vielmehr das Verhältnis, in dem ein Subjekt zu einem bestimmten Gegenstand steht. Gleichzeitig wird diese Relation bewertet, denn „Fremde“ kann sowohl positiv als auch negativ wahrgenommen werden. Aber genauso wie das Erleben von „Fremde“ kann auch der Umgang und die Reaktion darauf unterschiedlich sein. Im Rolandslied des Pfaffen Konrad werden die „Fremden“ (nämlich die spanischen „Heiden“) nur sehr einseitig behandelt: es kommt zu einer beinahe konsequenten Ablehnung und Dämonisierung, die sowohl durch den Autor als auch durch die christlichen Protagonisten erfolgt. Und während die „Heiden“ zu Werkzeugen des Teufels gemacht werden, erscheinen die Christen als Streiter Gottes. Diese Antithetik, die sich bereits aus diesem Kontrast ersehen läßt, zeigt sich immer wieder dort, wo christliche und „heidnische“ Taten, Gebräuche und Eigenschaften beschrieben werden. Der Umgang mit den „Fremden“ erfolgt vor allem vor diesem religiösen Hintergrund: Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft. Dabei bildet der Zweikampf zwischen dem „Heidenkönig“ Paligan und Kaiser Karl den Höhepunkt, der das Kampfgeschehen schließlich beendet. Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, die Darstellung der „Heiden“ im Gegensatz zu den Christen zu untersuchen und dabei auch auf die unterschiedlichen Ebenen, auf denen sich die „Fremde“ äußert, zu sprechen zu kommen. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Gleichsetzung der „Heiden“ mit dem Teufel gelegt und auch die Zweikampfszene soll unter diesem Aspekt untersucht werden.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Grundkurs C: Fremdheit und Fremdheitswahrnehmung
in der mittelhochdeutschen Literatur
Sommersemester 2002

Die Satanisierung des Fremden im
"Rolandslied" des Pfaffen Konrad

von: Yvonne Holländer

 


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG 3

2. DER KRIEGSZUG GEGEN DIE „HEIDEN“  4

2.1 DIE MOTIVATION 4
2.2 DIE DARSTELLUNG DER CHRISTEN  4
2.3 DIE DARSTELLUNG DER „HEIDEN“  5
2.4 ZUSAMMENFASSUNG 7

3. DER ZWEIKAMPF 9

3.1 KAISER KARL  9
3.2 DES TEUFELS GENERAL: PALIGAN 9
3.3 DIE ENTSCHEIDUNG 11

4. RESÜMEE  12

LITERATURVERZEICHNIS  14


 


 

1. Einleitung

Was ist fremd?

Diese dieser Arbeit voran stehende Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fremde ist keine Eigenschaft eines Objektes, sondern bezeichnet vielmehr das Verhältnis, in dem ein Subjekt zu einem bestimmten Gegenstand steht. Gleichzeitig wird diese Relation bewertet, denn „Fremde“ kann sowohl positiv als auch negativ wahrgenommen werden. 1 Aber genauso wie das Erleben von „Fremde“, kann auch der Umgang und die Reaktion darauf unterschiedlich sein. Im Rolandslied des Pfaffen Konrad werden die „Fremden“ (nämlich die spanischen „Heiden“2) nur sehr einseitig behandelt: es kommt zu einer beinahe konsequenten Ablehnung und Dämonisierung, die sowohl durch den Erzähler, als auch durch die christlichen Protagonisten erfolgt. Und während die „Heiden“ zu Werkzeugen des Teufels gemacht werden, erscheinen die Christen als Streiter Gottes. Die Antithetik, die sich bereits aus diesem Kontrast ersehen läßt, zeigt sich immer wieder dort, wo christliche und „heidnische“ Taten, Gebräuche und Eigenschaften beschrieben werden.

Der Umgang mit den „Fremden“ erfolgt vor allem vor diesem religiösen Hintergrund: Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft. Dabei bildet der Zweikampf zwischen dem „Heidenkönig“ Paligan und Kaiser Karl den Höhepunkt, der das Kampfgeschehen schließlich beendet. Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, die Darstellung der „Heiden“ im Gegensatz zu den Christen zu untersuchen und dabei auch auf die unterschiedlichen Ebenen, auf denen sich die „Fremde“ äußert, zu sprechen zu kommen. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Gleichsetzung der „Heiden“ mit dem Teufel gelegt und auch die Zweikampfszene soll unter diesem Aspekt untersucht werden.

2. Der Kriegszug gegen die „Heiden“

2.1 Die Motivation

Kaiser Karl erhält den Auftrag zur Bekämpfung und Bekehrung der „Heiden“ durch einen Engel von Gott selbst3. Der Feldzug ist also nicht bestimmt von dem Streben eines Fürsten nach weltlichen Gütern, sondern es ist allein der Wille Gottes, den Karl als Christ erfüllen möchte. Vor dem versammelten Heer beteuert Karl zum einen die Opferbereitschaft der Christen, die ihnen einen Platz im Himmelreich sichern wird, gibt aber auch noch einen weiteren Grund für den Feldzug an:

„si ritent in diu lant. / si stiftint rub unde brant. / di gotes hus si storent. / daz lut si hin furent / unt opherent si den apgoten. / daz ist des tuvelis spot. / ir martir des ist uil. / si sezzen si ze ir zil / unt schizent dar zu. / mochte wir da widire icht getu, / des were uns not.“4

Karl muss sowohl als Kaiser als auch als Christ auf diese Bedrohung reagieren: Er hat die Pflicht, sein Land und die Bewohner zu schützen und auch Mitleid mit deren Schicksal zwingt ihn zum Handeln. Dennoch stellen die Untaten der „Heiden“ nicht die Hauptmotivation für den Kriegszug dar, nicht Karl ist dessen eigentlicher Initiator , sondern es handelt sich vielmehr um den Auftrag Gottes, das Christentum in Spanien zu verbreiten. Gleichzeitig ist es Karl so möglich, seinen Pflichten nachzukommen. Der Zweck der Beschreibung der verabscheuungswürdigen Taten der „Heiden“ liegt wahrscheinlich darin, diese als unmenschlich und roh darzustellen und somit das Heer und auch den Leser noch mehr gegen die „Ungläubigen“ einzunehmen.

2.2 Die Darstellung der Christen

[...]


1 Krusche , Dieter: Literatur und Fremde: Zur Hermeneutik kulturräumlicher Distanz. München 1985.

2 Der Begriff „Heide“ (Ungläubiger) ist im Mittelalter von vornherein negativ konnotiert. Um mich von der Ablehnung der Christen Andersgläubigen gegenüber zu distanzieren, wird dieser Begriff im folgenden immer in Anführungszeichen gesetzt.

3 Vgl. Pfaffe Konrad: Das Rolandslied: Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. Hg., übersetzt und mit einem Nachwort von Dieter Kartschoke. Frankfurt am Main 1973. Seite 9. Vers 54 – 64. Im folgenden: Angabe RL. Seite. Vers.

4 RL. S. 14. V. 201 – 211.


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