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Der Genie-Begriff des Sturm und Drang

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Markus Secker
Subject: German Studies - Literature of History, Eras

Details

Event: Der junge Goethe
Institution/College: University of Koblenz-Landau (Institut für Germanistik)
Tags: Genie-Begriff, Sturm, Drang, Goethe
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V53444
ISBN (E-book): 978-3-638-48899-0

File size: 253 KB
Notes :
Ein Leitmotiv des Sturm und Drang war der Begriff des "Genie". Es soll literaturwissenschaftlich erklärt werden, welche Bedeutung der "Kult" um das Geniale, das Genie in dieser Epoche hatte und wie sich aus unabhängigen Ideen eine gemeinsame literarische Strömung entwickelte, die literaturgeschichtlich sicherlich als revolutionär angesehen werden kann.



Excerpt (computer-generated)

Universität Koblenz, Institut für Germanistik
Seminar: Der junge Goethe WS 00/01
8. Semester

Der Genie-Begriff des Sturm und Drang

von: Markus Secker

 


Gliederung

1 Einleitung 2

2 Die Epoche des Sturm und Drang 3

2.1 Exkurs zur Aufklärung  4
2.2 Der Sturm und Drang als Reaktion auf die Aufklärung 6
2.3 Der Naturbegriff des Sturm und Drang  7

3 Der Geniebegriff des Sturm und Drang 9

3.1 Entstehung des Genie-Kults in der Sturm-und-Drang-Zeit  10
3.2 Das Herz des Genies  11
3.3 Die Lebensart eines Genies  12
3.4 Die Tragik der Genie-Ästhetik  13

3.4.1 Die Problematik des Genies bei Werther 14
3.4.2 Die Problematik des Genies bei Götz von Berlichingen 15

3.5 Genie und Wahnsinn  16

4 Schluß 17

5 Literaturverzeichnis  18



 

 

1 Einleitung

Über den „Geniebegriff des Sturm und Drang“ zu schreiben, erscheint zunächst nicht ausreichend, um eine vollwertige Hausarbeit zu füllen. Zu präzise wirkt die Aufgabenstellung über die Bedeutung eines bestimmten Wortes zu einer bestimmten Zeit. Der Begriff „Genie“ ist auch heute noch gebräuchlich und bietet in heutigen Wörterbüchern und Enzyklopädien einen weiten Interpretationsspielraum1. „Genie [aus frz. génie, 18.Jahrh., dies aus lat. genius >Schutzgeist<, spätlat. >schöpferischer Geist<], das, ein Mensch von schöpfer. Begabung, der neue Bereiche des Schaffens erschließt, im Unterschied zum Talent. Er wirkt nicht nur als Vorläufer und Bahnbrecher, sondern vollbringt gültige Hochleistungen. ...“2 Noch schwieriger wird eine eingrenzende Definition im aktuellsten Sprachgebrauch. Eine gute Idee reicht aus, um als „genial“ bezeichnet zu werden, und ein Fußballtrainer kann ebenso ein „Genie“ sein wie ein Quantenphysiker. Der Begriff „Genie“ ist präsent, wird jedoch meist ohne Reflexion über Ursprung und Bedeutung verwendet und steht mit Sicherheit auch nicht mehr im Mittelpunkt heutiger wissenschaftlicher Forschung. Da diese Arbeit seine Präsenz in der Sturm-und- Drang-Zeit behandeln soll, stellt sich natürlich die Frage, ob und inwiefern sich seine Bedeutung damals von der heutigen unterscheidet. Ein Wörterbuch der Sturm-und- Drang-Zeit sollte auf den ersten Blick eine hinreichende Antwort darauf geben. Daß dies nicht so ist, ergibt sich bereits am Anfang meiner Beschäftigung mit diesem Thema. Der Geniebegriff des Sturm und Drang füllt nicht die Spalte eines Wörterbuchs, sondern hat zu seiner Zeit eine immens hohe Bedeutung unter den Hauptvertretern dieser literarischen Epoche und stellt, zusammen mit dem Naturbegriff, einen Grundstein der Sturm-und-Drang-Philosophie dar. Die Auseinandersetzung mit dem „Genie“ ist sicherlich eine der am leidenschaftlichsten geführten Diskussionen innerhalb des Sturm und Drang. Wie man bereits erkennen kann, ist die Behandlung dieses Themas keineswegs ein sprachwissenschaftliches, sondern eher ein philosophisches Problem, dargestellt an literarischen Belegen. Daher ist es nötig, Fragen des Ursprungs und des Einflusses des Geniebegriffs im Sturm und Drang zu behandeln. Welche vorherigen Epochen spielen hierbei eine Rolle? Wie verändern sich Einstellung und Denkweise der Menschen dieser Zeit, und welchen Einflüssen unterliegen diese Veränderungen? Warum wurde es überhaupt so wichtig, sich intensiv mit dem Genie auseinanderzusetzen? Wie spiegelt sich diese Auseinandersetzung in der Literatur des Sturm und Drang wider?

Natürlich ist es dazu nötig, zunächst die Entstehung der Sturm-und-Drang-Zeit zu erläutern und damit auch Bezug auf vorhergehende Epochen zu nehmen, allen voran die Aufklärung. Eine kurze geschichtliche Behandlung des Geniebegriffs soll anschließend helfen, seine große Bedeutung im Sturm und Drang zu erläutern und den Einfluß auf das wissenschaftliche und gesellschaftliche Denken hervorzuheben.

2 Die Epoche des Sturm und Drang

Als Epoche ist die Sturm-und-Drang-Zeit eine recht kurzlebige und wird zeitlich in der Literatur in sehr unterschiedlichen Grenzen angesiedelt. Diese reichen von 1769 mit Herders "Journal meiner Reise" als Auslöser bis 1786, als Goethe nach Italien reiste. Wenngleich viele Autoren ganz auf eine spezielle zeitliche Einordnung verzichten, so überwiegt doch die Zahl derer, die die Glanzzeit des Sturm und Drang von ca. 1770 bis 1778 einordnen. Obwohl der Begriff schon vorher gebräuchlich war, gab Friedrich Maximilian Klinger mit seinem Drama "Sturm und Drang" den Anstoß, die Epoche danach zu benennen.

Diese Bewegung war keineswegs auf die Literatur beschränkt, sondern hatte starke philosophische Züge, die sich mit Gesellschaftsordnung, neuen und alten Werten und vor allen Dingen auch emotionalen Eindrücken auseinandersetzt.3 "Stürmer und Dränger" zu sein, war eine Lebenseinstellung, die sich erheblich von den bis dahin gekannten unterschied und deren Interesse auch genau darin bestand, Altes aufzulösen und Neues zu schaffen. Unstrittig ist dennoch, daß die Literatur das bevorzugte kommunikative Medium war, um das Phänomen "Sturm und Drang" zu charakterisieren.4

[...]


1 Weitere Ausführungen über die Entwicklung werden hier absichtlich nicht erwähnt, sondern nur die reine Bedeutung, um deutlich zu machen, daß nach der Sturm-und-Drang-Zeit kaum mehr neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Es wird später genauer darauf eingegangen.

2 Brockhaus Enzyklopädie, 1969 F.A. Brockhaus, Wiesbaden

3 vgl. Pascal, Roy: Der Sturm und Drang, 1977, S.1

4 vgl. Baasner/Reichard: Epochen der deutschen Literatur, 1999 : Begriffsbestimmung: Sturm und Drang (CD)


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