Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Skript, 2002, 20 Seiten
Autor: Elisabetta D'Amato
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Germanistik-Institut, Fask Germersheim)
Tags: Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern, Mitscherlich + biographie, Nationalsozialismus, NS-Täter, NS-Mitläufer, 3. Reich, Vergangenheitsbewältigung
Jahr: 2002
Seiten: 20
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-13280-0
Dateigröße: 230 KB
Dieses Skript diente als Vorlage zu einem Referat, ist aber kein Referatshandout. Es ist tw. ausgeschrieben und tw. stichwortartig geschildert. Es gibt aber auch eine vollständige Hausarbeit im Archiv von www.hausarbeiten.de von mir. Sehr dicht - einzeiliger Zeilenabstand.186 KB
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Textauszug (computergeneriert)
Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens. Alexander und Margarete Mitscherlich
von Elisabetta D´Amato
Alexander Mitscherlich
BIOGRAPHIE
1908
Alexander Mitscherlich wurde als Sohn des Chemikers Harbord Mitscherlich und seiner Frau Clara, geb. Heigenmooser, am 20. September in München geboren.
Alexander Mitscherlich litt als Heranwachsender unter einem autoritären, deutschnational gesinnten Vater.
1928-1932
Nach Absolvierung des Gymnasiums in Hof studierte er an der Universität München von 1928-1932 zunächst Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie. Damit brach er mit der Familientradition, die durch drei Generationen hindurch Naturwissenschaftler hervorgebracht hatte. A. Mitscherlich begann zu promovieren mit einer Arbeit über die subjektiven Aspekte von Luther-Darstellungen, die der Historiker Paul Joachimsen (ein getaufter Jude) als Dissertationsthema akzeptiert hatte. Doch sein Doktorvater Paul Joachimsen starb 1932. Die Promotion von A. Mitscherlich scheiterte daraufhin an der Weigerung vom antisemitischem Nachfolger von Paul Joachimsen, Karl Alexander von Müller, Arbeiten seines Vorgängers weiter zu betreuen.
Mitscherlich bricht darauf sein Studium ab.
1933
1932 heiratete Mitscherlich die Ärztin Melitta Behr. Die gemeinsame Tochter Monika wurde geboren, 1933 die Tochter Barbara und 1936 der Sohn Malte. Seine Ehe ermöglichte Mitscherlich sich als Buchhändler selbstständig zu machen und nach Berlin zu ziehen. Freundschaften mit Ernst Jünger (1895-1998, Schriftsteller) und Ernst Niekisch (1889-1967, Schriftsteller und Politiker) beeinflussten ihn.
Nebenher nimmt er das Studium der Medizin auf.
Seine finanziellen Verhältnisse erlaubten es ihm sogar, Teilhaber von Niekischs "Widerstands-Verlag" zu werden. Der Nationalbolschewist Niekisch war durch sein Buch "Hitler ein deutsches Verhängnis" (1932), in dem er vor Adolf Hitler und der Gefahr einer nationalsozialistischen Machtübernahme warnt, den Nazibehörden anstößig geworden. Mitscherlichs Buchhandlung, die für Niekisch warb, wurde daher von der SA (Schutzarmee) 1935 geschlossen.
Mitscherlich zog mit seiner Familie nach Freiburg (Breisgau), wo er das in Berlin begonnene Medizinstudium fortsetzte.
1935
1935 emigriert Mitscherlich in die Schweiz, nachdem er wegen Widerstandsarbeit steckbrieflich gesucht wird. In der Schweiz und später noch einmal unterzog sich Mitscherlich einer psychoanalytischen Behandlung, an der er sich dankbar erinnerte. In Zürich setzte er sein Medizinstudium fort.
1937
Als er im Februar 1937 für kurze Zeit nach Deutschland kam, um einen Anwalt für den verhafteten Freund Niekisch zu besorgen, wurde er von der Gestapo (Geheime Staatspolizei = politische Polizei des nazionalsozialistischen Regimes) festgenommen. Nach achtmonatiger Untersuchungshaft in Nürnberg wurde er wegen ungenügendem Beweismaterials entlassen, erhielt aber die Auflage, in Deutschland das Studium fortzusetzen und sich regelmäßig bei der Polizei zu melden.
1938
Im Jahre 1938, nach der Haftentlassung, nahm ihn Viktor von Weizsäcker verständnisvoll als Studierenden in Heidelberg auf.
Noch im selben Jahr heiratete Mitscherlich Georgia Wiedemann. Aus dieser Verbindung gingen die Söhne René (geb. 1939) und Thomas (geb. 1942) hervor.
1939
Im Jahre 1939 legte er in Heidelberg das medizinische Staatsexamen ab.
1941
Im Jahre 1941 machte er seine Promotion bei Viktor von Weizsäcker über das Thema "Zur Wesensbestimmung der synästhetischen Wahrnehmung". Im Anschluss nimmt ihn V. v. Weizsäcker als Mitarbeiter an der Universitätsklinik Heidelberg für Innere Krankheiten auf.
Durch Weizsäcker wurden ihm die in Deutschland verbotenen Arbeiten von Sigmund Freud (Jude, Mediziner, Begründer der Psychoanalyse, 1856-1939, 1933 verbrannten die Nazionalsozialisten unter anderem Freuds Werke), für die er sich schon in München zu interessieren begonnen hatte, zugänglich gemacht, so dass er sich dessen Theorien nunmehr gründlich aneignen konnte. Weizsäcker prägte seine Auffassung von der humanen Aufgabe des Arztes, der im Patienten den ganzen Menschen zu erkennen hat. Der Zusammenhang von physischen Krankheiten und seelischen Leiden stand schon in Weizsäckers Buch "Studien zur Pathogenese" (1935) im Mittelpunkt, das für Mitscherlich "ein Markstein auf dem Weg eines neuen klinischen Denkens" war (Ges. Schrr. VII, S. 387). Eine schwere Gelenkveränderung am Knie, Wehrunwürdigkeit und zuletzt die Unabkömmlichkeit als Leiter einer neurologischen Ambulanz bewahrten ihn vor dem Kriegsdienst.
1945
Am 17.5.1945 wurde Mitscherlich von den amerikanischen Besatzungsbehörden zum Mitglied der "Regionalen Zivilregierung für Saar, Pfalz, Rheinhessen" ernannt und mit der Leitung des Gesundheitswesen betraut. Die wenig später erfolgte Abtretung der linksrheinischen Gebiete an die französische Besatzungszone ohne vorherige Information der "Regierung" veranlasste ihn, sein Amt niederzulegen.
1946
Von 1946 - 1949 arbeitete Mitscherlich an der medizinischen Polyklinik in
Zürich.
Noch im selben Jahr wurde Mitscherlich von der ärztlichen Standesvertretung als Beobachter zum Nürnberger Kriegsverbrecherprozess gegen (NS-)Ärzte entsandt. Seine gemeinsam mit Fred Mielke verfasste Dokumentation "Das Diktat der Menschenverachtung" (1947), in der er aufzeigt, wie verführbar eine den lebendigen Menschen vernachlässigende Medizin war und mit welcher Bedenklosigkeit selbst angesehene Kliniker sich im Namen der Wissenschaft an Menschenversuchen beteiligten, stieß auf wehleidige Abwehr zahlreicher Kollegen. Hier begegnete Mitscherlich zum ersten Mal das Phänomen der Verdrängung und des "Vergessens" der Nazizeit, auf das er zusammen mit seiner dritten Frau Margarete - in dem Buch "Die Unfähigkeit zu trauern, Grundlagen kollektiven Verhaltens" (1967) ausführlich eingegangen ist.
ab 1947
[...]
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Melancholie in Wirtschaftsorganisationen
Autor: Simone PeinemannWirtschaft - Personal und Organisation, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Die Sphärenharmonie der Pythagoräer
Autor: Marion KlomfassMusikwissenschaft, 1999 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Die 7 Todsünden
Autor: Jan-Matthias SchultzeKunst - Malerei, 2005 Als PDF-Datei downloaden für 7,99 EUR
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: