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Außerliterarische Anwendungen der Emblematik: Das Emblemprogramm des Großen Saals im Nürnberger Rathaus

Scholary Paper (Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Doreen Fräßdorf
Subject: Art - Miscellaneous

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V53976
ISBN (E-book): 978-3-638-49280-5

File size: 4056 KB
Notes :
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Emblemprogramm des Nürnberger Rathauses sowie mit der "Emblematica politica. In aula magna Curiae Noribergensis depicta" von Peter Isselburg in vergleichender Weise, da es sich bei den dargestellten Emblemen um die gleichen handelt. 14 Seiten plus Anhang


Abstract

Insbesondere für die Verwendung in Dekorationsprogrammen war die offene Form des Emblems und die sprachliche Leistungsfähigkeit des Bildes wichtig, denn innerhalb eines Dekorationsprogramms war es kaum möglich, durch ausführliche Epigramme den Auslegungsteil mitzuliefern. Bei der angewandten Emblematik ist so eine Reduktion der Embleme auf Pictura und Motto zu erkennen. Als Bestandteile von festen Programmthemen stehen die Embleme dort nämlich in einem Kontext, der die Beziehungsfindung anstelle der epigrammatischen Auslegung vorgibt. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es zahlreiche Emblemzyklen, die außerhalb literarischer Publikationszusammenhänge entstanden und erst nachträglich in Buchform publiziert wurden. In meiner Hausarbeit möchte ich anhand des Emblemprogramms im Großen Saal des Nürnberger Rathauses zeigen, dass es für eine angemessene Interpretation eines außerliterarischen Programms unerlässlich ist, den ikonographischen und architektonischen Kontext einzubeziehen. Ebenso spielt auch die Funktion des Gebäudes im sozialen und historischen Prätext eine Rolle. Die Hierarchien in der Raumgestaltung geben Hinweise darauf, wie das emblematische Programm zu lesen ist. In meinen Ausführungen soll besonders deutlich werden, dass sich die Embleme im Rathaus anders lesen und deuten lassen, als die gleichen Embleme in der späteren Buchpublikation Peter Isselburgs. Im Verlauf meiner Arbeit werde ich ein Beispiel für die Lesbarkeit des Programms geben, nach dessen Muster sich das gesamte Programm lesen lässt. Dabei werde ich mich auf zwei Embleme und ein Rundbild, welche miteinander im Zusammenhang stehen, beschränken. An diesem Muster soll ersichtlich werden, auf welche Weise sich das restliche Emblemprogramm des Rathauses deuten lässt.


Excerpt (computer-generated)

Philipps Universität Marburg
FB 09: Germanistik und Kunstwissenschaften, Kunstgeschichtliches Institut
Seminar: Text – Bild – Medien in der frühen Neuzeit
Wintersemester 2005/06, 3. Fachsemester

Außerliterarische Anwendungen der Emblematik:
Das Emblemprogramm des Großen Saals im Nürnberger Rathaus

von: Doreen Fräßdorf

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Geschichte des Rathaussaals 3

3. Isselburgs „Emblemata politica“ als wichtigste Rekonstruktionsquelle 4

4. Das Emblemprogramm im Nürnberger Rathaussaal 6

5. Die thematische Ordnung der Embleme 7

6. Beispiel zur Lesbarkeit des Emblemprogramms 9

7. Nürnberger Emblematik und Deutung des Programms im Ganzen 11

8. Schlusswort 13

9. Literaturverzeichnis 14

10. Abbildungsverzeichnis 15

11. Abbildungen 16


 

 

1. Einleitung

Insbesondere für die Verwendung in Dekorationsprogrammen war die offene Form des Emblems und die sprachliche Leistungsfähigkeit des Bildes wichtig, denn innerhalb eines Dekorationsprogramms war es kaum möglich, durch ausführliche Epigramme den Auslegungsteil mitzuliefern. Bei der angewandten Emblematik ist so eine Reduktion der Embleme auf Pictura und Motto zu erkennen. Als Bestandteile von festen Programmthemen stehen die Embleme dort nämlich in einem Kontext, der die Beziehungsfindung anstelle der epigrammatischen Auslegung vorgibt. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es zahlreiche Emblemzyklen, die außerhalb literarischer Publikationszusammenhänge entstanden und erst nachträglich in Buchform publiziert wurden.1

In meiner Hausarbeit möchte ich anhand des Emblemprogramms im Großen Saal des Nürnberger Rathauses zeigen, dass es für eine angemessene Interpretation eines außerliterarischen Programms unerlässlich ist, den ikonographischen und architektonischen Kontext einzubeziehen. Ebenso spielt auch die Funktion des Gebäudes im sozialen und historischen Prätext eine Rolle. Die Hierarchien in der Raumgestaltung geben Hinweise darauf, wie das emblematische Programm zu lesen ist. In meinen Ausführungen soll besonders deutlich werden, dass sich die Embleme im Rathaus anders lesen und deuten lassen, als die gleichen Embleme in der späteren Buchpublikation Peter Isselburgs. Im Verlauf meiner Arbeit werde ich ein Beispiel für die Lesbarkeit des Programms geben, nach dessen Muster sich das gesamte Programm lesen lässt. Dabei werde ich mich auf zwei Embleme und ein Rundbild, welche miteinander im Zusammenhang stehen, beschränken. An diesem Muster soll ersichtlich werden, auf welche Weise sich das restliche Emblemprogramm des Rathauses deuten lässt.

2. Geschichte des Rathaussaals

Der Große oder Goldene Saal des Nürnberger Rathauses ist der älteste Teil des Gebäudekomplexes und wurde im Jahre 1340 vollendet. Acht Jahre zuvor kaufte der Rat der Stadt Nürnberg vom Kloster Heilsbronn ein Anwesen und ließ durch den Stadtbaumeister Philipp Groß den Rathaussaal errichten.2 Er war mit einem Tonnengewölbe ohne Pfeiler der größte Saal und wurde als Versammlungshalle genutzt. Er war 40 Meter lang, 12 Meter breit und 14 Meter hoch.3 Im 14. und 15. Jahrhundert wurden die an die Nordflügel des Rathauses stoßenden Bürgerhäuser aufgekauft, um so den Rathausbau erweitern zu können. Im Zuge von Instandsetzungsarbeiten wurde der Saalbau 1520/21 einer Erneuerung unterzogen. Das Innere wurde mit Gemälden nach Entwürfen Albrecht Dürers geschmückt. Schon hundert Jahre später waren die Innenwände so verblasst, dass man im Jahre 1613 Maler mit ihrer Erneuerung beauftragte.4

Erst im Jahre 1613 wurde der Saal durch einen Zyklus von Emblemen in den Fenstern erweitert. Es gab 32 paarweise angeordnete Embleme in den Gewänden der beiden seitlichen Fenster der Ostwand, in allen elf Fenstern der Südseite und den drei Fenstern der gotischen Westwand. Bei den Emblemen handelte es sich um Sinnbilder mit staatspolitischen Aussagen zum guten Regiment und zur Gerichtspflege. Im Jahre 1621 kamen unter Georg Volckamer noch fünf weitere Embleme hinzu. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Nürnberger Rathaus von Bomben schwer getroffen und brannte vollständig aus. Die Bomben vernichteten die – inzwischen wiederhergestellte – Holzdecke vollkommen und auch – die noch immer nicht wieder restaurierten – malerischen Dekorationen der Wände bis auf marginale Reste. Glücklicherweise konnte das fast vollständig zerstörte Rathaus aus verschiedenen Quellen wieder rekonstruiert werden. So sind zum Beispiel die Vorlagenzeichnungen für die emblematischen Medaillons erhalten oder auch Fotografien des Rathauses aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die wichtigste Quelle für die Motive der Embleme und ihre Bedeutung liefert allerdings das Emblembuch von Peter Isselburg mit seinen 32 Kupferstichen. Nach Kriegsende konnte der Rathauskomplex wieder neu entstehen. Man restaurierte den ältesten gotischen Teil (1332-1340) des Rathauses, ebenso die von Hans Behaim um 1515 erbaute spätgotische Fassade an der Rathausgasse, weiterhin den 1616-1622 von Jakob Wolff d. J. errichteten Spätrenaissance-Frühbarockbau, die Erdgeschosshalle und den Hof.5

3. Isselburgs „Emblemata politica“ als wichtigste Rekonstruktionsquelle

Das erste sich selbst als Sammlung von politischen Emblemen bezeichnende Buch und somit auch das früheste veröffentlichte Emblembuch war Peter Isselburgs „Emblemata politicia. In aula magna Curiae Noribergensis depicta“ von 1617. Übersetzt heißt der Titel: „Poltische Embleme, die im großen Nürnberger Rathaussaal gemalt sind“. Bei dem Buch handelt es sich also um die Publikation des architektonischen Dekorationsprogramms im Nürnberger Rathaus. Der größte Unterschied zwischen Saal- und Buchemblemen ist das Fehlen der im Stich hinzugesetzten erläuternden Epigramme, also der emblematischen Subscriptio. An der entsprechenden Stelle befanden sich im Rathaus Blumen- oder Fruchtmotive. Über den querovalen Mottokartuschen schlossen Groteskenmalereien jede Dekorationseinheit nach oben ab. Die Stiche in Isselburgs „Emblemata politica“ sind genauso angeordnet wie im Rathaus. So sind bei Isselburg insgesamt 32 Embleme überliefert.

Die Autoren der Embleme waren die Nürnberger Patrizier Georg Volckamer und Andreas Imhof. Volckamer war wie viele Patrizier Gelehrter und Staatsmann zugleich. Seit 1616 amtierte er auch als oberster Bauherr. Sein Anteil an der Erneuerung des Rathauses beschränkte sich nicht nur auf die Auswahl und Anordnung der Embleme; er war auch mit allen Entscheidungen und Problemen des Baus und der Ausstattung des neuen Rathauses befasst.6

[...]


1 Warncke: Sprechende Bilder – sichtbare Worte, S. 189 ff.

2 Liebel: Das Rathaus zu Nürnberg, S. 4

3 Mödersheim: Duce virtute, comite fortuna, S. 33

4 Liebel: Das Rathaus zu Nürnberg, S. 4

5 Schwemmer: Merian Nürnberg, S. 70

6 Mende: Das alte Nürnberger Rathaus, S. 333


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