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Abkehr vom technischen Weltbild: Die Entwicklung von Walter Faber in Max Frischs 'Homo faber'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 18 Pages
Author: Diplom-Germanist Christian Weber
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 18
Grade: 3
Language: German
Archive No.: V5402
ISBN (E-book): 978-3-638-13287-9

File size: 182 KB


Excerpt (computer-generated)

Abkehr vom technischem Weltbild.
Die Entwicklung von Walter Faber in Max Frischs "Homo faber"

von Christian Weber


Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung S. 03

2. Stil und Inhalt S. 03

2.1. Zum Werk Homo Fabers  S. 03
2.2. Inhalt des Romans S. 05

3. Fabers Grundeinstellung S. 05

3.1. Fabers technisches Weltbild S. 05
3.2. Fabers Verhältnis zur Natur S. 07
3.2.1. Der Mensch als Beherrscher der Natur S. 07
3.2.2. Wahrnehmung der Natur S. 09

4. Fabers Entwicklung S. 11

5. Fabers Wandlung S. 13

5.1. Abkehr von seiner Lebensweise S. 13
5.2. Neues Verhältnis zur Natur S. 15

6. Schluss S. 16

Literaturverzeichnis S. 17


1. Einleitung

Den Roman "Homo Faber - Ein Bericht" von Max Frisch habe ich jetzt mehrfach gelesen - und trotzdem entdeckt man immer wieder etwas Neues. Ein neues Symbol, das mir nicht aufgefallen war - vielleicht weil zuvor noch die Handlung interessanter war - ein Satz von Faber, der plötzlich in einem ganz anderem Licht gesehen wird, weil man den Seelenzustand der Hauptfigur von mal zu mal besser durchschaut.
Es gibt viele Möglichkeiten, den Roman hinsichtlich der Veränderung des Protagonisten zu untersuchen. Mir ging es zunächst einmal darum, die wichtigen Veränderungen darzustellen und im Schwerpunkt anhand der Naturdarstellungen zu zeigen. Weil Frisch den Roman so konzipiert hat, dass Faber in der zweiten Station nochmals an die Orte der ersten Station zurückkehrt, ist ein Vergleich naheliegend. Mit Fabers Sicht der Natur offenbart sich gleichzeitig seine Weltanschauung, die ich vor und nach der Begegnung mit seiner Tochter Sabeth versuche darzustellen. Als kurze Einführung gebe ich den Inhalt wider und beschäftige mich mit einigen stilistischen Merkmalen.

2. Stil und Inhalt

2.1. Zum Werk Homo Faber

Die Hauptperson in Max Frischs Roman ist Walter Faber. Wie auch schon bei anderen Werken wie "Biedermaier" oder "Don Juan" gibt dieser Name einen Vorausblick auf den Konflikt im Buch: Die beiden lateinischen Begriffe deuten das Gegenüberstehen von Natur (homo: Mensch) und Technik (faber: Handwerker) bereits an. Max Frisch schreibt das Buch als Tagebuch aus Sicht des Protagonisten in der Ich-Perspektive. Dabei wendet er den Trick an, dass der Erzähler zu dem Zeitpunkt, als er den Bericht verfasst, alle Ereignisse kennt, weil der Bericht erst im Nachhinein verfasst wird - wir haben es so mit einem allwissenden Erzähler zu tun. Der Bericht ist in zwei Stationen unterteilt, und damit zeigt sich eine gewandelte Lebensperspektive. "Sowohl im Stiller als auch im Homo Faber führt eine entscheidende Erfahrung des Protagonisten zur teilweisen Wandlung seines Charakters und damit stilistisch zu einem Gegen-Bericht." Der gesamte erste Teil des Berichts von Homo Faber (Station eins) wirkt auf den Leser wie eine Rechtfertigung, der Protagonist sieht sich immer wieder in der Defensive und versucht nachzuweisen, dass er an den Ereignissen keinerlei Schuld besitzt. Erst in der zweiten Station ist ein abgeschlossener Wandel im Weltbild des Protagonisten erkennbar.
Max Frisch verwendet immer wieder größere Zeitsprünge und arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen. Er erreicht damit, dass der Leser am Ende des Buches einen Gesamtüberblick über das gescheiterte Leben des Protagonisten hat. Frisch steigt in die Handlung des Romans an einer Stelle ein, an dem das Leben Homo Fabers an einem Wendepunkt steht. In Rückblicken erfährt der Leser die Vergangenheit. Aber durch die verschiedenen Zeitebenen erfährt der Leser auch bereits auf Seite 22 wie die Handlung ausgehen wird. Damit lenkt Frisch die Spannung weg von der Frage, wie es mit der Handlung an sich weitergeht. Der Leser kann sich mehr darauf konzentrieren, wie es überhaupt zu den Ereignissen kommt und betrachtet die Charaktere aus der Distanz. Mit diesem Verfremdungseffekt lehnt sich Frisch an das epische Theater Brechts an. Frisch schreibt dazu im Tagebuch I: "Der Zuschauer soll sich nicht einfühlen, es soll verhindert werden, daß das Spiel ihn in Trance versetzt, sein Vergnügen soll vielmehr darin bestehen, daß ihm im Spiel gewisse Vorgänge, die ihm vertraut sind und geläufig, verfremdet werden..."

2.2. Inhalt des Romans

Walter Faber arbeitet als Ingenieur für die Unesco und wohnt in New York, von wo er auf einen Flug nach Caracas aufbricht. Auf dieser Reise lernt der knapp 50-Jährige den Bruder seines Jugendfreundes Joachim kennen. Faber entschließt sich, den alten Freund zu besuchen und findet ihn erhängt auf einer Plantage in Guatemala auf. Nachdem er wieder nach New York zurückgekehrt ist, reist er mit einem Schiff weiter nach Paris, um an einer Konferenz teilzunehmen. Auf der fünftägigen Reise lernt er seine 20-jährige Tochter Elisabeth kennen, von der er aber nicht weiß, dass sie seine Tochter ist. Hanna, seine Jugendliebe, hatte das Kind entgegen der Vereinbarung mit ihm zur Welt gebracht. Faber verliebt sich in das junge Mädchen und baut eine Beziehung zu ihr auf. Die beiden wollen gemeinsam mit dem Auto von Paris über Rom nach Athen reisen, wo die Mutter Elisabeths wohnt. Das Mädchen wird jedoch am Strand von Akrokorinth von einer Schlange gebissen, stürzt eine Böschung hinab und stirbt wenig später an einem Schädelbasisbruch in einem Krankenhaus in Athen. Dort trifft Faber seine Jugendfreundin Hanna wieder und bekommt Gewissheit, dass Elisabeth seine eigene Tochter war. Faber reist daraufhin nochmals nach New York, Guatemala und muss sich nach seiner Rückkehr nach Athen einer Magenoperation unterziehen.

[...]


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