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Termpaper, 2006, 28 Pages
Author: Jan-Bernd Stahmann
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Vechta (Institut für Geschichte und Historische Landesforschung)
Tags: Bernhard, Clairvaux, Zisterzienser, Wirtschafts-, Sozialsystem, Zisterziensermönche
Year: 2006
Pages: 28
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49369-7
File size: 234 KB
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Excerpt (computer-generated)
Hochschule Vechta
Seminar: Das Wirtschafts- und Sozialsystem
der Zisterziensermönche und -nonnen.
Semester: WS 2005/2006, 6. Semester
Bernhard von Clairvaux – der größte Zisterzienser
von: Jan-Bernd Stahmann
Inhalt
Prolog
1. Bernhard von Clairvaux
1.1 Kindheit, Jugend, Konversion
1.2 Cîteaux: Noviziat und Profeß
1.3 Clairvaux
1.4 Das Jahrhundert des hl. Bernhard
1.4.1 Krieg gegen die Heiden: Werbung für die Templer und Kreuzzugspredigt
1.4.2 Streit mit Cluny
1.4.3 Theologischer Streit mit Abaelard
1.4.4 Die Papstwahlen von 1130 und 1144
Stellungnahme
Quellen/Literatur
Abbildungsverzeichnis
Prolog
Über 900 Jahre nach der Gründung des Zisterzienserordens gelten die Zisterzienser nicht mehr als der einflussreichste Orden innerhalb der kath. Kirche, wie es noch im 12. Jahrhundert der Fall war. Auch haben sie längst ihre herausragende Bedeutung in Kunst, Architektur, Handel und Wirtschaft verloren. Und dennoch, trotz Säkularisierung, Schisma, Reformation und Französischer Revolution, sind die Feierlichkeiten anlässlich des 900- jährigen Gründungsjubiläums von Cîteaux (1998) Ausdruck ihrer nach wie vor beachtlichen Stellung in Kirche und Gesellschaft sowie der Aktualität des Interesses der historisch und religiös interessierten Öffentlichkeit an der Zisterzienserforschung. Darüber hinaus verdeutlicht nicht zuletzt der im August 2003 an vielen europäischen Orten gefeierte 850. Todestag des heiligen Bernhards von Clairvaux, dass die Geschichte des Zisterzienserordens untrennbar mit dem Leben des wohl bekanntesten Zisterziensers verbunden ist. Dabei tangiert Bernhards Lebenslauf die Geschichte der Zisterzienser und spätestens mit seinem Eintritt in das Kloster von Cîteaux vermischen sich beide. Eine Biografie über den hl. Bernhard ist letztlich auch eine Darstellung über die Blütezeit des Zisterzienserordens.
In der vorliegenden Hausarbeit soll es zunächst um die Kindheit, Jugend und die Konversion des hl. Bernhard gehen. Anschließend möchte ich sein Wirken in Cîteaux, dem Normkloster der Zisterzienser, und seinen kometenhaften Aufstieg zum Primärabt des Konvents von Clairvaux darstellen. Des Weiteren soll der Frage nachgegangen werden, warum gerade Bernhard einen maßgeblichen Anteil an der Ausbreitung des „[…] erfolgreichsten kontemplativen Reformordens des Mittelalters […]“ 1 besaß. Schließlich soll anhand der Darstellung der wichtigsten Stationen seines Lebens deutlich werden, dass Bernhard von Clairvaux zu Recht nicht nur als ‚das religiöse Genie des 12. Jahrhunderts‘2, sondern vielfach auch als Staatsmann mit erheblichem kirchenpolitischen Einfluss bezeichnet wird.
1. Bernhard von Clairvaux
1.1 Kindheit, Jugend, Konversion
Im Jahre 1090 erblickte der spätere Bernhard von Clairvaux im Turm der burgundischen Adelsburg von Fontaines-lès-Dijon, am nordwestlichen Rande Dijons, das Licht der Welt.3 Er war bereits der dritte Sohn, der aus der Ehe zwischen Tescelin le Saur, dem Herrn von Fontaines, und dessen Frau Aleth von Montbard hervorging. Bernhards Vater stammte aus Châteaux, und wird als wohlhabender, anständiger und vor allem gerechter Feudalherr und Ritter beschrieben, der wohl auch deshalb zu den engsten Vertrauten des Herzogs von Burgund sowie Odo I. (1078-1102) und seinem Sohn Hogo II. (1102-1143) zählte. Trotz seiner Zugehörigkeit zum Adel sollte man die soziale Stellung der Familie nicht überschätzen: Als Herr einer bescheidenen und möglicherweise entlehnten Burg, die man sich eher als eine kleine Anlage vorzustellen hat, versorgte er seine Familie mit den Einnahmen, wie Buß- und Wegegeldern etc. Seine Mutter entstammte dem Geschlecht der burgundischen Herzöge und gebar neben Bernhard die Söhne Guido, Gerhard, Andreas, Bartholomäus und Nivard sowie eine Tochter namens Humbeline, für die sie allesamt ein Klosterleben vorsah, wie sich das auch schon die Eltern Aleths für ihre Tochter gewünscht hatten. Vermutlich war sie es auch, die den Vornamen ihres späteren Lieblingskindes aussuchte; heißt doch Aleths Vater ebenso Bernhard, „der Bärenkühne oder –harte“. Vor der Geburt ihres dritten Kindes durchlebte sie eine von Angstträumen geplagte Schwangerschaft. So soll sie, Gottfried von Auxerre, dem „treue[n] Sekretär, Vetraute[n] und ständigen Reisebegleiter des späteren Heiligen“4 zufolge, eines Nachts davon geträumt haben, einen bellenden Welpen in sich zu tragen. Die hochschwangere Frau suchte anschließend in ihrer Verzweiflung einen ihr vertrauten, der Forschung aber bislang unbekannten Mönchen auf, der den Traum in Anlehnung an Isaias 56, 10 als die Geburt eines ausgezeichneten Predigers deutete. Wie besorgt die Eltern um das Wohl Bernhards waren, zeigt auch die Tatsache, dass sie den kleinen Bernhard kurz nach seiner Geburt aus Furcht vor den Folgen eines möglichen frühen Kindstodes in der St. Martin zu Dijon dem damals üblichen Brauch des „Taufexorzismus“ unterwerfen ließen.5 Viel ist über die Erziehung und die Lebensumstände, in denen Bernhard und seine Geschwister aufwuchsen, nicht überliefert. Doch ist allgemein bekannt, dass die fromme Mutter ihre Kinder religiös und spartanisch erzog: Anstatt sie einer Amme anzuvertrauen, wie es in gehobenen Schichten seiner Zeit üblich war, zog es die Mutter vor jedes ihrer sieben Kinder selbst zu stillen. „Das Positivum lag aber darin, daß nach den Vorstellungen der Zeit mit der Milch der Mutter auch ihre guten Anlagen weitergegeben wurden [sic].“6 Waren sie schließlich aus dem Säuglingsalter heraus, achtete sie penibel genau darauf, dass sie sich trotz höfischem Umfeld nicht von Delikatessen, sondern von einfachen Essen ernährten. Der Grund für diese, dem Stand der Familie eher ungemäße Erziehung liegt einerseits wohl darin, dass Aleth ihre Kinder auf ein Mönchs- bzw. Nonnenleben vorbereiten wollte und andererseits „[…] in ihren Kindern verwirklichte, was sie selbst als verheiratete Frau mit Familie noch nicht zu tun imstande war, nämlich ein dem Klosterleben möglichst nahekommendes Leben in der Welt zu führen [sic]“.7 8
[...]
1 Kinder, 1997, S. 33.
2 Zitiert nach: Heutger, 1993, S. 9.
3 Bis heute ist das Geburtsjahr Bernhards unter den Historikern umstritten. So erlaubt die ungenaue Quellenangabe auch das Jahr 1091, in dem Bernhard geboren sein könnte.
4 Dinzelbacher, 1998, S. 3.
5 Vgl. ebd., S. 3-4.
6 Ebd., S. 5.
7 Dinzelbacher, 1998, S. 5.
8 Vgl. ebd., S. 5.
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