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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 40 Pages
Author: Erik Fischer
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: Ernst Moritz Arndt University of Greifswald (Historisches Institut)
Tags: Orient, Theorie, Praxis, Eine, Darstellung, Thomas, Edward, Lawrence, Aspekt, Kulturaustausches, Orientalismus, Kulturtransfer
Year: 2005
Pages: 40
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 63 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49540-0
File size: 291 KB
In der Arbeit geht es nicht so sehr um die Leistung von Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als "Lawrence von Arabien" im 1. Weltkrieg. Viel mehr geht sie der Frage nach, welche Position Lawrence zwischen Großbritanien und Arabien einnahm, wie er sich selbst verstand. Eingebettet wird diese Untersuchung in die Diskussion eines das frühe Europa maßgeblich bestimmenden Diskurses, der nach Said "Orientalismus" genannt wird.
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Excerpt (computer-generated)
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Hauptseminar: Kulturtransfer
Sommersemester 2005
Der ′Orient′ in Theorie und Praxis - Eine Darstellung von
Thomas Edward Lawrence unter dem Aspekt des
Kulturaustausches und des Orientalismus
von: Erik Fischer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Intention und Grundlagen der Arbeit Seite 3
2. Konstruktion: Die Debatte um den Orientalismus und ihr Umfeld Seite 9
3. Fallbeispiel: Lawrence von Arabien Seite 19
3.1 Der Vermittler als Persönlichkeit in der Struktur der Geschichte Seite 19
3.2 T.E. Lawrence als Vermittler in Arabien Seite 23
4. Zusammenfassung Seite 34
Literatur- und Quellenverzeichnis Seite 36
1. Einleitung: Intention und Grundlagen der Arbeit
Die Geschichtswissenschaft befindet sich in einem rückbesinnenden Umbruch: Das verstärkte Nachdenken über die „Kultur“ ist wieder aktuell geworden.1 Mit einem 1989 erschienenen Sammelband hat die amerikanische Historikerin Lynn Hunt die Richtung der zukünftigen Forschung vorgegeben: „New Cultural History“.2 Zahlreiche Innovationen erlebte die Geistes- und damit auch die Geschichtswissenschaft seit dem: Die Modelle und Entwürfe von Michel Foucault, Clifford Gertz’ Vorschlag zu einer „dichten Beschreibung“ von Kultur, die Überlegungen von Peter Berger und Thomas Luckmann zu einer „gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit“, sowie Georg G. Iggers und Hayden Whites Beiträge zum linguistic turn und zur Tropologie des historischen Diskurs.3 Ebenso ging – wie im letzten Satz bereits angedeutet – die Geschichtswissenschaft in den letzten Jahren durch mehrere „turns“, sogenannte „Wenden“ im Denken und damit einschneidende Veränderung im Bild der Geisteswissenschaften: genannt wurde bereits der linguistic turn, darüber hinaus gab es den iconic turn, sowie den performative turn.4 Zuletzt machte nun der cultural turn auf sich aufmerksam: Der erneute Zugriff auf die Kulturgeschichte. Sichtbares Zeichen dessen sind die letzten großen Veröffentlichungen von Jürgen Straub, Friedrich Jäger und Jörn Rüsen mit ihrem großem Projekt eines „Handbuch[s] der Kulturwissenschaften“, sowie das kompakte und sehr übersichtliche „Kompendium Kulturgeschichte“ von Ute Daniel.5 Die Geschichtswissenschaft hat also den Ruf nach einer neuen Kulturgeschichte angenommen, allerdings nicht unter einem einseitigen Methodendiktat – im Gegenteil, der vielfältige Zugriff auf die Geschichte steht im Mittelpunkt der Überlegungen. Interdisziplinäre Impulse benachbarter Fachbereiche, wie der Philosophie, der Ethnologie und der Literaturwissenschaft werden integriert und führen so zu einer umfassenden Kulturwissenschaft.6 Ein Teilbereich dieser kulturwissenschaftlichen Forschung ragte dabei in den letzten Jahren besonders heraus. Angeregt durch die Forschungen von Michel Espagne in Frankreich und vor allem Matthias Midell in Deutschland ist die Frage nach dem Transfer von bzw. zwischen Kulturen zu einem Schwerpunkt der Debatte geworden.7
„Die zunehmende weltweite Vernetzung in allen Lebensbereichen löst nationalkulturelle Konzeptionen auf und führt zu stärkerer Beachtungen des Fluiden, Verbindenden, des wechselseitigen Austauschs. In diesem Kontext gewinnt die Analyse kultureller Transfers an Bedeutung, denn die Frage nach essentiellen kollektiven Gemeinsamkeiten einer Nation oder Ethnie hat in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung ihre Legitimation verloren – das Augenmerk wird jetzt auf jene Prozesse gelenkt, die zwischen verschiedenen sozialen Gruppierungen und kulturellen Strömungen ablaufen.“8 So urteilen Frederico Celestini und Helga Mittenbauer in der Einleitung ihres Sammelbandes. Die Debatte weist zwei Schlüsselbegriff auf: Einmal den des Kulturtransfers an sich und zum anderen den der transnationalen Geschichte. Die Untersuchung kultureller Transfers9 bedingt welchem zahlreiche methodische und theoretische Probleme, die auch für die folgende Arbeit relevant sind, erörtert worden, wie z.B. die Fragen nach der Transkulturalität und den postcolonial studies. dabei die transnationale Geschichte zwangsläufig. Diese wird dabei als ein neues Projekt, nicht als ein neues Paradigma, welches das der Nationen ablöst, in die Diskussion eingeführt.10 Transnationale Geschichte ist eine Forschungsperspektive, „die den unterschiedlichen Graden der Interaktion, Verbindung, Zirkulation, Überschneidung und Verflechtung nachgeht, die über den Nationalstaat hinausreichen.“11 Einige Zeilen später wird Kiran Klaus Patel in seinem Essay noch deutlicher in der Definition: „Transnationale Geschichte umfasst demnach all das, was jenseits (und manchmal auch diesseits) des Nationalen liegt, sich aber auch durch dieses definiert – sei es, dass es sich daraus speist oder davon abgrenzt, dass es das Nationale erst konstituiert oder dass es sich um wechselseitige und dynamische Konstruktionsprozesse zwischen dem Nationalen und dem Transnationalen handelt.“12
Festzuhalten ist also, dass die transnationale Geschichte über das Nationale und damit die Nationalgeschichte hinausgeht; es wird aber die Nationalgeschichte keineswegs ersetzt, denn die Vernetzung verschiedener Räume macht nur Sinn, wenn das Nationale als Kategorie erhalten bleibt. Die transnationale Geschichte kann und will somit kein neues Paradigma sein, denn sie ergänzt lediglich ein bereits bestehendes.13
[...]
1 Vgl. auch im folgenden Hübinger, Gangolf, Die „Rückkehr“ der Kulturgeschichte, in: Cornelißen, Christoph (Hrsg.), Geschichtswissenschaften. Eine Einführung, Frankfurt am Main 22000, S. 162-177.
2 Hunt, Lynn Avery, The New Cultural History (Studies on the history of society and culture 6), Berkeley, Calif. 1989. Zur neueren Kulturgeschichte gab es in den letzten Jahren unzählige neue Publikationen, vgl. als Einführung und Übersicht Dinges, Martin, Neue Kulturgeschichte, in: Eibach, Joachim/Lottes, Günther (Hrsgg.), Kompass der Geschichtswissenschaft. Ein Handbruch, Göttingen 2002, S. 179-192 und Chartier, Roger, New Cultural History, in: ebd., S. 193-205. Hardtwig, Wolfgang/Wehler, Hans-Ulrich (Hrsg.), Kulturgeschichte heute (Geschichte und Gesellschaft Sonderheft 16), Göttingen 1996. Darin: Oexle, Otto Gerhard, Geschichte als Historische Kulturwissenschaft, S. 14-40. Es gibt natürlich auch kritische Stimmen zu einer solchen Neuen Kulturgeschichte, vgl. Maurer, Michael, Alte Kulturgeschichte – Neue Kulturgeschichte?, in: Historische Zeitschrift 280 (2005), S. 281-304. Dieser Beitrag versteht sich als ein Diskussionanstoß, in welchem das Wort „neu“ kritische hinterfragt werden soll und Anknüpfungsversuche der modernen Kulturgeschichte an alte Erkenntnisse untersucht werden.
3 Foucault, Michel, Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Frankfurt am Main 141997. Ders., Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main 81997. Gertz, Clifford, Dichte Beschreibung: Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt am Main 1997 (Nachdruck). Berger, Peter L./Luckmann, Thomas, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt am Main 161999. Prägend für den linguistic turn wurde Rorty, Richard (Hrsg.), The Linguistic Turn: Resent Essays in Philosophical Method, Chicago 1992 (Nachdruck). Iggers, Georg G., Die „linguistische Wende“. Das Ende der Geschichte als Wissenschaft?, in: Ders., Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert: ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang, Göttingen 21996, S.87-96. White, Hayden, Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen: Studien zur Tropologie des historischen Diskurses, Stuttgart 1991. Diese bibliographische Auflistung stellt eine Auswahl sowohl an Autoren, als auch an Publikationen dar, die jedoch von dem Autor als besonders herausragend und repräsentativ erachtet werden.
4 Vgl. unter anderem Schöttler, Peter, Wer hat Angst vor dem linguistic turn?, in: Geschichte und Gesellschaft 23 (1997), 1, S. 134-151. Mersmann, Birgit, Bildkulturwissenschaft als Kulturbildwissenschaft? Von der Notwendigkeit eines inter- und transkulturellen iconic turn, in: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaften 49 (2004), 1, S. 91-111. Martschukat, Jürgen/Patzold, Steffen (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“. Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln 2003. Ausgerichtet durch die Humboldt-Universität und die Freie Universität Berlin fand vom 28. August bis zum 4. September 2005 ein Sommerkurs unter dem Thema „Nach dem linguistic turn: Sprache, Begriffe und Perspektivität als methodische Probleme komparativer Geschichtswissenschaft“ statt, bei welchem zahlreiche methodische und theoretische Probleme, die auch für die folgende Arbeit relevant sind, erörtert worden, wie z.B. die Fragen nach der Transkulturalität und den postcolonial studies.
5 Die Liste an Literatur ließe sich fortsetzen, die beiden genannten Titel erscheinen dem Autor allerdings als herausragende und sehr gut nutzbare Handbücher zu einer umfassenden Orientierung: Jaeger, Friedrich/Straub, Jürgen/Liebsch, Burckhard/Rüsen, Jörn (Hrsgg.), Handbuch der Kulturwissenschaften in 3 Bänden, Stuttgart u.a. 2004-2005. Daniel, Ute, Kompendium Kulturgeschichte: Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt am Main 32002.
6 Vgl. Sieder, Reinhard, Sozialgeschichte auf dem Weg zu einer historischen Kulturwissenschaft?, in: Geschichte und Gesellschaft 20 (1994), S. 445-468. Ebenso: Pauleit, Winfried, Zur Aktualität der Kulturwissenschaft, in: Ästhetik und Kommunikation 35 (2004), 126, S. 49-53.
7 Vgl. z.B. Espagne, Michel/Werner, Michael, Deutsch-französischer Kulturtransfer als Forschungsgegenstand. Eine Problemskizze, in: Dies. (Hrsgg.), Transferts. Les relations interculturelles dans l’espace franco-allemand (VVIIe et XIXe siècle), Paris 1988. Espagne, Michel/Greiling, Werner, Einleitung, in: Dies. (Hrsgg.), Frankreichfreunde. Mittler des französischen-deutschen Kulturtransfers (1750-1859), Leipzig 1996. Midell, Katharina/Midell, Matthias, Forschungen zum Kulturtransfer. Frankreich und Deutschland, in: Grenzgänge (1994), 1; 2, S. 107-122.
8 Celestini, Federico/Mitterbauer, Helga, Einleitung, in: Dies. (Hrsgg.), Ver-rückte Kulturen. Zur Dynamik kultureller Transfers (Stauffenburg Discussion. Studien zur Inter- und Multikultur 22), Tübingen 2003, S. 11.
9 Im deutschen Sprachgebrauch sollte man zwischen der Phrase „Kulturtransfer“ und der des „kulturellen Transfers“ trennen, denn beide implizieren unterschiedliches in ihrer Bedeutung. Wird im Sinne des ersten die Kultur an sich transferiert, so liegt beim zweiten der Fokus doch mehr auf dem Prozess des Transfers, der in der Sphäre des Kulturellen stattfindet. Vgl. dazu Suppanz, Werner, Transfer, Zirkulation, Blockierung. Überlegungen zum kulturellen Transfer als Überschreiten signifikatorischer Grenzen, in: Celestini, Federico/Mitterbauer, Helga (Hrsgg.), Ver-rückte Kulturen. Zur Dynamik kultureller Transfers (Stauffenburg Discussion. Studien zur Inter- und Multikultur 22), Tübingen 2003, S. 21-35, bes. S. 21.
10 Vgl. dazu die zahlreiche Beiträge im Internetforum Geschichte.transnational (http://geschichtetransnational. clio-online.net/), vor allem den Beitrag von Patel, Kiran Klaus, Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma? Eine Übersicht über die zahlreichen Essays ist auf den Internetseiten des Hsozkult-Servers zu finden, unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?id=584&pn=texte. Bemerkenswert ist also, dass man sich weitestgehend darüber einig ist, nicht von einer transnationalen Wende, einem transnational turn zu sprechen. Vgl. auch Midell, Matthias, Kulturtransfer und Historische Komparatistik – Thesen zu ihrem Verhältnis, in: Comparativ 10 (2000), 1, S. 7-41.
11 Vgl. Patel, Kiran Klaus, Transnationale Geschichte – ein neues Paradigma?
12 Ebd.
13 Vgl. auch Gerber, Adrian, Transnationale Geschichte „machen“ – Anmerkungen zu einem möglichen Vorgehen und Midell, Matthias, Transnationale Geschichte als transnationales Projekt? Zur Einführung in die Diskussion – alle zu finden im Internetforum Geschichte.transnational.
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