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Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: Jochen Engelhorn
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Freiburg (Deutsches Seminar II)
Tags: Funktion, Humors, Hermann, Hesse, Hermann, Hesse, Werke
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49581-3
File size: 181 KB
Die Funktion Humors zur Lebensbewältigung in den Werken Kurgast, Nürnberger Reise und Steppenwolf
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Excerpt (computer-generated)
Albert- Ludwigs-Universität Freiburg, Deutsches Seminar II
Proseminar „Hermann Hesse und seine Werke“
Wintersemester 2005/06, 3. Fachsemester
Zur Funktion des Humors bei Hermann Hesse
von: Jochen Engelhorn
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Humor als Auflehnung - Der Kurgast 4
1. Der Weg in die Selbstaufgabe 4
2. „Einsicht in die unendliche Lächerlichkeit“ 5
III. Humor als Vermittler – Die Nürnberger Reise 7
1. Die romantische Konzeption von Humor nach Jean Paul 7
2. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit 8
3. Humor als Produkt und Aufhebung des Leidens 9
IV. Die „Schule des Humors“ – Der Steppenwolf 10
1. Die romantische Ironie nach Schlegel 11
2. Nietzsches „fröhliche Wissenschaft“ 12
3. Die Neurose einer Generation – Der Weg in die Verzweiflung 13
4. Der „versöhnliche Ausweg des Humors“ 14
V. Schlussbetrachtung 17
VI. Literaturverzeichnis 19
I. Einleitung
„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Diese Redewendung, die dem deutschen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum zugeschrieben wird, ist wohl nahezu jedem bekannt. In knappen Worten schildert sie den Grundgedanken von Humor: Durch ihn sollen schwierige Zeiten leichter werden, harte Tage zu heiteren werden und die Fröhlichkeit den Missmut besiegen. Humor ist somit nicht immer nur verbunden mit Lachen, Witzen oder Späßen, sondern bedeutet meist eine positive Grundeinstellung zum Leben, die sich über schlechte Situationen hinwegsetzt. Niederlagen, Krisen, Scheitern und Fehler sollen durch diese Form von Widerstand gegen die Wirklichkeit ihren Ernst und ihren Trübsinn verlieren.
Hermann Hesse, der sich bekanntlich nicht selten in schweren psychischen Krisen befand, versuchte auch in seinen Büchern einen Ausgleich zu der oft bitteren Realität zu schaffen. Daher möchte ich in dieser Arbeit die Funktion des Humors in den Werken Kurgast1, Nürnberger Reise2 und Steppenwolf3 näher beleuchten. Die unterschiedlichen Vorstellungen Hesses im Hinblick auf die Lebens- und Wirklichkeitsbewältigung durch Humor sollen dabei im Vordergrund stehen. Die Exkurse über unterschiedliche Konzeptionen versuchen in knapper Weise darzustellen, wo die Ursprünge in Hesses Humorkonzept herrühren könnten. Der größte Augenmerk wird allerdings auf die Konflikte und deren Lösungsangebote hinsichtlich des Humors gelegt und eventuelle Entwicklungen innerhalb des Werkes aufgezeigt. So richtet sich auch die Gliederung der einzelnen Kapitel jeweils nach dem Weg in die Krise und dem Ausweg durch den Humor.
Obwohl Hesse zu den meistgelesenen deutschen Autoren gehört, finden seine unbekannteren autobiographischen Werke4 in der Forschung kaum Beachtung. Vor allem die Nürnberger Reise wird gern als Übergangswerk zum Steppenwolf betrachtet und daher nur kurz und oberflächlich abgehandelt. Aus diesem Grunde fällt die Literatur hierfür abgesehen vom Steppenwolf eher dürftig aus. Auch im Hinblick auf die Themenstellung ist die Auswahl der Forschungsliteratur sehr begrenzt. In den meisten Werken finden sich zwar einige Bemerkungen zum Humor, werden jedoch nicht ausführlich behandelt. Eine Ausnahme bildet hier die Dissertation von Günter Baumann5, die sowohl den autobiographischen Erzählungen großen Platz einräumt als auch den Humor ergiebig beleuchtet. So stellt dieses Werk trotz der psychoanalytischen Themenstellung eine wichtige Stütze für diese Arbeit dar. Neben verschiedenen Lexika und kurzen Aufsätzen dienen deshalb eigene Interpretationsansätze dazu, der Themenstellung gerecht zu werden.
II. Humor als Auflehnung - Der Kurgast
Die 1925 veröffentlichte autobiographische Erzählung, ursprünglich „Psychologia Balnearia“6 genannt, stellt ein hintergründiges psychologisches Selbstporträt Hesses dar. Sie schildert auf ironische Weise den Verlauf einer Badereise im Kurort Baden, auf welcher der Dichter nach anfänglicher Abgrenzung zu den anderen „Ischiatikern“ in einen apathischen Verzweiflungszustand gerät, den er durch Humor zu durchbrechen versucht.7
1. Der Weg in die Selbstaufgabe
Wie kommt es zu diesem Verzweiflungszustand? Bereits zu Beginn seines Aufenthaltes versucht der Kurgast Hesse eine „ironische Distanz“8 zwischen sich und seinen angeblich viel kränkeren „Kollegen“9 zu schaffen, um seine Minderwertigkeitsgefühle zu überspielen: „Ich fühlte mich schon beinahe gesund, jedenfalls unendlich weniger krank als alle diese armen Menschen.“10 Nach der ausgiebigen Zimmersuche, erneut der Versuch sich größtmöglichst von der Außenwelt abzuschotten, und des Arztbesuches erläutert er den immer wieder kehrenden Ablauf des Kurtages: das morgendliche Aufstehen mit all seinen „dummen Verrichtungen“11, das ausgiebige Mittagessen, das eigentlich im Gegensatz zur allgemeinen Genesung stehe, und schließlich der leichte Nachmittag, an dem er sich endlich der dekadenten Kurgesellschaft entziehen könne, um für sich zu sein. Und obwohl er sich durchaus von den sinnlosen Konzerten und Spielsalons angezogen fühlt, erkennt er, dass er „trotz allem guten Willen zur Sozialität dennoch außerhalb der bürgerlichen und wirklichen Welt lebe.“12
[...]
1 Herrmann Hesse: Kurgast. Aufzeichnungen von einer Badener Kur, Nachdruck der ersten Aufl., Frankfurt/Main 1977 (suhrkamp taschenbuch 227).
2 Ebd.: Die Nürnberger Reise, Nachdruck der ersten Aufl., Berlin 1975 (suhrkamp taschenbuch 383).
3 Ebd.: Der Steppenwolf, erste Aufl., Frankfurt/Main 1997 (suhrkamp taschenbuch 2786).
4 Gemeint ist hier der Kurgast und die Nürnberger Reise.
5 Baumann, Günter: Hermann Hesses Erzählungen im Lichte der Psychologie C. G. Jungs, Rheinfelden-Freiburg/Breisgau-Berlin 1989.
6 Für Nichtlateiner: Balnearia – Bäder-..., Psychologia wahrscheinlich latinisiert, gemeint ist wohl „Bäderpsychologie“
7 Vgl. Limberg, Michael: Hermann Hesse. Leben, Werk, Wirkung, Frankfurt/Main 2005, S. 42.
8 Baumann, S. 165.
9 Kurgast, S. 11.
10 Ebd., S. 13.
11 Ebd., S. 39.
12 Kurgast, S. 56.
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