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Vom Tiefsten zum Äußersten. Exegese zu Jona 2. close

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Vom Tiefsten zum Äußersten. Exegese zu Jona 2.

Scholary Paper (Seminar), 2006, 39 Pages
Author: Jan Thomas Otte
Subject: Theology - Biblical Theology

Details

Event: Proseminar Altes Testament
Institution/College: University of Heidelberg
Tags: Tiefsten, Exegese, Jona, Proseminar, Altes, Testament
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 39
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V54782
ISBN (E-book): 978-3-638-49902-6
ISBN (Book): 978-3-638-66354-0
File size: 3367 KB
Notes :
Jona ist nicht gerade ein Held. Er läuft davon, macht sich aus dem Staub und möchte nichts mehr von seinem Auftrag, weder von Gott noch der Welt, wissen. Er muss erleben, was es bedeutet, von Gott getrennt zu sein. Er ist ein stolzer und starrsinniger Mensch. Und doch erlebt er auf beeindruckend wundervolle Weise, wie ihn JHWH aus dem Tiefsten, seiner Todesstunde mitten im Herzen der Meere, eingeschlossen von Wasser und Wellen, zum Äußersten, einem neuen Auftrag, befördert...


Abstract

Jona ist nicht gerade ein Held. Er läuft davon, macht sich aus dem Staub und möchte nichts mehr von seinem Auftrag, weder von Gott noch der Welt, wissen. Er muss erleben, was es bedeutet, von Gott getrennt zu sein. Er ist ein stolzer und starrsinniger Mensch. Und doch erlebt er auf beeindruckend wundervolle Weise, wie ihn JHWH aus dem Tiefsten, seiner Todesstunde mitten im Herzen der Meere, eingeschlossen von Wasser und Wellen, zum Äußersten, seinem neuen Auftrag in einem gottesfürchtigerem Leben heraufholt. Sein Gebet aus dem Tiefsten wird erhört und Jona durch das Eingreifen Gottes zum Äußersten befördert. Während das Jonabuch mit seinem Psalm im wissenschaftlichen Konsens als Glanzstück hebräischer Erzählkunst verstanden wird, besteht bei seiner historischen Einordnung immer noch weitgehende Uneinigkeit. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, warum Jona nicht auf den Gedanken kommt, in seiner bedrohlich dunklen Situation Bittgebete und ein Sündenbekenntnis zu sprechen, statt seinem Gott ein beispielhaftes und allgemeines Danklied zu singen. Dabei widmet sich die Arbeit der zentralen Frage, ob der Psalm nachträglich in die Novelle eingefügt wurde oder als deren integraler Urbestand gilt. In einer zusammengefassten Exegese werden dabei die zentralen Interpretationsansätze im wissenschaftlichen Diskurs angesprochen und abgewogen. „Dabei können entstehungsgeschichtliche Modelle nur Hypothesen sein“ 1, welche sich in der exegetischen Bearbeitung bewähren müssen. „Redet nicht so viel über Literarkritik, Textkritik, Archäologie und alle anderen gelehrten Dinge, sondern redet über Religion! Denkt an die Hauptsache!“ 2 Die Methoden der Exegese sind trotz mancher biblizistischer Einschläge einerseits und einer häufig zutiefst wissenschaftlichen Infragestellung der biblischen Schriften nicht verwerflich, sondern möchten in dieser Ausarbeitung ein tieferes Verständnis für den Text selbst entwickeln.


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Theologische Fakultät
Proseminar Altes Testament
Wintersemester 2005/2006

Proseminararbeit:

„Vom Tiefsten zum Äußersten“
Exegese zu Jona 2

von

Jan Thomas Otte

2. Fachsemester
Abgabetermin: 22. April 2006

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung ...  1

2. Übersetzung  ...  2

3. Textkritik  ...  3

4. Sprachliche Analyse ...  4
4.1 Analyse der Ausdrucksformen ...  4
4.2 Gliederung des Textes mit Inhaltsangabe ...  6

5. Literarkritik  ...  8
5.1 Abgrenzung der Texteinheit ...  8
5.2 Kohärenzprüfung  ...  9

6. Formkritik ...  10
6.1 Form literarischer Einheit  ...  10
6.2 Formeln im Text  ...  11
6.3 Gattungsbestimmung ...  11
6.4 Sitz im Leben  ...  12

7. Überlieferungsgeschichte  ...  13
7.1 Möglichkeiten mündlicher Vorstufen  ...  13
7.2 Parallelüberlieferungen im Alten Testament ...  13
7.3 Außeralttestamentliche Parallelüberlieferungen ...  14

8. Motivkritik  ...  15

9. Redaktionsgeschichte  ...  19

10. Historischer Ort ...  21
11. Interpretation  ...  22
11.1 Einzelexegese  ...  22
11.2 Gesamtinterpretation  ...  25

Anhang
I. Analyse der Ausdrucksformen
II. Landkarten von Palästina und Ägypten

 

 

1. Vorbemerkung

Jona ist nicht gerade ein Held. Er läuft davon, macht sich aus dem Staub und möchte nichts mehr von seinem Auftrag, weder von Gott noch der Welt, wissen. Er muss erleben, was es bedeutet, von Gott getrennt zu sein. Er ist ein stolzer und starrsinniger Mensch. Und doch erlebt er auf beeindruckend wundervolle Weise, wie ihn JHWH aus dem Tiefsten, seiner Todesstunde mitten im Herzen der Meere, eingeschlossen von Wasser und Wellen, zum Äußersten, seinem neuen Auftrag in einem gottesfürchtigerem Leben heraufholt. Sein Gebet aus dem Tiefsten wird erhört und Jona durch das Eingreifen Gottes zum Äußersten befördert.

Während das Jonabuch mit seinem Psalm im wissenschaftlichen Konsens als Glanzstück hebräischer Erzählkunst verstanden wird, besteht bei seiner historischen Einordnung immer noch weitgehende Uneinigkeit. Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, warum Jona nicht auf den Gedanken kommt, in seiner bedrohlich dunklen Situation Bittgebete und ein Sündenbekenntnis zu sprechen, statt seinem Gott ein beispielhaftes und allgemeines Danklied zu singen.

Dabei widmet sich die Arbeit der zentralen Frage, ob der Psalm nachträglich in die Novelle eingefügt wurde oder als deren integraler Urbestand gilt. In einer zusammengefassten Exegese werden dabei die zentralen Interpretationsansätze im wissenschaftlichen Diskurs angesprochen und abgewogen. „Dabei können entstehungsgeschichtliche Modelle nur Hypothesen sein“ 1, welche sich in der exegetischen Bearbeitung bewähren müssen.

„Redet nicht so viel über Literarkritik, Textkritik, Archäologie und alle anderen gelehrten Dinge, sondern redet über Religion! Denkt an die Hauptsache!“ 2 Die Methoden der Exegese sind trotz mancher biblizistischer Einschläge einerseits und einer häufig zutiefst wissenschaftlichen Infragestellung der biblischen Schriften nicht verwerflich, sondern möchten in dieser Ausarbeitung ein tieferes Verständnis für den Text selbst entwickeln.

2. Übersetzung

Die folgende Wiedergabe orientiert sich am Masoretischen Text (MT), der in der Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS) 3 herausgegeben ist.

  1. Da beauftragte JHWH einen großen Fisch, um Jona zu verschlucken. Und Jona war im Inneren des Fisches drei Tage und drei Nächte.
  2. Und Jona betete zu JHWH, seinem Gott, vom Inneren des Fisches.
  3. Da sprach er: Ich habe aus meiner Bedrängnis gerufen zu JHWH und er antwortete mir. Vom Leib des Scheols habe ich um Hilfe gerufen und du hast meine Stimme gehört.
  4. Du hast mich in die Tiefe, das Herz der Meere, geworfen und Strömung umgab mich. Deine ganze Brandung und deine Wellen haben mich überströmt.
  5. Da habe ich gesprochen: Ich bin vor deinen Augen vertrieben worden, gewiss werde ich hinzufügen, um wieder hinzublicken zu deinem heiligen Tempel.
  6. Wasser umgaben mich bis zur Seele, die Urtiefe umschloss mich, Seetang schlang sich um meinen Kopf.
  7. Bis zu den untersten Gründen der Berge bin ich herabgesunken, der Erde Riegel waren nach mir auf ewig4, da führtest du mein Leben herauf aus der Grube, JHWH, mein Gott.
  8. Als meine Seele wegen mir verzagte, dachte ich an JHWH. Da kam mein Gebet zu dir, deinem heiligen Tempel.
  9. Die nichtige Götter5 verehren, werden ihre Gnade verlassen.
  10. Aber ich, durch die Stimme des Lobes, ich will dir opfern, was ich gelobt habe, will ich erfüllen. Bei JHWH ist Rettung.
  11. Da sprach JHWH zum Fisch und er spie Jona an das Festland aus.

[....]


1 Siehe Becker, Uwe, Exegese des Alten Testaments, Tübingen 2005, S. 47.

2 Nach Hermann Gunkel anlässlich des Buches „Himmelsbild und Weltanschauung im Wandel der Zeiten“ von Leo Bloch, ChW 14, Leipzig 1990, S. 58ff..

3 Elliger, Karl / Rudolph, Wilhelm u.a. (Hg.), Biblia Hebraica Stuttgartensia, 5., verb. Aufl., Stuttgart 1997.

4 R. Brockhaus Verlag Wuppertal (Hg.), Elberfelder Studienbibel, Wuppertal 2005.
Die Elberfelder Übersetzung fügt hier „geschlossen“ an, ist jedoch nicht im MT belegt.


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