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Zu: George Lakoff / Mark Johnson (1980): Metaphors we live by

Presentation (Elaboration), 1995, 16 Pages
Author: Bernhard Tempel
Subject: Speech Science / Linguistics

Details

Event: Hauptseminar: Sprache und Raum
Institution/College: Free University of Berlin (FB Germanistik)
Tags: George, Lakoff, Mark, Johnson, Metaphors, Hauptseminar, Sprache, Raum
Category: Presentation (Elaboration)
Year: 1995
Pages: 16
Grade: nicht benotet
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V55032
ISBN (E-book): 978-3-638-50087-6

File size: 243 KB


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin, Fachbereich Germanistik
Hauptseminar “Sprache und Raum”
Sommersemester 1995

Zu: George Lakoff / Mark Johnson (1980):
Metaphors we live by

von: Bernhard Tempel

 


Inhalt

Vorbemerkung zur Organisation des Referates  2

Metapher und Metonymie als Figuren der Rhetorik  2

Hauptthese des Buches und Verfahren der Autoren  3

Arten von Metaphern (metaphorischen Konzepten); Begründung von Metaphern  4

Systemhaftigkeit von Metaphern - am Beispiel verschiedener ARGUMENT-Metaphern 7

Folgerungen und erkenntnistheoretische Konsequenzen  10

(I) Konsequenzen für semantische Theorien, anhand zweier Beispiele  10
(2) Erkenntnistheoretische Konsequenzen  11

Literaturhinweise  14



 

 

Vorbemerkung zur Organisation des Referates

Vorgesehen sind fünf Abschnitte:

1. Klärung der traditionellen Bedeutung der Begriffe Metapher und Metonymie;
2. Zur Hauptthese des Buches von Lakoff und Johnson (These und Verfahrensweise der Autoren);
3. Arten von Metaphern (metaphorischen Konzepten) mit Beispielen; kulturelle und anthropologische Begründung solcher Metaphern - hier wird der Zusammenhang zum Seminarthema am deutlichsten;
4. Die Systemhaftigkeit von Metaphern - dargestellt am Hauptbeispiel der Autoren, dem Konzept ARGUMENT;
5. Folgerungen und erkenntnistheoretische Konsequenzen der vorgestellten These.

Der letzte Punkt kündigt bereits an, daß wir es bei dem Buch von Lakoff und Johnson nicht mit einer enggeführten sprachwissenschaftlichen Arbeit zu tun haben, sondern mit einer Verbindung von sprachwissenschaftlicher und sprachphilosophischer (auch psychologisch/anthropologischer) Argumentation, mit dem Ziel einer neuen Bestimmung von Bedeutung und Wahrheit.

Metapher und Metonymie als Figuren der Rhetorik Aristoteles hat die Metapher einen abgekürzten Vergleich genannt. Sein Beispiel: Man sagt etwa von Achilleus, er sei "ein Löwe in der Schlacht" und meint dabei, er habe ähnlichen Mut, ähnliche Kraft wie ein Löwe. (Schlüter, Grundkurs der Rhetorik, S. 31f) Metaphern entstehen durch die "Übertragung": ein Wort wird statt zur Bezeichnung des ihm eigentlich korrespondierenden Begriffs zur Bezeichnung eines anderen, verwandten Begriffs benützt. (Schlüter, Grundkurs der Rhetorik, S. 31) Man beachte, daß die Charakterisierung sich nur auf Worte bezieht, Metapher also als ein rein sprachliches Phänomen betrachtet wird. Es lassen sich verschiedene Arten von Metaphern unterscheiden, in der antiken Rhetorik etwa die Übertragung von der Art zur Gattung, von der Gattung zur Art, von der Art zur Art. Die Personifikation ist ein Spezialfall der letzeren Übertragung.

Beruht die Metapher auf einem Vergleich, einer Übertragung, die durchaus willkürlich sein kann, setzt die Metonymie eine reale, nicht allein eine begriffliche Beziehung voraus. Zu den Metonymien gehört die Figur des "pars pro toto" (Teil fürs Ganze), z. B. "Meine Stimme wird ohne Mühe die Verleumdung zurückweisen" (Danton). (Schlüter, Grundkurs der Rhetorik, S. 33f) Weitere Beispiele: Der Verantwortliche für das Verantwortete; die Institution für die verantwortlichen Leute; der Ort für die Institution; der Ort für das Ereignis (Beispiel: Hoyerswerda).

Metapher und Metonymie sind unterschiedliche Arten von Prozessen, siehe die Tabelle.1 [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]

Hauptthese des Buches und Verfahren der Autoren

Übersetzt man den Titel des Buchs (Metaphors we live by) ins Deutsche, so wird erst richtig deutlich, welch hoher Anspruch sich hier verbirgt.2 Das englische by hat instrumentelle Bedeutung, so daß man übersetzen müßte "Metaphern, mittels derer wir leben". Tatsächlich setzen sich Lakoff (Linguist) und Johnson (Philosoph) deutlich von traditionellen Ansichten über das Wesen der Metapher ab. Ihre These:

Metapher ist kein Mittel außergewöhnlicher (poetischer) Sprache, es ist nicht einmal ein rein sprachliches Mittel, sondern unser Denken und Handeln, unser gesamtes konzeptuelles System ist von Natur aus grundsätzlich metaphorisch strukturiert. Der Kern der Metapher besteht darin, ein Konzept3 in Termini eines anderen Konzepts zu verstehen und zu erfahren. [Und nicht, eine Sache in Worten einer anderen zu benennen. - Diese Ausweitung des Metaphernbegriffs erinnert an eine Parallele in der linguistischen Stilistik:

[...]


1 "Metaphor and metonymy are different kinds of processes. Metaphor ist principally a way of conceiving of one thing in terms of another, and its primary function is understanding. Metonymy, on the other hand, has primarily a referential function, that ist, it allows us to use one entity to stand for another. But metonymy is not merely a referential device. It also servers the function of providing understanding. For example, in the case of the metonymy THE PART FOR THE WHOLE there are many parts that can stand for the whole. Which part we pick out determines which aspect of the whole we are focussing on. (Lakoff/Johnson, p. 36).

2 Überhaupt ist die Übersetzung manchmal ein Problem. Manche der Beispiele sind Wendungen, die nicht in der gleichen Form auch im Deutschen existieren - oft aber in ähnlicher. Der Anspruch der These von Lakoff und Johnson ist jedenfalls unabhängig von einer Einzelsprache; jedoch wird darauf hingewiesen, daß verschiedene Kulturen durchaus unterschiedliche Metaphern (metaphorische Konzepte) haben können.

3 Das englische concept kann mit Begriff und Vorstellung übersetzt werden. Letzteres ist nicht ganz treffend, und spricht man von Begriff, so besteht die Gefahr der Einschränkung auf die Sprache. Daher wird hier meistens Konzept beibehalten, was dem Begriff als einem "durch Abstraktion gewonnenen gedanklichen Konzept" entspricht, "durch das Gegenstände oder Sachverhalte aufgrund bestimmter Eigenschaften und/oder Beziehungen klassifiziert werden" (Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart 1990, Stichwort Begriff).


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