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Die Heeresreform Friedrich Wilhelms I - von der Werbung zur Enrollierung

Autor: Maike Berhorst
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 26
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 207 KB
Archivnummer: V55121
ISBN (E-Book): 978-3-638-50160-6

Textauszug (computergeneriert)

Die Heeresreform Friedrich Wilhelms I –
von der Werbung zur Enrollierung

von: Maike Berhorst

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Errichtung einer „formidablen“ Armee

1.1. Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I.
1.2. Gewalt und Desertion

1.2.1. Vergrößerung der Armee mit allen Mitteln
1.2.2. Verbot der gewaltsamen Werbung?

1.3. „Lange Kerls“
1.4. Der Märkische Aufstand 1720

2. Das Kantonsystem

2.1. Enrollierung der Untertanen
2.2. Das „Cantonreglement“ von 1733
2.3. Vor- und Nachteile des Kantonsystems

III. Schlussbemerkung

IV. Quellen– und Literaturverzeichnis


 

 

I. Einleitung

„Soldatenkönig“ und „Lange Kerls“ – das sind wohl die Schlagworte, die den meisten zu Friedrich Wilhelm I. zuerst einfallen werden. Doch was steckt hinter seinen raschen Truppenvergrößerungen und seiner Vorliebe für große Soldaten? Welche Ziele verfolgte er, welchen Nutzen hatte er vor Augen? Und was für Konsequenzen hatte dies für Staat und Untertanen?

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand der Quellen herauszuarbeiten, welche Veränderungen die Heeresreform Friedrich Wilhelms I. auf den Staat sowie die Bevölkerung hatte. Es soll zunächst gezeigt werden, wie sich der Regierungsantritt des zweiten preußischen Königs und damit die Politik der rasanten Heeresvermehrung auf dessen Untertanen auswirkten und welche Probleme diese mit sich brachte. Hierbei sollen sowohl Proteste der bäuerlichen Bevölkerung als auch erste Versuche der Problemregulierung von Seiten des Königs betrachtet werden. Im letzten Kapitel soll herausgearbeitet werden, wie es Friedrich Wilhelm mit der Einführung der Kantonverfassung gelang, das Heeresersatzgeschäft in ein geregeltes System zu bringen und damit einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen des Heeres, der Wirtschaft sowie des bäuerlichen Lebens zu schaffen. Die Quellenlage zu Friedrich Wilhelm allgemein und zu seiner Heeresreform im Speziellen kann insgesamt als gut eingeschätzt werden. Für die vorliegende Arbeit sind vor allem die königlichen Edikte und Reglements aus den ersten Jahren seiner Regierungszeit wichtig, die sich mit Werbung und Desertion beschäftigen. Unverzichtbar hierfür ist Christian Otto Mylius’ Quellensammlung aus den Jahren 1737-17501, in der sich fast alle wichtigen Verordnungen Friedrich Wilhelms I. finden lassen. Um die Auswirkungen dieser Verordnungen auf die Bevölkerung zu untersuchen, ist eine Quellenedition von Jürgen Kloosterhuis zur „Sozialisation des Militärsystems“ hilfreich2. Eine weitere wichtige Quelle, die hier bearbeitet werden soll, ist das so genannte „Kantonreglement“ von 1733, welches, wie noch zu sehen ist, einen Umbruch in der brandenburgisch-preußischen Geschichte darstellen sollte.

In der neueren Forschungsliteratur werden vor allem die Leistungen Friedrich Wilhelms für den inneren Staatsaufbau gewürdigt. Sie versucht aufzuzeigen und zu würdigen, dass er durch seine Reformen viele Vorraussetzungen für die spätere Macht Preußens schuf und nicht nur als König mit „Soldatenvernarrtheit“ gesehen werden darf. Die vorliegende Arbeit stützt sich zum Großteil auf neuere Literatur, zieht aber auch ältere Werke hinzu. Der Bereich der inneren Reformen Friedrich Wilhelms wie beispielsweise der Errichtung des Generaldirektoriums und den Neuerungen in der Finanzpolitik soll hier außen vor bleiben, auch wenn diese zusammen mit der Heeresreform eine politische Einheit bilden.

1. Errichtung einer „formidablen“ Armee

1.1. Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I.

Schon zur Kronprinzenzeit Friedrich Wilhelms I. zeigte sich, dass er sein Interesse ganz militärischen Belangen zuwandte und sich von der höfisch- zeremoniellen Kultur des Vaters distanzierte. Schloss Wustehausen, welches er von Friedrich I. als Zehnjähriger geschenkt bekommen hat, wurde schnell zu einer Art Übungsstätte, an der Friedrich Wilhelm das im Kleinen erproben konnten, was er als zukünftiger König im Großen umzusetzen gedachte. So fing er an, Söhne seiner Wusterhausener Untertanen zu bewaffnen und mit ihnen zu exerzieren. Hierbei machte er die Erfahrung, dass er umso mehr Soldaten unterhalten konnte, je besser er Wusterhausen verwaltete3. Es sollte sich zeigen, dass diese Erkenntnis grundlegend für seine Regierungszeit sowie seine großen Reformen war. Nach dem Tod seines Vaters, am 26. Februar 1713, übernahm Friedrich Wilhelm die Regierungsgeschäfte. Dieser Tag sollte in fast allen Bereichen des Staates als eine tief greifende Zäsur empfunden werden. Schnell wurde deutlich, dass er mit seiner Politik nicht an die des Vaters anknüpfen sollte, sondern sich die Politik seines Großvaters, des Großen Kurfürsten, zum Vorbild nahm. Zu den ersten Handlungen des neuen Königs gehörte die Umschichtung der Staatsfinanzen. Das höfisch-repräsentative Leben wurde drastisch eingeschränkt. So wurde beispielsweise das nicht unbedingt benötigte Personal am Hofe, was für Friedrich Wilhelm für den Großteil der Angestellten zutraf, entlassen sowie die Ausgaben für Kunst und Kultur auf ein Minimum beschränkt4. Die Veränderungen am Hofe gingen einher mit der radikalen Verschiebung der bisherigen Rangordnung im Staate, hin zu einer privilegierten Stellung des Militärs. So löste der Oberfeldmarschall den Oberkammerherrn in seiner Stellung ab und wurde der Rangfolge nach zum wichtigsten Mann im Staat hinter dem König5. Allein aus dieser Tatsache wird sichtbar, welchen Kurs der König gleich nach seinem Regierungsantritt einschlug und welche Veränderungen noch auf Brandenburg-Preußen zukommen sollten.

Eines der wichtigsten Ziele Friedrich Wilhelms’ war die schnelle Einleitung von Reformen im Heereswesen. Der Zustand der Armee, wie sie Friedrich I. hinterlassen hatte, war für den neuen Regenten nicht mehr tragbar. Er wollte eine schlagkräftige, stets kampfbereite Truppe im Land haben, die den Vergleich mit anderen europäischen Heeren nicht scheuen musste und für deren Unterhalt es nicht mehr nötig war, sie als Söldnertruppe auf fremde Kampfplätze zu schicken, wie es im Spanischen Erbfolgekrieg der Fall gewesen ist. Friedrich Wilhelm führte 1711 während des Nordischen Krieges kurze Zeit die Regierungsgeschäfte seines Vaters und erlebte den Zug der russischen und polnischen Armee durch Hinterpommern. Dem sah er sich machtlos gegenüber, da dort keinerlei Truppensicherung vorhanden war und er nicht militärisch agieren konnte. Dieses Erlebnis bestärkte ihn in seinem Willen, eine schlagkräftige Armee im Land zu halten, die jederzeit kampfbereit sein konnte6. Unter anderem durch die Einsparungen am Hof sowie die Reorganisationen auf der Verwaltungsebene sollte sowohl die Vergrößerung als auch der Unterhalt eines solchen Heeres finanziert werden, ohne auf ausländische Subsidien angewiesen sein zu müssen.

[...]


1 Mylius, Christian Otto (Hg.), Corpus Constitutionem Marchicarum, Oder königl. Preußis. und Churfürstl. Brandenburgische in der Chur- und Marck Brandenburg, auch incorporirten Landen publicirte und ergangene Ordnungen, Edicta, Mandata und Rescripta <1415-1736>, 6 Bde., Berlin, Halle/Saale 1737-1750.

2 Bauern, Bürger und Soldaten. Quellen zur Sozialisation des Militärsystems im preußischen Westfalen, 1713- 1803, bearbeitet von Jürgen Kloosterhuis, 2 Bde. Münster 1992.

3 Vgl., Helmut Neuhaus, Friedrich Wilhelm I. Brandenburg-Preußens „größter innerer König“, in: B. Heidenreich/F. L. Kroll, Macht- oder Kulturstaat? Preußen ohne Legende, Berlin 2002, S. 26.

4 Ebd., S. 28. Friedrich Wilhelm I. schaffte es, durch diese Streichungen bei der Hofhaltung und den Angestellten bis Mitte März bereits über 1,3 Millionen Taler einzusparen.

5 Vgl. Peter Baumgart, Friedrich Wilhelm I. (1713 - 1740), in: Kroll, Frank-Lothar (Hg.), Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München 2000, S.134-159, hier: S.135. Friedrich Wilhelm I. korrigierte die Entscheidungen seines Vaters, der höfischen Würdenträgern die höchsten Ränge zusprach, indem er die Rangordnung wieder in den Zustand versetzte, wie sie unter seinem Großvater Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, etabliert war. Vgl. auch Hahn, Peter-Michael, Aristokratisierung und Professionalisierung. Der Aufstieg der Obristen zu einer militärischen und höfischen Elite in Brandenburg-Preußen von 1650 bis 1725, in: Forschungen zur Brandenburgisch - Preußischen Geschichte, N.F.1, 1991, S. 161-208.

6 Vgl. Oestreich, Gerhard, Friedrich Wilhelm I., Preußischer Absolutismus, Merkantilismus, Militarismus, Göttingen u.a., 1977, S.41.

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