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Einschulungsdiagnostik und Schuleingangsphase

Examination Thesis, 2004, 139 Pages
Author: Uta Brengelmann
Subject: Pedagogy - School Pedagogics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2004
Pages: 139
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 144  Entries
Language: German
Archive No.: V55473
ISBN (E-book): 978-3-638-50410-2
ISBN (Book): 978-3-638-68834-5
File size: 691 KB

Abstract

Mit der Einschulung und den ersten Schuleindrücken, Schulerfolgen oder Misserfolgen beginnt für alle Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Es werden die Weichen für das weitere Bildungs- und Berufsschicksal des Kindes gestellt. Nun gehört man endlich zu den "Großen" und kann Lesen, Schreiben und Rechnen lernen! In der Schuleingangsphase können jedoch folgenreiche Fehler gemacht werden, die Fehlentwicklungen bei Kindern verursachen können. Um den Schülern einen erfolgreichen Beginn in der Grundschule zu ermöglichen, sind nicht nur die Zeit in der Schulanfangsphase, sondern auch die Zeit vor Beginn der Schule von Bedeutung. Im Bereich des Schulanfangs ist die Gefahr des Schulversagens größer als in allen anderen Situationen der Schullaufbahn. Es wird seit Jahrzehnten versucht die Probleme der Einschulungsfrage zu lösen. Seitdem es Schulen gibt, sind der Schulanfang und damit auch die Schuleintrittsfrage in der Diskussion. Die Grundschule in Deutschland ist über 75 Jahre alt. Man muss sich die Frage stellen, ob sie heute noch den Anforderungen unserer Gesellschaft genügt. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine große Anzahl von neueren Ergebnissen in der Entwicklungspsychologie vorgelegt. Diese modifizieren oder stellen gültige Annahmen und Vorgehensweisen in Frage. Da sich die pädagogischen Rahmenbedingungen dauernd verändern, müssen auch die Schuleingangsdiagnostik und die Schuleingangsphase ständig aktualisiert werden. Die Grundschule muss von Anfang an die aktuelle Lebenssituation des Kindes berücksichtigen. Durch die Veränderte Kindheit wird auch eine Reform des Schulbeginns erforderlich. Pädagogen und Politiker haben z.B. nach PISA oder IGLO erkannt, dass das Grundschulsystem zu verändern ist. Besonders Kindergarten und Grundschule werden kritisch unter die Lupe genommen und als Sündenböcke dargestellt. Diese Institutionen wurden zuvor über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt. In Deutschland versucht man heute Deutschland den Kindern einen problemlosen Schulanfang durch eine Kooperation von Kindergarten und Grundschule und durch die Einrichtung der neuen Schuleingangsstufe zu ermöglichen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Duisburg-Essen, Standort Essen
Erziehungswissenschaften
Schriftliche Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt für die Primarstufe in NRW

Einschulungsdiagnostik und Schuleingangsphase

eingereicht von:
Uta Brengelmann

Mai 2004

 

1 Inhaltsverzeichnis

Einschulungsdiagnostik ... 1
Schuleingangsphase ... 1

1 Inhaltsverzeichnis ... 2

2 Einleitung  ... 4

3 Quellenlage  ... 8

4 Entwicklungspsychologische Grundlagen des Themas ... 12
4.1 Entwicklungstheorien  ... 12
4.1.1 Traditionelle Entwicklungstheorien ... 12
4.1.2 Psychologische und strukturgenetische Entwicklungstheorien ... 14
4.1.3 Kontextualistische Entwicklungskonzepte ... 17
4.2 Entwicklung des Kindes im Vorschulalter  ... 21
4.2.1 Körperliche Entwicklung ... 22
4.2.2 Kognitive Entwicklung  ... 24
4.2.3 Sozial-emotionale Entwicklung  ... 33
4.3 Zusammenfassung  ... 39

5 Schuleintrittsdiagnostik im Wandel ... 41
5.1 Pädagogische Diagnostik und Testgütekriterien ... 41
5.2 Entwicklung der Schuleingangsdiagnostik  ... 45
5.2.1 Erste Ansätze der Schuleintrittsfrage ... 45
5.2.2 Schulreifetheorien  ... 47
5.2.3 Überblick der Schuleingangstests im Rückblick ... 52
5.2.4 Ziele und Kritik der traditionellen Tests  ... 58
5.3 Veränderung der Schuleintrittsdiagnostik  ... 63
5.3.1 Schulfähigkeitstheorien  ... 63
5.3.2 Überblick der neueren Schuleingangstests und Verfahren ... 69
5.3.3 Ziele und Kritik der neueren Tests und Verfahren ... 75
5.4 Zusammenfassung  ... 79

6 Pädagogische und organisatorische Konsequenzen in der Schuleingangsphase  ... 82
6.1 Vorschulische Erziehung  ... 82
6.2 Übergang vom Kindergarten zur Grundschule ... 87
6.3 Erster Schultag und die ersten Wochen in der Grundschule  ... 97
6.4 Neue Schuleingangsstufe  ... 99
6.4.1 Bildungspolitische Entwicklung  ... 99
6.4.2 Organisation der neuen Schuleingangsstufe  ... 102
6.4.3 Einführung der neuen Schuleingangsstufe in NRW  ... 109
6.4.4 Begründung der neuen Schuleingangsstufe  ... 111
6.4.5 Beurteilung der neuen Schuleingangsstufe ... 113
6.5 Zusammenfassung  ... 115

7 Fazit  ... 117

8 Literaturverzeichnis  ... 120

 


2 Einleitung
Beschreibung und aktuelle Bedeutung des Themas


„In der Praxis der Volksschule gibt es bis heute keine wissenschaftlichen Untersuchungen über die tatsächliche Schulreife des Kindes.“ 1

Mit der Einschulung und den ersten Schuleindrücken, Schulerfolgen oder Misserfolgen beginnt für alle Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Es werden die Weichen für das weitere Bildungs- und Berufsschicksal des Kindes gestellt. Nun gehört man endlich zu den "Großen" und kann Lesen, Schreiben und Rechnen lernen!

Der Schuleintritt ist von so zentraler Bedeutung, dass sogar manche Erwachsene sich ihrer Einschulungsfeier oder ihrer ersten Schulwochen entsinnen können. In der Schuleingangsphase können jedoch folgenreiche Fehler gemacht werden, die Fehlentwicklungen bei Kindern verursachen können. Um den Schülern einen erfolgreichen Beginn in der Grundschule zu ermöglichen, sind nicht nur die Zeit in der Schulanfangsphase, sondern auch die Zeit vor Beginn der Schule von Bedeutung. Im Bereich des Schulanfangs ist die Gefahr des Schulversagens größer als in allen anderen Situationen der Schullaufbahn. Es wird seit Jahrzehnten versucht die Probleme der Einschulungsfrage zu lösen.Seitdem es Schulen gibt, sind der Schulanfang und damit auch die Schuleintrittsfrage in der Diskussion.

Die Grundschule in Deutschland ist über 75 Jahre alt. Man muss sich die Frage stellen, ob sie heute noch den Anforderungen unserer Gesellschaft genügt. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine große Anzahl von neueren Ergebnissen in der Entwicklungspsychologie vorgelegt. Diese modifizieren oder stellen gültige Annahmen und Vorgehensweisen in Frage. Da sich die pädagogischen Rahmenbedingungen dauernd verändern, müssen auch die Schuleingangsdiagnostik und die Schuleingangsphase ständig aktualisiert werden.

Die Grundschule muss von Anfang an die aktuelle Lebenssituation des Kindes berücksichtigen. Man sollte dabei bedenken, dass heute die Kindheit nicht mehr so verläuft wie noch vor einigen Jahren. Heute werden viele Kinder als Einzelkinder groß und/ oder in einer Familie, in der beide Elternteile berufstätig sind. Ferner trennen sich häufig die Eltern der Kinder. Dies bewirkt, dass sich die Heranwachsenden an neue Bezugspersonen gewöhnen müssen. Auch die Freizeitgestaltung hat sich geändert. Viele junge Leute ziehen es vor sich z.B. mit dem Computer zu beschäftigen oder fernzusehen. Das Spielen mit anderen Kindern entfällt. Heute haben die Medien einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die jungen Menschen. Nur eine Erziehung durch gut informierte Eltern und die Schule kann Fehlorientierungen der Schüler verhindern. Ein Fernsehnachmittag kann die Leitung und die Lenkung, die persönliche Ansprache der Eltern sowie der Schule nicht ersetzen. Die Wirkung von moderner Unterhaltungselektronik führt zu einer Desorientierung junger Menschen. Durch die Veränderte Kindheit wird auch eine Reform des Schulbeginns erforderlich.

Pädagogen und Politiker haben z.B. nach PISA oder IGLO erkannt, dass das Grundschulsystem zu verändern ist. Besonders Kindergarten und Grundschule werden kritisch unter die Lupe genommen und als Sündenböcke dargestellt. Diese Institutionen wurden zuvor über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt.

Durch internationale und nationale Vergleiche hat man erkannt, dass die schulischen Leistungen besser sind, wenn die Kinder vor der Schule einen Kindergarten besucht haben. Durch die PISA - Studie stellte man auch fest, dass die Schüler ansprechendere Leistungen erzielen, wenn der Kindergarten kostenlos oder/ und die Ausbildung des Erziehers akademisch ist. In Deutschland werden in einen durchschnittlichen Schüler der gymnasialen Oberstufe dreimal soviel Steuergelder investiert wie in den Grundschüler. In anderen Ländern liegen die Ausgaben viel näher beieinander. Hier wird ein Grundschulplatz besser gefördert. Heute versucht man in Deutschland den Kindern einen problemlosen Schulanfang durch eine Kooperation von Kindergarten und Grundschule und durch die Einrichtung der neuen Schuleingangsstufe zu ermöglichen.

Zentrale Fragestellung und Aufbau der Arbeit

Als Lehramtsstudentin stellen sich mir bei dem Gedanken an die Schuleingangsdiagnostik und den Beginn des Schullebens folgende Fragen: - Wie alt sollen Grundschulkinder sein? Kann jedes Kind in einem bestimmten Alter oder Entwicklungsstand erfolgreich in der Schule mitarbeiten? Welchen Einfluss haben Anlage und Umwelt auf die Entwicklung des Kindes bzw. des Menschen? - Benötigt man die Schuleintrittsdiagnostik oder kann jedes Kind eingeschult werden, ohne dass ein Schuleingangstest durchgeführt wird? - Wie kann man den Heranwachsenden so vorbereiten, dass er den Schulbeginn mit Vorfreude erwartet und nicht dem neuen Lebensabschnitt mit Ängsten und Sorgen entgegensieht? - Was muss die Lehrerin bei der Planung und Gestaltung der ersten Schulwochen beachten, damit sich die Kinder in dem neuen Setting Schule heimisch fühlen? Ist die neue Schuleingangsstufe erfolgsversprechend?

In der Arbeit wird versucht, anhand von unterschiedlicher Literatur Antworten auf diese Fragen zu finden. Im dritten Kapitel werden die zentralen Quellen der Arbeit vorgestellt. Mit Kapitel vier beginnt der eigentliche Textteil. Hier werden die entwicklungspsychologischen Grundlagen des Themas besprochen. Es besteht aus zwei Abschnitten. Im ersten Teil werden unterschiedliche Entwicklungstheorien vorgestellt. Diese lassen sich teilweise viele, viele Jahre zurückverfolgen und sind reich an Facetten. Es werden nur einige Theorien berücksichtigt. Die Annahmen, die die Entwicklungspsychologie maßgeblich beeinflusst haben oder die, die es heute noch tun, werden erläutert. Die ausgewählten Denkansätze sind sich teilweise ähnlich, absolut gegensätzlich oder bauen aufeinander auf. Außerdem wird auf die Frage des Einflusses von Anlage und Umwelt auf die Veränderung des Menschen eingegangen. Im zweiten Teil des vierten Kapitels wird dann die kindliche Entwicklung vom etwa dritten bis zum siebten Lebensjahr in einer Längsschnittuntersuchung dargestellt.

Hier werden die Aspekte der körperlichen, der kognitiven und der sozialemotionalen Entwicklung getrennt angesprochen. Das Kapitel vier ist somit die Grundlage für das Folgende. Im Fünften geht es um den Wandel der Schuleintrittsdiagnostik. Verschiedene Konzepte zur Lösung des Einschulungsproblems werden dargestellt. Es soll deutlich werden, dass die Entwicklungstheorien die Einschulungsdiagnostik oder die Einschulungsfrage beeinflusst haben. In diesem Kapitel wird behandelt, wie sich vor dem Hintergrund der wechselnden Annahmen in der Entwicklungspsychologie das Verständnis von Schulfähigkeit gewandelt hat.

Dieses fünfte Kapitel besteht ebenfalls aus zwei Teilen. Im ersten Abschnitt werden die traditionelle Schuleintrittsdiagnostik sowie die Schulreifetheorien vorgestellt und kritisiert. Anschließend erfolgt eine Untersuchung bzw. eine Beurteilung der veränderten Schuleintrittsdiagnostik sowie der Schulfähigkeitstheorien. Es wird deutlich, dass sich verschiedene bildungspolitische Reformansätze im Laufe der Zeit durchsetzen konnten und es wird bewiesen, dass bei weitem nicht alle Ansätze umgesetzt worden sind.

Abschließend geht es im sechsten Kapitel um die organisatorischen und pädagogischen Konsequenzen der Schuleingangsphase. Die Ergebnisse stehen im einem engen Zusammenhang mit den vorher angestellten Betrachtungen. Dieses Kapitel besteht aus vier Abschnitten. Im ersten Teil wird der Begriff Vorschulerziehung erklärt. Dann geht es um die pädagogische Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule. Die Kooperation und die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit beider Institutionen werden erläutert. Die Bedeutung des ersten Schultages und die der ersten Schulwochen nehmen einen Teil des sechsten Kapitels ein. Im letzten Abschnitt wird die neue Schuleingangsstufe ausführlich vorgestellt. Hier wird zuerst die bildungspolitische Entwicklung aufgezeigt, dann die Organisation und zum Schluss die neue Schuleingangsstufe erklärt sowie beurteilt.

Das Thema Schuleingangsdiagnostik und Schuleingansphase ist umfangreicher als der Titel zunächst vermuten lässt. Das Inhaltsverzeichnis der Arbeit deutet an, wie weitgespannt und vielseitig die Gebiete Schuleingangsdiagnostik und Schuleingangsphase sind. Viele der in der Arbeit genannten Autoren haben sehr umfangreiche Werke veröffentlicht. Detailliertheit der Forschung kann in einer zusammenfassenden Darstellung nicht zum Ausdruck kommen.

[...]


1 Kern, Arthur: Sitzenbleiberelend und Schulreife. Ein psychologisch-pädagogischer Beitrag zu einer inneren Reform der Grundschule. Freiburg 1958, S. 19


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