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'Food Craving' bei der Binge Eating Disorder: Subjektive und psychophysiologische Reaktionen auf olfaktorische und visuelle Nahrungsmittelstimuli

Master Thesis, 2005, 60 Pages
Author: Andrea Mühleisen
Subject: Psychology - Clinic and Health Psychology, Abnormal Psychology

Details

Category: Master Thesis
Year: 2005
Pages: 60
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 95  Entries
Language: German
Archive No.: V55567
ISBN (E-book): 978-3-638-50478-2

File size: 4607 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Basel
Psychologische Fakultät
Masterarbeit in Klinischer Psychologie

‚Food Craving’ bei der Binge Eating Disorder:
Subjektive und psychophysiologische Reaktionen auf
olfaktorische und visuelle Nahrungsmittelstimuli

eingereicht von:
Andrea Mühleisen

Juni 2005

 

Inhaltsverzeichnis

ZUSAMMENFASSUNG ... 3

1 EINLEITUNG ... 4

2 THEORETISCHER HINTERGRUND ... 6
2.1 Die Binge Eating Disorder (BED): Ein kurzer Überblick ... 6
2.2 ‚Food craving’: Die emotionale Reaktion auf konditionierte Stimuli ... 7
2.2.1 ‚Cue reactivity’-Messung: Die psychophysiologische Messung des ‚Craving’ ... 8
2.2.2 Zucker und Fett: Der sichere Weg zum ‚Food craving’ ... 10
2.2.3 Visuelle und olfaktorische Stimuli als Auslöser des ‚Craving’ ... 11
2.3 BED und Übergewicht ... 13
2.4 Valenz und Arousal: Die grundlegenden Dimensionen der Emotionen ... 14

3 FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN ... 18

4 METHODE ... 19
4.1 Stichprobe ... 19
4.2 Untersuchungsdesign ... 20
4.2.1 Duftprofil ... 20
4.2.2 Bilderprofil ... 20
4.2.3 Die Faktoren Geschmacksrichtung und Fettgehalt ... 21
4.3 Gemessene Variablen ... 22
4.3.1 Psychophysiologische Variablen ... 23
4.3.2 Subjektive Ratingvariablen ... 25
4.4 Materialien ... 26
4.5 Ablauf der Untersuchung ... 27
4.6 Datenreduktion ... 29
4.7 Statistische Analyse ... 30

5 ERGEBNISSE ... 31

6 DISKUSSION ... 36
6.1 Zucker und Fett und deren Einfluss auf das ‚Food craving’ ... 36
6.2 Der Zusammenhang zwischen ‚Food craving’ und Übergewicht ... 38
6.3 Visuelle versus olfaktorische Nahrungsmittelstimuli ... 40
6.4 Grenzen der Studie und Zukunftsperspektiven ... 41

7 LITERATURVERZEICHNIS ... 43

ANHANG A-F

 

Zusammenfassung

Patienten mit einer Binge Eating Disorder (BED) empfinden vor Beginn eines Essanfalls einen unwiderstehlichen Drang zu essen, welcher den nachfolgenden Essanfall mit hoher Wahrscheinlichkeit auslöst. Dieser Drang wird auch ‚Food craving’ genannt. Das ‚Food craving’ und die Essanfälle werden aus lerntheoretischer Sicht durch konditionierte Stimuli, die den Essanfällen vorangehen, kontrolliert und ausgelöst. Der Geruch und der Anblick begehrter Nahrung sind zwei wichtige Vertreter möglicher konditionierter Stimuli. Das ‚Food craving’ bezieht sich meistens auf Nahrungsmittel mit hohem Fett- und Zuckergehalt. In dieser Studie wird der Einfluss visueller und olfaktorischer Nahrungsmittelstimuli verschiedenen Fettgehalts (niedrig-hoch) und verschiedener Geschmacksrichtung (salzig-süss) auf die subjektive Bewertung des ‚Food craving’, der Valenz und des Arousals (körperliche Aktivierung) sowie auf psychophysiologische Masse, die Aussagen über die physiologische Komponente des ‚Food craving’ zulassen (EDA, EMG und Herzrate), untersucht.

Die Resultate zeigen, dass Stimuli süsser Nahrungsmittel stärkeres subjektives ‚Food craving’ bewirken als Stimuli salziger Nahrungsmittel. Entgegen bisheriger Befunde werden Stimuli fettreicher Nahrungsmittel negativer empfunden (subjektiv wie auch psychophysiologisch) und lösen stärkeres subjektiv empfundenes Arousal aus als Stimuli fettarmer Nahrungsmittel. Dies wird dahingehend interpretiert, dass sich BED-Patientinnen begehrte fettreiche Nahrungsmittel aus Angst vor Gewichtszunahme verbieten, was wiederum einen Frustrationszustand auslöst, der sich in negativer Valenz und hohem Arousal bezüglich fettreicher Nahrung äussert. Weiter fanden sich höhere subjektive Bewertungen bezüglich des ‚Food craving’ bei visuellen im Vergleich zu olfaktorischen Stimuli. Dies lässt sich möglicherweise auf Unterschiede in der Assoziationsfähigkeit besagter Stimuli mit dem Geschmack eines Nahrungsmittels im orbitofrontalen Kortex zurückführen.

1 Einleitung

Die Binge Eating Disorder (BED) ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen grosse Mengen an Nahrung in kurzer Zeit verzehren und dabei einen Kontrollverlust über ihr Essverhalten erleben (American Psychiatric Association [APA], 1994). Entgegen der Bulimia Nervosa wird nach den Essanfällen kein Kompensationsverhalten, wie selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Laxantien und Diuretika, exzessiver Sport oder Fasten, praktiziert (APA, 1994). Die BED ist eine klinisch relevante Störung (Wilfley, Wilson & Agras, 2003; Devlin, Goldfein & Dobrow, 2003; Spitzer et al., 1992; Yanovski, Nelson, Dubbert & Spitzer, 1993), die vermehrt mit Übergewicht und anderen psychischen Störungen, wie Depressionen und Angststörungen einhergeht (APA, 1994; Biedert & Keller, 2002).

Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass den Essanfällen das sogenannte ‚Food craving’, ein unwiderstehlicher Drang zu essen, vorangeht (Yanovski, 2003; Jansen 1994, 1998; Wardle, 1990). Das ‚Food craving’ bezieht sich jeweils auf individuell beliebte Nahrungsmittel. Aus lerntheoretischer Sicht wird das ‚Food craving’ durch konditionierte Stimuli ausgelöst. Diese Stimuli, die (fast) immer und ausschliesslich vor Beginn der ‚bingeartigen’ Nahrungsaufnahme auftreten, werden durch einen Konditionierungsprozess mit den Essanfällen gekoppelt. Die emotional und motivational erlebte Folge dieses Konditionierungsprozesses ist das ‚Food craving’, dessen Wahrnehmung die Wahrscheinlichkeit für einen Essanfall erhöht (Jansen, 1998; Overduin, Jansen & Eilkes, 1997).

Konditionierte Stimuli können neben emotionalen Zuständen, Kognitionen und situationalen Gegebenheiten auch Eigenschaften des Nahrungsmittels selbst sein, wie beispielsweise der Geruch oder der Anblick beliebter Nahrung (Abbildung 1). Die Lerntheorie wird durch die Tatsache validiert, dass man das ‚Food craving’, und folglich auch die Essanfälle, durch die Konfrontation der Betroffenen mit den individuellen auslösenden Stimuli therapieren kann (Jansen, Broekmate & Heymans, 1992; Drummond, Tiffany, Glautier & Remington, 1995). Auch kann anhand der Reaktion auf Nahrungsmittelstimuli die Effektivität konfrontativer Behandlungselemente bei der Therapie der BED und das Risiko für Therapierückfälle untersucht werden (Jansen, 1998; Drummond et al., 1995). Im therapeutischen Alltag weiss man jedoch bisher noch kaum, welche und wie viele auslösende Stimuli bei der Therapie der BED berücksichtigt werden müssen, um den grösstmöglichen Therapieeffekt erzielen zu können (Rohsenow, Monti & Abrams, 1995). Um sicher zu gehen, wurden bisher möglichst viele potentielle auslösende Stimuli miteinbezogen (Jansen, 1998). Durch die Untersuchung des ‚Craving’ bei Alkoholabhängigkeit weiss man jedoch, dass ein konditionierter Stimulus umso stärkeres ‚Craving’ auslöst, je beliebter er ist (Rohsenow et al., 1995). Welches sind also bei der BED die konditionierten Nahrungsmittelstimuli, die so beliebt sind, dass sie therapierelevantes ‚Craving’ auslösen?

Die nachfolgende Studie untersucht die Auswirkung visueller und olfaktorischer Nahrungsmittelstimuli verschiedener Geschmacksrichtung und verschiedenen Fettgehalts auf das ‚Food craving’. Die Probanden, alles übergewichtige Frauen mit der Diagnose einer BED, wurden jeweils dazu aufgefordert Düfte und Bilder verschiedener Nahrungsmittel zu bewerten. Auch wurden psychophysiologische Reaktionen auf diese Stimuli gemessen, um die physiologische Komponente des ‚Food craving’ erfassen zu können. Um den Einfluss des Übergewichts nicht ausser Acht zu lassen, wurde der Body Mass Index (BMI = Körpergewicht (kg)/Körpergrösse2 (m2)) als Kovariable miteinbezogen.

Diese Studie soll durch neue Erkenntnisse über die auslösenden Stimuli von Essanfällen zur Weiterentwicklung und Verbesserung konfrontativer Behandlungselemente bei der Therapie der BED beitragen.

2 Theoretischer Hintergrund

Die folgenden Kapitel sollen den bisherigen Forschungsstand zur Störung BED, zur Reaktion der BED-Patienten auf Nahrungsmittelstimuli, zum ‚Food Craving’ im Speziellen und zum Zusammenhang der BED mit dem Übergewicht erläutern.

2.1 Die Binge Eating Disorder (BED): Ein kurzer Überblick

Das Phänomen des ‚Binge Eating’ wurde erstmals vor gut 50 Jahren von Stunkard (1959) anhand übergewichtiger Patienten beschrieben. Die Entdeckung von Essanfällen ohne Kompensationsverhalten, wie selbstinduziertes Erbrechen, exzessives Fasten, exzessiver Sport, oder Missbrauch von Laxantien und Diuretika bei übergewichtigen und normalgewichtigen Personen führte dank dem Einsatz verschiedener klinischer Forschergruppen (Devlin, Walsh, Spitzer & Hasin, 1992; Spitzer et al., 1992) zur Entstehung eines neuen Störungsbildes, der sogenannten Binge Eating Disorder (BED).

[...]


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