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Politisch-ideologische Nutzung von Massenmedien im Dritten Reich

Termpaper, 2006, 36 Pages
Author: Patrick Gutsch
Subject: Communications: Mass Media

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 36
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 32  Entries
Language: German
Archive No.: V56536
ISBN (E-book): 978-3-638-51191-9
ISBN (Book): 978-3-638-66464-6
File size: 387 KB

Abstract

Die Frage, inwieweit Massenmedien im Dritten Reich zur Umsetzung politisch – ideologischer Ziele genutzt wurden, soll in dieser Arbeit beleuchtet werden. Dabei wird dargestellt, welche massenmedialen Faktoren Einfluss auf den Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda hatten, was aus heutiger Sicht teils schwer nachvollziehbar ist. Im Verlauf der Arbeit wird zunächst ein Einblick in die sozialpsychologische Untersuchung „Die Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon gegeben, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst und von Adolf Hitler studiert wurde. Sie bildete den Grundstein aller im nationalsozialistischen Propagandaapparat verwandten Methoden und Leitsätze zur politisch – ideologischen Beeinflussung der Massen, die es schließlich vermochte, ein ganzes Volk in den Weltkrieg zu führen. Anschließend werden die zwei wichtigsten Institutionen der Medienkontrolle aufgezeigt, durch die die von Hitler aufgestellten Leitsätze bis ins kleinste Detail organisiert und deren Umsetzungen in den Medien vorgegeben wurden. Zu ihnen zählen das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Reichskulturkammer. Anschliessend werden die von den Institutionen der Medienkontrolle angeordneten Umsetzungen in den drei wichtigsten Bereichen der Massenmedien beleuchtet. Hierbei wird ein Einblick in die politisch – ideologische Beeinflussung durch die Presse, am exemplarischen Beispiel des „Völkischen Beobachters“, den Rundfunk und den Film anhand der „Deutschen Wochenschau“ gegeben. In der zusammenfassenden Bewertung wird versucht, die anfängliche Fragestellung anhand des „Medienzentrierten Modells“ der Wirkungsforschung zu beantworten. Dabei soll gezeigt werden, mit welcher Akribie die von Hitler gewonnenen Leitsätze zur Beeinflussung der Massen aus der Studie Le Bons in den Institutionen organisiert und in den Massenmedien umgesetzt wurden. Des Weiteren soll in einem kurzen Ausblick dargestellt werden, warum der Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist.


Excerpt (computer-generated)

Politisch-ideologische Nutzung von Massenmedien im Dritten Reich

von: Patrick Gutsch

 


INHALT

1. Einleitung  3

2. Gustave Le Bon und die „Psychologie der Massen“   5

3. Institutionen der nationalsozialistischen Medienpolitik 10

3.1. Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Joseph Goebbels  10
3.2. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda 12
3.3. Die Reichskulturkammer 14

4. Medien im Nationalsozialismus 16

4.1. Der Film am exemplarischen Beispiel der Wochenschau 16
4.2. Der Rundfunk 20
4.3. Die nationalsozialistische Presse am Beispiel des „Völkischen Beobachters“  24

5. Zusammenfassende Bewertung 27

6. Literaturverzeichnis 31

7. Anhang  36


 

 

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit Massenmedien im Dritten Reich zur Umsetzung politisch – ideologischer Ziele genutzt wurden. Sie soll dadurch in angemessenem Maße darlegen, welche massenmedialen Faktoren Einfluss auf den Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda1 hatten, was aus heutiger Sicht teils schwer nachvollziehbar ist. Dabei wird im ersten Abschnitt zunächst ein Einblick in die sozialpsychologische Untersuchung „Die Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon gegeben, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst und von Adolf Hitler studiert wurde. Sie bildete den Grundstein aller im nationalsozialistischen Propagandaapparat verwandten Methoden und Leitsätze zur politisch – ideologischen Beeinflussung der Massen, die es schließlich vermochte, ein ganzes Volk in den Weltkrieg zu führen.

Der zweite Abschnitt der Arbeit stellt die zwei wichtigsten Institutionen der Medienkontrolle dar, durch die die von Hitler aufgestellten Leitsätze bis ins kleinste Detail organisiert und deren Umsetzungen in den Medien vorgegeben wurden. Zu ihnen zählen das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Reichskulturkammer. Im darauf folgenden Teil werden schließlich die von den Institutionen der Medienkontrolle angeordneten Umsetzungen in den drei wichtigsten Bereichen der Massenmedien beleuchtet. Hierbei wird ein Einblick in die politisch – ideologische Beeinflussung durch die Presse, am exemplarischen Beispiel des „Völkischen Beobachters“, den Rundfunk und den Film anhand der „Deutschen Wochenschau“ gegeben.

In der zusammenfassenden Bewertung wird versucht, die anfängliche Fragestellung anhand des „Medienzentrierten Modells“ der Wirkungsforschung zu beantworten. Dabei soll gezeigt werden, mit welcher Akribie die von Hitler gewonnenen Leitsätze zur Beeinflussung der Massen aus der Studie Le Bons in den Institutionen organisiert und in den Massenmedien umgesetzt wurden. Des Weiteren soll in einem kurzen Ausblick dargestellt werden, warum der Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist.

2. Gustave Le Bon und die „Psychologie der Massen“

Das dreiteilige, 1895 unter dem Originaltitel „Psychologie des foules“ erschienene, Werk von Gustave Le Bon, einem französischen Philosophen und Sozialforscher, bildete den Grundstein der propagandistischen Ideen Adolf Hitlers. Le Bon stellt darin die These auf, dass Sozialismus und Massenorganisationen zu immer mächtigeren Institutionen heranwachsen, die selbst die Kirche als geordnete Macht übersteigen (vgl. Donner 1995, S.10). Das von ihm aufgestellte „psychologische Gesetz der seelischen Einheit“ beschreibt das Verschmelzen von Intellektualität und Individualität in der Kollektivseele der Masse (vgl. Brockhaus 2006, „Die Psychologie der Massen“). Le Bon differenziert die Gefühle und die Sittlichkeit der Massen anhand von vier entscheidenden Grundcharakteristika:

§1. Triebhaftigkeit, Beweglichkeit und Erregbarkeit der Massen:

Le Bon stellt die These auf, dass innerhalb einer Masse jeder Einzelne nicht mehr rational, sondern reizgesteuert, beziehungsweise triebhaft, agiere und dieser somit „in demselben Augeblick von der blutigsten Grausamkeit zum unbedingtesten Heldentum“ (Le Bon 1953, S.22) überzugehen vermag. Innerhalb der Masse schwinde in Anbetracht ihres Ziels und ihrer Überzahl der Begriff des Unmöglichen. Dieses Machtbewusstsein übernähme jeder Einzelne, und er „wird der ersten Anregung zu Mord und Plünderung augenblicklich nachgeben. Ein unerwartetes Hindernis wird wütend zertrümmert.“ (Le Bon 1953, S.23).

§ 2. Beeinflussbarkeit und Leichtgläubigkeit der Massen:

„Die erste klar zum Ausdruck gebrachte Beeinflussung teilt sich durch Übertragung augenblicklich allen Gehirnen mit und gibt sogleich die Gefühlsrichtung an“ (Le Bon 1953, S.25) und es heißt weiter, dass die Masse nach ihrer Beeinflussung darauf dränge, diese in die Tat umzusetzen, ohne sich dabei durch Vernunft widersetzen zu können. Sie sei demnach allen Beeinflussungen unterlegen und nicht in der Lage, diese kritisch zu hinterleuchten.

§ 3. Überschwang und Einseitigkeit der Massengefühle:

Le Bon beschreibt weiter, dass die Masse ihre Gefühle als sehr einfach und überschwänglich äußert. „Die Einseitigkeit und Überschwänglichkeit der Gefühle der Massen bewahren sie vor Zweifel und Ungewissheit.“ (Le Bon 1953, S.35). Eine beim Einzelnen vorhandene Abneigung wüchse dadurch in der Masse schnell zum Hass, der im Zusammenwirken mit der Gewissheit der Straflosigkeit schließlich in Gewalt münde. Weiter heißt es, dass die Masse nur durch übermäßige Empfindungen erregt würde, was deren Führer durch den Gebrauch starker Ausdrücke erreichten. „Zu den gewöhnlichen Beweismitteln der Redner in Volksversammlungen gehört Schreien, Beteuern, Wiederholen und niemals darf er den Versuch machen, einen Beweis zu erbringen.“ (Le Bon 1953, S.36).

[...]


1 Bussemer definiert den Begriff Propaganda „als die in der Regel medienvermittelte Formierung handlungsrelevanter Meinungen und Einstellungen politischer oder sozialer Großgruppen durch symbolische Kommunikation und als Herstellung von Öffentlichkeit zugunsten bestimmter Interessen“ (Bussemer 2005, S.29f). Sie sei charakterisiert durch ihr überhöhtes Selbstbild, die Denunzierung von Fremdbildern sowie ihrer immanenten Handlungsaufforderungen und ordne Wahrheit der Effizienz unter. (vgl. Bussemer 2005, S.30)


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