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Suizidalität im Alter

Hausarbeit, 2006, 33 Seiten
Autor: Andrea Schulz
Fach: Psychologie - Sonstiges

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 33
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V57678
ISBN (E-Book): 978-3-638-52056-0
ISBN (Buch): 978-3-640-21150-0
Dateigröße: 273 KB

Zusammenfassung / Abstract

In Verbindung mit dem vermehrten Auftreten des Phänomens der Suizidalität im Alter stellt sich die Frage, ob das Alter schwerer zu ertragen ist, als die Lasten vorhergegangener Lebensabschnitte? Gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen Suizidalität in jüngeren und älteren Lebensphasen? Was führt Menschen im hohen Lebensalter dazu, sich selbst das Leben zu nehmen? Und vor allem, was bewahrt andere davor, scheinbar selbstentschlossen in den Tod zu gehen? Welche Faktoren machen das Leben alter Menschen so mühsam, die Menschen verzweifelt und hoffnungslos – nachdem das Leben bislang gemeistert werden konnte? Will der alte Mensch wirklich aus freiem Willen sterben – gibt es den Bilanzsuizid tatsächlich? Oder gibt es Erklärungen für Suizidalität im Alter, die einen Ansatzpunkt für Prävention und Therapie bieten können? Das lebenslange Spannungsfeld zwischen innerer Wirklichkeit und äußerer Realität zeigt insbesondere im höheren Lebensalter seine Wirkung. Dieser Tatsache muss die Gerontolgie und deren Schwesterprofessionen in Anbetracht der steigenden Lebenserwartung stellen. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit sollte als Einstieg in das Thema Suizidalität (im Alter) eine kurze Begriffsdefinition mit anschließender epidemiologischer Darstellung erfolgen. Im Anschluss werden die Ursachen und Einflüsse die das Risiko der Alterssuizidalität befördern können eingehend betrachtet. Denn nur wenn klar ist, welche Ursachen zu Alterssuizidlität führen können, kann auch ein Ansatzpunkt für Prävention, Krisenhilfe, Diagnostik und Therapie gefunden werden. Der Bereich der Prävention, Krisenhilfe, Diagnostik und Therapie in Verbindung mit der Darstellung der Entwicklungsnotwendigkeiten der Versorgungsstrukturen werden im letzten Teil dieser Arbeit eingehend betrachtet, um so den Bogen zwischen Theorie und Praxis spannen zu können und letztlich auch die Risikosenkung von Suizidalität und Therapierbarkeit zu thematisieren. Auf das vertiefte Eingehen auf spezielle suizidfördernde Krankheitsbilder psychischer und physischer Natur wird in dieser Arbeit verzichtet, um die Suizidalität im Alter im Mittelpunkt der Ausführungen zu belassen. Vertiefte Informationen z.B. zu Depression und Demenz sowie anderer somatischer Erkrankungen und Syndrome, können der einschlägigen Literatur (siehe Literaturverzeichnis) entnommen werden.


Textauszug (computergeneriert)

HOCHSCHULE VECHTA
FACHGRUPPE FÜR INTERDISZIPLINÄRE GERONTOLOGIE
Sommersemester 2006, 2. Semester

Suizidalität im Alter

von: Andrea Schulz

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung 5

2 Suizidalität  6

2.1 Epidemiologie zur Suizidalität in Deutschland  6

2.1.1 Suizidalität im Alter  7
2.1.2 Suizidmethoden 8

2.2 Vorboten und Zeichen einer Suizidgefährdung  9

3 Ursachen von Suizidalität im Alter 10

3.1 Theorien des Alter(n)s  10
3.2 Entstehungsmodell von Suizidalität im Alter 11
3.3 Belastende Lebenssituationen, Krisen und Kränkungen im Alter  12

3.3.1 Psychische Erkrankungen im Alter 13
3.3.2 Physische Erkrankungen und Syndrome mit ihren Auswirkungen auf den Selbstwert und die Selbstständigkeit 16
3.3.3 Soziale Instabilität und Isolation 17
3.3.4 Verlust der Selbstständigkeit und Autonomie  17

4 Die suizidale Krise  18

4.1 Krisenhilfe  19
4.2 Therapeutische Angebote  19

4.2.1 Therapeutische Grundhaltung 21
4.2.2 Psychotherapie, Unterbringung und Betreuung 21
4.2.3 Pharmakotherapie 22

4.3 Zukünftige Versorgungsstrukturen, geriatrische Leitsätze und Forschungsstand  22

5 Suizidprävention 24

6 Resümee 27

7 Literaturverzeichnis 31



 

„Lebenssinn verliert, wer sich selbst aufgibt,
wer nur auf andere wartet,
wer im Fühlen und Denken die Gegenwart verlässt.
Die Frage des Lebenssinns ist also
unabhängig vom Alter.“
(Arbeitsgruppe 2006, S.16).

1 Einführung

In Verbindung mit dem vermehrten Auftreten des Phänomens der Suizidalität im Alter stellt sich die Frage, ob das Alter schwerer zu ertragen ist, als die Lasten vorhergegangener Lebensabschnitte? Gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen Suizidalität in jüngeren und älteren Lebensphasen? Was führt Menschen im hohen Lebensalter dazu, sich selbst das Leben zu nehmen? Und vor allem, was bewahrt andere davor, scheinbar selbstentschlossen in den Tod zu gehen? Welche Faktoren machen das Leben alter Menschen so mühsam, die Menschen verzweifelt und hoffnungslos – nachdem das Leben bislang gemeistert werden konnte? Will der alte Mensch wirklich aus freiem Willen sterben – gibt es den Bilanzsuizid tatsächlich? Oder gibt es Erklärungen für Suizidalität im Alter, die einen Ansatzpunkt für Prävention und Therapie bieten können? Das lebenslange Spannungsfeld zwischen innerer Wirklichkeit und äußerer Realität zeigt insbesondere im höheren Lebensalter seine Wirkung. Dieser Tatsache muss die Gerontolgie und deren Schwesterprofessionen in Anbetracht der steigenden Lebenserwartung stellen. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit sollte als Einstieg in das Thema Suizidalität (im Alter) eine kurze Begriffsdefinition mit anschließender epidemiologischer Darstellung erfolgen. Was macht den Suizid und im Speziellen die Suizidalität im Alter aus. Welche Ursachen und Einflussfaktoren gibt es? Ein Erklärungsmodell für Suizidalität und eine Auswahl der klassischen Theorien des Alter(n)s sollen einen Einblick in diese Fragestellung geben. Im Anschluss werden die Ursachen und Einflüsse die das Risiko der Alterssuizidalität befördern können eingehend betrachtet. Denn nur wenn klar ist, welche Ursachen zu Alterssuizidlität führen können, kann auch ein Ansatzpunkt für Prävention, Krisenhilfe, Diagnostik und Therapie gefunden werden.

Der Bereich der Prävention, Krisenhilfe, Diagnostik und Therapie in Verbindung mit der Darstellung der Entwicklungsnotwendigkeiten der Versorgungsstrukturen werden im letzten Teil dieser Arbeit eingehend betrachtet, um so den Bogen zwischen Theorie und Praxis spannen zu können und letztlich auch die Risikosenkung von Suizidalität und Therapierbarkeit zu thematisieren. Auf das vertiefte Eingehen auf spezielle suizidfördernde Krankheitsbilder psychischer und physischer Natur wird in dieser Arbeit verzichtet, um die Suizidalität im Alter im Mittelpunkt der Ausführungen zu belassen. Vertiefte Informationen z.B. zu Depression und Demenz sowie anderer somatischer Erkrankungen und Syndrome, können der einschlägigen Literatur (siehe Literaturverzeichnis) entnommen werden.

2 Suizidalität

„Der Begriff ‚Suizid‘ geht auf das lateinische ‚sui caedere‘ zurück und heisst soviel wie ‚sich selbst töten‘. Er umschreibt (...) den Akt der Selbsttötung.“ (Hirzel-Wille 2002, S.17). Suizidalität wird in der Literatur als das Ausmaß beschrieben, welches der Betroffene in Bezug auf die Motivation sich selbst zu töten hat. Der Begriff der Suizidalität umfasst allgemein Suizide und Suizidversuche aber auch deren Phantasien, Gedanken und Ankündigungen (vgl. Hirzel-Wille 2002, S.19). Der Suizid wird als ein durchgeführter Akt mit dem Ziel der Beendigung des Lebens mit dem vollen Wissen um die Folgen der Handlungen definiert (vgl. Wächtler 2003, S.449). Der Suizidversuch ist in seinem nicht tödlichen Ausgang vom Suizid abzugrenzen1. Bleibt ein Suizident am Leben, wird von einem Suizidversuch (Parasuizid) gesprochen. Überlebt der Suizident nicht, ist der Suizid die passende Klassifikation (vgl. Erlemeier 2002, S.19).

2.1 Epidemiologie zur Suizidalität in Deutschland

Im Jahr 1999 nahmen sich in der BRD insgesamt 11.157 Menschen, davon 8.080 Männer und 3.077 Frauen das Leben2. Die Suizidziffer3 liegt bei Männern bei 20,6 und Frauen bei 7,3 (vgl. Erlemeier 2002, S.30). Die Altersverteilung der Suizidziffern folgt in Deutschland dem „ungarischen Muster“. Danach nimmt die Suizidgefährdung mit steigendem Alter deutlich zu. Im Jahr 2000 waren 35% der Männer, die sich das Leben nahmen über 60 Jahre. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug jedoch nur 20%. Bei den Frauen waren sogar 50% der Suizidenten über 60 Jahre, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag bei 27% (vgl. Weinacker u.A. 2003, S.1). Auf Grund der hohen Dunkelziffer werden Suizidversuche auf das vier- bis zehnfache höher eingeschätzt, als die Zahl vollendeter Suizide4 (vgl. Heuft 1992, S.120).

Seit den 1970er Jahren nimmt die Suizidziffer aller Altersgruppen ab. Jedoch ist davon auszugehen, dass insbesondere die Suizide alter Menschen oftmals nicht als solche erkannt werden. Dies ist unter anderem darin begründet, dass diese zumeist „weiche“ Suizidmethoden5 anwenden und die Todesursache als „unklar“ zugeordnet wird. Daher kann angenommen werden, dass die Abnahme besonders in dieser Altersgruppe, nicht so eindeutig angenommen werden kann, wie es die statistischen Zahlen zeigen (vgl. Weinacker u.A. 2003, S.1).

2.1.1 Suizidalität im Alter

Das Risiko von Suiziden steigt mit zunehmendem Alter. Die Rate der Suizidversuche nimmt mit zunehmendem Alter allerdings ab, daher wird in Bezug auf Suizidversuche älterer Menschen meist von einem „Suizidversuch im engeren Sinne“ gesprochen (vgl. Wächtler 2003, S.450).

Abbildung 1:Suizidrate in Abhängigkeit vom Lebensalter (Suizide pro 100.000 Einwohner) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

„Suizide im Alter sind wesentlich häufiger als in den jungen Altersgruppen, wenn auch der prozentuale Anteil an den Gesamttodesursachen zurückgeht.“ (Weinacker u.A. 2003, S.4). Im Zusammenhang mit der steigenden Lebenserwartung und der Zunahme des Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung, wird die Absolutzahl an Suiziden jedoch im Alter zunehmen. Die kontinuierliche Zunahme der Suizidraten ist ganz besonders bei alten Männer ausgeprägt. Der Anstieg der Suizidraten bei Frauen fällt moderater aus und fällt ab dem 90. Lebensjahr wieder ab (vgl. Wächtler 2003, S.450). Vor dem Hintergrund der oben dargestellten Entwicklung, sollten Suizidpräventionsmaßnahme für diese Altersgruppe zunehmend gefördert werden (vgl. Weinacker u.A. 2003, S.4). Bei suizidalen älteren Menschen wird der Selbstmord in Folge eines häufig negativen Altersbildes eher gebilligt als bei jüngeren Menschen. Dies liegt darin begründet, dass durch die negativen Altersstereotype, das Alter und Altern als persönliche und gesellschaftliche Last wahrgenommen wird. Damit einhergehend wird der Suizid am Schluss eines gelebten Lebens als plausibler und akzeptabler wahrgenommen als bei jungen Menschen, deren Leben noch vor ihnen liegt. Diese Wahrnehmung befördert den Gedanken und die Akzeptanz so genannter Bilanzsuizide (vgl. Arbeitsgruppe 2006, S.3f.).

2.1.2 Suizidmethoden

[...]


1 Der Suizidversuch fasst also verschiedene Schweregrade der Ernsthaftigkeit der Selbsttötung zusammen. Neben misslungen Suiziden kann ein Suizidversuch auch ohne das Ziel der Selbsttötung angelegt sein (vgl. Hirzel-Wille 2002, S.19). Erlemeier (2002, S.20) beschreibt die Motive von Suizidversuchen nach Bronisch als: „Die parasuizidale Pause mit dem Motiv der Zäsur, die parasuizidale Geste mit dem Motiv des Appells, die parasuizidale Handlung mit dem Motiv der Autoaggression.“.

2 In Europa liegt der Suizid unter den zehn häufigsten Todesursachen, wobei das Verhältnis von Männern zu Frauen bei 2:1 liegt (vgl. Nigg, Steidl 2005, S.121.)

3 Suizide je 100.000 Einwohner.

4 Schmidtke u.A. (1988, S.25) spricht in Bezug auf die Dunkelzifferproblematik bei Suizidversuchen von einer allgemeinen Unterschätzung der tatsächlichen Fallzahlen.

5 Dazu gehören z.B. Vergiftungen, Über- oder Unterdosierung verschriebener Medikamente (vgl. Weinacker 2003, Kap. Suizidhäufigkeit, Suizidversuch).


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