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Problematik der Retuschierungsmethoden

Subtitle: Ergänzungsmethoden in der Restauration am Beispiel der Stiepeler Dorfkirche

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Britta Heidel
Subject: Art - Architecture / History of Construction

Details

Event: Ganz oder gar nicht? Denkmalpflege und Restaurierung
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Kunstgeschichte)
Tags: Problematik, Retuschierungsmethoden, Ganz, Denkmalpflege, Restaurierung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 2
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V58191
ISBN (E-book): 978-3-638-52455-1
ISBN (Book): 978-3-638-66582-7
File size: 738 KB

Abstract

Die Problematik restauratorischer Maßnahmen steht oft im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen zwischen Kunsthistorikern und Restauratoren. Eine Einigung scheint ganz besonders beim dem Aspekt der Retuschierung nicht ganz einfach bzw. erweist sich als unmöglich. Fakt ist, dass das Gelingen der Retusche entscheidend ist für das Erscheinungsbild des Bildnisses. Eine fehlerhafte Restaurierung kann den künstlerischen und materiellen Wert des Stückes vermindern bzw. verändern. Bei der Retusche wird eine Unterteilung in zwei Gruppen vorgenommen, die Retuschiertechniken und die Ergänzungsmethoden. Der Begriff Retuschierungstechniken beinhaltet den technischen Aufbau bzw. Grundregeln, die für die Durchführung einer Gemälderestaurierung notwendig sind. Die Ergänzungsmethoden gliedern stattdessen den ästhetischen Aufbau. Das Hauptaugenmerk soll hierbei auf die ästhetischen Möglichkeiten gerichtet werden. Die technische Durchführung bildet somit nur einen Aspekt, der nur am Rande erwähnt wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Fehlstellen ergänzt und ausgebessert werden können. Trotz dieser Maßnahmen birgt jede Restaurierung auch Probleme, mit denen sich der Restaurator auseinandersetzen muss. Der Auftrag einer Retusche erfolgt generell unter dem Aspekt der Reversibilität. Es bedeutet, dass die konservativen Mittel immer mit geeigneten Möglichkeiten entfernbar bleiben, damit die originale Umgebung bei einer notwendigen Abnahme des Gemäldes nicht unnötig durch aufwendige restauratorische Eingriffe belastet oder beschädigt wird. Welche Art von Ergänzungsmethoden dem Restaurator zur Verfügung stehen, soll hier erläutert werden. Die Problematik wird abschließend anhand des Beispiels der Stiepeler Dorfkirche diskutiert.


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum, Kunstgeschichte
Hauptseminar: Ganz oder gar nicht? Denkmalpflege und Restaurierung
Sommersemester 2005, 8. Semester

Problematik der Retuschierungsmethoden

von: Britta Heidel

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  3

2 Die Retusche 4

3 Ergänzungsmethoden  6

3.1 Neutralretusche 7
3.2 Trattegio bzw. Rigatino 7

3.2.1 Rigatinoretusche 9
3.2.2 Farbabstraktion (Astracione cromatica)  9

3.2.2.1 Farbselektion (Selezione cromatica) und Goldselektion (Selezione dell´oro)  10

3.3 Normalretusche 10
3.4 Totalretusche bzw. Totalergänzung  11
3.5 Übermalung  12
3.6 Retusche „fragmentierter“ Gemälde 12

4 Problematik der Retuschierungen in der Stiepeler Dorfkirche 14

5 Literatur  15

6 Abbildungsnachweis  16


 

 

1 Einleitung

Die Problematik restauratorischer Maßnahmen steht oft im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen zwischen Kunsthistorikern und Restauratoren. Eine Einigung scheint ganz besonders beim dem Aspekt der Retuschierung nicht ganz einfach bzw. erweist sich als unmöglich. Fakt ist, dass das Gelingen der Retusche entscheidend ist für das Erscheinungsbild des Bildnisses. Eine fehlerhafte Restaurierung kann den künstlerischen und materiellen Wert des Stückes vermindern bzw. verändern. Bei der Retusche wird eine Unterteilung in zwei Gruppen vorgenommen, die Retuschiertechniken und die Ergänzungsmethoden. Der Begriff Retuschierungstechniken beinhaltet den technischen Aufbau bzw. Grundregeln, die für die Durchführung einer Gemälderestaurierung notwendig sind. Die Ergänzungsmethoden gliedern stattdessen den ästhetischen Aufbau. Das Hauptaugenmerk soll hierbei auf die ästhetischen Möglichkeiten gerichtet werden. Die technische Durchführung bildet somit nur einen Aspekt, der nur am Rande erwähnt wird.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Fehlstellen ergänzt und ausgebessert werden können. Trotz dieser Maßnahmen birgt jede Restaurierung auch Probleme, mit denen sich der Restaurator auseinandersetzen muss. Der Auftrag einer Retusche erfolgt generell unter dem Aspekt der Reversibilität. Es bedeutet, dass die konservativen Mittel immer mit geeigneten Möglichkeiten entfernbar bleiben, damit die originale Umgebung bei einer notwendigen Abnahme des Gemäldes nicht unnötig durch aufwendige restauratorische Eingriffe belastet oder beschädigt wird.1 Welche Art von Ergänzungsmethoden dem Restaurator zur Verfügung stehen, soll hier erläutert werden. Die Problematik wird abschließend anhand des Beispiels der Stiepeler Dorfkirche diskutiert. Aufgrund der guten Bildqualität sind für die Illustration der Retuschemethoden vorwiegend Abbildungen aus dem „Handbuch der Gemälderestaurierung“ von Knut Nicolaus verwendet worden.

2 Die Retusche

Bei einer Retusche handelt es sich um die farbige Eintönung einer Fehlstelle in einem Gemälde oder auch bei Wandmalereien und oft ist dies die letzte Arbeit vor einer eventuellen Abschlussfirnis.2 Es ist somit der Eingriff, der am meisten die äußere Erscheinung eines Werkes sowohl im Negativen als auch im Positiven beeinträchtigen kann. Die Retusche liegt somit im Bereich der ästhetischen Ausstrahlung.

In der Malerei handelt es sich allerdings um eine Korrektur durch Übermalen, die vom Künstler selbst durchgeführt wird. Dennoch kann es passieren, dass dieser Unterschied von dem „malenden“ Restaurator kaum beachtet wird.3 Es gibt zahlreiche Fälle, in denen „freizügig“ mit retuschierenden Übermalungen umgegangen wurde. Ein Farbton kann beispielsweise innerhalb einer Fehlstelle nicht richtig getroffen sein, so dass die nähere originale Umgebung dieser Stelle oder das ganze Bild entsprechend eingetönt oder übermalt wurde (Abb.1). In diesem Zug kann es natürlich auch vorkommen, dass Korrekturen oder „Schönungen“ absichtlich, gemäß dem jeweiligen Geschmack und Stil, beim Ergänzen ins Bild gebracht wurden.4 Dabei wurden oft, ohne Rücksicht auf das Original, große, wichtige Details übermalt, die erst nach aufwendiger Abnahme der Restaurierung wieder zum Vorschein kamen. Jeder Restaurator ist demnach durch diese Einflüsse seiner Zeit geprägt bzw. beeinflusst, so dass eine Neutralität gegenüber eines Gemäldes ausgeschlossen ist. Bei solchen Auseinandersetzungen weichen also, wie so oft, Theorie und Praxis auseinander. Schon im 19. Jahrhundert wurde eine absolute Beschränkung der Ergänzung auf die Fehlstellen bzw. der Auspunktierung erhoben. Das wesentliche Intermezzo in der Frage der Fehlstellenergänzung zeigt in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts die Lehre von Pettenkofer. Seine Forderung war, die Erhaltung von Kunstwerken allein in den Verantwortungsbereich der Naturwissenschaften zustellen. Dies deutet auf eine Nähe zum archäologisch-wissenschaftlichen Vorstoß des Klassizismus hin. Allerdings ergibt sich hieraus eine Distanz aufgrund der absoluten Ablehnung jeglicher Ergänzungen. Pettenkofer weist ebenfalls auch daraufhin, dass die von ihm postulierte Neutralretusche keine wirkliche Lösung des Problems aufzeigt, da sie nur einseitig den urkundlichen Charakter des Kunstwerkes berücksichtigt. Die künstlerische Realität und die ästhetische Erscheinung bleiben außeracht.5

Nicht nur im neunzehnten Jahrhundert, sondern auch noch in der heutigen Zeit ist dieser Aspekt nicht unkritisch. Die Problematik dieser Maßnahme steht nach wie vor noch oft im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Kunsthistorikern und Restauratoren. Die Meinungen in den europäischen und amerikanischen Restaurierungszentren gehen trotz regen Erfahrungsaustausches auf Konferenzen oder Symposien weit auseinander.6

[...]


1 Knut Nicolaus: Handbuch der Gemälderestaurierung, Köln 2001, S.260

2 Ebd. S. 257

3 Heinz Althöfer, Rolf E. Straub, Ernst Willemsen: Beiträge zur Untersuchung und Konservierung mittelalterlicher Kunstwerke, Baden-Württemberg 1974, S.47

4 Ebd. S.47

5 Ebd. S.64

6 Knut Nicolaus: S. 257


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