Termpaper, 2001, 21 Pages
Author: Lars-Marten Nagel
Subject: Communications - Media History
Details
Institution/College: University of Leipzig (Historisches Seminar)
Tags: Spiegelaffäre, Strauß, Adenauer, Nato, Kalter Krieg, Medien, Augstein, Spiegel, Pressefreiheit
Year: 2001
Pages: 21
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-13651-8
ISBN (Book): 978-3-638-82659-4
File size: 227 KB
Die Hausarbeit befasst sich mit der Spiegelaffäre anfang der 60er. Dabei wird neben dem historischen Ablauf auch auf das komplexe Spannungsverhältniss zwischen Politik und Medienberichterstattung eingegangen.185 KB
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Abstract
Das Thema der Hausarbeit „Die Spiegelaffäre“ ist in der jüngeren historischen Forschung intensiv behandelt worden. Zu Recht, denn die Affäre ist eines der wichtigsten Ereignisse in der frühen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und prägte das Zusammenspiel zwischen Medien und Politik auf lange Sicht. Die 1962 noch junge Demokratie hatte bis dahin keinen vergleichbaren Fall im Diskurs um die Pressefreiheit erlebt. Bei der Auseinandersetzung, die sowohl auf der politischen und juristischen Ebene als auch auf dem vielschichtigen Terrain der öffentlichen Meinung und medialen Berichterstattung stattfand, wurden Grenzen für die politische Einmischung der Medien erreicht, Spielräume für beide Seiten, die Presse und die Politik, in ihrem Verhältnis zueinander und in ihrer Position zur Demokratie definiert. Diese Hausarbeit befasst sich speziell mit den Wechselwirkungen zwischen der journalistischen Arbeit des Spiegels und der Regierung um Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz-Joseph Strauß, die zur Affäre eskalierten und erhebliche Turbolenzen und Machtverschiebungen innerhalb der Bundesregierung hervorriefen. Die Folgen für Adenauer und Strauß werden detailliert aufgearbeitet und die Rolle der Person Rudolf Augstein wird hinterfragt. Die innen- und außenpolitischen Spannungen dieser Ära, man denke nur an die Kubakrise und die drohende Eskalation des kalten Krieges, werden als Rahmenbedingungen in die Betrachtung einfließen. Die Dimensionen des komplexen Beziehungsgeflechts der Affäre werden in der Hausarbeit miteinander verknüpft, denn eine Reduktion des Sachverhalts auf einen Disput zwischen Spiegel und Bundesregierung oder zwischen Augstein und Strauß wird den historischen Zusammenhängen nicht gerecht. Neben der Auswertung der umfangreichen Sekundärliteratur, wird in der Hausarbeit mit Hilfe von Originalquellen der Ereignisverlauf chronologisch aufgearbeitet und die Bedeutung der einzelnen Akteure und ihrer Handlungen interpretiert.
Excerpt (computer-generated)
Die Spiegelaffäre
von Lars-Marten Nagel
Gliederung
1. Einleitung
2. Ein deutsches Nachrichtenmagazin : Der Spiegel
3. Der Chef: Rudolf Augstein im Spiegel
4. Vor der Affäre: Dimensionen, Rahmenbedingungen, Wechselwirkungen
4.1 Die Massenmedien Anfang der sechziger Jahre
4.2 Adenauers Rückzug
4.3 Aufbau der Bundeswehr und Verteidigungsminister Strauß
4.4 Das Verhältnis des Spiegels zur Bundesregierung
4.5 Die Brisanz des Kalten Krieges
5. Der Auslöser: "Bedingt abwehrbereit"
6. Die Affäre: Politkrimi
6.1 Chronologie der Polizeiaktion
6.2 Die juristische Perspektive
6.3 Das politische Erdbeben
7. Die Folgen: Protest der Massenmedien und Solidarisierung
8. Auswertung: Meilenstein in der Mediengeschichte
8.1 Bedeutung für Strauß
8.2 Bedeutung für Adenauer
8.3 Angriff auf die Pressefreiheit?
9. Quellenangabe
1. Einleitung
Das Thema der Hausarbeit "Die Spiegelaffäre" ist in der jüngeren historischen Forschung intensiv behandelt worden. Zu Recht, denn die Affäre ist eines der wichtigsten Ereignisse in der frühen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und prägte das Zusammenspiel zwischen Medien und Politik auf lange Sicht.
Die 1962 noch junge Demokratie hatte bis dahin keinen vergleichbaren Fall im Diskurs um die Pressefreiheit erlebt. Bei der Auseinandersetzung, die sowohl auf der politischen und juristischen Ebene als auch auf dem vielschichtigen Terrain der öffentlichen Meinung und medialen Berichterstattung stattfand, wurden Grenzen für die politische Einmischung der Medien erreicht, Spielräume für beide Seiten, die Presse und die Politik, in ihrem Verhältnis zueinander und in ihrer Position zur Demokratie definiert.
Diese Hausarbeit befasst sich speziell mit den Wechselwirkungen zwischen der journalistischen Arbeit des Spiegels und der Regierung um Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz-Joseph Strauß, die zur Affäre eskalierten und erhebliche Turbolenzen und Machtverschiebungen innerhalb der Bundesregierung hervorriefen. Die Folgen für Adenauer und Strauß werden detailliert aufgearbeitet und die Rolle der Person Rudolf Augstein wird hinterfragt.
Die innen- und außenpolitischen Spannungen dieser Ära, man denke nur an die Kubakrise und die drohende Eskalation des kalten Krieges, werden als Rahmenbedingungen in die Betrachtung einfließen.
Die Dimensionen des komplexen Beziehungsgeflechts der Affäre werden in der Hausarbeit miteinander verknüpft, denn eine Reduktion des Sachverhalts auf einen Disput zwischen Spiegel und Bundesregierung oder zwischen Augstein und Strauß wird den historischen Zusammenhängen nicht gerecht.
Neben der Auswertung der umfangreichen Sekundärliteratur, wird in der Hausarbeit mit Hilfe von Originalquellen der Ereignisverlauf chronologisch aufgearbeitet und die Bedeutung der einzelnen Akteure und ihrer Handlungen interpretiert.
2. Ein deutsches Nachrichtenmagazin: Der Spiegel
Zunächst soll in verknappter Form Der Spiegel als Nachrichtenmagazin vorgestellt werden. Dabei ist es nicht möglich, die 57-jährige Geschichte des Spiegels ausführlich aufzuarbeiten, sondern es werden lediglich seine Bedeutung für die deutsche Medienlandschaft aber auch die wichtigsten Kritikpunkte an ihm wiedergegeben.
Die Wiege des Spiegels steht in der Britischen Besatzungszone kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, genauer gesagt in Hannover. Britische Offiziere formieren am 14. Oktober 1946 zum ersten Mal eine kleine Mannschaft, mit dem Ziel ein am "Time Magazin" oder dem "News Review" orientiertes Nachrichtenmagazin für Deutschland zu schaffen. Von Anfang an dabei sind Rudolf Augstein und Leo Brawand, die beide in der Geschichte des Spiegels tragende Rollen übernehmen werden. Am 16. November 1946 kommt die neue Zeitschrift noch unter dem Namen "Diese Woche" auf den Markt. Die 15000 Exemplare kosten jeweils eine Reichsmark und werden den Verkäufern aus der Hand gerissen. Die Geschichte des Spiegels beginnt mit einem sensationellen Erfolg.
Wegen heftiger Anfangsturbolenzen, die durch die freche und den Besatzungsmächten gegenüber sehr kritische Haltung der Redaktion ausgelöst werden, wird das Blatt beinahe eingestellt. Doch die Britten lenken unter der Bedingung ein, die Zeitschrift in deutsche Hände zu überführen. Rudolf Augstein steht im zarten Alter von 23 Jahren als einer von drei Lizenznehmern bereit. Am 4. Januar 1947 erscheint statt "Diese Woche" der erste "Der Spiegel". Und Augstein wird der neue Chef.
Die Entwicklung des Spiegels seit diesen Tagen kann man ohne Übertreibung als phänomenal bezeichnen. Zur Zeit liegt die Auflage etwa um eine Millionen je Ausgabe. Herausgeber und Geschäftsführer des Spiegel ist heute noch Rudolf Augstein. Um das einfache Magazin ist eine vielfältige Spiegel-Gruppe entstanden. Neue Zeitschriftenformate wie der Uni-Spiegel, der Kultur-Spiegel oder Spiegelreporter sind auf dem Markt. Sogar Fernsehformate werden von einer Tochter der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG produziert. Inhaber der KG sind die Spiegel-Mitarbeiter, die so an ihrem eigenen Produkt Anteile halten, Rudolf Augstein und das Verlagshaus Gruner + Jahr.
Verantwortlicher Chefredakteur ist zur Zeit Stefan Aust, ihm zur Seite stehen als Stellvertreter Dr. Martin Doerrey und Joachim Preuß. Etwa 115 Redakteure und Bildredakteure arbeiten in den Ressorts des Spiegels, dazu 23 Reporter und Autoren und 30 Spezialisten für Grafik und Layout.
Ein umfangreiches Netz an Redaktionsvertretungen und Auslandskorrespondenten, darunter neun Vertretungen innerhalb Deutschlands und Büros u. a. in Rio de Janeiro, Tokio, Peking, Washington, Paris, London usw., bieten die Basis für die Recherchearbeit.
Das Kredo der Zeitschrift hat sich seit 1946 wenig verändert: Alle Nachrichten sollen Geschichten verarbeitet werden, die den Menschen im Mittelpunkt seines Handelns darstellen. Der Spiegel genießt den Ruf des Meinungsführers. Umfragen haben ergeben, dass zwei Drittel aller deutschen Journalisten ihn regelmäßig lesen.
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