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Stimme und Wahrnehmung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 37 Pages
Author: Daniel Büchner
Subject: Communications: Miscellaneous

Details

Event: Kommunikation und Präsentation
Institution/College: Technische Universität (Sprache und Kommunikation)
Tags: Stimme, Ausdruck, Lachen, Weinen, Atmen, Charakter, Wirkung, Hören
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 37
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V5942
ISBN (E-book): 978-3-638-13653-2

File size: 129 KB
Notes :
Der Arbeit lag ursprünglich eine CD bei, die hier nicht mitgeliefert werden kann.



Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit im Rahmen des Seminars
Kommunikation und Präsentation
Am
Institut für Sprache und Kommunikation
Fachgebiet Medienwissenschaft
TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN

Stimme und Wahrnehmung
Über die o(h)rale Kommunikation

Eingereicht von: Daniel Büchner
Berlin, den 10.4.2002

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG ... 3


1.1 Abgrenzung und Begriffsklärung  ... 4

2. STIMME ALS AUSDRUCKSMITTEL ... 6


2.1 Wahrnehmung von Stimme  ... 7
2.1.1 Stimmlage ... 10
2.1.2 Lautstärke  ... 12
2.1.3 Betonung und Artikulation  ... 13
2.2 Exkurs Lachen und Weinen  ... 16
2.2.1 Lachen ... 16
2.2.2 Weinen  ... 18

3. VERWENDUNG DER STIMME ... 19


3.1 Bewusster Stimmeinsatz  ... 21
3.1.1 Rapport ... 22
3.1.2 Freies Sprechen  ... 23
3.2 Stimme und Atmung  ... 26
3.2.1 Schlaffhorst-Andersen Schule ... 27
3.2.2 Kenley-Methode ... 28

4. ZUSAMMENFASSUNG ... 28

LITERATURVERZEICHNIS  ... 31
TEXT-ANHANG ... 33
AV-ANHANG  ... 37

1. Einleitung

Stimme ist Energie. Jeder hat sich schon davon überze ugen können, dass die Stimme ganz entscheidenden Einfluss auf die Umwandlung von Kräften in der zwischenmenschlichen Kommunikation besitzt. Sei es um diese Kräfte zu generieren und weiterzugeben oder um selbige abzuschwächen. Ganz offensichtlich muss die menschliche Stimme, als „Abfallprodukt“ des Ausatmens, weit mehr Anwendungsmöglichkeiten als die bloße Entwicklung von Geräuschen besitzen. Durch die Stimme teilen wir uns mit und nehmen andere wahr. Unabhängig von der Verständlichkeit der genutzten Sprache informiert man über seinen Gemütszustand, lehnt ab oder befürwortet, warnt oder besänftigt, motiviert oder langweilt.
Diese Beobachtung lässt sich sogar auf das Tierreich, wo der Inhalt des Gesagten unberücksichtigt werden kann, erweitern. Es ist unwahrscheinlich, dass beispielsweise Hunde menschliche Worte verstehen. Trotzdem lassen sie sich so abrichten, dass sie auf bestimmte, unterschiedliche Kommandos reagieren. Wer sich einem, möglicherweise aggressiven Tier nähert, versucht es dabei zu beruhigen. Das geschieht nicht nur durch die Körpersprache, sondern hauptsächlich über den Klang der Stimme.
Die folgenden Kapitel widmen sich dieser Thematik. Es soll aufgezeigt werden, wie sich Kommunikation effizienter gestalten lässt. Ausgehend vom Sender – Empfänger Modell nach Schulz von Thun wird der stimmliche Aspekt dieser Interaktion betrachtet, um im folgenden Möglichkeiten des bewussten Agierens aufzuzeigen. Bild: Grundmodell der zwischenmenschlichen Kommunikation (nach: Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 1, 1998)
Die begriffliche Trennung zwischen Sprechen und Hören wird dabei überschritten: zur Form des Stimmeinsatzes soll die erzielte Wirkung beim Rezipienten, Möglichkeiten des bewussten Einsatzes und die sensitive Wahrnehmung angesprochen werden. Die Stimme ist ein Instrument im menschlichen Miteinander und als solche, wird sie angewendet: intuitiv, ohne Bedienungsanleitung, durch Nachahmung, bewusst und unbewusst, authentisch oder manipulativ. Man könnte ein ganzes Buch verwenden, um die brillanten Umwege der Stimme aufzuzeigen, ihren Besitzer davor zu schützen, erkannt zu werden. Menschen und ihre Stimmen haben sich darin zu Experten entwickelt, einen harten, aggressiven Gewinner zu verkünden, um einen verängstigten, unsicheren kleinen Jungen abzuschirmen; Stimmen, die seufzen oder flüstern, um die Stärke einer Frau zu verkleiden, die unbewusst weiß, dass sie in einer Männerwelt Schwäche vortäuschen muss, um etwas zu erreichen; Stimmen, die reich, entspannt und tief sind, um Leistung und Vertrauen zu signalisieren. 1 Die falsche Stimme kann auf eine vorzügliche Doppelzüngigkeit abgestimmt sein. Die richtige Stimme kann falsch und die Wahrnehmung gestört sein.

1.1 Abgrenzung und Begriffsklärung

Der genannte Sachverhalt macht eine umfangreiche Abgrenzung notwendig. Obwohl es zum breiteren Verständnis beitragen würde, kann und soll auf anatomischorganische Bestandteile und Vorgänge nicht eingegangen werden. Genauso wenig sollen rhetorische und semantische Aspekte untersucht werden, wobei außer Frage steht, dass diese ganzen entscheidenden Einfluss auf die Kommunikativität haben. Gleiches gilt für den Einsatz körpersprachlicher Mittel, wie Mimik, Gestik oder Körperhaltung und Distanz zum Kommunikationspartner, die in jedem Fall die übermittelte Botschaft beeinflussen.
Was das vorliegende Werk dagegen bieten möchte, ist eine grundlegende und vorwiegend auf den Quellen beruhende Einführung in die Mechanismen der Wahrnehmung der Stimme. Trotzdem dürfen meine Ausführungen nicht als erschöpfende und vollständige Aufzählung betrachtet werden. Hingegen eröffnet sich dem begabten Leser die Möglichkeit, eigenes und fremdes Verhalten bewusster wahrzunehmen, sowie selbstverständlich auch den eigenen Stil zu entwickeln. Ähnlich der Unterteilung der Kommunikation in die Sach- und Beziehungsebene (nach Schulz von Thun) wird der Stimmeinsatz in drei Bereiche untergliedert. Die linguistische Ebene2 repräsentiert das digitale Prinzip der Codierung in der Schriftsprache. In der deutschen Sprache bspw. existieren 30 Buchstaben, die je nach Anordnung verschiedene Aussagen ergeben. Diese Anordnungen sind eindeutig, denn wenn z.B. das Wort „Garten“ um den ersten Buchstaben reduziert wird, verbleibt „arten“. Je nach Kontext kann das aber auch das Fragment eines anderen Wortes, wie „Karten“ sein und damit einen völlig andern Sinn aufweisen. Das Fragment als ein bisschen „Garten“ auszulegen funktioniert nicht, da eben diskrete Zuordnungen (ohne Zwischenräume) existieren. Die paralinguistische Ebene ist im Gegensatz dazu stufenlos regelbar, denn deren Elemente werden in der direkten Kommunikation individuell moduliert. Der Satz „Kannst Du bitte einparken.“ verändert mit dem Wechsel des paralinguistischen Mittels Lautstärke auch seine Bedeutung, die über den Informationsgehalt der linguistischen Ebene hinausgeht. Charakteristisch für diese Elemente ist der Ausdruck von Emotionen und Stimmungen, die zeitliche enge Eingrenzung, die Bindung an das gewählte Medium (gesprochene paralinguistische Mittel lassen sich nur schwer schriftlich darstellen) und die bereits erwähnte, stufenlos regelbare Informationsvermittlung.

Es verbleibt die extralinguistische Ebene, die unabhängig von der Sach- und Beziehungsebene, immer gegenwärtige Stimmeigenschaften beschreibt. Neben den individuellen Eigenschaften, wie näseln oder knarrender Klang gehört dazu auch der Dialekt oder die anatomischen Gegebenheiten von Bass, Tenor bzw. Männer- und Frauenstimme.

[...]

1 Linklater, K., 1997, S. 31
2 Eckert, H., 1994, S. 24 ff


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