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Die Rolle der katholischen Kirche in der aktuellen Bioethik- Debatte in der Bundesrepublik Deutschland

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 23 Pages
Author: Aleksandra Grzenda
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24  Entries
Language: German
Archive No.: V59776
ISBN (E-book): 978-3-638-53620-2

File size: 216 KB


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister- Scholl- Institut für Politische Wissenschaften
Hausarbeit in dem Hauptseminar: Religion und Gesellschaft
Wintersemester 2004/05

Die Rolle der katholischen Kirche in der aktuellen
Bioethik- Debatte in der Bundesrepublik Deutschland

von: Aleksandra Grzenda

 


I N H A LT S V E R Z E I CH N I S

EINLEITUNG

1. Das Konzept der Menschenwürde

1.1 Die theologisch verstandene Menschenwürde und das christliche Menschenbild
1.2 Die philosophisch verstandene Menschenwürde

2. Grundhaltung der katholischen Kirche

2.1 Dokumente der katholischen Kirche zur Bioethik
2.2 Grundlegende Überzeugungen und katholische Haltung zu einigen biotechnologischen Entwicklungen

3. Kirche und Staat als Partner in der Bioethikdebatte

3.1 Bewertung

4. Das gesellschaftspolitische Engagement der katholischen Kirche in der Bioethikdebatte

4.1 Die Bewertung der gesellschaftspolitischen Rolle der Kirchen

5. Der Wandel im Image der katholischen Kirche

ZUSAMMENFASSUNG

Literaturverzeichnis
Quellenverzeichnis


 


 

EINLEITUNG

„Nichts will er[der Mensch] so, wie es die Natur gebildet hat, nicht einmal den Menschen”1. Gemeint hat Jean Jacques Rousseau damit vor allem den Sittenverfall durch Fortschritt. Fortschritt trieb die Menschen in einen Konkurrenzkampf, der die von Rousseau positiv bewertete Selbstliebe (`amour de soi´) in die Selbstsucht (`amour propre´) umschlagen ließ. Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik, Stammzellenforschung und Klonen sind nur einige der Schlagwörter, die für den modernen Fortschritt der Wissenschaft stehen, der unsere Gesellschaft in einen Umbruch versetzt und die Grenzen des Lebens immer mehr zerfließen lässt. Der Mensch dringt in ein für ihn bis vor kurzem noch unerreichbares Gebiet vor- nämlich an die Quelle seiner Existenz. Der biomedizinische Fortschritt erzeugt einerseits Hoffnungen vor allem auf die Heilung von Krankheiten, anderseits baut er aber Ängste auf, indem er die Basis unseres menschlichen Selbstverständnisses erschüttert.

Dabei steht die Frage, in wie weit der Mensch in seine eigene Schöpfung eingreifen darf oder soll, an zentraler Stelle des biopolitischen Diskurses, ergänzt durch die Diskussion über potentielle Gefahren und über Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Als wichtigster Akteur neben dem Staat agiert dabei in der Bundesrepublik Deutschland die Kirche.2

Vor allem die katholische Kirche lehnt jegliche Forschung am Menschen ab und bedauert den Sitten- und Werteverfall. Dabei appelliert sie in der Bioethikdebatte als Vermittler des christlichen Menschenbildes an alle Menschen und ruft auf zum unbedingten Schutz des Lebens, welches nach der katholischen Lehre mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle beginnt, zur Achtung der Menschenwürde und zur Beschränkung der Forschung, die den Menschen zu seinem eigenen Schöpfer werden lässt.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der katholischen Kirche in der aktuellen Bioethik- Debatte in der Bundesrepublik Deutschland. Ich möchte hierbei weniger die Sichtweise und Meinung der Vertreter der katholischen Kirche, wie zum Beispiel die Aussagen des Papstes und die Stellungnahmen der Deutschen Bischofskonferenz zur Bioethik, vorstellen,3 sondern vor allem hinterfragen, wie sich die katholische Kirche in dieser Debatte präsentiert, an welchen Bioethik- relevanten Aktivitäten, politischen Institutionen und Organisationen es sich beteiligt und wie das Engagement der beiden christlichen Kirchen in der Bevölkerung bewertet wird. Hierbei möchte ich von der These ausgehen, dass die katholische Kirche als höchst kompetenter Akteur an der Bioethik- Debatte Anteil nimmt und dass sie- im Gegensatz zu der heftigst umstrittenen Debatte über den Schwangerschaftsabbruch in den 1960er Jahren- diesmal ihren Ruf beim Volk stark zu ihrem Vorteil verbessert hat.

1. Das Konzept der Menschenwürde

Um die Grundhaltung der katholischen Kirche zur Bioethik darzustellen, möchte ich zunächst das Konzept der Menschenwürde vorstellen.

1.1 Die theologisch verstandene Menschenwürde und das christliche Menschenbild4

„Menschenwürde“ deutet auf den inneren Wert oder die Ehrbarkeit jedes Menschen. Im Abendland hat der Begriff der Menschenwürde seine Wurzeln im jüdischen/christlichen Glauben, dass Gott den Menschen in seinem Ebenbild erschaffen hat.5 Der Ursprung des Daseins und des Wesens des Menschen liegt in Gott und es gehört zur Würde des Menschen, zur Gemeinschaft mit Gott berufen zu sein. Das II. Vatikanum mahnt: „Mögen alle daran denken: Das menschliche Leben und die Aufgabe , es weiterzuvermitteln, haben nicht nur eine Bedeutung für diese Zeit und können deshalb auch nicht von daher allein bemessen und verstanden werden, sondern haben immer eine Beziehung zu der ewigen Bestimmung des Menschen“6.

[...]


1 Rousseau, J.J.: Emil oder über die Erziehung, übersetzt von H. Denhardt, Reklam, Leipzig, 1910, Band 1, Seite 13.

2 Hier als allgemeiner Begriff für die beiden großen christlichen Religionen in Deutschland zu verstehen.

3 Bei dieser Darstellung wird als Grundlage zum Verständnis vor allem das christliche Menschenbild bzw. die christliche Sichtweise der Menschenwürde heran genommen.

4 Es handelt sich um eine Zusammenfassung aus Vögele, W.: Menschenwürde zwischen Recht und Theologie: Begründung von Menschenrechten in der Perspektive öffentlicher Theologie, Güttersloh 2000 und Graf, R.: Klonen–Prüfstein für die ethischen Prinzipien zum Schutz der Menschenwürde, St. Ottilien, 2003, S. 235- 272.

5 Bibel, Das Alte Testament, Genesis 1,27.

6 Das II. Vatikanische Konzil, Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute: Gaudium et spes, Abschnitt 51; abgerufen unter: http://www.stjosef.at/index.htm?konzil/konzil.php~mainFrame.


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